Jedes Team arbeitet nach bestimmten Normen – den informellen Erwartungen daran, wie die Mitglieder zusammenarbeiten. Einfach gesagt werden sie verstanden als „So läuft die Arbeit bei uns“.
Teamnormen entwickeln sich im Laufe der Zeit organisch und sind oft ungeschrieben und unausgesprochen. Ich habe jedoch festgestellt, dass das bewusste Festlegen und Kommunizieren von Teamnormen die Teamleistung und das Engagement fördert.
Hier zeige ich die Kraft von Teamnormen auf und gebe eine Anleitung, wie man sie etabliert.
Durch einen bewussten Wechsel zu expliziten Normen können Führungskräfte ihre Teams zu höheren Leistungen anspornen.
Was sind Teamnormen?
Normen sind nicht dasselbe wie Regeln oder Richtlinien. Sie unterscheiden sich in mehreren wichtigen Punkten.
Grad der Formalität
Normen sind typischerweise informelle, ungeschriebene Absprachen, die festlegen, wie Teammitglieder zusammenarbeiten. Sie sind die traditionell nicht festgehaltenen Regeln, wie Arbeit im Team erledigt wird, aber es ist möglich und vorzuziehen, dass das Team sie aktiv entwickelt und kommuniziert, während sie dennoch informell bleiben.
Regeln und Richtlinien hingegen sind formell und dokumentiert, meist in Form von Richtlinien oder Arbeitsanweisungen.
Flexibilität
Normen sind flexibel und anpassungsfähig und können sich leicht verändern und weiterentwickeln, wenn sich das Team oder die Situation wandelt, ohne dass es einer formellen Genehmigung bedarf.
Regeln und Richtlinien sind starrer. Aufgrund ihres formellen Charakters bedürfen Änderungen der Zustimmung durch die Führungsebene.
Wie sie entstehen
Normen werden gemeinschaftlich durch Teaminteraktionen und -erfahrungen geprägt, wohingegen Regeln und Richtlinien von einer Autoritätsperson (einer Führungskraft, einer Fachgruppe oder der Organisation) entwickelt und vorgegeben werden.
Geltungsbereich
Normen legen den Fokus darauf, wie Menschen in einem bestimmten Kontext zusammenarbeiten. Sie gelten situationsbezogen in einem Team oder einer Gruppe und sind nicht organisationsweit einheitlich.
Regeln und Richtlinien haben einen breiteren Geltungsbereich und werden in der Regel einheitlich auf die gesamte Organisation angewendet.
Verantwortlichkeit und Durchsetzung
Normen werden eigenständig eingehalten und basieren auf gegenseitiger Verantwortung. Verstöße werden durch Rückmeldungen und Gespräche behandelt, ohne formale Sanktionen.
Regeln/Richtlinien werden von einer autorisierten Person oder Funktion durchgesetzt. Nichteinhaltung zieht häufig formale Konsequenzen nach sich.
| Normen | Regeln/Richtlinien |
| Oft informell und ungeschrieben | Formell und dokumentiert |
| Sehr anpassungsfähig | Starr; Änderungen nur mit Zustimmung der Führung |
| Durch Teaminteraktionen und Erfahrungen gemeinsam geprägt | Von der Führung geschaffen und von Autoritätspersonen vorgegeben |
| Fokus auf Zusammenarbeit in bestimmten Kontexten; situationsabhängig | Breiter Geltungsbereich; unveränderlich |
| Eigenständig eingehalten; Durchsetzung basiert auf gegenseitiger Verantwortung | Von einer Autoritätsperson durchgesetzt; Durchsetzung hat formale Konsequenzen |
Die Bedeutung von Normen für leistungsstarke Teams
Normen fördern eine hohe Leistungsfähigkeit, indem sie das gemeinsame Verständnis schaffen, das Teams zur effizienten Zusammenarbeit benötigen.
