Da künstliche Intelligenz zur Norm am Arbeitsplatz wird, ist es entscheidend, ihre Auswirkungen auf Mitarbeitende und Organisationen zu verstehen.
In dieser Folge spricht Moderator David Rice mit Jeanne Meister—Globale HR-Beraterin & Arbeitsplatzstrategin—darüber, welche Rolle KI bei der Gestaltung einer neuen Arbeitswelt spielt und wie wichtig Vertrauen und Richtlinien für das Management der KI-Integration sind.
Interview-Highlights
- Jeanne Meister kennenlernen [00:55]
- Jeanne ist globale HR-Beraterin und Arbeitsplatzstrategin.
- Sie hat mehrere Bücher geschrieben und folgt einem Zyklus aus Schreiben, Unternehmensgründung und -verkauf.
- Sie gründete und verkaufte corpu.com und Future Workplace.
- Sie ist im Hochschulbereich aktiv und sitzt im Vorstand einer Online-Non-Profit-Universität für Berufstätige.
- Die emotionale Seite von KI am Arbeitsplatz [02:12]
- Mitarbeitende sind beim Umgang mit KI aufgrund von Vertrauensfragen ängstlich.
- Bedenken: Keine Beförderung bekommen, wenn sie KI nicht nutzen – oder als ersetzbar gelten, wenn sie es tun.
- KI verursacht Arbeitsstress, ähnlich wie finanzielle Belastungen, was die Produktivität einschränkt.
- Viele verwenden KI heimlich—50 % informieren ihre Führungskräfte nicht darüber.
- Verdeckte KI-Nutzung ist riskant, da Richtlinien fehlen und Chancen zur Zusammenarbeit verloren gehen.
- Vertrauen ist zentral; Unternehmen sollten mit der Einführung und klaren Kommunikation einer KI-Richtlinie beginnen.
Das erste KI-Werkzeug, das jedes Unternehmen unabhängig von seiner Größe einführen sollte, ist eine KI-Richtlinie und deren umfassende Kommunikation.
jeanne Meister
- Umgang mit KI-Herausforderungen für kleine und mittlere Unternehmen [06:28]
- Große Unternehmen sind Vorreiter bei der KI-Einführung, aber kleine und mittlere Betriebe müssen sich anpassen.
- Viele Mitarbeitende nutzen KI-Tools wie ChatGPT-4 eigenständig am Arbeitsplatz.
- Erster Schritt: Entwicklung einer KI-Richtlinie unter Einbeziehung von Personal, Finanzen, IT, Recht und Unternehmensleitung.
- Die Richtlinie sollte alle Arbeitnehmenden einschließen, auch Auftragnehmer und Remote-Kräfte.
- KI-Richtlinien müssen Teil einer laufenden Kampagne sein, nicht nur einmalige Schulung.
- Unternehmen sollten Mitarbeitende anerkennen und belohnen, die KI effektiv für mehr Kreativität und Produktivität nutzen.
Eine der verpassten Chancen ist, dass Unternehmen keine Anerkennung für diejenigen schaffen, die KI nutzen, um ihre Produktivität zu steigern oder größere Kreativität am Arbeitsplatz zu ermöglichen.
jeanne Meister
- Strategische Integration von KI im Unternehmen [09:56]
- Unternehmen sollten die Einführung von KI auf Optimierung und Beschleunigung ausrichten.
- KI wird in der Personalabteilung (HR), insbesondere bei der Gewinnung von Talenten, vielfach eingesetzt.
- Kleine und mittelständische Unternehmen nutzen KI häufig für Coaching-Zwecke.
- Unternehmen müssen KI strategisch einbinden und sich nicht nur auf isolierte Anwendungsfälle konzentrieren.
- Priorisieren Sie KI-Anwendungen mit hohem Wert und geringem Risiko für schnelle Erfolge.
- Führungskräfte sehen in KI einen Wettbewerbsvorteil, sind aber vorsichtig hinsichtlich des ROI.
- Bereichsübergreifende Teams sollten die Einführung von KI steuern, um sie mit der Geschäftsstrategie in Einklang zu bringen.
- KI, Vertrauen und die Zukunft der Arbeit [12:35]
- KI weckt Bedenken hinsichtlich Arbeitsqualität und Engagement der Beschäftigten.
- Die Schlüsselfrage ist Vertrauen — nutzen Mitarbeitende KI verantwortungsvoll?
