Angesichts des alarmierenden Anstiegs von Stress, Depressionen und Suizidraten, wie sie von den CDC gemeldet werden, ist deutlich, dass psychische Gesundheitsprobleme das Wohlbefinden von Menschen im ganzen Land zunehmend beeinträchtigen. Dieser Trend hat Unternehmen dazu gezwungen, das Wohlbefinden der Mitarbeitenden ernst zu nehmen und verschiedene unterstützende Maßnahmen in Betracht zu ziehen.
Als Antwort darauf haben viele Organisationen flexible Arbeitsmodelle eingeführt, ihre Urlaubsregelungen verbessert, Büroräume neugestaltet, Mitarbeiteranerkennungsprogramme eingeführt, Programme zur Erstattung von Fitnessstudio- und Massagekosten angeboten sowie verschiedene weitere Initiativen ergriffen, um die physische und psychische Gesundheit der Mitarbeitenden zu fördern.
Trotz dieser Bemühungen bleibt die Nutzung von Employee Assistance Programs (EAPs) – die speziell dazu entwickelt wurden, mentale und emotionale Belastungen anzugehen – weiterhin gering.
Die Frage, warum diese Programme so wenig genutzt werden, wird inzwischen sowohl im Unternehmens- als auch im akademischen Bereich untersucht.
EAP-Definition, Umfang und Zugänglichkeit
Laut der Employee Assistance Professionals Association ist ein EAP:
Eine Reihe professioneller Dienstleistungen, die speziell darauf ausgerichtet sind, die Produktivität und das gesunde Funktionieren am Arbeitsplatz zu verbessern und/oder aufrechtzuerhalten. Sie soll bei der Identifizierung und Lösung persönlicher Anliegen helfen, einschließlich gesundheitlicher, ehelicher, familiärer, finanzieller, Alkohol-, Drogen-, juristischer, emotionaler, stressbezogener oder anderer persönlicher Probleme.
EAPs werden häufiger bei größeren Arbeitgebern als Teil eines umfassenderen Programms für Mitarbeiterwohlbefinden angeboten.
In den USA bieten über 97 % der Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden EAPs an. Dieser Wert sinkt auf 80 % bei Unternehmen mit 1.001 bis 5.000 Mitarbeitenden und auf 75 % bei Unternehmen mit 251 bis 1.000 Mitarbeitenden.
Allerdings gibt es eine deutliche Lücke bei der Zugänglichkeit für kleinere Unternehmen, denn nur 32 % der Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl von 1–99 bieten ein EAP an. Diese Daten unterstreichen die Notwendigkeit einer breiteren Einführung in allen Unternehmensgrößen, um eine umfassende Unterstützung aller Mitarbeitenden zu gewährleisten.
Hindernisse für die Nutzung von EAPs
So essentiell EAPs auch für die Erhaltung und Förderung der Gesundheit der Belegschaft sind, wird geschätzt, dass nur 3–5 % der Mitarbeitenden die verfügbaren EAP-Dienste in Anspruch nehmen.
Einige der häufigsten Hürden bei der Nutzung von EAPs können Sie bereits in Ihrer Leistungsplanungsstrategie berücksichtigen, darunter:
- Fehlender Zugang: Sei es aufgrund der Unternehmensgröße oder der Unternehmenskultur, es gibt immer noch eine beträchtliche Zahl von Mitarbeitenden, denen kein Zugang zu einem EAP angeboten wird.
- Mangelndes Bewusstsein: Viele Mitarbeitende wissen nicht, dass es das Programm gibt oder kennen den Umfang der angebotenen Dienstleistungen nicht.
- Komplizierte Nutzung: In einigen Fällen kann der Zugang zur EAP-Leistung komplex oder umständlich sein, sodass es Mitarbeitenden schwerfällt, diese Leistungen voll zu nutzen.
- Stigmatisierung von EAPs: Es besteht häufig ein Stigma oder eine Angst vor Bewertung bezüglich der Inanspruchnahme von Hilfe bei psychischen Problemen oder persönlichen Anliegen, was Mitarbeitende davon abhält, die Dienste zu nutzen.
- Vertraulichkeitsbedenken: Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes können Mitarbeitende von der Nutzung der EAP-Dienste abhalten. Manche befürchten, persönliche Informationen könnten dem Arbeitgeber offengelegt werden oder die Nutzung des Services könne sich negativ auf ihre Arbeitsplatzsicherheit oder beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten auswirken.
Wenn Unternehmen diese Hürden angemessen adressieren, können sie die Zugänglichkeit von EAPs erhöhen und die Nutzungsrate steigern – und schaffen damit letztlich ein gesünderes, unterstützenderes Arbeitsumfeld.
Empfohlene Strategien zur Steigerung der EAP-Nutzung
Im Folgenden finden Sie einige Strategien, die Organisationen in Betracht ziehen können, um die Nutzung ihrer EAP-Programme zu verbessern.
- Frühe Einführung: Die Vorstellung von EAP-Leistungen bereits beim Onboarding oder während der Mitarbeitereinführung informiert die Beschäftigten nicht nur über die Angebote, sondern erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese genutzt werden. Dadurch kann die Nutzung präventiver erfolgen, sodass Mitarbeitende Herausforderungen angehen können, bevor sie in einer Krisensituation stecken.