Sie lenken das Team auf gemeinsame Ziele und Verantwortlichkeiten und helfen dabei, konkurrierende Prioritäten einzuordnen.
Das Aufstellen von Teamnormen trägt auf drei wesentliche Arten zu einer wirksamen Arbeitsdynamik bei:
1. Einheitliche Erwartungen und Verhaltensweisen
Um auf hohem Niveau zu arbeiten, brauchen Teams Konsistenz. Indem sie nicht nur festlegen, was im Team getan wird, sondern auch wie es getan wird, sorgen Normen für Fokus und Produktivität und ersparen es, für jedes Projekt oder Arbeitspaket erneut festlegen zu müssen, wie gearbeitet wird.
Normen schaffen klare Erwartungen daran, wie Teammitglieder zusammenarbeiten, Entscheidungen treffen und miteinander kommunizieren. All das reduziert die Unsicherheit und Konflikte, die Teams aufhalten können.
2. Mehr Vertrauen und Zusammenarbeit
In der bekannten Project Aristotle-Studie fand Google heraus, dass der wichtigste Erfolgsfaktor eines leistungsstarken Teams die psychologische Sicherheit ist – also das Maß an Vertrauen im Team.
Normen beschleunigen den Vertrauensaufbau und die gegenseitige Verantwortlichkeit, indem sie erwartete Verhaltensweisen beim Einhalten von Zusagen, Übernehmen von Fehlern und gemeinsamer Problemlösung festlegen.
3. Klarheit bei der Priorisierung
Wenn Teammitglieder gemeinsame Ziele haben und verstehen, wie ihre individuellen Verantwortungsbereiche diese Ziele unterstützen, können alle anhand derselben gemeinsamen Faktoren Prioritäten setzen.
Sie helfen den Menschen, ihre Zeit und Energie auf die wichtigsten Projekte und Entscheidungen zu konzentrieren und beseitigen Unklarheiten über die obersten Prioritäten zur Ergebniserzielung.
Beispiele für Teamnormen
Obwohl Teams in Bezug auf verschiedene Aspekte ihrer Zusammenarbeit Normen entwickeln können, finden Sie hier einige Beispiele für die gängigsten Arten von Normen.
1. Wann und wie das Team kommuniziert
Gemeinsame Erwartungen, wann und wie das Team kommuniziert – sowohl intern als auch extern mit bereichsübergreifenden Partnern – sind entscheidend, um Klarheit und Produktivität zu gewährleisten. Dies kann beinhalten:
- Nutzung von Kommunikationskanälen: Wann und wie das Team E-Mail, Instant Messaging, Meetings oder Town Halls nutzt
- Antwortzeiten: Erwartete Reaktionszeiten für dringende und weniger dringende Nachrichten usw.
- Dringlichkeit: Wie kommuniziert wird, wenn etwas dringend ist, und was als dringend gilt.
- Transparenz von Informationen: Wie transparent das Team Informationen auf verschiedenen Ebenen innerhalb des Teams und der Organisation weitergibt.
- Erwartungen an Meetings: Wer zu Meetings eingeladen wird, die Nutzung von Agenden, Erwartungen an Zusammenfassungen und die Weitergabe von Informationen.
2. Wie im Team Entscheidungen getroffen werden
Ein gemeinsames Verständnis darüber, wie Entscheidungen getroffen und kommuniziert werden, erhöht die Klarheit und Verantwortung.
Es stellt sicher, dass Entscheidungen effizient getroffen werden und Teammitglieder ihre Rolle im Entscheidungsprozess verstehen. Übliche Normen im Zusammenhang mit Entscheidungsfindungen sind:
- Nutzung bestimmter Entscheidungsfindungs-Frameworks: Einsatz von Werkzeugen wie SWOT-Analyse, einer Entscheidungsmatrix, RAPID oder RACI.
