Wie jeder HR-Leiter bestätigen wird, sind Krisen ein unvermeidlicher Teil des Jobs. Schwierige Situationen treten auf, und oft liegen sie außerhalb unserer Kontrolle. Wie können Unternehmen eine Krise überstehen und sie langfristig zu einem Vorteil machen? In dieser Interviewreihe sprechen wir mit erfahrenen HR-Führungskräften, die ihre Strategien teilen, um Stürme zu überstehen und Krisen in Chancen zu verwandeln.
Willkommen, Nate! Bevor wir richtig einsteigen, möchten unsere Leser Sie gerne besser kennenlernen. Können Sie uns Ihre „Hintergrundgeschichte“ erzählen, die Sie auf diesen speziellen Karriereweg geführt hat?
Ich schätze mich glücklich, dass ich meinen Weg in die Personalgewinnung und Personalentwicklung gefunden habe. Als ich im Nordosten Ohios aufwuchs, war es manchmal schwierig herauszufinden, wohin mich mein beruflicher Weg führen würde – was angesichts der letzten 20 Jahre ironisch ist.
Ich habe während meines Studiums an der Kent State University bei einem großen Logistikunternehmen gearbeitet. Nach mehreren Jahren, in denen ich für die Talentgewinnung in diesem Unternehmen verantwortlich war, zog ich nach New York City und arbeitete dort als Personalvermittler in den Jahren vor der Großen Rezession.
Genauer gesagt habe ich wohlhabenden Investmentfirmen geholfen, im umkämpften Umfeld Top-Fachkräfte im Technologiebereich zu gewinnen. Danach habe ich für ein Start-up an der Westküste gearbeitet – ebenfalls während der Großen Rezession – und bin anschließend zurück nach Nordost-Ohio gekehrt, um ein lokales Unternehmen von 10 Mitarbeitern auf eine nationale Marke mit über 200 Festangestellten und 700 Auftragnehmern zu skalieren.
Arbeiten Sie derzeit an spannenden neuen Projekten? Wie werden diese Ihrer Meinung nach Menschen helfen?
Absolut! Bei Rust Belt Recruiting schlagen wir eine Brücke zwischen fleißigen Menschen und sinnstiftenden Arbeitsplätzen. Das klingt vielleicht abgedroschen, aber es ist die Wahrheit – und derzeit so wichtig wie nie zuvor.
Unsere Kunden stellen großartige Produkte her, haben aber oft nicht das wichtigste Produkt im Blick – ihre Menschen.
Keiner von uns erreicht Erfolg völlig allein. Gab es eine bestimmte Person, die Ihnen dabei geholfen hat, dorthin zu kommen, wo Sie heute sind? Können Sie dazu eine Geschichte erzählen?
Wie schon erwähnt, arbeitete ich während meines Studiums an der Kent State University für ein großes Logistikunternehmen.
Meine Arbeit war zunächst Teilzeit, nachts Lkw zu beladen. Während der Arbeit habe ich geholfen, neue Teammitglieder zu rekrutieren und einzulernen. Dadurch haben mir einige wichtige Führungskräfte des Unternehmens ermöglicht, offiziell Teil des Talent-Teams zu werden – einige Jahre vor meinem Abschluss.
Ich habe dann meinen Stundenplan umgestellt, um im Recruiting und Onboarding zu arbeiten, während ich abends mein Studium beendete. Ich habe sehr viel gelernt und verdanke diesen Menschen meinen Karriereweg.
Fantastisch, vielen Dank dafür. Kommen wir nun zum Hauptthema unseres Interviews: HR-Strategien, um Krisen in Chancen zu verwandeln. Können Sie eine Geschichte aus Ihrer Berufspraxis teilen, in der Ihr Unternehmen in eine Krise geraten ist? Was ist passiert? Wie sind Sie vorgegangen?
Viele von uns nennen wahrscheinlich die Pandemie als prägendste Erfahrung im Krisenmanagement. Betrachtet man jedoch die letzten 20 Jahre, war es insgesamt eine bewegte Zeit für die Arbeitswelt.
