Wohlbefinden ist eine wechselseitige Angelegenheit: Geschäftsführer und Führungskräfte konzentrieren sich oft auf Wellness-Strategien für andere, aber echtes Wohlbefinden bedeutet auch, Selbstfürsorge und Achtsamkeit in den eigenen Alltag zu integrieren.
Es ist mehr als nur ein Abhak-Kästchen: Der Fokus auf Wohlbefinden darf keine oberflächliche Aufgabe sein; es erfordert Aufrichtigkeit und Engagement, um eine echte Kultur des Wohlbefindens am Arbeitsplatz zu schaffen.
Achtsamkeit: Die beste Freundin eines Leaders: Die Integration von Achtsamkeitspraktiken kann die Entscheidungsfindung und Produktivität verbessern und letztlich sowohl Führungskräften als auch deren Teams langfristig zugutekommen.
Praktisches Wohlbefinden zur Steigerung der Teamleistung: Indem Manager bestimmte Wellness-Strategien in den Alltag integrieren, können sie ein engagierteres, kreativeres und widerstandsfähigeres Team schaffen.
Für Führungskräfte führt das Thema Wohlbefinden oft zu einem endlosen Strudel aus Strategien, Techniken und Plattformen zum Wohlbefinden, die es uns ermöglichen, das Thema Wellness abzuhaken – meistens für andere, aber gelegentlich auch für uns selbst. Leben wir aber tatsächlich nach Grundsätzen und Ideen, die unser eigenes Wohlbefinden fördern?
In diesem Artikel möchte ich betrachten, wie Führungskräfte und die meisten Unternehmen das Thema Wohlbefinden angehen und wie Führungskräfte letztlich die Ergebnisse von Programmen zur Mitarbeitergesundheit beeinflussen.
Versuch, das Problem mit Lernen & Entwicklung (L&D) zu lösen
Die meisten Unternehmen würden sagen, dass sie produktivere, gesündere und glücklichere Mitarbeitende wollen. Deshalb werden, laut einem aktuellen Bericht von Josh Bersin, weltweit Milliarden (ja, mit B) US-Dollar in Lernen und Entwicklung in Unternehmen investiert.
Dies umfasst Schulungen zu Soft Skills, Hard Skills, Compliance und verschiedene andere Trainingsarten.
Viele dieser Schulungen zielen darauf ab, die Produktivität zu steigern, die nötigen Fähigkeiten für Führungspositionen zu entwickeln oder die Teamleistung zu verbessern usw. Aber werden dadurch die gewünschten Ergebnisse erzielt?
Ein kurzer Blick in die heutige Arbeitswelt zeigt: Die Antwort ist wohl nein. Beschäftigte sind gestresster, weniger engagiert, weniger produktiv und Führungskräfte überforderter als je zuvor.
Offenbar lösen wir das falsche Problem und stecken Geld in Trainings und halbfertige Programme zum Mitarbeiterwohlbefinden, die schlichtweg keine Ergebnisse für das Geschäftsergebnis bringen.
Wie wäre es, wenn wir stattdessen den Fokus stärker auf das Schaffen außergewöhnlicher Führungskräfte legen würden, die sich um ihr eigenes Wohl kümmern, und ihnen beibringen, wie sie mit gutem Beispiel im Team vorangehen?
Die Bedeutung von Selbstfürsorge
Sich um sich selbst zu kümmern ist für Führungskräfte unerlässlich. Wenn Führungskräfte ihr eigenes Wohlbefinden priorisieren, geben sie ein starkes Vorbild für ihre Teams ab. Eine gesunde, ausgeglichene Führungskraft trägt wesentlich zu einem positiven und produktiven Arbeitsumfeld bei und inspiriert das Team, ähnliche Gewohnheiten zu übernehmen.
Laut einer Studie des The Workforce Institute können Führungskräfte die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeitenden genauso stark beeinflussen wie ihre Partner.
Das verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass Führungskräfte ihrer eigenen psychischen Gesundheit Priorität einräumen. Ein unterstützendes Arbeitsklima kann das Stresslevel des gesamten Teams deutlich senken. Wenn Führungskräfte ihre mentale Gesundheit pflegen, zeigen sie, wie wichtig Wohlbefinden ist, und erleichtern es Mitarbeitenden, diesem Beispiel zu folgen.
Effektive Führungspraktiken und Interaktionen hängen stark vom mentalen Zustand der Führungskräfte ab. Zum Beispiel sind Einzelgespräche ein wichtiger Bereich, in dem die Führungskraft ihr Engagement für das Team zeigen und Verbindungen zu Mitarbeitenden aufbauen kann.