- Klarheit über den Entscheidungsträger: Wann das Team Entscheidungen gemeinsam trifft, wann die Führungskraft entscheidet und wann die Entscheidung an jemand anderes im Team delegiert wird.
- Datenbasierte Entscheidungen: Erwartungen, wann Daten statt Meinungen verwendet werden und wie viele Daten für eine Entscheidung notwendig sind.
- Entscheidungen überdenken: Kriterien, wann es akzeptabel ist, eine Entscheidung zu überdenken.
3. Wie Meinungsverschiedenheiten gelöst werden
Meinungsunterschiede sind in Teams üblich, aber es ist wichtig, zwischen unterschiedlichen Ansichten und echten Meinungsverschiedenheiten zu unterscheiden.
Normen können dazu beitragen, eine gesunde Diskussion zu fördern und zu verhindern, dass Konflikte entstehen, die das Teamgefüge beeinträchtigen. Einige Beispiele sind:
- Aktives Zuhören: Die Erwartung, dass Teammitglieder zuhören, um zu verstehen, und nicht nur, um zu antworten.
- Förderung offener Diskussionen: Ein Umfeld schaffen, in dem sich alle sicher fühlen, um offen und respektvoll zu diskutieren oder auch anderer Meinung zu sein.
- Einigen, uneinig zu sein: Erwartungen festlegen, wann Diskussionen beendet werden, Entscheidungen getroffen sind und das Team trotz unterschiedlicher Ansichten mit den nächsten Schritten voranschreitet.
- Lösungsorientierte Diskussionen: Verpflichtung, aktiv an der Lösung von Meinungsverschiedenheiten zu arbeiten, statt im Problem zu verharren.
4. Zusammenarbeit im Team und mit bereichsübergreifenden Partnern
Zusammenarbeit bedeutet nicht für alle dasselbe. Das Festlegen von Normen dazu, wie das Team intern und mit bereichsübergreifenden Partnern zusammenarbeitet, unterstützt ein produktives und inklusives Arbeitsumfeld. Beispiele hierfür sind:
- Proaktive Kommunikation: Austausch relevanter Informationen und Aktualisierungen, um Informationsweitergabe zu fördern und Silos abzubauen.
- Geben von positivem und konstruktivem Feedback: Erwartung, dass Teammitglieder regelmäßig spezifisches, verhaltensorientiertes Feedback geben und offen für Rückmeldungen sind.
- Respekt vor Fachwissen: Die unterschiedlichen Fähigkeiten und Kompetenzen von Teammitgliedern anerkennen und gezielt nutzen.
- Die richtigen Partner einbeziehen: Sicherstellen, dass entsprechend der jeweiligen Rollen und Verantwortlichkeiten die passenden Personen an Projekten, Meetings und Diskussionen beteiligt sind.
Schritte zur Etablierung von Teamnormen
Das bewusste Festlegen von Teamnormen ist ein gemeinschaftlicher Prozess. Während die Führungskraft oder eine neutrale Person (z. B. eine HR-Partnerin) den Prozess moderiert, werden die Normen naturgemäß vom gesamten Team gemeinsam geformt.
Um eine effektive Sitzung zum Thema Teamnormen zu gestalten, befolgen Sie diese Schritte:
Verschiedene Perspektiven einholen
Je nach Teamgröße ist es möglicherweise nicht praktikabel oder sinnvoll, das gesamte Team an der Sitzung teilnehmen zu lassen.
Oft finden Sitzungen zu Teamnormen auf Führungsebene statt, aber um sicherzustellen, dass Perspektiven aller Ebenen im Team berücksichtigt werden, holen Sie Informationen durch Umfragen und Gespräche zu Themen wie ein:
- Bestehende Teamnormen
- Bevorzugte Kommunikationsmittel
- Häufigkeit und Effektivität von Meetings
- Zusammenarbeitstools (vorhanden oder benötigt)
- Aktuelle Teamdynamik
- Arbeitserwartungen (z. B.: Arbeiten im Homeoffice, Reaktion auf E-Mails nach Feierabend usw.)
