Erfolgreich mit der 4-Tage-Arbeitswoche: Erfolge & Gelerntes

In dieser Folge spricht Gastgeberin Becca Banyard mit Rita Wittek, der Director of People bei Homerun. Gemeinsam teilen sie Ritas jüngste Erfahrungen mit der erfolgreichen Einführung einer Vier-Tage-Arbeitswoche bei Homerun. Sie berichtet, wie dies umgesetzt wurde, was sie daraus gelernt hat, wie der Erfolg des Vorhabens gemessen wurde und welchen positiven Einfluss diese Veränderung auf das Leben der Mitarbeitenden bei Homerun hatte.

Interview-Highlights

  • Ritas kurzer Hintergrund [1:19]
    • Rita ist eine praxisorientierte Führungskraft im Personalbereich.
      • Sie arbeitete in Start-ups, hauptsächlich in Amsterdam in den letzten 7+ Jahren. 
      • Sie baut die Employee Experience von Grund auf auf.
      • Sie entwickelt und gestaltet Prozesse, Richtlinien und alles, was mit dem Mitarbeitenden-Erlebnis zu tun hat. 
      • Ihr Herzensthema ist die Balance zwischen Beruf und Privatleben sowie mentale Gesundheit am Arbeitsplatz.
    • Rita arbeitet aktuell als Director of People bei Homerun.
      • Homerun ist ein Recruiting-Tool für kleine und mittelständische Unternehmen. Mit diesem Tool können Unternehmen ihren Einstellungsprozess organisieren.
    • Rita ist zudem Mitbegründerin der People Ops Slack-Community in Amsterdam.
      • Ihr Beweggrund: Die Arbeit im HR-Bereich kann manchmal ziemlich einsam sein, daher wollte sie Menschen um sich haben, mit denen sie sich austauschen kann – über alle großen und kleinen HR-Themen.
      • Mittlerweile hat die Community 700 Mitglieder und es wird über alles gesprochen, was zum Austausch steht.
  • Homeruns Prozess zur Bewertung der Machbarkeit der Vier-Tage-Woche [3:53]
    • In den letzten Jahren war es weltweit ziemlich herausfordernd. Viel wirtschaftliche Unsicherheit. Zwischen der Pandemie und dem allgemeinen wirtschaftlichen Abschwung waren die Menschen sehr erschöpft.
      • Rita stellte fest, dass die Mitarbeitenden so beschäftigt waren, alles am Laufen zu halten. Daher wurde es für sie persönlich ein Anliegen, mehr Work-Life-Balance zu schaffen.
        • Zu einem bestimmten Zeitpunkt entschied sich Rita selbst, auf Teilzeit zu wechseln und ihre eigenen Arbeitsstunden zu reduzieren. 
        • Nachdem sie dies tat, stellte sie fest, dass sie wieder aufblühte und großartige Arbeit leistete. Sie war motiviert, ausgeruht, und es wurde niemand zusätzlich eingestellt, um die Lücken zu füllen.

Wenn wir uns nicht so schnell vom Präsenzzwang lösen und so arbeiten können, dass wir uns auf Ergebnis und Output konzentrieren – warum sollten wir das Gleiche nicht tun können, indem wir einfach ein paar Stunden weniger arbeiten?

Rita Wittek
  • Wie Rita die Viertagewoche bei Homerun einbrachte [7:48]
    • Sie ging zu den Gründern des Unternehmens – ihren Vorgesetzten und dem COO – und brachte die Idee auf.
      • Sie waren der Idee gegenüber aufgeschlossen, also baten sie Rita, einen Vorschlag zu schreiben. 
      • Was auch geholfen hat, war, dass einer der Gründer tatsächlich selbst seine Arbeitszeit reduziert hatte, da er kürzlich Vater geworden war und Zeit mit seinem Sohn verbringen wollte.
      • Rita begann daraufhin, einen Vorschlag auszuarbeiten. Sie beziehte das Team zu diesem Zeitpunkt noch nicht ein, weil sie niemandem falsche Hoffnungen machen wollte.
        • Sie informierte sich darüber und sprach mit Menschen, die die Viertagewoche in verschiedenen Ländern eingeführt hatten.
        • Sie sprach auch mit einer Anwältin darüber. Sie wollte bis ins kleinste Detail wissen, wie das aussehen würde.
        • Sie formulierte einige übergeordnete Ziele, wobei ihr Hauptziel immer war, das allgemeine Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu verbessern.
        • Rita nahm an, dass eine kürzere Arbeitswoche die Arbeitsweise effizienter machen und die Menschen bewusster mit ihrer Arbeitszeit umgehen würden.
        • Ein weiterer wichtiger Punkt: Sie wollte, dass es ein sehr inklusiver Vorteil ist. Jede Person sollte gleich behandelt werden.
    • Rita führte zunächst einen Testlauf mit der Viertagewoche durch und mittlerweile haben sie diese offiziell eingeführt.
      • Sie betrieb ihre gesamte Recherche, schrieb einen Vorschlag nieder und erklärte den Gründern sowie dem COO, dass es bei der Mitarbeiterbindung helfen würde. Gleichzeitig würde es künftige Einstellungen erleichtern und helfen, Menschen zu finden, die die Unternehmenswerte teilen.
        • Einer dieser Werte ist, das Gleichgewicht zu bewahren – daher ist die Viertagewoche ein guter Weg, diesen Wert zu leben. 
      • Rita präsentierte den Vorschlag den Gründern und dem COO, und diese waren ziemlich beeindruckt.
        • Sie gaben ihr grünes Licht für einen Pilotversuch. 
        • Danach bezog sie das Team ein. Rita betrachtet das ganze Mitarbeitenden-Erlebnis wie ein Produkt: Ihr Team ist die Kundschaft und das Produkt ist deren Erfahrung im Unternehmen.
        • Rita stellte dem Team Fragen wie: Wie glaubt ihr, wird sich das auf eure Produktivität auswirken? Werdet ihr eure Arbeit trotzdem erledigen können? Wärt ihr an diesem Vorteil überhaupt interessiert?
        • Sie führte Einzelgespräche, organisierte eine Fokusgruppe und verschickte Umfragen. Alles wurde von ihr dokumentiert, um bestmöglich vorbereitet zu sein.
  • Wie Rita festgestellt hat, dass die Einführung der Viertagewoche erfolgreich war [13:33]
    • Zunächst ist es sehr wichtig zu wissen, welche Daten man sammeln will und was genau gemessen werden soll.

