Seit die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 11. März 2020 das Coronavirus (Covid-19) zur Pandemie erklärt hat, arbeiten viele Angestellte von zu Hause. Für das amerikanische Kommunikationstechnologie-Unternehmen Zoom Video Communications führte diese Situation zu einem explosionsartigen Anstieg von 10 Millionen auf über 200 Millionen tägliche Teilnehmer innerhalb von drei Monaten (Quelle).
Obwohl Zoom daran arbeitet, ein neues Verständnis des Arbeitsplatzes zu schaffen, bringt es erhebliche Probleme mit sich, dass Arbeitnehmer nun ausschließlich an ihr Zuhause gebunden sind – insbesondere mit Blick auf psychische Gesundheitsprobleme. Eines der Themen, das dabei in den Vordergrund getreten ist, ist das sogenannte „Zoom-Burnout“.
Im Zeitalter des Zoom-Arbeitsplatzes müssen Führungskräfte beginnen, psychische Gesundheit am Arbeitsplatz neu zu überdenken. Dieser Artikel beleuchtet, wie der durch Zoom-Meetings ermöglichte neue Arbeitsplatz die schon vor der Pandemie existierenden Probleme mit psychischer Gesundheit noch verschärfen kann. Wir geben zehn Tipps zur Verbesserung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz, an dem die Vernetzung der Mitarbeitenden über Zoom-Meetings erfolgt.
Verbreitung psychischer Gesundheitsprobleme am Arbeitsplatz
Da der Arbeitsplatz als Mikrokosmos der Gesellschaft gelten kann, aus der die Beschäftigten stammen, erscheint es sinnvoll, zunächst auf die Verbreitung psychischer Erkrankungen in der allgemeinen Bevölkerung zu schauen.
Laut WHO-Bericht „leiden weltweit schätzungsweise 264 Millionen Menschen an Depressionen, einer der führenden Ursachen für Behinderungen, wobei viele dieser Menschen auch unter Angstsymptomen leiden.“ Dies kostet die Weltwirtschaft jährlich „US$ 1 Billion an Produktivitätsverlusten“ (Quelle).
Wenn der Zoom-Arbeitsplatz eine eigene, neue Gruppe psychischer Herausforderungen mit sich bringt, kommt dies zu den bereits seit Jahren bestehenden Schwierigkeiten hinzu.
So berichtet das U.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC), dass „fast 1 von 5 Erwachsenen in den USA im Alter von 18 Jahren oder älter (18,3% oder 44,7 Millionen Menschen) im Jahr 2016 an einer beliebigen psychischen Erkrankung litt. 71% der Erwachsenen gaben zudem an, mindestens ein Stresssymptom wie Kopfschmerzen, Überforderung oder Angst verspürt zu haben“ (Quelle).
Laut dem American Institute of Stress gaben 2019 23% der Beschäftigten an, ein sehr hohes Stresslevel am Arbeitsplatz zu haben (Quelle). Die CDC ergänzt, dass „Depressionen bei einer betroffenen Person dazu führen, dass sie etwa 20% der Zeit nicht in der Lage ist, physische Arbeitsaufgaben zu erledigen und die kognitive Leistungsfähigkeit etwa 35% der Zeit verringert ist“ (Quelle).
Für Führungskräfte ist dies ein Weckruf, dass Strategien entwickelt werden müssen, um Beschäftigte mit psychischen Herausforderungen zu unterstützen. Andernfalls leiden Arbeitsleistung und Produktivität.
Psychische Gesundheitsprobleme können außerdem zu schlechter Kommunikation, mangelndem Engagement für die eigene Arbeit und zu einer negativen Auswirkung auf die alltägliche Funktionsfähigkeit und körperliche Leistungsfähigkeit führen (Quelle).
Häufige Gesundheitsprobleme am Arbeitsplatz
Die Berücksichtigung psychischer Gesundheit beim Führen digitaler Teams erfordert oft besondere Aufmerksamkeit für das emotionale Wohlbefinden. Es gibt zahlreiche verschiedene Arten psychischer Gesundheitsprobleme am Arbeitsplatz – einige der häufigsten, von Harvard Health Publishing identifizierten sind:
Depression: Mitarbeitende, die an Depressionen leiden, können nervös, gereizt und unruhig sein, sich aus Aktivitäten zurückziehen, sich in Meetings passiv verhalten und die Anforderungen ihrer Arbeit insgesamt nicht erfüllen.