- Feedback und Anerkennung
- Entscheidungsfindungsprozess
- Teamwerte und Prioritäten
Sammeln und teilen Sie die Informationen vorab mit den Teilnehmern, damit sie Zeit haben, sie zu lesen und zu verinnerlichen.
Die aktuelle Situation bewerten
Nutzen Sie die gesammelten Informationen sowie die Perspektiven der Teilnehmenden, um die aktuelle Situation zu bewerten.
Es kann hilfreich sein, jede Antwort auf Klebezetteln zu notieren, damit Sie sie thematisch gruppieren können.
Danach prüfen Sie die Themen und priorisieren diese. Sie werden zum Beispiel feststellen, dass Themen unter „Arbeitserwartungen“ bereits bestehen, während andere wie „Kommunikation“ noch nicht existieren. Überlegen Sie:
- Was funktioniert gut, das Sie weiter ausbauen oder als Normen festlegen möchten?
- Was funktioniert nicht und könnte durch eine neue Norm verbessert werden?
- Was liegt außerhalb des Diskussionsrahmens?
Sie werden möglicherweise auch feststellen, dass es Themen gibt, die übergreifend relevant sind. Zum Beispiel könnten Sie feststellen, dass Vertrauen oder der Mangel daran sich sowohl auf Kommunikation, Zusammenarbeit, Teamdynamik als auch Entscheidungsfindung auswirkt.
In diesem Fall ist es wirksamer, Normen rund um Vertrauen zu priorisieren, anstatt zu verschiedenen Einzelthemen jeweils mehrere mögliche Normen zu formulieren.
Mögliche Normen könnten hier sein: gemeinsames Lösen von Problemen zu fördern, damit verschiedene Stimmen gehört und berücksichtigt werden; einen expliziten Feedback-Loop als Teil von Projekten mit Fokus auf kontinuierliche Verbesserung zu schaffen; öffentlich anzuerkennen, wenn jemand Risiken eingeht und daraus lernt; und festzulegen, dass alle Entscheidungen innerhalb von 24 Stunden nach Feststehen per E-Mail kommuniziert werden.
Gemeinsam neue Normen entwickeln
Sammeln Sie in einem Brainstorming Definitionen für jedes Thema oder jede Kategorie. Formulieren Sie sie mit „Ich“-Sätzen. Zum Beispiel: „Ich gebe zu, wenn ich einen Fehler mache“, statt „Menschen geben zu, wenn sie Fehler machen.“
Wenn die Definitionen persönlich formuliert sind, kann sich jede Person darin wiedererkennen und ihr eigenes Verhalten reflektieren.
Verwenden Sie außerdem möglichst einfache Sprache und keine „Management-Sprache“. Beispielsweise statt „Konsultiere Fachexperten und nutze deren Expertise für die Entscheidungsfindung“ schreiben Sie „Ich hole die Meinung des Fachexperten ein und vertraue seiner Empfehlung.“
Überprüfen Sie die Normen, nachdem sie formuliert wurden, darauf, ob etwas fehlt oder sich wiederholt, bevor Sie Ihre endgültige Liste festlegen.
Es gibt keine perfekte Anzahl an Normen, und das Ziel ist nicht, für jedes Detail eine Norm aufzustellen. Beginnen Sie mit wenigen grundlegenden Punkten, die auf Kommunikation und Vertrauen abzielen, oder konzentrieren Sie sich auf die größten Konfliktpunkte.
Zum Beispiel: Wenn das Team frustriert ist, weil sich viele nicht über alle Vorgänge im Team im Bilde fühlen, richten Sie eine wöchentliche Runde ein, in der jede Abteilung Statusupdates gibt.
