Wir begeistern uns für die Arbeitswelt und dafür, wie wir sie verbessern können. Um unsere Neugier zu stillen, haben wir eine Interviewreihe gestartet, in der wir erfahrene Führungskräfte, Geschäftsinhaber:innen, Manager:innen und einzelne Mitarbeitende befragen, wie wir gemeinsam bessere Arbeitsplätze schaffen können.
Wir würden Sie gerne etwas besser kennenlernen – erzählen Sie uns etwas zu Ihrem Werdegang.
Man könnte sagen, ich war schon immer idealistisch und glaube an die menschliche Fähigkeit zu Altruismus—wie kann ich etwas bewirken oder jemandem helfen, der nicht ich selbst bin...entgegen aller geschichtlichen Beweise?
Durch mein International Affairs-Studium im Bachelor habe ich mich mit Menschen, Orten und Kulturen beschäftigt und bin so auf die Reise gegangen, sinnstiftende Beziehungen durch Kontakt zu anderen aufzubauen – und bis heute geblieben.
Als Kind zweier Lehrer und aus einer Familie voller Pädagog:innen, wurde uns das Gen, anderen zu helfen, regelrecht mitgegeben. Von dort stammt auch meine Leidenschaft fürs lebenslange Lernen. Mein Weg ist also durch all das geprägt – vom Sport über die Flüchtlingshilfe bis zur Universität und schließlich zur Recruiting-Beraterin an Hochschulen.
Wenn wir eine:n Freund:in bitten würden, Ihre Persönlichkeit zu beschreiben, was würden sie sagen?
Sie würden wahrscheinlich sagen, dass ich ehrgeizig und zielstrebig bin. Das motiviert mich, die größten Herausforderungen anzugehen und nach den Sternen zu greifen. Und obwohl es mich manchmal erschöpft, bin ich trotzdem ein Menschenmensch. Meine Freund:innen wissen, dass ich so gut wie immer ins Gespräch komme, egal ob in der Schlange im Café, Supermarkt oder sonst wo.
Wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere zurückblicken, gibt es eine interessante Geschichte, die Ihnen besonders im Kopf geblieben ist?
Als ich mein Masterstudium begann, wurde uns beim Orientierungstag gesagt: Irgendwann in Ihrer Karriere werden Sie wahrscheinlich an Ihre Grenzen kommen, weil Sie zu viel von sich selbst geben. Dann brauchen Sie ein Ventil. Das war der beste Ratschlag, den ich je bekommen habe und den ich bis heute befolge. Ich tanze immer noch, wenn und wo es geht, und nehme bei Bedarf psychologische Beratung in Anspruch.
Was ist die wichtigste Lektion, die Sie bisher in Ihrem Berufsleben gelernt haben?
„Beginne dort, wo der Kunde steht.“
Diese Formulierung stammt von einer Kollegin aus der Sozialarbeit, aber die eigentliche Lektion begann, als ich neun Jahre alt war und mit meinem Vater (einem Grundschullehrer) einer kambodschanischen Flüchtlingsfamilie aus unserem Wohnkomplex Englisch beigebracht habe. So beginne ich jede berufliche Partnerschaft oder, wie ich es früher gemacht habe, jeden Unterricht.
Danke, dass Sie uns einen Einblick in Ihre Person gegeben haben! Kommen wir nun zum Thema. Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie den Satz „eine bessere Arbeitswelt schaffen“ hören?
Ich stelle mir eine sichere Umgebung vor, die für alle Menschen offen und inklusiv ist – in der wir wirklich unser authentisches Selbst ohne Angst am Arbeitsplatz leben können.
Zugleich

Bedeutet dies auch Unterstützung für Mitarbeitende auf kultureller Ebene. Als HR-Praktikantin damals konnte ich dabei helfen, global Veranstaltungen zu organisieren, bei denen Angestellte Traditionen und Glaubensrichtungen der im Unternehmen vertretenen Kulturen gemeinsam gefeiert haben – das ging über die üblichen Feiertage hinaus.
Was ist Ihrer Meinung nach das wichtigste Hindernis, das auf dem Weg zu einer besseren Arbeitswelt steht?
Die Unfähigkeit, das, was wir zu wissen glauben, zu hinterfragen und mit dem abzugleichen, was wirklich möglich ist. Das hat uns die Pandemie sehr deutlich gezeigt. Veränderungen am Arbeitsplatz umsetzen, ist oft dann ganz leicht, wenn es keinen anderen Weg gibt oder wenn es einfach das Richtige ist.