Auch in anderen Bereichen sind Führungskräfte besser, wenn sie für ihre eigene Selbstfürsorge sorgen.
- Mehr zuhören, weniger reden – sorgt dafür, dass die Mitarbeitenden sich gehört und wertgeschätzt fühlen.
- Rückmeldung zu besprochenen Punkten geben – zeigt, dass die Führungskraft aufmerksam ist und sich kümmert.
- Vermeidung häufiger Terminverschiebungen – zeigt Wertschätzung der Zeit des Teams.
- Klar definierte Ziele setzen – gibt Mitarbeitenden eine Orientierung, um erfolgreich zu sein.
Selbstfürsorge ist nicht egoistisch. Sie ist notwendig. Wenn Führungskräfte in Bestform sind, profitiert das ganze Team. Wer sowohl bei Arbeitspraktiken als auch bei gesundheitlichen Gewohnheiten mit gutem Beispiel vorangeht, kann ein leistungsfähiges, resilientes Teamumfeld schaffen.
Praktische Beispiele für Führungskräfte und Teams
Was können Führungskräfte also tun, um besser für sich selbst zu sorgen, und was sollte dabei besonders priorisiert werden?
Für die Führungskraft
Wie schon gesagt, sollte zunächst die Führungskraft selbst in der richtigen mentalen Verfassung sein, bevor über das Team gesprochen wird.
Schauen wir uns an, worum Führungskräfte sich kümmern sollten, um die eigene Leistungsfähigkeit und das eigene Wohlbefinden zu optimieren.
Achtsamkeit und Stressmanagement
Üben Sie Achtsamkeitstechniken wie Meditation, Atemübungen oder Yoga. Schon zehn Minuten Meditation am Tag können den Stresspegel deutlich senken.
Stressmanagement kann so einfach wie Tagebuchschreiben oder so komplex wie Gespräche mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten sein.
Körperliche Gesundheit
Bauen Sie regelmäßige Bewegung in Ihren Alltag ein, sei es, indem Sie während des Arbeitstags dafür Zeit finden oder abends in der örtlichen Fußballmannschaft spielen. Egal, wofür Sie sich entscheiden, um körperlich gesund zu bleiben – der Körper sollte gefordert werden, damit auch der Geist in Bestform ist.
Während ein morgendlicher Lauf oder eine abendliche Yoga-Session Energie spenden und Stress abbauen können, sind eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf ebenfalls entscheidende Komponenten, um ein hohes Energieniveau und Konzentration aufrechtzuerhalten.
Work-Life-Balance
Für Führungskräfte und Manager ist es genauso wichtig wie für alle anderen, klare Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu setzen, wenn sie eine gewisse Work-Life-Balance erreichen möchten.
Vermeiden Sie es, E-Mails nach einer bestimmten Uhrzeit am Abend zu lesen. Ob Slack, SMS oder E-Mails – schalten Sie Benachrichtigungen nach Feierabend stumm und richten Sie automatische Antworten ein, damit andere wissen, wann sie mit einer Antwort rechnen können.
Machen Sie während des Arbeitstags regelmäßig Pausen. Kurze Unterbrechungen können die Produktivität steigern und helfen, einem Burnout vorzubeugen.
Wellness-Strategien recherchieren
Als Führungskraft liegt es an Ihnen, Mitarbeiter dazu zu inspirieren, über ihr Wohlbefinden nachzudenken. Das fühlt sich aber nicht immer selbstverständlich an. Wahrscheinlich benötigen Sie auch selbst gelegentlich eine Inspirationsquelle.
Forschung zu posttraumatischem Wachstum und traumasensibler Führung kann Managern beibringen, nicht nur Stresssymptome bei sich selbst und im Team zu erkennen, sondern auch Wege aufzeigen, wie wir unsere inneren stressauslösenden Geschichten umschreiben können.
Egal, ob Sie sich Inspiration aus wellness-basierten Inhalten in den sozialen Medien holen oder einen Wellness-Newsletter abonnieren, sollten Sie sich regelmäßig weiterbilden und recherchieren, wie Sie anderen helfen können, gute Gewohnheiten für das Wohlbefinden zu etablieren.
Für Ihre Teams
Sobald Ihre eigenen Grenzen gesetzt sind und Sie mehr aus Ihrer eigenen Leistung herausholen, können Sie beginnen, Ihre Strategien und Ideen an Ihre Teams weiterzugeben.
