Wie gut Sie zuhören, kann direkt mit Ihrem Erfolg in der Führung (und im Leben generell) zusammenhängen. Eine Führungskraft, die jeden anbellt, ständig unterbricht und keinerlei Feedback akzeptiert, wird selten als effektive Führungskraft wahrgenommen.
Stattdessen ist eine Führungskraft, die sich wirklich Zeit nimmt zuzuhören, gezielte Fragen stellt, die Anliegen der Mitarbeitenden hört und darauf eingeht und deutlich Empathie zeigt, in der Regel sowohl beliebter als auch effektiver in ihrer Rolle.
Es gibt 5 Ebenen des Zuhörens, die Coaches nutzen, um festzustellen, wie engagiert jemand ist. Das Bewusstsein dieser Ebenen hilft Ihnen, Ihre Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern.
Warum ist Zuhören wichtig?
Haben Sie schon einmal den Scherz von langjährigen Ehepartnern über „selektives Zuhören“ oder „selektives Hören“ gehört? Sogar Richterin Ruth Bader Ginsburg scherzte einmal, dass es in jeder langen Ehe hilft, „ein bisschen taub“ zu sein.
Das mag zu Hause zutreffen, aber am Arbeitsplatz kann es unglaublich frustrierend sein, wenn wir mit Vorgesetzten oder Kollegen arbeiten, bei denen wir merken, dass sie uns einfach nicht zuhören wollen.
Zuhören ist ein so wichtiger Teil davon, wie wir mit anderen in Kontakt treten und wie wir kommunizieren. Wir wissen instinktiv, dass es unterschiedliche Ebenen des Zuhörens gibt. Deshalb fühlen wir uns lebendig, wenn wir merken, dass jemand uns wirklich zuhört und wir uns wirklich gehört fühlen.
Umgekehrt machen wir zu, wenn wir merken, dass jemand nur halb zuhört und kaum Aufmerksamkeit schenkt.
Im Coaching-Kontext ist die Fähigkeit, tief zuzuhören, eine entscheidende Kommunikationskompetenz, um mit Mitarbeitenden in Kontakt zu treten und Beziehungen aufzubauen.
Welche unterschiedlichen Zuhör-Ebenen gibt es also – und wie sehen sie im Alltag aus?
Welche verschiedenen Ebenen des Zuhörens gibt es?
Es gibt fünf verschiedene Ebenen des Zuhörens und jede erfordert ein unterschiedliches Maß an Fähigkeit und Mühe.
Ignorierendes Zuhören
Mit einem Zuhörer zu sprechen, der Sie ignoriert, fühlt sich an, als ob Sie gegen eine Wand reden. Dies ist der Fall, wenn jemand entweder gar nicht zur Kenntnis nimmt, dass Sie sprechen, oder wenn Sie merken, dass die Person Sie zwar hört, aber weder reagiert noch sich engagiert. Falls Sie jemanden schon einmal mehrmals rufen mussten, bevor diese Person reagiert, dann hat sie Sie wahrscheinlich ignoriert.
Vorgespieltes Zuhören
Dies könnte man fast als „Präsentationszuhören“ bezeichnen, da es häufig auftritt, wenn wir vorgeben, einem Sprecher zuzuhören, aber in Wirklichkeit nicht aufnehmen, was er sagt. Wir können das mit Lächeln und Nicken überspielen – bis die Person eine direkte Frage stellt und wir ertappt werden wie Homer Simpson mit seiner Schlafbrille im Gerichtssaal.

Selektives Zuhören
Dies ist der eingangs erwähnte Ruth-Bader-Ginsburg-Ansatz zur Ehe und ist häufig bei Paaren oder sogar engen Freunden und in der Familie zu beobachten. Im Grunde „hören wir das, was wir hören wollen“ und achten auf den Rest nicht wirklich.
Die Körpersprache eines Zuhörers kann ein guter Hinweis darauf sein, ob er selektiv zuhört. Wenn die Person Sie ständig zum Punkt drängt oder immer wieder wissen möchte, worauf Sie hinauswollen, hört sie wahrscheinlich gar nicht richtig zu. Dies kann schnell zu Misskommunikation oder sogar zu Missverständnissen führen, weil der eigentliche Kern Ihrer Aussage überhört wird.