Bipolare Störung: Zeigt sich bei Beschäftigten in Form von extremen Stimmungsschwankungen – von großer Euphorie bis hin zu Depressionen. Auch wenn Mitarbeitende mit bipolarer Störung geschäftig wirken können, sind sie möglicherweise störend und wenig produktiv.
Das Urteilsvermögen von Beschäftigten mit bipolarer Störung kann zweifelhaft werden. So könnte ein Mitarbeiter z. B. eine E-Mail mit vertraulichen Informationen an Personen senden, die keinen Zugang dazu haben sollten.
Angststörungen: Sind erkennbar bei Mitarbeitenden, die häufig müde sind, Konzentrationsprobleme haben, ruhelos sind und sich übermäßig Sorgen machen, ob sie der Arbeit gewachsen sind. Solche Mitarbeitenden können anhänglich werden und immer wieder Zusicherungen verlangen, dass ihre Leistung akzeptabel ist.
ADHS: Kann dazu führen, dass Mitarbeiter Aufgaben im Allgemeinen nicht erledigen. Diese Unfähigkeit kann darauf zurückzuführen sein, dass Aufgaben nicht organisiert werden, Anweisungen nicht befolgt oder mit Kollegen gestritten wird.
Gesundheitsrisikofaktoren im Zusammenhang mit einem Zoom-Arbeitsplatz
Joel Achenbach berichtet in der Washington Post, dass eine vom Kaiser Family Foundation durchgeführte Umfrage ergab, dass „fast die Hälfte der Menschen in den Vereinigten Staaten glaubt, dass das Coronavirus ihrer psychischen Gesundheit schadet“. Im selben Artikel wird darauf hingewiesen, dass für viele Menschen die Erkenntnis, dass täglich mehrere Menschen dem Virus zum Opfer fallen, eine erhebliche Quelle von Angst ist. Menschen, die eine geliebte Person durch die Pandemie verloren haben, haben auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, an psychischen Problemen zu leiden (Quelle).
Da Menschen sich nicht einfach umschalten und im Arbeitsumfeld zu anderen Individuen werden, ist es wahrscheinlich, dass die in der Washington Post berichteten Probleme auch am Arbeitsplatz auftreten. Zoom-Interaktionen erfolgen ohnehin schon in einem Umfeld, in dem viele Beschäftigte ängstlich sind und oft ohne die stabile und beständige Unterstützung auskommen müssen, die sie üblicherweise im Team vor Ort erhalten würden. Dies bringt eine neue Reihe von Herausforderungen für die mentale Gesundheit mit sich, die wir im Folgenden betrachten.
Mangel an Unterstützung
Im traditionellen Arbeitsumfeld stehen Führungskräfte und Mitarbeitende häufig im direkten, persönlichen Kontakt. In einer Arbeitswelt, in der die Interaktion hauptsächlich über Zoom stattfindet, wissen Führungskräfte oft nicht, wie sie ihre Mitarbeitenden im Homeoffice angemessen unterstützen können. Die Führungskräfte selbst müssen sich erst an die neue Realität des Zoom-Arbeitsplatzes gewöhnen.
Rachel Montañez schreibt für Forbes, dass Zoom-Meetings dazu führen, dass typische Blicke und Gesichtsausdrücke wie Aufmerksamkeit, Gereiztheit, Verbundenheit und Meinungsverschiedenheit verloren gehen (Quelle). Dies hat zur Folge, dass Führungskräfte und Teamkollegen keine Hinweise mehr erhalten, die ihnen helfen könnten, Anzeichen von psychischen Problemen bei Kolleginnen, Kollegen oder Untergebenen zu erkennen.
Unzureichende Ressourcen
Im Büro können Mitarbeitende Ressourcen unkompliziert teilen und müssen sich bei Meetings keine Gedanken um ihren Hintergrund machen. Am Zoom-Arbeitsplatz können jedoch einzelne Mitarbeitende wegen ihrer Wohnsituation verunsichert sein, da sie befürchten, dafür von anderen beurteilt zu werden. Dies kann unnötigen Druck verursachen und mentale Probleme zur Folge haben.
Wenn Beschäftigte nicht über die nötigen Ressourcen verfügen, um ihre Arbeit zu erledigen, kann dies ihre Produktivität beeinträchtigen. Es ist schwierig für Führungskräfte sicherzustellen, dass alle Beschäftigten über die gewohnten Arbeitsmittel verfügen. Dies wirkt sich zwangsläufig auf die Produktivität aus und kann zu psychischen Problemen führen. Manche Mitarbeitende haben auch kein förderliches Umfeld zuhause oder Probleme mit der Technik, die für die Nutzung der Zoom-Plattform notwendig ist.
