Recruiting kann sich anfühlen wie Speed-Dating – man sucht das passende Gegenstück in einem Meer voller Möglichkeiten, oft in Rekordzeit.
Hatten Sie schon einmal das Gefühl, endlos Lebensläufe wegzuwischen oder Interviewtermine wie ein Zirkusartist jonglieren zu müssen? Sie sind nicht allein! Die Personalbeschaffung kann chaotisch sein, aber mit etwas Anleitung muss sie das nicht bleiben. Ich habe Unternehmen dabei geholfen, ihr Einstellungschaos in einen reibungslosen, erfolgreichen Prozess zu verwandeln.
Ich helfe Ihnen, den Recruiting-Prozess von Grund auf zu verstehen, sodass Sie Ihren Wunschkandidaten ganz ohne Stress finden können.
Gerade erst angefangen? Eine Recruiter-Zertifizierung verschafft Ihnen ein solides Fundament, um aktuelle Trends zu verstehen und effektiv anzuwenden.
Was ist Recruiting?
Recruiting ist der Prozess, potenzielle Kandidaten anzusprechen, zu identifizieren und zu gewinnen, um einen Pool qualifizierter Bewerber für eine offene Stelle aufzubauen.
Ob über traditionelle Jobbörsen oder moderne Recruiting-CRM-Software, Recruiting erleichtert das Finden und Einladen potenzieller Kandidaten. Die Bewerberauswahl hingegen beschäftigt sich damit, aus dem entstandenen Bewerberpool während des Recruiting-Prozesses den besten Bewerber auszuwählen.
Die Auswahl erfolgt häufig außerhalb der Personalabteilung durch die jeweilige Führungskraft des Unternehmens oder der Abteilung, wobei das HR-Team bei der Vorauswahl, Vertragsgestaltung und beim Onboarding unterstützen kann.
Wer versteht, wie Talentgewinnungs-Lösungen funktionieren, hat als Einsteiger im Recruiting einen Vorteil bei der Bewältigung der Komplexität von Einstellungsverfahren.
Wie findet man geeignete Kandidaten?
Die Grundlagen der Personalbeschaffung sind eigentlich ganz einfach: Potenzielle Bewerber auf eine offene Stelle aufmerksam machen und sie ermutigen, sich zu bewerben. Doch wie stellt man das am besten an?
Als Erstes sollten Sie herausfinden, wo sich potenzielle Bewerber aufhalten – gibt es einen Verband, eine Website oder einen Ort, an dem sie häufig anzutreffen sind? Hier sind meine wichtigsten Tipps:
Regionale Berufsverbände
Wenn Sie beispielsweise eine HR-Fachkraft suchen, können Sie sich an regionale Berufsverbände wenden und nachfragen, ob Sie dort eine Anzeige schalten dürfen.
Beispiele je nach Land können sein: AHRI (Australian Human Resources Institute), Society for Human Resource Management (SHRM), Human Resources Institute of New Zealand (HRINZ), Canadian Council of Human Resources Associations (CCHRA) usw.
Der einfachste Weg, diese Verbände zu finden, ist, das Land, die Berufsbezeichnung und „Verband“ zu googeln. Sucht man zum Beispiel nach „US Tax Accountants Association“, erhält man das Ergebnis der American Accounting Association (aaahq.org).
Lokale Bildungseinrichtungen
Je nach gewünschtem Erfahrungs- oder Qualifikationslevel sollten Sie auch lokale Universitäten oder Bildungseinrichtungen in Betracht ziehen. Häufig freuen sich diese Einrichtungen, passende Stellenanzeigen direkt an ihre Studierenden weiterzuleiten.
Der Prozess ist denkbar einfach: Auf der Website der Einrichtung suchen Sie den richtigen Ansprechpartner und schreiben eine E-Mail mit der Bitte, die beigefügte Anzeige an die Studierenden weiterzugeben. Ich habe damit bereits Erfolg gehabt – beispielsweise bei der Suche nach Kandidaten für Traineeprogramme im HR-Bereich; ich habe Professoren aus den Bereichen Management und Psychologie an drei Universitäten angeschrieben, und sie haben die Stellenanzeige gerne an ihre Studierenden weitergeleitet.
Programme wie MBAs bieten hervorragende Möglichkeiten, sich direkt an potenzielle Bewerber zu wenden.
Nutzung Ihrer aktuellen Mitarbeitenden
Viel zu oft erfahren Mitarbeitende erst aus der Tageszeitung von einer offenen Stelle – dabei geht für Arbeitgeber eine wichtige Chance verloren.