- Remote-Arbeit hat das Vertrauen bereits vor dem Siegeszug der KI auf die Probe gestellt.
- Die Unternehmenskultur sollte Vertrauen, Zugehörigkeit und Verantwortlichkeit fördern.
- Einige Mitarbeitende können KI missbrauchen, aber schwarze Schafe gibt es in jedem Unternehmen.
- 66% der Führungskräfte bevorzugen inzwischen Bewerber mit KI-Kenntnissen gegenüber größerer Erfahrung.
- Statt Angst vor den Auswirkungen von KI zu haben, sollten Unternehmen Kompetenz im Umgang mit KI als Vorteil sehen.
- KI-Datensicherheit für kleine Unternehmen [16:20]
- Eine KI-Richtlinie ist das erste essenzielle Instrument.
- Mitarbeitende benötigen Schulungen, um Datenrisiken zu vermeiden.
- Unternehmen sollten die Nutzung von KI und Risiken für geistiges Eigentum überwachen.
- KI-Einstellungen können verhindern, dass Firmendaten zum Training von Modellen verwendet werden.
- Ein privates KI-Umfeld ist erschwinglich.
- Die KI-Strategie sollte eine zentrale unternehmerische Priorität sein.
- Die Bekämpfung untergrundmäßiger KI-Nutzung hilft, Risiken zu minimieren.
- Die zukünftigen Auswirkungen von KI auf Arbeitsplätze [18:19]
- KI bringt sowohl Ängste als auch Chancen in die Arbeitswelt.
- Unternehmen sollten sich darauf konzentrieren, Mitarbeitende umzuschulen, statt sich auf Arbeitsplatzverluste zu fokussieren.
- IKEA hat Kundenservice-Mitarbeitende zu virtuellen Designberatern umgeschult und so den Umsatz gesteigert.
- KI kann sowohl das Mitarbeiter- als auch das Kundenerlebnis verbessern.
- Es gibt eine geschlechterspezifische Lücke bei der KI-Nutzung — Männer nutzen KI-Tools 25% häufiger als Frauen.
- Frauen zögern allgemein mehr bei der Nutzung von KI.
- Zögerlichkeit kann aus der Art der Tätigkeit resultieren, insbesondere bei Beschäftigten in der ersten Reihe.
- Mitarbeitende an vorderster Front, meist in unteren Hierarchieebenen, machen einen großen Teil der Belegschaft aus.
- Die Förderung der KI-Nutzung ist für Wissens- und Frontline-Arbeitskräfte gleichermaßen wichtig.
Unser Gast
Jeanne ist eine globale HR-Beraterin und Vordenkerin in der modernen Arbeitswelt. Sie berät ihre Kunden darin, Arbeit, Mitarbeitende, Arbeitsplätze und Belegschaft neu zu denken. Jeanne wurde seit der Einführung der Liste 2019 bis einschließlich 2023 vom HR Executive Magazine zu einer der Top 100 HR TECH Influencer benannt. Sie gilt weithin als Innovatorin im Bereich Human Resources und Lernen und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Aufbau und Management von Peer Networks, bestehend aus HR- und Learning-Leadern globaler 2.000-Unternehmen.
Jeanne ist Autorin von drei Bestsellern, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Dazu gehören: Corporate Universities: Lessons in Building a World-Class Work Force, The 2020 Workplace: How Innovative Companies Attract, Develop and Keep Tomorrow’s Employees Today, und The Future Workplace Experience: 10 Rules for Mastering Disruption in Recruiting and Engaging Employees.

Unternehmen müssen sich strategischer überlegen, wie sie KI in ihre Geschäftsstrategie einbinden und im Team sowie als Gremium diejenigen Anwendungen mit hohem Nutzen, geringem Risiko und unkomplizierter Umsetzung identifizieren.
jeanne Meister
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Jeanne Meister: Eines der wirklich interessanten Themen ist dieses Konzept des versteckten Einsatzes von KI. Laut der neuesten Microsoft-Umfrage verwenden 75 Prozent der Arbeitnehmer KI, aber etwa 50 Prozent nutzen sie, ohne zuzugeben, dass sie sie ihrem Vorgesetzten oder ihrem Team gegenüber einsetzen. Das ist tatsächlich die gefährlichste Position, in der man sich befinden kann.