Das allgemeine Wohlbefinden und die Zufriedenheit unserer Mitarbeitenden waren das Wichtigste. Daraus ergibt sich dann auch gute Arbeit.

Rita Wittek
  • Rita hat alle möglichen verschiedenen Datenpunkte gesammelt.
    • Wenn man nur die Produktivität misst, weil das häufig in den Nachrichten über die Vier-Tage-Woche zu sehen ist, stimmt das so nicht. Es hängt davon ab, was Produktivität bedeutet und was das Ziel ist, indem man die Arbeitszeit reduziert.
      • Zum Beispiel arbeitet man bei Homerun in sechswöchigen Zyklen, wobei die Projekte in jedem Zyklus unterschiedlich sind. Sie können in einer Woche komplexer sein als in der anderen. Und manchmal ist es ein kreativer Zyklus, daher ist es schwierig zu messen.
    • Es geht viel mehr darum, wie Produktivität wahrgenommen wird und die Ergebnisse zu messen.
    • Rita hat sich auf Konzentration, Teamarbeit, Flexibilität und Glücklichsein fokussiert und einfach jeden Monat gefragt, wie es den Mitarbeitenden damit geht.
  • Zu Beginn, bevor sie die Vier-Tage-Woche eingeführt haben, hat Rita ihr Team gefragt, an welchem Tag sie gerne freinehmen würden.
    • Einige wollten den Montag, manche den Freitag und einige den Mittwoch.
    • Sie haben entschieden, dass Dienstag und Donnerstag die Unternehmenstage sind, an denen alle arbeiten.
    • Sie achten im Team darauf, dass nicht alle denselben Tag wählen. Zum Beispiel beim Kundenservice: Eine Person hat Montag frei, eine Mittwoch, eine Freitag.
    • Homerun ist ein flexibles Unternehmen. Wenn jemand seinen freien Tag wechseln muss, gibt es immer eine Möglichkeit. Es gibt einen festgelegten freien Tag, aber Ausnahmen sind möglich.
  • Die Vier-Tage-Woche wurde mit voller Bezahlung umgesetzt, sodass niemand auf Gehalt verzichten musste.
    • Manche hatten Bedenken, ob sie ihre Arbeit dann noch schaffen würden. Das war die größte Sorge.
      • Einige der Fragen, die Rita von ihren Mitarbeitenden bekam, waren: „Was erwartest du in diesen vier Tagen von mir? Muss ich dann zehn Stunden am Tag arbeiten? Wenn ich mit meiner Arbeit nicht fertig werde, muss ich dann am freien Tag weiterarbeiten? Werde ich an meinem freien Tag kontaktiert?“ Das hat sie berücksichtigt.
    • Die Umstellung half auch, dem Unternehmen neue Kreativität einzuhauchen. Weil die Leute ausgeruhter sind, sind sie motivierter. Es entsteht ein besonderer Teamgeist, weil sich die Mitarbeitenden als Teil eines Unternehmens fühlen, das Neues ausprobiert und gerne darüber spricht.
  • Bei Homerun wurde den Mitarbeitenden klar gemacht, dass mit der Einführung der Vier-Tage-Woche kein plötzlicher Anstieg der Produktivität erwartet wird.
    • Sie möchten, dass die Leute sich wohlfühlen, die neue Regelung genießen und glücklich sind – und dass die Arbeit dann von allein folgt.
    • Niemand soll zehn Stunden am Tag arbeiten. Flexibilität kommt an erster Stelle. An manchen Tagen können Mitarbeitende tagsüber Sport machen und abends arbeiten, wenn sie dann produktiver sind. 
    • Rita fragt, wie viele Stunden pro Tag sie sich produktiv fühlen. Und die Antworten fallen je nach Tätigkeit verschieden aus.

