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Wie jede Führungskraft im Personalwesen bestätigen wird, gehören Krisen unvermeidlich zum Job. Schwierige Situationen treten auf, und oft liegen sie außerhalb unserer Kontrolle. Wie können Unternehmen eine Krise meistern und sie langfristig zu ihrem Vorteil nutzen? In dieser Interviewserie sprechen wir mit erfahrenen HR-Leader:innen, die ihre Strategien teilen, wie sie den Sturm überstanden und eine Krise in eine Chance verwandelt haben.

photo of Paaras Parker

Paaras Parker

Paaras Parker ist Chief Human Resources Officer bei Paycor. Sie ist eine erfahrene Führungspersönlichkeit mit umfassender Erfahrung in den Bereichen Talentgewinnung, Organisations- und Führungsentwicklung, Diversität, Gleichstellung & Inklusion und Lernen und hatte bereits Führungspositionen im Personalmanagement bei Macy’s und Global Novations inne.

 

Derzeit widmet sie sich dem weiteren Aufbau und der Weiterentwicklung der dynamischen Unternehmenskultur von Paycor, der Gewinnung und Entwicklung talentierter Menschen und gibt ihnen die Möglichkeit, erfolgreich zu sein. Paaras kam 2022 von Kroger zu Paycor, wo sie zuletzt als Head of HR für 84.51°, Krogers Technologie-, Digital- und alternative Ertragsdivision, tätig war.

Hallo Paaras, willkommen in der Serie. Können Sie uns von einer Situation erzählen, in der ein Unternehmen, bei dem Sie tätig waren, in eine Krise geraten ist? Was ist passiert und was haben Sie unternommen?

Die COVID-19-Pandemie war eine entscheidende Erfahrung, die uns alle auf die eine oder andere Weise betroffen hat. Wir sprechen schon seit Jahren über die Auswirkungen von COVID-19, doch es war eine der größten Herausforderungen, die meine tägliche Herangehensweise an Arbeit grundlegend verändert hat. 

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Als Unternehmen haben wir in allen Formen der Kommunikation noch eine Schippe draufgelegt, um in dieser Zeit gewaltiger Veränderungen sicherzustellen, dass die Botschaften klar, zeitnah und präzise waren. Unser Führungsteam führte täglich von Montag bis Sonntag Besprechungen, um die Ausrichtung, alle Änderungen oder Updates sowie Inhalte und Empfänger der Kommunikation effektiv festzulegen.

Wir haben den Austausch mit Mitarbeitenden, Kund:innen und Partner:innen zu jeder Zeit aufrechterhalten – auch wenn wir selbst noch nicht alles wussten. 

Ich habe gelernt, dass es besser ist, das zu teilen, was man weiß, als zu lange zu schweigen. In einer Krise ist es ganz natürlich, dass Menschen die Stille mit eigenen Annahmen füllen. Zu kommunizieren, was bekannt ist, hilft dabei, Vertrauen und Zuversicht zu schaffen. 

Wie war Ihre Einstellung in dieser schwierigen Zeit? Woher nahmen Sie die Kraft, weiterzumachen, als alles so hart war?

Ich war empathisch. Wir alle waren es. Jede:r war zur gleichen Zeit von COVID-19 betroffen. Es gab vielleicht unterschiedliche Beweggründe, aber eine Krise lässt wenig Raum für Stabilität, sodass es umso spannender ist, wenn man sich auf eine Vision einigen oder eine Lösung finden kann.

Mein Team und ich haben in dieser Zeit so viel erreichen können, weil wir einen Plan hatten. Wir haben überkommuniziert, um ständige Abstimmung zu zeigen, mussten Projekte priorisieren und Aufgaben delegieren, um effizient zu sein.

Am wichtigsten war, dass wir sowohl unsere Erfolge als auch unsere Rückschläge gefeiert haben. Das hat mich wirklich getragen und mir ermöglicht, jeden Tag wieder voller Energie und Motivation anzutreten. 

Können Sie bitte schildern, wie Sie diese Widrigkeiten überwinden konnten und wie das Unternehmen die Krise letztlich in eine Chance oder einen Vorteil verwandelt hat? Wie sah das nächste Kapitel aus?

Allgemein gesprochen sind Menschen in Krisenzeiten eher motiviert, Dinge zu erreichen und sich erfolgreich zu fühlen. Wenn eine Krise eintritt, wird natürliche Adrenalin ausgeschüttet und der Wunsch, sich einzubringen, wächst.