David Rice: Willkommen zum People Managing People Podcast. Unsere Mission ist es, eine bessere Arbeitswelt zu schaffen und Ihnen zu helfen, glückliche, gesunde und produktive Arbeitsplätze zu gestalten. Ich bin Ihr Gastgeber, David Rice.
Mein heutiger Gast ist Jeanne Meister. Sie ist Expertin für die Zukunft der Arbeit und Arbeitsplatzstrategin. Wir werden über KI sprechen, wie sie am Arbeitsplatz eingesetzt wird und wie Unternehmen herausfinden können, was KI für ihre Mitarbeiter und ihre Arbeit bedeutet.
Jeanne, willkommen.
Jeanne Meister: Vielen Dank, dass ich dabei sein darf, David. Es ist mir eine Freude.
David Rice: Absolut.
Erzählen Sie uns zunächst ein wenig über sich – wie sind Sie dorthin gekommen, wo Sie heute sind, und was hält Sie dieser Tage wach, wenn Sie an die Zukunft des Arbeitsplatzes denken?
Jeanne Meister: Ja, okay. Wie Sie gesagt haben, bin ich globale HR-Beraterin und Arbeitsplatzstrategin. Ich habe mehrere Bücher geschrieben. Im Grunde bestand meine Karriere daraus, ein Buch zu schreiben, ein Unternehmen zu gründen und es dann zu verkaufen. Ich habe das erste Buch zum Thema Corporate Universities verfasst, corpu.com aufgebaut, verkauft und dann "The 2020 Workplace" geschrieben. Future Workplace aufgebaut, verkauft und bin im Dezember 2023 ausgestiegen, also erst letztes Jahr.
Ich bin auch sehr im Hochschulbereich aktiv. Ich sitze im Vorstand einer gemeinnützigen Online-Universität für berufstätige Erwachsene. In meiner Freizeit lebe ich mit meinem Ehemann und meinem Australian Labradoodle in New York City.
David Rice: Ich weiß nicht, ob mir Leute so häufig von ihren Haustieren erzählen. Ich habe vier Hunde. Und alle, die in die Sendung kommen, reden immer nur über Business. Von den Haustieren höre ich wenig.
Jeanne Meister: Gut, das ist dann mal eine neue Fragenschiene.
David Rice: Genau.
Ich möchte das Gespräch mit einem Thema beginnen, das viele nicht sofort mit KI verbinden – es sei denn, sie sind vielleicht Hochschulprofessor oder Filmfan: Es geht um Vertrauen. Als wir uns vorab unterhielten, erzählten Sie von einer Konferenz, an der Sie kürzlich teilgenommen haben, und das Thema Vertrauen kam sehr häufig zur Sprache, richtig?
Aber nicht aus Sicht der Arbeitgeber, sondern der Arbeitnehmer. Viele sind recht zögerlich, KI zu nutzen, weil sie befürchten, wie ihr Arbeitgeber die Arbeit bewerten oder ihre Rolle sehen könnte. Wie sehen Sie aktuell die Entwicklung hierzu und was sollten Manager und Führungskräfte tun?
Jeanne Meister: Genau das, David, hält mich nachts wach. Es geht um die emotionale Seite beim Einsatz von generativer KI am Arbeitsplatz sowie um Ängste und Vertrauensfragen, die sich zeigen. Beschäftigte fragen sich, ob sie ohne generative KI die nächste Beförderung verpassen könnten.
Wer KI nutzt, hat Angst, als ersetzbar zu gelten. Schließlich könnten viele Tätigkeiten von KI übernommen werden – was bleibt dann für die Menschen? Es gibt wirklich viele Anzeichen, dass generative KI den Arbeitsstress verstärkt.
Außerdem habe ich viel im Bereich finanzielle Gesundheit gearbeitet, ein weiterer Stressfaktor. Eine Umfrage zeigte, dass sich Beschäftigte mit finanziellen Sorgen im Schnitt wie in einem Teilzeitjob 15 Stunden pro Woche damit beschäftigen, was Produktivität und Motivation beeinflusst.
Ich vermute, dass Ähnliches beim Thema KI passieren kann. Beschäftigte glauben, sie müssten mit KI viel produktiver sein – sind sie aber nicht. Die Thematik des versteckten KI-Einsatzes ist besonders interessant. Der Microsoft-Bericht zeigt: 75 Prozent nutzen KI, aber etwa 50 Prozent verschweigen das ihrem Unternehmen. Das ist gefährlich, weil sie möglicherweise die Unternehmensrichtlinien nicht kennen, isoliert arbeiten und das Unternehmen nicht den vollen Nutzen aus Ideen, Kreativität und Innovation ziehen kann.
