Unternehmenskultur ist die Lebensweise in einer Organisation und umfasst Kernwerte, Normen und Verhaltensweisen. Es ist Ihre geheime Zutat, die Ihr Unternehmen einzigartig macht und Sie von anderen unterscheidet.
Keine zwei Organisationen sind gleich, aber sie teilen gemeinsame Merkmale – das gilt auch für kulturelle Elemente.
Hier erläutere ich 4 gängige Typen von Unternehmenskulturen und wie Sie Ihre eigene feststellen können.
Arten von Unternehmenskulturen
Wenn Sie die Kultur Ihrer Organisation definieren können, können Sie sie anpassen und stärken und sogar Schulungen zur Unternehmenskultur für Mitarbeitende anbieten.
Das Competing Values Framework ist ein Analyse-Tool zur Kulturbewertung, das Organisationen dabei unterstützt, ihre Kultur zu verstehen und weiterzuentwickeln.
Es unterteilt Unternehmenskultur in 4 Typen:
1. Hierarchiekultur
Eine hierarchische Unternehmenskultur basiert auf Struktur und Kontrolle von oben nach unten, mit großem Respekt vor Position und Macht.
Dies ist der traditionelle bürokratische Typ der Unternehmenskultur – viele Startups würden sagen, ein veralteter Ansatz. In einigen Regionen sind hierarchische Strukturen jedoch weiterhin tief in der Arbeitskultur verankert und beeinflussen das operative Geschäft von Organisationen.
Der traditionelle bürokratische Typ der Unternehmenskultur – viele Startups würden sagen, ein veralteter Ansatz. Hierarchische Kulturen sind geprägt von Struktur und Kontrolle von oben nach unten mit großem Respekt vor Position und Macht.
Oft gibt es mehrere Managementebenen zwischen der oberen Führungsebene und den Mitarbeitenden. Dieser Kulturtyp ist daher häufig in großen Konzernen und beim Militär anzutreffen.
Der Fokus liegt stark auf dem „Dinge richtig machen“ und dem reibungslosen Ablauf der Prozesse.
Vorteile: Klar definierte Prozesse, Richtlinien und Verfahren; keine Probleme mit Autorität; klare Rollen und Verantwortlichkeiten; klar ersichtliche Aufstiegsmöglichkeiten.
Nachteile: Die Macht ist an der Spitze zentralisiert, was Entscheidungsprozesse verlangsamen kann. Abteilungen arbeiten oft abgeschottet, was weniger Zusammenarbeit und generell weniger Flexibilität zur Folge haben kann.
2. Clan-Kultur
Eine Clan-Unternehmenskultur zeichnet sich durch ein familienähnliches Umfeld aus. Hier stehen Zusammenarbeit, Teamwork und starke interne Beziehungen im Vordergrund, mit einem hohen Maß an Engagement und Beteiligung der Mitarbeitenden.
Die Clan-Kultur zeichnet sich durch eine flache Organisationsstruktur und weniger Gewicht auf Hierarchien aus.
Die Clan- oder „Familien“-Kultur verzichtet auf die Starrheit der Hierarchien und setzt stattdessen auf einen flexibleren Ansatz, der auf starken Beziehungen im Team basiert.
Im Mittelstand weit verbreitet, zeigen sich Mitarbeitende loyal gegenüber der Mission und den Werten des Unternehmens und auch untereinander. Einzelne und Teams genießen großes Vertrauen und verfügen über Freiraum bei der Erledigung ihrer Aufgaben.
Vorteile: Flexibilität – die Mitarbeitenden sind motiviert und engagiert, für das Unternehmen und füreinander zu arbeiten; große Investitionen in die Entwicklung und das Mentoring der Mitarbeitenden.
Nachteile: Es ist leichter, dass Mitarbeitende und Teams den Fokus verlieren; ein zu großes Harmoniebedürfnis im Team kann zu Gruppendenken führen; mögliche fehlende Kundenorientierung zugunsten von Organisationsinteressen; Cliquenbildung.
3. Adhocratie-Kultur
Eine Adhocratie-Kultur ist geprägt von Flexibilität, Innovation und Risikobereitschaft. Kreativität und Eigeninitiative werden stark geschätzt, und Prozesse und Hierarchien sind meist weniger formalisiert.
Solche Kulturen bieten noch mehr Flexibilität als Clan-Kulturen. Teams bilden sich schnell, um neue Herausforderungen entsprechend den Marktanforderungen zu meistern. Die Organisationsstruktur kann sich rasch ändern, sobald Projekte abgeschlossen und neue gestartet werden.
Wie zu erwarten ist, sind dies sehr schnelle, manche würden sogar hektische Arbeitsumgebungen. Eigeninitiative und Risikobereitschaft werden gefördert, das Management greift nur begrenzt ein.
Vorteile: Flexibilität und Innovationskraft.