Normen dem Team vorstellen und Zustimmung einholen
Sobald die Normen finalisiert wurden, teilen Sie diese dem Team mit. Einige Hinweise dazu:
- Erklären Sie den Zweck der Normen und wie sie dem Team helfen werden
- Erinnern Sie daran, dass Sie Rückmeldungen von verschiedenen Ebenen eingeholt haben, um die Entscheidungen zu treffen
- Beschreiben Sie jede Norm und das dazugehörige Verhalten, das erwartet wird
- Schaffen Sie Raum für Fragen und Feedback
- Erklären Sie, wie sich Teammitglieder gegenseitig zur Einhaltung der Normen anhalten werden
Die Einführung der Normen in einem Teammeeting ist eine gute Möglichkeit, Begeisterung und Vertrauen für die Normen zu vermitteln, alle einzubinden und klare Erwartungen zu setzen.
Sorgen Sie dafür, dass die Normen zur späteren Referenz verfügbar sind – zum Beispiel als Einseiter oder auf einer gemeinsam genutzten Teamseite.
Verhalten vorleben und Verantwortlichkeit sicherstellen
Damit die Teammitglieder die Normen rasch übernehmen, ist es entscheidend, dass die Führungskräfte sie in ihrem eigenen Handeln aktiv vorleben.
Zu zeigen, dass die Normen für alle gelten, schafft Glaubwürdigkeit und hilft Teammitgliedern dabei, das vorgelebte Verhalten zu übernehmen.
Wenn zum Beispiel die Norm besteht, dass alle Meetings pünktlich beginnen und enden, wird es auffallen, wenn Führungskräfte zu spät zu Meetings erscheinen oder diese überziehen lassen.
Es ist außerdem wichtig, anzuerkennen, wenn Teammitglieder Normen einhalten – sowohl im Kleinen (z. B. ein positives Feedback direkt an die Person) als auch im Großen (z. B. das Feiern eines Erfolgs im Teammeeting).
Gleichzeitig sollten sich Teammitglieder gegenseitig zur Rechenschaft ziehen und direktes Feedback geben, wenn jemand die Normen nicht zeigt. Verhaltensänderungen brauchen Zeit. Gerade am Anfang reicht oft ein Hinweis oder etwas Anleitung.
Wenn Teammitglieder das Gefühl haben, dass es sowohl sicher als auch erwünscht ist, sich gegenseitig in konstruktiver Weise zur Verantwortung zu ziehen, liegt die Verantwortung für Rechenschaft nicht mehr nur bei der Führung, sondern beim gesamten Team.
Zuletzt sollten Normen immer wieder überprüft werden, wenn sich Rahmenbedingungen ändern. Wenn Ihr Unternehmen zum Beispiel von überwiegend Präsenzarbeit hin zu überwiegend hybriden Arbeitsmodellen wechselt, macht es Sinn, die Normen zur virtuellen und persönlichen Zusammenarbeit und die Erwartungen an die Kommunikation neu zu bewerten.
Indem Sie flexibel und anpassungsfähig auf veränderte Bedingungen im Team reagieren, bleiben die Normen relevant und nützlich.
Fallstudie zu Teamnormen: Einführung einer „First Team“-Mentalität
Vor einigen Jahren arbeitete ich mit einem Führungsteam aus leitenden Angestellten zusammen, die jeweils unterschiedliche Funktionen unter dem Dach einer Geschäftseinheit verantworteten.
Obwohl sich das Team untereinander mochte und regelmäßig traf, waren Entscheidungsprozesse zeitaufwendig und fielen häufig auf die Teamleitung zurück.
Die funktionalen Teams bemerkten, dass sie häufig unterschiedlich umfassend informiert wurden und manchmal das Gefühl hatten, das Führungsteam habe den Kontakt zum Geschehen in den verschiedenen Bereichen verloren.
Die Bereichsleiterin wollte, dass ihr Führungsteam ein größeres Verantwortungsgefühl für die gesamte Geschäftseinheit entwickelte.