- Zugang vereinfachen: Gestalten Sie den Zugang zu EAP-Angeboten so unkompliziert wie möglich – mit klaren, einfachen Anleitungen und verschiedenen Zugangswegen, wie Telefon, Online- oder Mobile-Video-Chats und Vor-Ort-Möglichkeiten. Telefonische Beratung mit 24-Stunden-Zugang zur EAP-Website führt nachweislich zu einer höheren Inanspruchnahme.
- Kommunikation und Bewerbung: Regelmäßige Kommunikation und Bewerbung der EAP-Programme über verschiedene Kanäle wie E-Mail, Newsletter, Teammeetings und Unternehmensversammlungen sorgen dafür, dass die Angebote bei den Mitarbeitenden präsent sind. Integrieren Sie EAP-Informationen auch in die jährliche offene Einschreibephase für Benefits sowie bei Gesundheitstagen oder Messen.
- Einbindung bei Lebensveränderungen: Weisen Sie Mitarbeitende gezielt bei wichtigen Lebensereignissen wie Heirat, Geburt, Trauerfällen, kurz- oder langfristiger Arbeitsunfähigkeit und weiteren einschneidenden Ereignissen auf das EAP-Angebot hin, damit sie über die vorhandenen Ressourcen in entscheidenden Momenten informiert sind.
- Regelmäßige Schulungen anbieten: Schulen und sensibilisieren Sie HR-Mitarbeitende und Führungskräfte regelmäßig zu den Vorteilen, dem Nutzen und dem korrekten Verweis auf das EAP-Angebot.
- Stigmatisierung entgegenwirken: Unternehmen sollten eine unterstützende und akzeptierende Unternehmenskultur fördern, indem sie offen über die Vorteile von EAPs sprechen, Mitgefühl und Empathie für Mitarbeiter in schwierigen Situationen zeigen und jede Formulierungsweise vermeiden, die das Bild von EAPs negativ beeinträchtigen könnte.
- EAP-Nutzung enttabuisieren: Studien zeigen, dass Mitarbeitende, die ihre Erfahrungen mit EAP-Leistungen teilen, einen positiven Einfluss auf die gesamte Nutzungsrate im Unternehmen haben können.
Vorteile einer stärkeren Nutzung von EAP-Angeboten
Die Förderung der EAP-Nutzung bringt zwar Vorteile für die Mitarbeitenden, doch dürfen auch die Bedürfnisse des Betriebs nicht außer Acht gelassen werden. Eine gesteigerte Inanspruchnahme des EAP-Angebots trägt maßgeblich zu einer gesunden und effektiven Organisation bei und wirkt sich auf beide Seiten gleichermaßen positiv aus.
So profitieren sowohl Beschäftigte als auch Arbeitgeber von einer höheren Einbindung der EAP-Leistungen.
Vorteile für Beschäftigte
Im Wirkungsnachweis „Lebenszufriedenheit der Mitarbeitenden“ zeigt sich: Ein Drittel aller EAP-Nutzer beginnt das Programm mit Problemen im Bereich Lebenszufriedenheit, doch dieser Anteil halbiert sich nahezu, nachdem die EAP-Leistungen in Anspruch genommen wurden.
Diese deutliche Steigerung der Lebenszufriedenheit unter EAP-Nutzenden verdeutlicht, wie groß der positive Effekt rechtzeitiger und wirksamer Unterstützung auf das allgemeine Wohlbefinden und eine gesunde Work-Life-Balance ist.
Vorteile für Arbeitgeber
Persönliche und berufliche Belastungen der Mitarbeitenden können für Unternehmen erhebliche Kosten verursachen, etwa durch Fehlzeiten oder Präsentismus.
Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass Mitarbeitende, die EAP-Dienste nutzen, seltener krankheitsbedingte Fehlzeiten haben als Beschäftigte, die keine EAP-Leistungen in Anspruch nehmen. Andere Untersuchungen zeigen zudem, dass EAP-Nutzende in den meisten Fällen ihre verlorene Arbeitsproduktivität wiederherstellen.
Diese Erkenntnisse zeigen, wie EAP-Programme dazu beitragen können, die finanziellen Folgen von Produktivitätsverlusten und Fehlzeiten zu verringern.
Alle profitieren
EAPs sind ein wichtiger Bestandteil Ihrer Benefits – die Notwendigkeit, die Nutzung solcher Angebote zu fördern, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Durch die Förderung einer gesünderen und besser unterstützten Belegschaft können Unternehmen das Wohlbefinden, die Produktivität und die Gesamteffektivität nachhaltig steigern.
Indem Organisationen die Nutzung von EAPs aktiv stärken und die Hürden für ihre Inanspruchnahme abbauen, zeigen sie nicht nur ihr Engagement für das Wohl der Mitarbeitenden, sondern setzen sich gezielt für eine Verbesserung des Arbeitserlebnisses ein – mit positiven Folgen für die Lebensqualität aller Beschäftigten.
Das ist eine klassische Win-win-Situation.
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