Aufmerksames Zuhören
Aufmerksames Zuhören steht für ein hohes Maß an Engagement. Der Zuhörer schenkt Ihnen seine Zeit, Aufmerksamkeit und Konzentration und hört Ihnen wirklich zu. Er ist also sinnbildlich voll bei der Sache und nimmt Ihre Botschaft auf, ohne den Fokus zu verlieren oder sich ablenken zu lassen. Seine Körperhaltung sollte darauf hindeuten, dass er sehr engagiert im Gespräch ist.
Die meisten von uns sind an ihren besten Tagen aufmerksame Zuhörer – und das ist lobenswert. Allerdings hören aufmerksame Zuhörer die Welt durch ihre eigene Brille. Wenn Sie einem solchen Zuhörer eine schwierige Geschichte erzählen oder etwas Verletzliches ansprechen, kommen oft persönliche Anekdoten oder Kommentare, wie es sie selbst betrifft.
Aufmerksame Zuhörer geben sich große Mühe, wirklich zuzuhören, aber schlussendlich denken sie genauso sehr (oder sogar mehr) an sich selbst wie an Sie. Aus diesem Muster auszubrechen, erfordert noch mehr Aufmerksamkeit, Fokussierung und Hingabe.
Empathisches Zuhören
Ein empathischer Zuhörer schenkt Ihnen seine volle Zeit, Aufmerksamkeit und Konzentration, weil er versucht, die Welt durch Ihre Augen und Ohren zu sehen und zu hören. Er hört also nicht nur aufmerksam zu, sondern denkt währenddessen ständig darüber nach, wie das, was Sie sagen, Sie selbst betrifft und nicht ihn.
Empathisches Zuhören ist nicht einfach! Es verlangt Zeit und Aufmerksamkeit, so intensiv bei einem Gespräch beteiligt zu sein, und Sie geben Ihr ganzes Herz und Ihren Geist diesem Prozess hin.
Dies ist die Art des Zuhörens, die erforderlich ist, wenn Sie ein Coach sein wollen – ein entscheidender Bestandteil von Führung.
Wie können Sie Ihre Zuhörfähigkeiten verbessern?

Manche Menschen sind von Natur aus gute Zuhörer, aber es ist möglich, ein besserer Zuhörer zu werden und seine Zuhörfähigkeiten zu trainieren.
Wenn Sie das nächste Mal aufmerksam zuhören, konzentrieren Sie sich darauf, was die andere Person Ihnen mitteilt und aus welcher Perspektive sie spricht.
Bevor Sie vorschnell sprechen oder dazwischengehen, versetzen Sie sich in ihre Lage. Achten Sie auf die Körpersprache der Person und nehmen Sie sowohl ihre verbalen als auch nonverbalen Signale wahr, wie Atmung, Pausen, Blickkontakt oder Bewegungen sowie Handgesten. Wenn eine Person in Not ist, kann ihre Körpersprache genauso viel aussagen wie ihre Worte.
Denken Sie auch daran, dass Ihre eigene Körpersprache und Ihre nonverbalen Signale als Zuhörer viel über Ihre Zuhörfähigkeiten aussagen und ob Sie effektives Zuhören praktizieren.
Halten Sie den Blick auf die andere Person gerichtet, Ihre Schultern auf sie ausgerichtet und Ihre Hände möglichst ruhig und entspannt. Damit zeigen Sie dem Sprecher, dass Sie ihm Ihre volle Aufmerksamkeit schenken.
Ein paar abschließende Worte für alle, die noch zuhören
Effektives Zuhören kann Sie zu einem besseren Partner, Verwandten, Freund oder Kollegen machen.
Menschen, die ein offenes Ohr brauchen, werden gerne zu Ihnen kommen, weil sie wissen, dass Sie aufmerksam sind und die Welt aus ihrer Perspektive sehen können. Noch besser: Sie werden offener dafür sein, auch Ihnen zuzuhören, wenn Sie einmal ein offenes Ohr benötigen.
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