Sobald die Ausschreibung beginnt, sollten Sie eine unternehmensweite E-Mail versenden oder – falls vorhanden – das interne schwarze Brett nutzen, um Mitarbeitende auf die neue Stelle aufmerksam zu machen. Noch besser: Bitten Sie sie, die Ausschreibung in ihrem Netzwerk zu teilen (die meisten nutzen Facebook, Twitter, LinkedIn oder andere soziale Netzwerke – oder sprechen einfach mit Freunden über die Stelle).
Wichtig dabei ist: Ihre Beschäftigten können potenziellen Kandidaten relevante Informationen zum Arbeitsumfeld geben (z. B. „Gute Arbeitsatmosphäre, gute Zusatzleistungen usw.“) – und die Kosten sind im Verhältnis zur Reichweite gering.
Sie können Ihre Mitarbeitenden sogar Vorschläge zu Kandidaten in eine kostenlose Recruiting-Software eingeben lassen.
Jobbörsen und Zeitungen
Ich nenne diese Methode zuletzt, weil sie am offensichtlichsten ist und tatsächlich erst eingesetzt werden sollte, wenn Sie mit den oben genannten Wegen kein Glück hatten.
Jobbörsen und Zeitungen sind sehr allgemein gehalten, auch wenn Jobbörsen möglicherweise Kategorien wie Juristische Jobs oder Buchhaltungsjobs usw. haben, bleiben sie dennoch allgemein. Je allgemeiner Sie bei Ihrer Anzeige vorgehen, desto größer wird der Bewerberpool – und dabei steigt oft nicht die Qualität, sondern nur die Quantität.
Wenn ich beispielsweise einen erfahrenen Steuerjuristen suche, dann brauche ich genau das – keinen Buchhalter oder Anwalt, der vor fünf Jahren einmal eine Steuerarbeit an der Universität geschrieben hat. Deshalb ist es am besten, gezielt in spezifischen Märkten zu werben. Hier wird Executive-Search-Software für eine präzise Zielgruppenansprache äußerst wertvoll.
Stellenbörsen haben zweifellos ihre Berechtigung. Für allgemeinere oder Einsteiger-Positionen, die Sie besetzen möchten, sind Jobbörsen und Zeitungen genau das richtige Medium: Wenn Sie einen Office Junior oder Berufseinsteiger als Vertriebsmitarbeiter suchen, sind dies die besten Kanäle.
Es gibt jedoch Ausnahmen: Wenn eine Position sehr spezifische Anforderungen (wie Qualifikationen oder Mitgliedschaft in Berufsverbänden, z. B. einen eingetragenen Psychologen) verlangt, dann nutzen Sie Zeitungen und Stellenbörsen als Ergänzung oder Backup zu Ihrem gezielten Marketing.
LinkedIn bildet die Ausnahme unter den Jobbörsen: Die Mitgliederzahl (weit über 200 Millionen) in Kombination mit der Tatsache, dass die Plattform die Bildung professioneller Gruppen fördert, macht LinkedIn zu einer äußerst effektiven Werbequelle für offene Stellen – von sehr allgemeinen bis zu hochspezialisierten Positionen.
Die Tools stehen für Unternehmen jeder Größe zur Verfügung, um die Rekrutierung kostengünstig selbst in die Hand zu nehmen. Und das wichtigste Element im Recruiting habe ich bis zuletzt aufgehoben: Für viele Menschen ist die Personalbeschaffung ihr erster Kontakt mit Ihrer Organisation. Sorgen Sie dafür, dass sie ein großartiges Erlebnis haben – und das kann gelingen, egal ob sie die Stelle bekommen oder nicht. Ein herausragendes Erlebnis schaffen Sie vor allem durch Kommunikation: Halten Sie die Kandidaten auf dem Laufenden.
Vielleicht versteht man Recruiting am besten, wenn man direkt von Menschen hört, die sich täglich diesen Herausforderungen stellen, indem man an einer Recruiting-Konferenz teilnimmt. Dort können Sie von führenden Köpfen der Branche hören und sich mit innovativen Fachleuten austauschen.
Weiterer Lesetipp: 10 beste Pre-Employment-Testing-Software zum Evaluieren potenzieller Mitarbeitender
Auslagerung an einen Personalvermittler
Einige Unternehmen entscheiden sich dafür, ihr Recruiting einzustellen, weil es zeit- und arbeitsintensiv sein kann. Sie finden es möglicherweise einfacher, das Recruiting an spezialisierte Tech-Personaldienstleister auszulagern, die schnell passende Kandidaten finden können.