Führungskräfte müssen eingebunden sein, dem Unternehmen den Sinn aufzeigen und sich selbst an diesen Initiativen beteiligen – sonst fehlt die Akzeptanz und es ist für alle offensichtlich, dass am Arbeitsplatz weiterhin kein Raum für offene Ideen herrscht und keine respektvolle Gemeinschaft geschaffen werden kann.
Was empfehlen Sie, um Ihre Idee aus der vorherigen Frage in die Tat umzusetzen?
Jede:r kann damit starten, darauf zu achten, dass Führungskräfte einen sicheren Rahmen im Unternehmen schaffen, es eine Strategie für inklusives Recruiting und Geschäftspraktiken gibt und die Bildung intern beginnt.
Stellen Sie bei Mitarbeitenden-Events die unbequemen Fragen. Oder sprechen Sie das HR-Team an und teilen Sie Ihre Ideen. Und falls es keine Gruppen für sichere Arbeitsumgebungen gibt, gründen Sie einfach eine.
Bildung ist der Schlüssel, sowohl für sich selbst als auch für andere – das kann auf aktive wie passive Weise geschehen. Wenn man zum Beispiel gefragt wird: „Was hast du am Wochenende gemacht?“, kann man beiläufig eine Information teilen, die man kürzlich gelernt hat, und auch erwähnen, woher das Wissen stammt.
Können Sie eine Sache nennen, die Sie erlebt, gesehen oder gelesen haben und die uns in Richtung einer besseren Arbeitswelt führt?
Ich erinnere mich an einen Artikel aus Inside Higher Ed, in dem es um studentische Beschäftigte in den USA ging, die für gerechte Bezahlung und faire Behandlung als Arbeitnehmer:innen Gewerkschaften gründen. Das sind die Studierenden, die Ihre Kinder an Hochschulen schützen, Nachhilfe geben, Tutorien übernehmen und Covid-infizierte Mitstudierende unter geringer Gefahrenzulage in Hotels gefahren haben. Ich bin begeistert davon, dass die Generation Z diese Bemühungen vorantreibt und Raum für eine bedeutsame und reflektierte Diskussion schafft. Nur weil Dinge schon immer auf eine bestimmte Weise gemacht wurden oder Rollen austauschbar sind, heißt das nicht, dass wir keinen offenen Dialog führen und die Studierenden anhören können.
Mich interessiert – im Hinblick auf eine bessere Arbeitswelt – gibt es ein Unternehmen und/oder eine Führungspersönlichkeit, die Sie besonders inspirierend finden und die wir im Auge behalten sollten? Wenn ja, was tun diese?
Was ich im Laufe meiner Karriere gelernt habe: Ich möchte andere nicht auf einen Sockel stellen, vor allem im Kontext einer besseren Arbeitswelt. Wir alle sind in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess – sei es bei der Umsetzung neuer Ansätze oder in der Optimierung. Nur weil ein Unternehmen auf der Liste der „Topplätze zum Arbeiten“ des Disability Equality Index steht, bedeutet das nicht automatisch, dass wirklich alle Mitarbeitenden gleichberechtigt behandelt werden oder dass sämtliche Führungskräfte inklusive und bewusst hinsichtlich anderer unterrepräsentierter Gruppen rekrutieren können.
Am Ende des Tages würde ich aber empfehlen, auf Folgendes bei Arbeitgeber:innen zu achten:
- Ob sie auf solchen Listen erscheinen
- Wie transparent sie mit ihren Strategien und Ausgaben für Verbesserungen umgehen
- Ob es beispielsweise einen öffentlichen Quartalsbericht gibt, in dem diese Informationen enthalten sind
- Und schließlich: Schauen Sie, wohin die Führung ihre geschäftlichen Mittel und zum Teil auch private Mittel investiert.
Dadurch kann jede und jeder eine eigene fundierte Entscheidung darüber treffen, wie die Arbeitswelt aussehen soll, diejenigen herausfordern, die noch nicht so weit sind, Fortschritte zu machen, und/oder teilen, wie Verbesserungen geplant sind.
Vielen Dank, dass Sie Ihre Stimme zur Interviewserie von People Managing People „Wie wir eine bessere Arbeitswelt gestalten“ beitragen!
Bringen Sie Ihre Perspektive ein
Machen Sie bei unserer Interviewreihe mit und teilen Sie Ihre Ideen, wie wir gemeinsam eine bessere Arbeitswelt gestalten können!
