Nach Jahren im Geschäft hast du genug Erfahrung gesammelt (und genug Narben davongetragen), um darüber nachzudenken, als freiberufliche:r HR-Berater:in tätig zu werden.
Für viele bietet der Wechsel in die Freiberuflichkeit die Möglichkeit, an Projekten zu arbeiten, die sie mehr interessieren – meist in strategischer Funktion.
Aber es ist nicht alles eitel Sonnenschein, und der Schritt zur freiberuflichen Beratung bringt auch eigene Herausforderungen mit sich.
Dieser Artikel soll dir helfen zu entscheiden, ob die Tätigkeit als freiberufliche:r HR-Berater:in der richtige Schritt für dich ist und wie du den Übergang gestalten kannst.
Was ist ein:e freiberufliche:r HR-Berater:in?
Ein:e freiberufliche:r HR-Berater:in ist eine Fachkraft im Bereich Human Resources, die auf Vertrags- oder Projektbasis – statt in Festanstellung – Fachwissen, Beratung und Unterstützung in unterschiedlichen Bereichen des Personalwesens anbietet.
Freiberufliche HR-Berater:innen spezialisieren sich häufig auf bestimmte Branchen oder Fachgebiete und können Unternehmen dadurch individuell abgestimmte Lösungen und fundierte Beratung bieten.
Sie arbeiten mit Organisationen jeder Größe, von Start-ups bis hin zu internationalen Konzernen, und liefern Flexibilität sowie spezielles Know-how, um gezielt HR-Themen oder Projekte zu lösen.
Welche Fähigkeiten braucht man als freiberufliche:r HR-Berater:in?
Um erfolgreich freiberuflich zu arbeiten, brauchst du exzellente HR-Kenntnisse und fundierte Fachkompetenz, gepaart mit solider Praxiserfahrung, damit du deine Expertise belegen und als Berater:in herausstechen kannst.
Doch jetzt leitest du im Grunde dein eigenes Unternehmen, deshalb musst du dir zusätzliche Fähigkeiten aneignen:
- Vertrieb: Deine Fähigkeiten und Ansätze neuen Kunden überzeugend präsentieren
- Marketing: Deine Marke aufbauen und bekannt machen
- Unternehmensverwaltung: Ein Unternehmen führen: Steuern, Versicherungen, Verträge und rechtliche Dokumente verstehen und managen.
Du musst aktiv auf die Suche nach neuen Geschäftsmöglichkeiten gehen und deine Marke aufbauen, um die gewünschten Projekte und Kund:innen anzuziehen.
Das ist gleichermaßen herausfordernd wie aufregend – nichts geht über das Hochgefühl, wenn du ein spannendes Projekt an Land ziehst!
Auf der anderen Seite solltest du dich aber auch mental auf Ablehnung und unter Umständen magere Zeiten einstellen.
Wie ist es, als freiberufliche:r HR-Berater:in zu arbeiten?
Wir haben einige erfolgreiche freiberufliche HR-Berater:innen gefragt, wie sich der Weg dorthin anfühlt. Die Begriffe, die sie verwendeten, waren:
- Bereichernd
- Lohnend
- Erfüllend
- Freudvoll
- Aufregend
- Befreiend
- Unvorhersehbar
- Stürmisch
- Herausfordernd
- Isolierend
- Stressig
Auch wurde gelegentlich erwähnt, dass das Bedürfnis, mal kräftig zu schreien, dazugehört!
„Berater:in zu sein, kann wirklich hart sein, aber das Gefühl, Klient:innen zu helfen und innovative Lösungen zu liefern, ist das Beste. Ich liebe es, einen echten Unterschied zu machen.“ - Dan George, CEO, Piper Key
„Berater:in zu sein ist eine aufregende und beängstigende Erfahrung, die ich gegen nichts eintauschen würde. Ich kann nicht nur auf meine eigene Art und Weise etwas bewegen, sondern auch mit meiner besten Freundin arbeiten, Momente mit meinem Mann und Sohn teilen und mein eigenes Schicksal bestimmen.“ – Keri Ohlrich, Ph.D., CEO, Abbracci Group
„Beratung ist wie professionelle:r Problemlöser:in und Matchmaker in einem zu sein. Es geht darum, Unternehmen dabei zu unterstützen, Herausforderungen zu meistern, Lösungen zu finden und die richtigen Leute zusammenzubringen. Außerdem ist es eine wilde Fahrt mit Höhen, Tiefen und vielen Überraschungen.“ – Elena Agaragimova, Gründerin, Elena Agar LLC
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Wie wird man freiberufliche:r HR-Berater:in?
Der Weg in die Freiberuflichkeit wird meist durch mehrere Faktoren beeinflusst: Enttäuschung über bestimmte Aspekte der Arbeit in der HR-Abteilung, Leidenschaft für ein spezielles Themengebiet und/oder eine bestimmte Branche, veränderte Lebensumstände, oder wenn freie Projekte und eine aussichtsreiche Kundenliste angeboten werden.