Das Vertrauen aus Sicht der Mitarbeitenden ist extrem wichtig. Was kann man als HR-Leiter tun? Die erste "KI-Anwendung" in jedem Unternehmen – unabhängig von der Größe – sollte eine KI-Richtlinie sein, die umfassend kommuniziert wird.
David Rice: Genau darauf bekommen wir immer mehr Fragen. Es gibt kaum klare Ressourcen, weil alles so neu ist. Und es ergeben sich unterschiedliche Herausforderungen: Große Firmen investieren viel in die Förderung von KI und bauen entsprechende Leitplanken ein, während kleinere Unternehmen oft im "Wilden Westen" agieren, je nachdem wie gut die Führung die Technologie versteht. Gerade in IT-Firmen, wo KI integriert oder sogar entwickelt wird, weiß man oft nicht, was im Hintergrund so ausprobiert wird. Wie sollte man also die KI-Herausforderung je nach Größe und Ressourcen angehen?
Jeanne Meister: Der Innovationsschub findet eindeutig in Technologie- und Beratungsunternehmen statt – sie nutzen, entwickeln und beraten zu KI. Dort gibt es große Expertenteams. Kleinere Unternehmen müssen besonders das Thema "versteckte Nutzer" ernstnehmen – viele zahlen 20 $ monatlich für ChatGPT-4 und bringen das Tool mit zur Arbeit. Früher hieß es "Bring Your Own Device", hier ist es "Bring Your AI Tool".
Die erste Anwendung bleibt: eine KI-Richtlinie. Das kostet nichts, erfordert aber einen Steuerungskreis im Unternehmen – mit HR, Finanzen, IT und, sofern es einen gibt, Juristen oder externe Rechtsberatung. Auch Führungskräfte sollten eingebunden werden, um gemeinsam eine Vision zu entwickeln: Wie passt KI in die Geschäftsstrategie, wer ist von der Richtlinie betroffen? Nur Festangestellte? Vermutlich nicht. Viele Unternehmen arbeiten auch mit Freiberuflern oder Lieferanten. Nur für Büroangestellte? Sicher nicht, Homeoffice ist üblich.
Unternehmen sollten tiefgründig analysieren, in welchen Bereichen KI wirkt, eine Richtlinie ausarbeiten und diese nicht nur einmalig kommunizieren. Es braucht eine richtige Kampagne, keine reine Pflichtschulung zur Compliance. Das Thema muss lebendig und dauerhaft vermittelt werden.
Ein oft übersehener Aspekt: Unternehmen belohnen selten Mitarbeitende, die durch KI-Tools ihre Produktivität oder Kreativität steigern. Wie erkennt und belohnt man solche Power-User, die das Neue mutig anwenden?
David Rice: Ja. Oft suggerieren Medien, dass die ganze Welt nur noch mit KI arbeitet. In Wirklichkeit gibt es viele Diskussionen rund um den ROI. Was ist eigentlich das Kriterium? Nur Produktivität bzw. Arbeitsvolumen, oder auch die Qualität und Kreativität der geleisteten Arbeit?
Wo stehen wir, Ihrer Meinung nach, beim Thema ROI im KI-Zyklus? Man will Kreativität fördern, aber auch Sinnvolles fürs Geschäft erreichen.
Jeanne Meister: Ich empfehle, das Thema neu zu betrachten. Zuerst sollte geklärt werden: Wie kann KI eine Funktion optimieren, zum Beispiel Talentakquise – das ist besonders im HR-Bereich ein zentrales Anwendungsfeld. Oder wie kann KI helfen, ein neues Produkt oder eine Dienstleistung schneller einzuführen?
Viele kleinere Unternehmen nutzen KI etwa für Coaching – gemeinsames Lernen in der Gruppe. Es gibt diverse Tools dafür. Aber über Einzelanwendungen hinaus sollten Unternehmen strategisch denken – ein Steuerungskreis sollte die wertvollsten und risikoärmsten Anwendungen identifizieren, die leicht implementierbar sind. Hoher Wert und geringes Risiko sind entscheidend. Gerade für die schnellen ersten Erfolge.