Wenn man akzeptiert, dass Produktivität nicht bedeutet, von Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr am Schreibtisch zu sitzen, und dass Menschen auf unterschiedliche Weise arbeiten, dann beginnt die Magie zu wirken.

Rita Wittek
  • Die Vorteile und Nachteile, die Rita seit der Einführung der 4-Tage-Woche erlebt hat [21:53]
    • Mit Urlaubsvertretungen im Team müssen sie etwas kreativer werden und genauer hinschauen.
    • Kommunikation und Dokumentation.
      • Sie müssen deutlich mehr dokumentieren. Sie müssen besser in der asynchronen Kommunikation werden. Es gibt Mitarbeitende in verschiedenen Ländern, manchmal auch in unterschiedlichen Zeitzonen. Und das ist definitiv eine Herausforderung.
    • Manchmal gibt es Leute, die sagen: „Ich habe meinen Arbeitstag am Montag begonnen, aber die Person am Freitag hat keine Übergabe gemacht und jetzt stecke ich fest.“ Das ist ein Thema, mit dem sie sich auseinandersetzen mussten. Aber sie sind darin besser geworden.
  • Einige überraschende Dinge, die Rita während des Prozesses gelernt hat [23:21]
    • Wie unterschiedlich Homerun auf Dinge wie die Vier-Tage-Woche blickt.
      • Viele Unternehmen denken darüber nach, wie sie die Produktivität steigern können, und möchten datenbasierte Entscheidungen treffen, aber sie berücksichtigen die weichen Faktoren nicht.
      • Die Gründer von Homerun hatten ihr Hauptziel immer im Blick: das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden. Produktivität steht dabei gar nicht an erster Stelle. Das bedeutet nicht, dass sie nicht produktiv sein wollen – im Gegenteil, sie sind produktiver als je zuvor.
      • Dinge wie Stress und Burnout zu messen ist nicht einfach und es gibt kein Patentrezept dafür. Man braucht Zeit und kann den Prozess nicht überstürzen.
  • Ritas Rat für alle, die sich für die Vier-Tage-Woche interessieren und diese im eigenen Unternehmen ausprobieren möchten. [25:04]
    • Optimieren Sie nicht nur für Produktivitätskosten, sondern stellen Sie wirklich die Menschen in den Vordergrund.
    • Denkweise: Menschen zuerst, Verwaltung an zweiter Stelle. Es gibt viele Dinge zu erledigen, daher müssen die richtigen Dinge gemessen werden, denn zufriedene Mitarbeitende sind einfach fokussierter.
    • Setzen Sie auf eine lange Testphase. Je länger der Testzeitraum, desto besser sind die Erfolgschancen.
  • Das wichtigste Element, das die Mitarbeitenden am Arbeitsplatz glücklich macht [26:16]
    • Flexibilität. Ein flexibler Arbeitgeber zu sein und seine Mitarbeitenden als Individuen zu behandeln, denn jeder Mensch ist unterschiedlich.
  • Das eine, was man braucht, um eine erfolgreiche Führungskraft zu sein [26:36]
    • Unterstützung durch das Führungsteam.
      • Rita ist der Meinung, dass die Rolle der Mitarbeitenden immer im Mittelpunkt des Unternehmens stehen sollte.

Lerne unseren Gast kennen

Rita ist eine praxisorientierte People Leaderin. In den letzten 7+ Jahren hat sie bei jungen Software-Start-ups in Amsterdam das Mitarbeitererlebnis von Grund auf aufgebaut. Sie entwickelt und gestaltet Prozesse, Tools und Rahmenwerke für den gesamten Mitarbeiterlebenszyklus – und behandelt diesen wie ein Produkt, das kontinuierlich verbessert wird.

Die Themen, für die sie am meisten brennt, sind Work-Life-Balance, Benefits und mentale Gesundheit am Arbeitsplatz. Zudem ist sie Verfechterin von Remote-Arbeit und schafft gern flexible Arbeitsumgebungen. Oft arbeitet sie aus verschiedenen Ländern in ganz Europa.

Derzeit ist sie Director of People bei Homerun. Homerun ist ein Recruiting-Tool für kleine und mittelständische Unternehmen. Ihr Tool unterstützt kleine Firmen dabei, den Bewerbungsprozess zu organisieren, sodass sie bedeutsame Einstellungen vornehmen können.

Rita ist außerdem Mitgründerin der People Ops Community NL, einer Slack-Community von gleichgesinnten HR-Profis in den Niederlanden. Die Community zählt inzwischen über 700 Mitglieder, deckt eine breite Palette an Erfahrungen und Branchen ab und diskutiert sowohl kleine als auch große Themen der Personalarbeit.

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Da wir ein kleines Unternehmen sind, sind wir sehr flexibel und kreativ und stellen gerne den Status quo in Frage und probieren Neues aus. Manchmal sind kleine Firmen die Orte, an denen solche Veränderungen schneller stattfinden.

Rita Wittek