Viele Organisationen wenden sich an Anbieter für das Outsourcing von Recruiting-Prozessen, um die Komplexität ihres Einstellungsprozesses besser steuern zu können. So können sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, während Experten die Personalsuche übernehmen. Außerdem verfügen Agenturen oft über größere Netzwerke und besseren Zugang zu Talenten, was die Besetzung offener Stellen schneller und effizienter macht.
Sie bringen zudem ihre eigenen digitalen Personalsysteme und Tools mit, auf die Sie zugreifen können.
8 bewährte Recruiting-Praktiken von einer Expertin/einem Experten
Recruiting heißt nicht einfach nur Stellen zu besetzen – es geht darum, den perfekten Fit für Ihr Team zu finden. Compliance im Einstellungsprozess stellt sicher, dass Ihre Recruiting-Strategie sowohl branchentypische Standards als auch rechtliche Vorgaben erfüllt.
Hier sind 8 von Expertinnen und Experten empfohlene Best Practices, um Ihr Recruiting auf das nächste Level zu heben:
- Definieren Sie Ihr Wunschprofil: Listen Sie nicht einfach generische Fähigkeiten auf. Seien Sie spezifisch darin, wie Erfolg in dieser Position aussieht. Denken Sie über Qualifikationen hinaus – welche Eigenschaften helfen jemandem, in Ihrem speziellen Arbeitsumfeld zu gedeihen?
- Formulieren Sie anziehende Stellenbeschreibungen: Stellenbeschreibungen sollten keine ellenlagen Anforderungskataloge sein. Heben Sie hervor, was an der Position und Ihrem Unternehmen spannend ist. Zeigen Sie Kandidat:innen, was sie davon haben.
- Nutzen Sie das Netzwerk Ihrer Mitarbeitenden: Ihre Mitarbeitenden kennen Ihr Unternehmen am besten. Ermutigen Sie sie, Stellenangebote in ihrem Netzwerk zu verbreiten. Über Empfehlungen finden Sie oft qualifiziertere Kandidat:innen, die auch kulturell passen.
- Setzen Sie auf strukturierte Interviews: Verzichten Sie auf freie, improvisierte Gespräche. Strukturierte Interviews mit standardisierten Fragen schaffen Konsistenz, verringern Vorurteile und ermöglichen es, Kandidat:innen objektiver zu vergleichen.
- Investieren Sie in Recruiting-Technologien: Bewerbermanagementsysteme (ATS) und Recruiting-Datenbanken können Ihren Einstellungsprozess effizienter machen, Zeit sparen und die Kommunikation mit Bewerber:innen reibungslos halten. Automatisierung hilft außerdem dabei, gute Kandidat:innen nicht aus den Augen zu verlieren.
- Kommunizieren Sie transparent: Bewerber:innen nicht zu antworten oder sie im Unklaren zu lassen, schadet Ihrem Arbeitgeberimage. Halten Sie Kandidat:innen während des gesamten Prozesses auf dem Laufenden, auch wenn es nur ein kurzes Update per E-Mail ist.
- Erweitern Sie Ihren Talentpool: Immer auf die gleichen Kanäle zu setzen, begrenzt Ihre Auswahl. Ziehen Sie unkonventionelle Quellen wie Community-Gruppen, Fachverbände oder Social-Media-Plattformen wie LinkedIn in Betracht, um ein breiteres Kandidatenspektrum zu erreichen.
- Bieten Sie eine großartige Candidate Experience: Ihr Einstellungsverfahren ist oft der erste Eindruck, den jemand von Ihrem Unternehmen bekommt. Sorgen Sie dafür, dass er positiv bleibt – ganz gleich, ob jemand die Stelle bekommt oder nicht – und hinterlassen Sie eine angenehme Erfahrung.
Wenn Sie diese Best Practices beachten, besetzen Sie Positionen nicht nur schneller, sondern bauen auch ein stärkeres, homogeneres Team auf, das zur Unternehmenskultur und -zielen passt. Viel Erfolg bei der Personalsuche!
Die besten Tools für Ihr Recruiting
Damit das Recruiting für alle Beteiligten organisiert, einfach und angenehm bleibt, werden Sie wahrscheinlich auf Softwarelösungen zurückgreifen wollen. Für Führungspositionen lohnt sich die Investition in Executive-Search-Software, um Prozesse reibungslos zu gestalten. Hier sind meine Empfehlungen.
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