Forschung zeigt: Führungskräfte sehen in KI einen starken Wettbewerbsvorteil, sind aber bei Investitionen vorsichtig und wollen den ROI belegen können. Hier ist die bereichsübergreifende Zusammenarbeit gefragt – unabhängig von Unternehmensgröße. Es geht vor allem darum, KI strategisch zu integrieren, nicht nur einzelne Use Cases zu verfolgen.
David Rice: Definitiv.
Ich möchte die Perspektive wechseln und auf das Thema Talent eingehen. Eine Erzählung rund um KI ist, dass dadurch Menschen eher Abkürzungen nehmen. Es gibt sogar Berichte, dass Leute mit Hilfe von KI zwei Jobs gleichzeitig machen.
Welche Sorgen haben Sie, was die Arbeitsqualität und das Vertrauen in die neue Generation von Teammitgliedern angeht?
Jeanne Meister: Das ist eine berechtigte Frage und betrifft aus meiner Sicht alle Unternehmen, egal wie groß.
Es erinnert mich an die Frage: "Was, wenn ich in meine Mitarbeiter investiere und sie danach gehen?" Und die Gegenfrage lautet: "Was, wenn Sie nicht investieren – aber sie bleiben?" Ähnliches gilt für KI: Was, wenn Sie Mitarbeitende nicht mit KI schulen und sie bleiben trotzdem? Das könnte die Konkurrenzfähigkeit gefährden.
Letztlich ist es eine Vertrauensfrage. Wie sehr vertraut man den Mitarbeitenden? Die Pandemie hat hybrides und flexibles Arbeiten gestärkt, jetzt ist das Thema "Vertrauen" durch generative KI wieder präsenter – weil manche dann vielleicht sogar zwei oder drei Jobs gleichzeitig ausführen könnten. War aber auch schon vor KI eine Frage: Arbeiten meine Mitarbeiter wirklich, wenn ich sie nicht sehe?
Es geht um Kultur, Vertrauen, um das Gefühl der Wertschätzung, Zugehörigkeit und Verantwortung gegenüber dem Team. Überall gibt es schwarze Schafe – aber was kann man tun, damit sich Mitarbeitende verbunden und dem Team verpflichtet fühlen?
Eine andere Seite: Laut Microsoft-Studie sagen 66 Prozent der Führungskräfte, sie würden niemanden einstellen, es sei denn, sie haben KI-Kenntnisse; lieber etwas weniger Berufserfahrung, dafür KI-Skills. Wer darauf im Recruiting achtet, bekommt Mitarbeitende, die sich mit den Tools auskennen – und das sollte positiv gesehen werden, statt zu befürchten, sie hätten dann zu viel freie Zeit.
David Rice: Ja. Mir stellt sich immer wieder die Frage: Wenn kleine und mittlere Unternehmen keine eigene KI-Instanz hinter der Firewall haben – wie vorsichtig sollten sie sein, Unternehmensdaten an KI weiterzugeben?
Jeanne Meister: Zuerst gilt: Die KI-Richtlinie ist das erste KI-Tool. Alle sollten dafür geschult werden. Die Erfahrung zeigt: Menschen werden dennoch eigene Daten ins Tool eingeben. Im Backend kann man einiges einstellen, beispielsweise, dass die Daten nicht zum Training genutzt werden. In Organisationen wird sehr eng auf mögliche Verstöße und IP-Themen geachtet.
Richtlinie kennen, Kommunikation und ständiges Training dazu – das ist die beste Strategie, um Risiken zu vermeiden. Letztlich ist es gar nicht so teuer, einen eigenen KI-Sandkasten innerhalb der Organisation einzurichten, um Erfahrungen zu sammeln und zu verstehen, wie man KI strategisch integriert.
Unternehmen werden also erkennen, dass dieses Thema ganz oben auf die Investitionsagenda kommt – immer mit Blick auf die Risiken durch versteckte Nutzer und deren unangemessenen Einsatz, wenn sie keine Richtlinien kennen.
David Rice: Letzte Frage – die bekommen Sie vermutlich häufig: Was interessiert Sie am meisten hinsichtlich KI am Arbeitsplatz, wenn Unternehmen langsam verstehen, wie sie sie in Arbeitsabläufe und Gewohnheiten der Mitarbeitenden integrieren können?