Der Schlüssel in der Krise liegt darin, konkret zu vermitteln, wie „gut“ in diesem Moment aussieht – und diese Vorstellung den Mitarbeitenden weiterzugeben. Die Kommunikation muss klar sein und das Ziel greifbar, damit alle zielgerichtet darauf hinarbeiten können.

authority magazine interview with Paraas Parker quote graphic

Unsere Mitarbeitenden mussten neue Wege der Zusammenarbeit lernen – in Zoom-Meetings statt bei Begegnungen vor Ort. Als Führungsteam haben wir unsere Mitarbeitenden regelmäßig über Gesundheitsthemen, Sicherheitsaspekte sowie die aktuelle Geschäftsentwicklung in unsicheren Zeiten informiert. 

Wenn man klar benennen kann, wie es dem Unternehmen geht und was Erfolg konkret bedeutet, gelingt es, schwierige Zeiten souverän zu navigieren. Ich glaube, nur mit dieser Herangehensweise kann man gestärkt und als Gewinner aus einer Krise hervorgehen. 

authority magazine interview with Paraas Parker quote graphic

Hier ist die Kernfrage unseres Interviews: Können Sie auf Basis Ihrer Erfahrung fünf umsetzbare Ratschläge für HR-Verantwortliche nennen, wie Unternehmen eine Krise in eine Chance oder einen Vorteil verwandeln können?

1. Benennen

Was „benennen“ in einer Krise wirklich bedeutet, ist, dass man den Dingen einen Namen gibt. Benennen Sie, dass Sie wissen, dass etwas passiert, und falls es bereits einen Begriff dafür gibt – sprechen Sie es aus. 

Im März 2020 war unser "es" und die Krise eine globale Pandemie namens COVID-19. In einer Krise muss man sich ihr direkt stellen, zum Beispiel: "Wir durchleben COVID-19 als Unternehmen, Gemeinschaft und Gesellschaft und unser Engagement für Sie und unsere Kunden ist…"

Man sollte nicht so tun, als ob es keine Krise gäbe, sondern Empathie zeigen für das Gefühl der Ungewissheit und beginnen, den Rahmen zu schaffen, was die Menschen von Ihnen erwarten können, während Sie die Krise gemeinsam durchstehen.

2. Kommunizieren

Richten Sie eine Kommunikationsroutine ein. Klären Sie, wer Ihre Stakeholder sind, welche Informationen sie benötigen und wie Sie diese am besten übermitteln. 

Stellen Sie außerdem sicher, dass Ihr Unternehmen weiß, auf welche Experten Sie sich stützen und von wem Sie sich leiten lassen. Im Fall der Pandemie war die CDC eine zentrale Ressource, die genutzt wurde.  

Es ist wichtig, diese Parameter festzulegen, damit die Menschen Vertrauen in Ihre Entscheidungen als Führungskraft haben und verstehen, woher und von wem Ihre Fakten und Daten stammen. 

3. Priorisieren

Priorisieren ist ein ganz wichtiger Punkt. In Krisenzeiten muss man oft doppelt so stark priorisieren, um die wichtigsten Dinge sicherzustellen. 

Keine Krise ist gleich, und die Art der Krise entscheidet, wie man darauf reagiert. Als ich zum Beispiel im Einzelhandel gearbeitet habe und ein schwerer Sturm eine Region betraf und die Filialen schließen mussten, konnten wir grundsätzlich nicht weiterarbeiten wie bisher und mussten das auch anerkennen. Wir mussten die Arbeit neu und nachhaltig priorisieren, sodass sie erledigt werden konnte, bis wir unser neues "Normal" wiederhergestellt hatten. 

Sicherzustellen, dass die wichtigsten Prioritäten wirklich klar sind, ist entscheidend, damit die Menschen wissen, was sie nicht mehr tun müssen und ihre Arbeit entsprechend priorisieren können.

4. Delegieren

Menschen wollen von Natur aus helfen, deshalb sollte man erkennen, wer am besten geeignet ist, die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. 

Dies ist der Wendepunkt in einer Krise, an dem Sie Menschen auf neue Weise entwickeln können, wie es vorher vielleicht nicht möglich war. Sind die Personen erkannt, liegt der nächste Teil im Delegieren darin, Raum zu geben, damit sie liefern, neue Aufgaben ausprobieren, Fehler machen und wachsen können.