Ich moderierte eine Teamnormen-Sitzung zum Konzept „First Team“ von Patrick Lencioni – die Idee, dass Führungskräfte und leitende Angestellte nicht nur ihre Unterstellten priorisieren sollten, sondern ihre Peers und die Gesamtverantwortung für das Unternehmen in den Vordergrund stellen.
Während der Sitzung haben die Führungskräfte:
- Ihre Gedanken und Reaktionen dazu ausgetauscht, wie sie vom „Funktionsfokus“ auf eine „First Team“-Mentalität umschwenken.
- Das Verhalten beschrieben, das zu einer „First Team“-Mentalität gehört, z. B. das große Ganze in den Blick zu nehmen, klare und geteilte Erwartungen zu haben und aktiv am Teambuilding zu arbeiten.
- Konkret Erwartungen und Verhaltensweisen erarbeitet, die das tägliche Miteinander prägen sollen.
- Eine Liste mit Teamnormen der Führung erstellt.
Am Ende der Sitzung kam das Führungsteam überein, dass sie:
- Regelmäßig ohne die Teamleiterin zusammenkommen und Vorschläge sowie Entscheidungen zur finalen Zustimmung an die Leitung der Geschäftseinheit weitergeben.
- Die Frage „Was ist das Beste für die Geschäftseinheit?“ als erste Entscheidungsgrundlage nutzen.
- Zunächst Gemeinsamkeiten suchen und dann abweichende Standpunkte diskutieren.
- Konsistent durch ihre jeweiligen Funktionen kommunizieren.
Durch das gemeinsame Ausarbeiten der Teamnormen übernahmen die Führungskräfte Verantwortung für sich selbst und ihre Kolleg*innen. Das führte zu mehr Vertrauen und einfacherer Zusammenarbeit.
Dadurch war das Führungsteam in der Lage, eine aktivere Rolle bei Entscheidungen und Problemlösungen für das gesamte Team einzunehmen.
Auch ihre Teams profitierten davon. Dank des Engagements für Zusammenarbeit stellten die Führungskräfte sicher, dass immer unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt wurden und die Ergebnisse dem gesamten Team zugutekamen – nicht nur einzelnen Bereichen.
Die Leiterin der Geschäftseinheit stellte fest, dass ihr Führungsteam häufig Entscheidungen traf, für die von ihr nicht mehr als ihre Einschätzung und die finale Zustimmung notwendig war. So hatte sie mehr Kapazitäten, um sich mit ihrem „First Team“ der Führung der Organisation zu widmen.
Konkrete Handlungsempfehlungen
Wenn Sie darüber nachdenken, wie Sie selbst Teamnormen schaffen, sind hier drei konkrete Tipps für den Einstieg:
- Bestimmen Sie den Bedarf an Normen in Ihrem Team. Überlegen Sie, was in Ihrem Team eine Herausforderung darstellt, und identifizieren Sie Bereiche der Ineffizienz. Wenn das Team sich ausreichend informiert fühlt, müssen Sie wahrscheinlich nicht bei der Kommunikation ansetzen. Falls Teammitglieder jedoch häufig frustriert sind, weil sie bei Projekten, in denen sie Expertise haben, nicht eingebunden werden, sollten Sie dort beginnen.
- Gemeinsam brainstormen. Normen werden gemeinschaftlich durch Diskussion und Austausch entwickelt. Lassen Sie nicht einfach alle ihre Gedanken in ein Google-Dokument schreiben und anschließend damit arbeiten, sondern gestalten Sie den Prozess kollaborativ.
- Flexibel und anpassungsfähig bleiben. Sobald Sie und Ihr Team Normen definiert haben, sollten Sie diese regelmäßig überprüfen – insbesondere, wenn sich etwas im Team oder Umfeld verändert. Ihre Teamnormen sollten immer zur aktuellen Situation passen und eine hohe Relevanz besitzen.
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