Einige Maßnahmen, die ihnen helfen, produktiver und zufriedener zu sein, sind unter anderem:
Technologische Maßnahmen implementieren
Setzen Sie Projektmanagement-Tools ein, um die Zusammenarbeit zu verbessern und Prozesse zu optimieren. Falls das Unternehmen nicht über das richtige Tool verfügt, ermutigen Sie zur Erprobung neuer Tools und erstellen Sie eine Fallstudie, um aufzuzeigen, wie mit diesen Tools zentrale Geschäftsherausforderungen überwunden werden konnten.
Stellen Sie Zugang zu Weiterbildungen, Coachings und Online-Kursen zur Verfügung, um kontinuierliches Lernen zu ermöglichen. So fühlen sich Ihre Mitarbeitenden eingebunden und wertgeschätzt.
Es gibt zahlreiche Wellness-Plattformen für Mitarbeitende. Seien Sie offen für Feedback zu den aktuell verwendeten Angeboten und prüfen Sie, ob andere Plattformen engagierender und wirkungsvoller für Ihr Team sein könnten.
Besser zusammenarbeiten
Überprüfen Sie Ihre Meeting-Kultur und erkennen Sie, wo Meetings gestrichen, reduziert oder besser strukturiert werden können, um unnötigen Zeitaufwand zu vermeiden. Überlegen Sie auch, wie Meetings inklusiver gestaltet werden könnten.
Organisieren Sie regelmäßige Brainstorming-Sitzungen, möglichst in Präsenz, um einen Ideenaustausch aus unterschiedlichen Teams zu fördern und Kreativität zu stärken.
Fördern Sie eine offene Kommunikationskultur, in der Teammitglieder ihre Gedanken und ihr Feedback frei äußern können – das unterstützt eine effektivere Zusammenarbeit und Problemlösung.
Achtsamkeit fördern
Führen Sie während des Arbeitstags kurze Achtsamkeitspausen ein. Ermutigen Sie Teammitglieder zu kurzen Meditationen oder Entspannungsphasen – eventuell mithilfe eines externen Trainers für eine angeleitete Meditation, die Sie selbst besuchen.
Gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Es gibt viele Möglichkeiten dies zu tun – eine der wirksamsten ist, zu teilen, wie Sie selbst achtsame Momente in Ihren Alltag integrieren.
Stellen Sie Ressourcen für Stressbewältigung zur Verfügung, wie beispielsweise Zugang zu Wellness-Programmen oder "Mental Health Days".
Körperliche Gesundheit fördern
Organisieren Sie Fitness-Wettbewerbe oder Gruppentrainings. Ein Schrittzähler-Wettbewerb ist eine unterhaltsame Möglichkeit, Bewegung anzuregen.
Bieten Sie Webinare zu Ernährung und gesundem Leben an und fördern Sie den Zugang zu Wellness-Ressourcen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt zur Förderung der körperlichen Gesundheit ist, in Bürosettings gesunde Snack-Alternativen anzubieten. Viele Büroarbeiten werden im Sitzen verrichtet. Das Angebot an fettreichen, stark verarbeiteten Lebensmitteln trägt wenig zur Leistungsfähigkeit im Job bei.
Ermutigen Sie zu Geh-Meetings oder anderen Meetings, die Bewegung ermöglichen, wann immer es geht.
Work-Life-Balance unterstützen
Respektieren Sie die Freizeit Ihrer Mitarbeitenden. Versenden Sie keine Arbeits-E-Mails nach Feierabend und ermutigen Sie Ihr Team, abzuschalten. Genauso wie Sie für sich selbst Grenzen setzen, sollten Sie sicherstellen, dass dies auch für andere möglich ist.
Bieten Sie flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit für Homeoffice an, damit Mitarbeitende ihre privaten und beruflichen Verpflichtungen besser miteinander vereinbaren können. Homeoffice ist bei Führungskräften, die mehr Kontrolle ausüben möchten und auf Machtstrukturen setzen, vielleicht weniger beliebt, doch es hilft Ihren Mitarbeitenden, Abstand zur Arbeit zu gewinnen und bessere Leistungen zu erbringen.
Führungskräfte, die selbst auf ihr eigenes Wohlbefinden achten und mit gutem Beispiel vorangehen, können ein positives, produktives und gesundes Arbeitsumfeld schaffen. So erhalten Sie produktivere, gesündere und zufriedenere Mitarbeitende. Konzentrieren Sie sich darauf – die Ergebnisse werden folgen.
