Kleiderordnungen sind ein Thema, bei dem die Meinungen oft stark auseinandergehen. Einige argumentieren, dass Mitarbeitende sich so kleiden sollten, wie es ihre Kreativität fördert – oft wird dabei Steve Jobs als Beispiel genannt. Andere wiederum betonen die Investition eines Unternehmens in sein Branding, wobei der Dresscode ein integraler Bestandteil der Marke ist. Ich bin weder dafür noch dagegen – ich kleide mich so, wie ich mich am wohlsten fühle, und arbeite in Unternehmen, in denen die Menschen sich meiner Meinung nach angemessen und professionell kleiden.
Unsere Kleidung spiegelt immer auch einen Teil der Unternehmenskultur wider. Solange Ihre Mitarbeitenden sich so kleiden, dass sie die gewünschte Kultur ausstrahlen, spielt es keine Rolle, ob bei Ihnen eine formelle Kleiderordnung besteht oder nicht. Manche möchten einfach keine formelle Geschäftskleidung tragen und entscheiden sich deshalb gegen Unternehmen mit dieser Erwartung. Andere wiederum suchen gezielt Unternehmen aus, in denen formelle Kleidung getragen wird.
Ich habe eine Tante Mary, die nach einer erfolgreichen Karriere als interne Personalmanagerin/-direktorin später als Personalberaterin tätig war und inzwischen im Ruhestand ist. Sie erzählt eine Geschichte über einen neuen leitenden Manager, der im Büro lange Ärmel trug. Ihre Assistentin bemerkte daraufhin, dass er nicht lange bleiben würde. In diesem Unternehmen war es üblich, kurzärmelige Businesshemden statt langärmeliger zu tragen. Nach Marys Erzählung hat der Manager seine Arbeit gut gemacht, aber er passte nie ganz ins Team und verließ das Unternehmen nach wenigen Monaten. Mit oder ohne Dresscode regulieren wir unser Verhalten selbst. Als gesellige Art haben wir das Bedürfnis, dazuzugehören – passen wir nicht hinein, gehen wir oder werden hinausgedrängt.
Das Verhalten in diesem Bereich ist wirklich interessant – in vielen Unternehmen, in denen ich gearbeitet habe, gibt es den "Casual Friday". Ich selbst mache da eher selten mit, ich gehöre mehr zu den Anzug-und-Manschettenknöpfen-Typen. Mir ist aufgefallen, dass ich freitags mit meinen Kolleginnen und Kollegen weniger private Gespräche führe als an anderen Wochentagen. Wir sind schon eine interessante Spezies.
Um zum Abschluss zu kommen: Ob Ihr Unternehmen eine schriftliche Kleiderordnung hat oder nicht – es gibt sie auf jeden Fall. Ihr Dresscode beeinflusst, welche Menschen bei Ihnen arbeiten. Solange Sie mit Ihren Mitarbeitenden zufrieden sind und die passenden Talente sich bei Ihnen bewerben, ist alles gut. Falls aber nicht, ist es Zeit für ein Gespräch.