Ständige Konfrontation mit Online-Meetings
Die regelmäßige Teilnahme an Online-Meetings ist für viele Beschäftigte ein neues Phänomen, mit dem sie sich erst durch die Covid-19-Situation und die Arbeit im Homeoffice auseinandersetzen mussten. Als neue Herausforderung ist dies eine Situation, die voraussichtlich auch einige mentale Belastungen mit sich bringt.
Nikka Celeste schreibt für Psycreg.org, eine Website für Berichte zu psychischer Gesundheit, dass Apps wie Zoom uns nicht nur „Energie und Lebensfreude rauben, sondern auch unseren Körper belasten" (Quelle).
Das Konferenzunternehmen Highfive führte eine Studie durch, die zeigte, dass sich „59 % der Menschen vor der Kamera selbstbewusster wahrnehmen als im Alltag abseits der Kamera. Fast die Hälfte (48 %) der Befragten macht sich mehr Gedanken darüber, wie sie bei einem Videoanruf aussehen, als was sie während des Gesprächs sagen werden” (Quelle).
Schwierigkeiten, die Situation zu erfassen
Neben der technologischen Belastung, die mit stundenlangem Arbeiten am Computer einhergeht, leiden auch die zwischenmenschlichen Interaktionen unter Online-Besprechungen. Ein Bereich, in dem Online-Meetings soziale Interaktionen beeinträchtigen, ist die erschwerte Wahrnehmung von Gesichtsausdrücken und Körpersprache.
Ohne die üblichen Signale aus persönlichen Besprechungen machen sich Teilnehmende womöglich unnötig Sorgen über Dinge, die sie in einem traditionellen Teamumfeld nie beschäftigt hätten.
Zum Beispiel kann es bei einem Zoom-Meeting schwierig sein, zu erkennen, ob die Teilnehmenden tatsächlich aufmerksam sind. Jemand kann zwar auf den Bildschirm schauen, aber dennoch gerade eine E-Mail lesen, während andere sprechen.
10 Tipps zur Verbesserung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz
In der noch nie dagewesenen Zeit des Zoom-Arbeitsplatzes ist es für Arbeitgeber und Beschäftigte wichtig, innezuhalten und das Thema psychische Gesundheit im beruflichen Umfeld neu zu überdenken.
Für Führungskräfte ist es ebenso wichtig, die richtigen Wege zu kennen, mit psychischen Problemen der Mitarbeitenden umzugehen, wie dafür zu sorgen, dass diese produktiv arbeiten. Hier sind einige Ansätze, wie Führungskräfte Probleme mit der psychischen Gesundheit, die mit Zoom-Arbeitsplätzen zusammenhängen, angemessen behandeln können:
1. Mit Zoom verbundene arbeitsbedingte psychische Risikofaktoren erkennen
Psychische Gesundheitsprobleme am traditionellen Arbeitsplatz sind seit einigen Jahren bekannt. Diejenigen, die mit der Arbeit von zu Hause aus und Videokonferenz-Apps verbunden sind, sind jedoch noch relativ neu.
Mitarbeitende wissen möglicherweise nicht genau, was während dieser Interaktionen von ihnen erwartet wird. Deshalb müssen Führungskräfte für Klarheit bezüglich Erwartungen und Zielen sorgen und den Mitarbeitenden ausreichend Unterstützung bieten, damit sie ihre Arbeit erledigen können.
2. Symptome psychischer Probleme bei Mitarbeitenden im Homeoffice erkennen
Gerötete Augen, mangelnde Konzentration, komplette Sprachlosigkeit während eines Meetings oder ein erschöpfter Eindruck sind Anzeichen dafür, dass Mitarbeitende unter den ständigen virtuellen Meetings leiden. Führungskräfte sollten auf diese Warnsignale bei Mitarbeitenden achten und so schnell wie möglich Lösungen anbieten.
Führungskräfte sollten außerdem kleinere und Einzelgespräche für Mitarbeitende einführen, die in Zoom-Meetings ihre Meinungen oder Ideen nicht äußern können. Dies kann Mitarbeitenden die Möglichkeit geben, Herausforderungen zu schildern und Führungskräften helfen, weitere Probleme zu erkennen.