5. Feiern 

Feiern Sie und erkennen Sie es an, wenn Dinge gut laufen. Feiern Sie so oft wie möglich und heben Sie auch diejenigen hervor, die besonders engagiert sind oder außergewöhnliche Momente schaffen.

Feiern Sie nicht nur die Erfolge. Stehen Sie auch dazu, wenn etwas nicht klappt – es ist in Ordnung, zu scheitern und es erneut zu versuchen!

Seien Sie verletzlich und offen für neue Arbeitsweisen, Lernmethoden und Veränderungen. Das zeigt den Mitarbeitenden, dass sie nicht immer perfekt sein müssen, dass auch Sie nicht immer perfekt sind – und dass das völlig in Ordnung ist. Es zeigt, dass Sie flexibel sind, Kursänderungen bewältigen und sich anpassen können. Gleichzeitig legt es die Grundlage, diese Verhaltensweisen nach der Krise zu nutzen und davon zu profitieren. 

Nutzen Sie diese Zeit, um neue Denkweisen und Routinen zu entwickeln, die nicht nur durch die Krise helfen, sondern hoffentlich auch Ihr Wachstum und Ihre Erfolge danach beschleunigen. 

Was sind einige der häufigsten Fehler, die Sie bei Führungskräften sehen, wenn ihr Unternehmen in eine Krise gerät? Was sollte getan werden, um diese zu vermeiden?

Oft wollen Führungskräfte Vertrauen schaffen und einen durchdachten Plan präsentieren, weshalb sie zu lange zögern, um zu handeln. Ich glaube, diese Fehler stammen von einem guten Ursprung, aber schnell zu kommunizieren – auch wenn man bald danach die Richtung ändern muss – ist in Ordnung. 

Ich finde es wichtig, die Dinge beim Namen zu nennen und zu sagen: "Hey, wir kommen so schnell wie möglich auf Sie zu; wir teilen die Informationen, sobald wir sie haben." Das bedeutet auch, dass wenn sich etwas ändert, Sie sich verpflichten, die Informationen zu aktualisieren, sobald sie relevanter werden.

Ich beobachte oft die Tendenz, auf weitere Informationen zu warten oder erst zu sehen, was andere machen – was besonders für ein börsennotiertes Unternehmen wichtig ist. Wenn Sie jedoch ehrlich sind, das teilen, was Sie wissen, sobald Sie es wissen, und die Erwartungshaltung setzen, dass sich Dinge auch ändern können, bringt das viel.

Welchen Rat würden Sie HR-Leitungen und Organisationen geben, die noch keine echte Krise erlebt haben?

Arbeiten Sie zuerst daran, eine gute Beziehung zu Ihrem CEO aufzubauen. Eine offene und ehrliche Kommunikationslinie mit dem CEO ist ein Grundpfeiler für den Geschäftsbetrieb – egal, ob Sie im Krisenmodus sind oder nicht. 

Wenn Sie sich in einer Situation befinden, in der Sie keine Krise erlebt haben, nehmen Sie sich die Zeit, über ein oder zwei beinahe-Krisen nachzudenken und erstellen Sie dafür einen Plan. Selbst wenn Sie nicht genau wissen, wie eine Krise aussieht, können Sie sich darin üben, solche Pläne auszuführen – und das wird mit der Zeit zur Routine.

Wenn Sie diese Pläne erstellen, teilen Sie sie Ihrem Team mit und besprechen Sie, welche Rolle jeder spielt. Warten Sie nicht auf eine Krise, um einen Plan zu schmieden – suchen Sie ein Beispiel aus der Vergangenheit und lernen Sie daraus für Ihr zukünftiges Vorgehen.

Wenn Sie eine Bewegung ins Leben rufen könnten, die das größte Gute für die meisten Menschen bewirken würde, was wäre das? Sie wissen nie, was Ihre Idee bewirken kann. :-)

Freundlichkeit! Wenn wir eine kollektive Bewegung der Freundlichkeit initiieren könnten, könnten wir so viel bewegen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn Menschen mit Freundlichkeit führen und immer positive Absicht voraussetzen würden. 

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Finn Bartram

Finn ist Redakteur bei People Managing People. Er setzt sich leidenschaftlich dafür ein, Organisationen zu gestalten, in denen Menschen sich kontinuierlich weiterentwickeln und wirklich gerne zur Arbeit kommen. Ist er nicht am Schreibtisch, treibt er Sport oder genießt die Natur.