Wir sind begeistert von der Arbeitswelt und davon, wie wir sie verbessern können. Damit uns das gelingt, brauchen wir Ideen von Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen.
In dieser Interviewreihe holen wir die Meinungen erfahrener Führungskräfte, Unternehmer, Manager und Mitarbeitender ein, um mehr darüber zu erfahren, wie wir gemeinsam bessere Arbeitsplätze schaffen können.
Hallo Rupa! Wir würden dich gerne besser kennenlernen. Erzähl uns doch etwas über deine Geschichte.
So klischeehaft es auch klingen mag: Ich hatte schon immer den Antrieb, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Diese Mission war grundlegend für meinen Bildungsweg und meine berufliche Laufbahn.
Nach meinem Bachelorabschluss an der University of Georgia habe ich ein Public-Health-Programm an der University of Alabama at Birmingham begonnen, wo ich in einem gemeinsamen MPH/MBA-Programm Altruismus und Realismus miteinander verbinden konnte – ich lernte, wie man die Welt aus einer praktischen Perspektive verbessert.
Dank des praktischen Ansatzes im Bereich Public Health habe ich mein Berufsleben in verschiedenen Unternehmen für Gesundheitsleistungen und Health-Tech verbracht – mit direktem Kontakt zu Interessenten, Kunden, Mitarbeitenden und Entscheidern.
Im Verlauf meines Berufslebens konnte ich meine Mission auf zwei Arten verwirklichen: Zum einen auf Mikroebene als Menschenfreundin, die sich für den Zusammenhalt und Erfolg ihres Teams engagiert, und zum anderen auf Makroebene mit meinem Know-how im Bereich Public Health, um Kunden und Mitarbeitende weltweit zu unterstützen.
Wenn wir eine Freundin oder einen Freund bitten würden, deine Persönlichkeit zu beschreiben – was würden sie sagen?
Als ich meine Freunde im journalistischen Stil befragt habe, sagten sie, dass ich "immer für sie da bin" und dass ich oft "so loyal bin, dass ich mich selbst zurückstelle". Sie nannten mich zudem "kreativ, kooperativ und einfühlsam", aber auch "eine Kraft, mit der man rechnen muss" – natürlich alles im positiven Sinne!
Wenn du auf deine bisherige Karriere zurückblickst – gibt es eine besondere Geschichte, die dir im Kopf geblieben ist?
Ich bin stolze Mutter von zwei wunderbaren Mädchen und Ehefrau des unterstützendsten Mannes. Diese Menschen und weitere geliebte Familienangehörige sind meine Motivation.
2018 stand meine berufliche Welt ihretwegen still. Ich war gerade frisch schwanger mit unserer zweiten Tochter und gleichzeitig wurde bei meiner Schwiegermutter eine seltene Krebserkrankung diagnostiziert.
Ich war ständig auf Reisen von Stadt zu Stadt, von Bundesstaat zu Bundesstaat, sammelte Meilen, um mein berufliches Wachstum und meinen Erfolg voranzutreiben. Aber meine Familie brauchte mich und ich musste für sie da sein – mein damaliger Arbeitgeber war jedoch nicht darauf vorbereitet, mich so zu unterstützen, dass ich meine Familie unterstützen konnte.
Also legte ich meine Karriere auf Eis, um Vollzeit-Pflegekraft zu werden – zwischen U-Untersuchungen, Chemotherapie und Freiwilligenarbeit im Kindergarten.
Die zwei Jahre, die ich als Pflegeperson verbrachte, waren die härtesten meines Lebens. Aber sie waren auch die erfüllendsten. Diese Zeit hat mir gezeigt, dass es einen riesigen Veränderungsbedarf in der Arbeitswelt gibt – weg von der Sicht auf Mitarbeitende als bloße Arbeitskräfte hin zu Menschen, die in Partnerschaft arbeiten.
Was ist die wichtigste Lektion, die du in deiner bisherigen Laufbahn gelernt hast?
Anhalten und zuhören.
Statt immer nur mit Lösungen zum Gespräch zu kommen: Einfach mal anhalten und den Beteiligten zuhören. Wenn man den ganzen Umfang ihrer Anliegen, Hindernisse, Ziele, Erwartungen und alles dazwischen versteht, kann man nicht nur reibungslosere Lösungen finden, sondern auch eine bedeutungsvolle, vertrauensvolle Beziehung zwischen allen Parteien schaffen.
Übrigens ist diese Lektion nicht nur im Berufsleben sehr wertvoll, sondern auch auf persönlicher Ebene mit Ehepartnern, Kindern und anderen geliebten Menschen!

