Kompetenzbasiertes Lernen stellt eine tiefgreifende Transformation der Weiterbildung am Arbeitsplatz dar.
Die Zeiten statischer Schulungsprogramme und Einheitslösungen sind vorbei. Stattdessen sind individuelle Weiterentwicklung und das Beherrschen spezifischer Kompetenzen erforderlich, um in ihren Rollen zu glänzen und sich an neue Fertigkeiten anzupassen, die in einer sich verändernden Wirtschaft gefordert werden.
In diesem Artikel erkläre ich das Konzept des kompetenzbasierten Lernens und erörtere, warum dieser Ansatz für das Lernen und die Entwicklung sowohl für die Organisation als auch für die Mitarbeitenden vorteilhaft ist.
Was ist kompetenzbasiertes Lernen?
Kompetenzbasiertes Lernen ermöglicht es Mitarbeitenden, sich spezifische, relevante Kompetenzen für ihre aktuelle oder zukünftige Tätigkeit anzueignen und anzuwenden. Während traditionelle Schulungsmethoden Wert auf eine breite Ausbildung oder generische Zertifikate legen, konzentriert sich das kompetenzbasierte Lernen auf die Fähigkeiten, die für den Erfolg in einem bestimmten Job notwendig sind.
Dieser Lernansatz stellt sicher, dass das Training äußerst relevant und unmittelbar anwendbar ist, sodass Mitarbeitende in ihren Positionen effektiver werden.
Durch das Identifizieren der für das Unternehmenswachstum wichtigsten Kompetenzen steigert kompetenzbasiertes Lernen nicht nur die individuelle Leistung, sondern unterstützt auch die übergeordneten strategischen Ziele der Organisation.
Mehr als nur technische Kompetenzen
Ein häufiger Irrtum über kompetenzbasiertes Lernen ist, dass es sich ausschließlich auf die Entwicklung technischer Fähigkeiten konzentriert. Das stimmt jedoch keineswegs.
Tatsächlich sind laut McKinsey & Company von den 56 grundlegenden Kompetenzen, die Mitarbeitende künftig benötigen, um erfolgreich zu sein, nur 11 dem technischen oder digitalen Bereich zuzuordnen. Die Mehrzahl dieser wichtigen Fähigkeiten liegt in Bereichen wie kritisch-analytischem Denken, Beziehungsaufbau und Kommunikation, was die vielfältige und ganzheitliche Ausrichtung des kompetenzbasierten Lernens verdeutlicht.
Einige der von McKinsey & Company erfassten Kompetenzen sind nicht neu, sondern nur neu bedeutsam. Grundlegende Fähigkeiten wie kritisches Denken und Teamfähigkeit waren schon immer entscheidend.
Gerade in der heutigen Wirtschaft haben diese Kompetenzen jedoch enorm an Relevanz gewonnen. Das Tempo und die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt erfordern Mitarbeitende, die diese Kompetenzen gezielt zur Erreichung von Geschäftszielen einsetzen. Da künstliche Intelligenz immer stärker verbreitet ist, wird sich daran in absehbarer Zeit nichts ändern.
Warum ein kompetenzbasiertes Lernen annehmen?
Ein kompetenzbasierter Lernansatz passt zu dem Trend, eine kompetenzbasierte Organisation zu werden, was immer üblicher wird, da Unternehmen Rollen und die Art der Arbeit überdenken.
Daneben gibt es mehrere Faktoren, die den Wandel zum kompetenzbasierten Lernen vorantreiben. Diese umfassen:
Produktivität
Laut einer Studie des Institute for Corporate Productivity geben nur 30 % der Unternehmen an, dass ihre Mitarbeitenden die benötigten Kompetenzen besitzen, aber nur 10 % verfügen über eine Kompetenzdatenbank oder -übersicht.
Indem Organisationen kompetenzbasiertes Lernen priorisieren, stellen sie sicher, dass ihre Belegschaft mit den spezifischen Fähigkeiten ausgestattet ist, die sie benötigen, um in ihren Rollen erfolgreich zu sein und somit die Produktivität zu steigern.
Vielseitigkeit und Agilität
Eine Studie von Deloitte ergab, dass 65 % der Beschäftigten angeben, dass sich die für ihre Arbeit erforderlichen Kompetenzen allein in den letzten zwei Jahren verändert haben.