Aber die Pandemie war mit Abstand am disruptivsten. Zu diesem Zeitpunkt war ich Chief Talent Officer (und Leiter der Personalabteilung) einer nationalen Marke.
Wir hatten ein großes Produktionsteam (100+), das wir sofort aufgrund der COVID-19-Beschränkungen nicht mehr einsetzen konnten. Zudem arbeiteten wir mit Kunden im Hochschulbereich – dieser Markt kam praktisch über Nacht zum Erliegen.
Die höchste Priorität war die Einhaltung der örtlichen CDC-Richtlinien. Zweitens mussten wir alle Aufträge aus unserem Produktionsrückstand, soweit möglich, sicher fertigstellen – ohne zu wissen, wann oder ob wir zurückkommen konnten.
Unser HR-Team (ich und einige wenige Kollegen) richtete einen kontaktlosen Bereich mit getrenntem Eingang und Ausgang für Papierkram und Fragen ein, um alle Mitarbeitenden bzgl. fortlaufender Benefits und vorhandener Vergütungsoptionen zu informieren.
Wir mussten zwar einige Mitarbeitende entlassen, aber es gelang uns, die meisten innerhalb von 90 Tagen wieder einzustellen.
Wie war Ihre innere Einstellung in einer so schwierigen Phase? Woher nahmen Sie die Kraft, weiterzumachen, als alles so herausfordernd war?
Mein Ansatz war stets: Der Mensch kommt zuerst, aber mir war klar, dass es nicht leicht werden würde. Wir haben uns darauf konzentriert, so viel Gutes wie möglich zu tun – auch dann, wenn man schwierige Nachrichten überbringen musste.
Ich vergleiche ein Unternehmen mit einem Mosaik: unterschiedlich geformte Teile, die ein klares Gesamtbild ergeben. Wird das Bild aufgrund einer Krise unscharf oder passen die Teile nicht mehr gut zusammen, ist es Aufgabe von HR, die Teile neu zu justieren, um wieder Klarheit und einen Weg nach vorn zu schaffen.
Schwierige Gespräche und Situationen gehören dazu – und man muss sich bewusstmachen, dass sie nie einfach sein werden.
Können Sie uns bitte erzählen, wie Sie es geschafft haben, solche Widrigkeiten zu überwinden und wie das Unternehmen letztendlich die Krise in eine Chance oder einen Vorteil verwandeln konnte? Wie sah das nächste Kapitel aus?
Als Führungskraft, die sich mit Humankapital befasst, sind Sie diejenige, die schwierige Entscheidungen treffen muss. Sie müssen sich zu diesen Entscheidungen bekennen und gleichzeitig Ihr Bestes geben, die guten Aspekte zu bewahren – andernfalls leidet Ihre Glaubwürdigkeit.
Wir haben uns darauf konzentriert, welche Chancen wir tatsächlich hatten. Das nächste Kapitel für uns war die Umstellung auf eine Remote-Belegschaft. Wir konnten praktisch jeden von überall einstellen und dadurch unseren Talentpool erweitern und einige großartige Talente für unser Team gewinnen.
Wir haben außerdem Segmente identifiziert, die an unser Hauptklientel angrenzen. Durch das Erkennen dieser natürlichen Synergien im Markt konnten wir bisher unterversorgte Marktsegmente erschließen.
Hier ist die Hauptfrage unseres Interviews: Können Sie basierend auf Ihren Erfahrungen fünf umsetzbare Ratschläge für HR-Führungskräfte teilen, wie Unternehmen eine Krise in eine Chance oder einen Vorteil verwandeln können?
Es scheint, als würde das „neue Normal“ stets die besten Pläne eines Unternehmens durcheinanderbringen, und das gilt besonders für HR- oder Talentakquise-Profis.
Mein Rat im Angesicht von Widrigkeiten ist, sich auf die Strategie zu konzentrieren und sich darauf zu konzentrieren, eine kleine Anzahl großer, bedeutungsvoller Veränderungen vorzunehmen.
Konkret: Wenn man Zitronen bekommt, dann sollte man verdammt nochmal die bestmögliche Limonade daraus machen!