Danke, dass du uns einen Einblick in deine Person gegeben hast! Kommen wir zum Thema. Was kommt dir in den Sinn, wenn du den Begriff „eine bessere Arbeitswelt schaffen“ hörst?
Richtung, Kommunikation und Vielfalt.
Eine klare Richtung bezüglich der Ziele – ob auf Unternehmensebene oder bezogen auf die Unternehmenskultur – ist für den Erfolg jeder Organisation unerlässlich. Sie sorgt dafür, dass alle wissen, wohin sie sich bewegen sollen und wie sie von ihrer Organisation unterstützt werden.
Wir alle bemühen uns um gute Kommunikation mit Partnern, Kindern und Freunden. Aber auch im Team und unter Führungskräften ist sie essenziell. Offene Kommunikation – die sich dadurch auszeichnet, dass Menschen ehrlich sagen können, wie es ihnen geht – baut nicht nur Vertrauen auf, sondern erkennt Mitarbeitende als Menschen an. Sie schafft ein solides Fundament für Respekt, unabhängig von Position oder Rolle.
Nur indem wir Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Ansätzen zur Problemlösung einstellen und mit ihnen zusammenarbeiten, können wir einen breiteren Blick darauf gewinnen, wie die Arbeit der Zukunft aussehen kann.
Außerdem müssen wir als Führungskräfte erkennen, dass mit unterschiedlichen Menschen auch unterschiedliche Bedürfnisse bezüglich Arbeit und Privatleben einhergehen. Die Menschen, die für uns arbeiten, sind ganze Persönlichkeiten, die wir sozusagen für eine bestimmte Stundenzahl pro Woche von ihren Familien und Liebsten „ausleihen“ dürfen.
Das Anerkennen individueller und vielfältiger Lebensumstände der Mitarbeitenden aus der Perspektive des Work-Life-Managements hilft sicherzustellen, dass die Partnerschaft zwischen Organisation und Beschäftigten auf gegenseitigem Respekt beruht – was natürlich zu besseren Ergebnissen führt.
Was ist Ihrer Meinung nach das Hauptproblem, das dem Aufbau einer besseren Arbeitswelt im Weg steht?
Wenn Unternehmen weiterhin ignorieren, dass ihre Beschäftigten komplette Persönlichkeiten sind, werden sie langfristig niemals innovativ sein können – und eine bessere Arbeitswelt wird so ganz bestimmt nicht entstehen.
Was ist eine Sache, die in unserem Einflussbereich liegt und die wir praktisch tun können, um schon heute eine bessere Arbeitswelt zu schaffen? Und wie empfehlen Sie, dies anzugehen?
Eigene Fehler, Stolpersteine und Schwächen einzugestehen, hilft einer Organisation immer dabei, sich beim nächsten Mal zu verbessern und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Erfolg und Wachstum. Wenn Verantwortung übernommen und das Erkennen – und Beheben – eines Fehlers offen kommuniziert wird, verringert sich das Stigma.
Das kann Teams dazu ermutigen, weiterhin kreativ zu denken, innovativ zu sein und bei jedem Schritt zu überprüfen, ob sie den effektivsten, effizientesten und wirkungsvollsten Weg im Einklang mit der Mission der Organisation beschreiten.
Können Sie eine Sache teilen, die Sie erlebt, gesehen oder über die Sie gelesen haben und die uns in Richtung einer besseren Arbeitswelt führt?
Es findet aktuell ein großer Wandel in Unternehmenskulturen, Leistungen und den Methoden der Unterstützung von Mitarbeitenden statt.
Von flexiblen Arbeitszeiten über mehr bezahlten Urlaub für Elternzeit und Pflege, bis hin zu zusätzlichen Ressourcen zur Unterstützung der psychischen Gesundheit – Arbeitgeber denken kreativer und ganzheitlicher darüber nach, wie sie alle Mitarbeitenden und deren individuelle Familiensituationen unterstützen können.
Mich interessiert: Gibt es ein Unternehmen und/oder eine Führungspersönlichkeit, die Ihnen in Bezug auf den Aufbau einer besseren Arbeitswelt besonders auffällt? Falls ja, was tun diese?
Christine Pabst, Leiterin für Mitarbeiterleistungen bei American Electric Power, ist ein echtes Vorbild. Christine denkt ständig darüber nach und setzt innovative Möglichkeiten um, wie sie ihre Mitarbeitenden im ganzen Land unterstützen kann. Sie ist außerdem Super-Mama von zwei Teenagern und eine Krebsüberlebende!
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Nehmen Sie an unserer Interviewreihe teil und teilen Sie Ihre Ideen, wie wir gemeinsam eine bessere Arbeitswelt schaffen können!