3. Eine positive Zoom-Arbeitsumgebung schaffen
Das Gefühl, wertgeschätzt zu werden, gehört zu den wichtigsten menschlichen Bedürfnissen. Aus diesem Grund sollten Führungskräfte klarstellen, dass alle Mitarbeitenden eine maßgebliche Rolle für den Unternehmenserfolg spielen. Das kann erreicht werden, indem sichergestellt wird, dass die Mitarbeitenden über alle nötigen Ressourcen für die Heimarbeit verfügen und während Meetings aktiv einbezogen werden. Keine Mitarbeiterin und kein Mitarbeiter sollte außen vor bleiben und Änderungen erst von anderen erfahren.
4. Psychische Gesundheitsprobleme unabhängig von der Ursache ansprechen
Da die Grenze zwischen Arbeitsplatz und Zuhause im Zoom-Arbeitsumfeld verschwimmt, müssen Personalverantwortliche die Bedeutung der Behandlung psychischer Probleme anerkennen, unabhängig davon, was sie ausgelöst hat. Auch Mitarbeitende mit psychischen Belastungen im privaten Bereich bringen diese wahrscheinlich mit ins Arbeitsumfeld. Es ist entscheidend, dass alle wissen, wo sie Unterstützung erhalten können.
5. Kommunikationswege finden, mit denen die Mitarbeitenden sich wohlfühlen
Zoom ist ein hilfreiches Werkzeug, dennoch sollten Führungskräfte keine Video-Interaktionen erzwingen, da sich manche Mitarbeitenden damit unwohl fühlen könnten. Um allen gerecht zu werden, sollte zwischen Zoom-Meetings und anderen Kommunikationskanälen gewechselt und eine Überkommunikation vermieden werden.
6. Das Einschalten der Kamera optional machen
Die Sorge, vor der Kamera angemessen zu wirken, ist ein Thema, mit dem sich Mitarbeitende auseinandersetzen müssen. Wenn es ihnen freigestellt wird, die Kamera anzuschalten, fühlen sie sich weniger unter Druck gesetzt, sich für das Meeting besonders herauszuputzen.
Mitarbeitende können zudem durch Schulungen unterstützt werden, wie sie den Bildschirm bei Meetings effizient nutzen. Zum Beispiel rät Gianpiero Petriglieri, außerordentlicher Professor für Organisationsverhalten: „Den Bildschirm seitlich statt direkt vor sich aufzustellen, kann die Konzentration gerade bei Gruppentreffen fördern“ (Quelle).
7. Feedback einholen, um den Prozess zu verbessern
Eine Möglichkeit, allen ein angenehmes Arbeiten zu ermöglichen, besteht darin, zu wissen, wie das Team die Zoom-Meetings erlebt. Fragen Sie Ihr Team, was funktioniert und was nicht, und nutzen Sie das Feedback, um die Erfahrung in Videomeetings zu optimieren.
8. Stress durch klare Kommunikation reduzieren
Einige Probleme mit der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz resultieren aus unklarer und ineffizienter Kommunikation. Daher sollten Führungskräfte klar über Ziele, Fristen und Anlaufstellen bei Problemen informieren. Unklarheit kann dazu führen, dass Mitarbeitende sich verunsichert, isoliert und auf Vermutungen angewiesen fühlen.
9. Vertrauen Sie Ihren Mitarbeitenden
Ein häufiger Grund für psychische Probleme kann sein, wenn Führungskräfte ihre Mitarbeitenden wegen mangelndem Vertrauen mikromanagen und zu viel kommunizieren. Fehlt Ihnen das Vertrauen in Ihr Team, gelingt es Ihnen womöglich auch nicht, ein positives Arbeitsumfeld zu schaffen und die Stärken der Mitarbeitenden zu fördern.
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10. Klare Grenzen beim Arbeitszeitplan setzen
Die Arbeit von zu Hause aus kann Mitarbeitende dazu verleiten, Überstunden zu machen, was ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden belasten kann. Daher ist es wichtig, die Mitarbeitenden dazu zu ermutigen, einen regelmäßigen Arbeitszeitplan einzuhalten (Quelle). Dennoch sollten die Mitarbeitenden in Entscheidungen über Pausen sowie darüber, wann sie für Meetings zur Verfügung stehen sollen, einbezogen werden.
Nehmen Sie an unserem Gespräch über den Aufbau einer unternehmerischen Kultur, das Arbeiten im Homeoffice, die Rolle von Führungskräften, dienende Führung, die Wiederschaffung der Büroatmosphäre zu Hause und die Vermeidung digitaler Erschöpfung teil, hier!
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