Jeanne Meister: Eine tolle Frage! Neben dem Verständnis für Ängste sehe ich vor allem das enorme Potenzial, durch KI die Employee Experience zu verbessern. Besonders spannend ist, wenn Unternehmen Mitarbeitende weiterbilden, deren Jobs für Automatisierung prädestiniert sind.
Ein Beispiel ist Ikea: Dort hat man einen Chatbot für Kundenanfragen eingeführt, sodass viele Servicekräfte ihre Rolle verloren hätten. Statt Entlassungen hat Ikea diese auf virtuelle Designberater umgeschult. Sie wurden im Umgang mit 3D-Anwendungen und Beratungsprozessen geschult – nun können sie Kunden individuell beraten. Für diese gebührenpflichtige Dienstleistung wurde bereits ein Milliardenumsatz erzielt.
Genau solche Ansätze braucht es: KI soll nicht nur Effizienz bringen, sondern auch Mitarbeitenden und Kunden neue Erlebnisse schaffen.
Ein weiteres Thema ist der Gender Gap bei KI: Laut einer Umfrage von Slack sind Männer um 25 Prozent experimentierfreudiger als Frauen. David, warum glauben Sie, ist das so?
David Rice: Mein erster Gedanke ist: Männer haben weniger Angst vor den Folgen eines Fehlers. Das klingt vielleicht plump, ist aber ein tief sitzendes Muster. Frauen wurden am Arbeitsplatz für Fehler oft härter bestraft. Sie werden seltener als Innovatorinnen oder Führungskräfte gesehen – ein Stereotyp, das sich hartnäckig hält. Das sieht man von Recruiting bis Talentmanagement. Männer sind furchtloser, weil sie weniger Konsequenzen fürchten. "Lieber um Verzeihung bitten als um Erlaubnis fragen" – das hör ich von Männern öfter.
Jeanne Meister: Das sehe ich auch so und mache mir Sorgen. Frauen zeigen mehr Zurückhaltung, fühlen sich weniger sicher, dass Fehler verziehen werden. Außerdem sind viele Frauen in weniger qualifizierten Jobs – besonders bei den oft vergessenen 70 Prozent der sogenannten Frontline-Mitarbeitenden. Gerade sie sind oft vorsichtiger, auch weil sie auf das Einkommen mehrerer Jobs angewiesen sind. Diese Aspekte müssen wir für Wissensarbeiter und Frontline-Worker gleichermaßen angehen.
David Rice: Da stimme ich zu.
Jeanne, das war wirklich spannend. Ich möchte Ihnen noch die Gelegenheit geben, unsere Hörer erfahren zu lassen, wo sie mehr über Sie erfahren oder mit Ihnen in Kontakt treten können.
Jeanne Meister: Ich hoffe, alle schauen mal auf LinkedIn vorbei – dort bin ich am aktivsten. Bitte vernetzen Sie sich: Jeanne Meister. Häufig bin ich auch auf Forbes präsent, einfach dort suchen. Meine Website ist jeannemeister.com. Und wer Lust hat, kann mir gern eine klassische E-Mail schreiben: jeanne@jeannemeister.com.
Eines meiner aktuellen Projekte, das auch im Januar startet, ist eine neue quantitative Studie zur Nutzung von generativer KI – nicht nur für Wissensarbeiter, sondern auch gezielt für Frontline-Mitarbeitende. Das liegt mir besonders am Herzen – ich bin Tochter zweier Frontline-Worker.
Sie machen 70 Prozent der Arbeitskräfte in den USA aus, werden in der HR aber oft übersehen. Gerade bei der Nutzung von generativer KI fokussieren wir zu sehr auf Wissensarbeiter. Dieser neuen Studie möchte ich mich widmen und hoffe, David, dass ich dann nochmal eingeladen werde, um von den Ergebnissen zu berichten.
David Rice: Sehr gern – darauf bin ich gespannt!
Vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren. Ich freue mich über Ihre Zeit und Einsichten.
Jeanne Meister: Danke, David, dass ich dabei sein durfte.
David Rice: Bis zum nächsten Mal, liebe Zuhörer. Falls Sie es noch nicht getan haben, gehen Sie auf peoplemanagingpeople.com/subscribe und melden Sie sich für den Newsletter an. Und bis dahin – besonders an alle Frauen: Scheuen Sie sich nicht davor, mit KI zu experimentieren. Lassen Sie nicht zu, dass alte Vorurteile die KI-Ära bestimmen. Bleiben Sie neugierig und probieren Sie weiter aus.