1. Verabschieden Sie Richtlinien, die für das Unternehmen richtig sind, auch wenn sie vielleicht für Unruhe sorgen. Mein Rat in Zeiten von Unsicherheit oder Krise ist: Befreien Sie sich von jeglichem Widerstand dagegen, wie die Dinge früher waren.
2. Überprüfen Sie Strukturen und Ebenen, einschließlich der Zusammenlegung von Abteilungen. Viele Unternehmen durchlaufen Wachstumsphasen und enden mit aufgeblähten Bereichen, von denen sie sich nur schwer trennen. Und wie bei jeder „Diät“ sind diese Bereiche weiterhin schwer abzubauen, weil es mit Schmerzen verbunden ist, sich von den zusätzlichen „Unternehmens-Kilos“ zu trennen.
3. Verkaufen oder schließen Sie wenig profitable Geschäftsbereiche ab. Wenn sich Ihr Unternehmen auf eine magere Zeit oder eine sich anbahnende Krise zubewegt, kann dies der richtige Zeitpunkt sein, um größere Veränderungen zu übernehmen, und die Gelegenheit zu nutzen, den Schmerz einmal zu erleben und das Richtige für die Zukunft Ihres Unternehmens zu tun.
4. Verlagern Sie Ihren Fokus von Umsatz auf Nettogewinn. Der Umsatz ist oft der Nordstern vieler Unternehmen. In einer Krise kann ein unerreichbares Ziel allerdings Ihr Team demotivieren. Stattdessen sollten Sie sich auf die wirklich entscheidende Kennzahl konzentrieren – Ihren Nettogewinn.
5. Bieten Sie freiwilligen unbezahlten Urlaub für eine längere Dauer an. Wenn Ihre Mitarbeitenden die finanziellen Möglichkeiten und Kapazitäten haben, unbezahlten Urlaub zu nehmen, lassen Sie sie! Ziel dieser Strategie ist es, Entlassungen zu vermeiden und Mitarbeitenden zu ermöglichen, ihre Vorteile, ihren Status usw. in der Zwischenzeit zu behalten.

Was sind einige der häufigsten Fehler, die Sie beobachten, wenn ein Unternehmen in eine Krise gerät? Was sollte getan werden, um sie zu vermeiden?
Seien Sie transparent, verletzlich und setzen Sie realistische Erwartungen. Beim Eintritt in eine Krise sollte man davon ausgehen, dass es eine große Unsicherheit rund um die Entscheidungsfindung geben wird.
Als Folge werden die Ergebnisse dieser Entscheidungen unter Umständen nicht so wünschenswert sein wie unter normalen Umständen. Wenn Sie nicht alle Informationen haben, aber mehr richtige als falsche Entscheidungen treffen, dann ist das immerhin eine 6 von 10. Ich glaube nicht, dass das die meisten als „Sieg“ sehen würden – aber es ist einer, und es ist ehrlich!
Welchen Rat würden Sie HR-Führungskräften und Unternehmen geben, die bisher noch keine echte Krise erlebt haben?
Bauen Sie sich ein Netzwerk auf! Sie brauchen ein paar Leute, die Sie anrufen können, wenn es soweit ist. Ich empfehle, gezielt wichtige Führungskräfte aus angrenzenden Branchen sowie ein gutes juristisches Netzwerk ausfindig zu machen, um Ideen auszutauschen.
Ein schneller Anruf „inoffiziell“ kann in einer Krise wahre Wunder bewirken. Es ist wie das „Publikumsjoker“ bei einer schwierigen Entscheidung.
Wenn Sie eine Bewegung inspirieren könnten, die dem größtmöglichen Teil der Gesellschaft nutzt, welche wäre das? Sie wissen nie, was Ihre Idee auslösen kann. :-)
Das ist eine großartige Frage; für mich würde sie sich um Achtsamkeit drehen. Diesen Begriff hört man oft, aber für mich bedeutet er, die Geräte auszuschalten und dem Geist Zeit zu geben, sich zu entspannen und präsenter zu sein. Konzentrieren Sie sich darauf, dort zu sein, wo Sie gerade sind, und mit wem Sie zusammen sind.
Danke, Nate! Wie können unsere Leser weiterhin Ihre Arbeit online verfolgen?
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