Die sich wandelnde Arbeitswelt bewertet Vielseitigkeit und Agilität zunehmend hoch. Wenn Mitarbeitende mit neuen Kompetenzen ausgestattet werden, die sich auf unterschiedliche Rollen anwenden lassen, können Organisationen flexibler auf veränderte Aufgaben und Verantwortungen reagieren.
Engagement und Bindung
Eine weitere Studie von Deloitte zeigt, dass 77 % der Führungskräfte der Meinung sind, ihre Organisationen sollten Mitarbeitende mittels relevanter Kompetenzentwicklung beschäftigungsfähiger machen, aber nur 5 % glauben, dass sie ausreichend in einen effektiven Schulungsansatz investieren.
Ein kompetenzbasierter Ansatz fördert das Engagement und die Bindung von Mitarbeitenden, indem er Schulungen bietet, die sie nicht nur benötigen, sondern auch wünschen. Das erhöht die Arbeitszufriedenheit und senkt die Fluktuation, wodurch Unternehmen die erheblichen Kosten für Rekrutierung und Einarbeitung sparen.
Vorteile für Mitarbeitende
Mitarbeiter:innen setzen aus einem einfachen Grund auf kompetenzbasiertes Lernen: Sie – genau wie ihre Führungskräfte – erkennen die Zeichen der Zeit.
Persönliches Wachstum und beruflicher Aufstieg
91 % der Arbeitnehmer:innen sind aktiv auf der Suche nach neuen Kompetenzen. Ein kompetenzbasierter Lernansatz kann klare Wege für die persönliche Entwicklung und den beruflichen Fortschritt aufzeigen.
Relevanz und Praxisbezug
Kompetenzbasiertes Lernen stellt sicher, dass die erworbenen Fähigkeiten relevant für die angestrebten Ergebnisse sind, praktisch anwendbar sind und dem aktuellen sowie zukünftigen Marktbedarf entsprechen. Mitarbeitende schätzen Schulungen, die sie unmittelbar in ihrer Arbeit anwenden können, was ihre Arbeitsleistung und ihr Engagement steigert.
Anpassungsfähigkeit
Kompetenzbasiertes Lernen befähigt Mitarbeitende dazu, flexibel auf veränderte Lernbedarfe zu reagieren und schnell neue Kompetenzen zu erwerben.
Herausforderungen des kompetenzbasierten Lernens
Kompetenzbasiertes Lernen klingt also ziemlich ideal, oder? Mag sein, aber es ist nicht frei von Herausforderungen. Dazu zählen zum Beispiel:
- Ressourcenintensiv – Erfordert erhebliche Investitionen in Materialien, Ausrüstung und Weiterbildung der Lehrkräfte.
- Schwierige Leistungsbewertung – Die Bewertung praktischer Fähigkeiten und Kompetenzen ist oft herausfordernder als herkömmliche Prüfungsverfahren und verlangt den Einsatz robuster Bewertungsinstrumente und -kriterien.
- Lehrplanentwicklung – Erfordert die Ausrichtung der Lernziele auf spezifische Kompetenzprofile, Branchenstandards und angebotene Programme im eigenen Learning Management System (LMS).
- Fachwissen der Lehrkräfte – Lehrkräfte benötigen möglicherweise zusätzliche Schulungen, um praktische Kompetenzen effizient vermitteln und bewerten zu können, insbesondere wenn sie bisher an traditionelle Lehrmethoden gewohnt sind.
- Widerstand bei Lernenden – Einige Lernende fühlen sich mit klassischen Lernformen wohler oder tun sich mit dem praxisorientierten Ansatz des kompetenzbasierten Lernens schwer.
- Skalierungsprobleme – Es ist schwierig, große Gruppen zu betreuen, insbesondere in Umgebungen mit begrenzten Ressourcen und Einrichtungen.
Weitere Informationen zur Entwicklung eines kompetenzbasierten Ansatzes für Arbeit und Lernen in Ihrem Unternehmen finden Sie im People Managing People Newsletter. Dort erhalten Sie alle aktuellen Trends zu Weiterbildung und Personalentwicklung direkt in Ihr Postfach!