Nachteile: Ohne klar definierte Verantwortlichkeiten können wichtige Aufgaben übersehen werden; der Mangel an Struktur kann für manche Menschen zur Herausforderung werden.
4. Marktkultur
Eine Marktkultur ist gekennzeichnet durch einen starken Fokus auf Wettbewerb, Ergebnisse und Leistungsbereitschaft. Erfolg wird anhand von Marktanteilen und -durchdringung gemessen, wobei Ziele, Resultate und Produktivität im Mittelpunkt stehen.
Diese Kultur widerspiegelt den Markt selbst: sie ist ergebnisorientiert und leistungsgetrieben. Die Ziele sind bewusst herausfordernd gesetzt, um Mitarbeitende und Teams zu fordern.
Im Zentrum steht die Gewinnmaximierung bei möglichst niedrigen Transaktionskosten zwischen Einzelpersonen und Teams (das heißt: unnötige Aktivitäten werden vermieden).
Wie Sie sich vorstellen können, sind solche Organisationen oft intern hochkompetitiv und extern durchsetzungsstark.
Vorteile: Effizienz, Kundenfokus, den Markt schlagen und der Konkurrenz voraus sein; Antrieb und Ehrgeiz der Mitarbeitenden.
Nachteile: Überlastung der Mitarbeitenden, zu viel Konkurrenz, was zu Unehrlichkeit und Konflikten führen kann, mangelhafte Investition in Mitarbeitende.
Nutzen Sie das folgende Diagramm, um einen Überblick über die Merkmale der einzelnen Kulturtypen und ihre Überschneidungen zu bekommen.

Die eigene Kultur bewerten
Jetzt, da Sie die im Competing Values Framework dargestellten Unternehmenskulturtypen kennen, können Sie mit dem Organization Culture Assessment Instrument (OCAI) Ihre eigene Kultur bestimmen (auch wenn Sie wahrscheinlich schon ein gutes Bauchgefühl dafür haben!).
Wie Sie sehen, besteht der Fragebogen aus sechs Kategorien. In jeder Kategorie:
Stil A weist auf eine Clan-Kultur hin
Stil B weist auf eine Adhocratie-Kultur hin
Stil C weist auf eine Marktkultur hin
Stil D weist auf eine Hierarchiekultur hin
Gehen Sie die Fragen durch und verteilen Sie 100 Punkte auf die vier Unterpunkte. Addieren Sie die Punkte am Ende, um Ihr dominantes kulturelles Archetyp zu bestimmen, das Sie dann auf einer Grafik eintragen können.
Oft wird dies zweimal durchgeführt: einmal für den aktuellen Zustand ("jetzt") und einmal für den "gewünschten" Zustand.
| Kategorie | Stil |
|---|---|
| 1. Dominante Organisationsmerkmale | A: Persönlich, wie eine Familie B: Unternehmerisch, risikofreudig C: Wettbewerbsorientiert, leistungsorientiert D: Kontrolliert und strukturiert |
| 2. Führungsstil | A: Beratend, unterstützend, fördernd B: Unternehmerisch, innovativ, risikofreudig C: Zielstrebig, durchsetzungsstark, ergebnisorientiert D: Koordinierend, organisierend, effizienzorientiert |
| 3. Mitarbeiterführung | A: Teamarbeit, Konsens, Beteiligung B: Individuelle Risikofreude, Innovation, Freiheit und Einzigartigkeit C: Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsorientierung D: Sicherheit, Konformität, Vorhersehbarkeit |
| 4. Verbindende Elemente der Organisation | A: Loyalität und gegenseitiges Vertrauen B: Engagement für Innovation, Entwicklung C: Fokus auf Erreichen von Zielen und Ergebnissen D: Formale Regeln und Richtlinien |
| 5. Strategischer Fokus | A: Menschliche Entwicklung, hohes Vertrauen, Offenheit B: Ressourcenakquise, neue Herausforderungen schaffen C: Wettbewerbsmaßnahmen und Gewinnen D: Beständigkeit und Stabilität |
| 6. Erfolgskriterien | A: Entwicklung der Humanressourcen, Teamarbeit, Fürsorge für Personen B: Einzigartige und neue Produkte und Dienstleistungen C: Erfolg auf dem Markt, der Konkurrenz voraus sein D: Verlässlich, effizient, kostengünstig |

Ihre Kultur fördern
Das oben dargestellte Framework hilft Ihnen dabei, unerwünschte Aspekte Ihrer Unternehmenskultur zu erkennen und entsprechend anzupassen.
Das Framework ist beschreibend, es gibt keinen „besten“ Typ – Elemente jedes Typs können in verschiedenen Unternehmensbereichen unterschiedlich häufig vorkommen und am besten funktionieren.
Um die gewünschte Kultur zu fördern, werfen Sie einen Blick auf diese Artikel zur Verbesserung der Unternehmenskultur und zur Entwicklung einer leistungsstarken Kultur.