Wenn du dich einmal für den Wechsel in die Beratung entschieden hast, geht es darum, dir eine eigene Identität aufzubauen und das richtige Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Anforderungen zu finden.
„Um erfolgreich zu sein, geht es immer um die jeweiligen Phasen. Zuerst gilt es, die Arbeit, die du machen möchtest, genau zu definieren – sei so spezifisch wie möglich. Zweitens solltest du die Art von Kunden, Branche usw. identifizieren, mit denen du arbeiten möchtest. Sobald du einen oder zwei Kunden hast, musst du deine Zeit zwischen Kundenprojekten und Geschäftsaufbau aufteilen. Danach – beziehungsweise zuletzt – geht es darum, Verwaltung, Finanzen und Cashflow zu managen“, sagt George.
Kein Weg in die Freiberuflichkeit gleicht dem anderen. Wenn du jedoch darüber nachdenkst, diesen Schritt zu wagen, sind hier einige Schritte, die du beachten solltest:
- Bewerte deine Fähigkeiten und Erfahrungen: Einschätzung deiner aktuellen HR-Kompetenzen und bisherigen Erfahrungen, um Stärken und Verbesserungspotenziale herauszufinden. Es geht darum, deine Alleinstellungsmerkmale auf dem Markt herauszuarbeiten und warum Unternehmen gerade dich beauftragen sollten.
- Baue deine Kompetenzen aus: Schließe Lücken, indem du gezielt Kurse belegst oder Zertifikate erwirbst, um deine Fachkenntnisse zu erweitern und deine Glaubwürdigkeit zu steigern.
- Beginne mit dem Netzwerkaufbau: Starte damit, ein professionelles Netzwerk aufzubauen – falls noch nicht geschehen. Vernetze dich mit ehemaligen Kollegen sowie Branchenkontakten und tritt relevanten HR- und Wirtschaftsverbänden bei.
- Erstelle einen Businessplan: Halte deine Geschäftsziele, Zielgruppen, Dienstleistungen, Preisstruktur und Marketingstrategie fest. Überlege, ob du als Einzelunternehmer arbeiten oder eine juristische Geschäftseinheit gründen möchtest.
- Richte deine Geschäftsstruktur ein: Hierzu gehört die offizielle Gründung deines Unternehmens sowie die Erstellung einer professionellen Website.
- Vermarkte deine Leistungen: Nutze dein Netzwerk, soziale Medien, professionelle Plattformen wie LinkedIn sowie lokale Unternehmertreffen, um deine Dienste bekannt zu machen. Du kannst auch Workshops anbieten oder auf Branchenveranstaltungen sprechen, um dich als Vordenker im Bereich HR zu positionieren.
- Fang klein an: Starte eventuell zunächst mit kleineren Projekten oder Beratungen in Teilzeit neben deinem aktuellen Job (wenn dies möglich ist). So baust du ein Portfolio auf und gewinnst Selbstsicherheit, bevor du vollständig umsteigst.
- Plane deine Finanzen: Denke an die finanziellen Auswirkungen der Selbstständigkeit, zum Beispiel Rücklagen für Steuern, Krankenversicherung und einkommensschwächere Phasen. Ziehe gegebenenfalls einen Finanzberater hinzu, um eine solide Finanzplanung aufzustellen.
Einige abschließende Ratschläge
Ich bin zwar nicht im HR-Bereich tätig, habe aber als Freiberufler gearbeitet und kann die Höhen und Tiefen des Unternehmertums durchaus bestätigen.
Mein Tipp: Sei methodisch und beharrlich bei der Kundengewinnung (es ist kein Nein, bis du ein wirkliches „Nein" hörst) und fokussiere dich auf Projekte, die dich begeistern – denn deine Begeisterung wird von Anfang an sichtbar sein.
Hier noch einige abschließende Ratschläge unserer Expertinnen und Experten:
„Mein wichtigster Rat, um ein erfolgreicher HR-Berater zu werden, ist: Nie aufhören zu lernen und dich anzupassen. Die Welt des HR entwickelt sich ständig weiter – am Puls der Zeit zu bleiben, was Trends, Regelungen und Best Practices angeht, ist entscheidend. Ich sage immer, Neugier hält dich relevant, weil du immer weiterlernen und wachsen wirst. Ach ja, und vergiss nicht, dir deinen Humor zu bewahren – du wirst ihn brauchen!“ - Elena Agaragimova
„Als Berater hast du Vorstellungen davon, wie du Geld verdienen und Mehrwert für die Branche schaffen willst und setzt dir dafür Ziele. Aber Markt, Umfeld und Kunden können sich ändern und dich zwingen, deine Ziele und Leistungen neu anzupassen. Die Fähigkeit, flexibel zu reagieren und Markterwartungen zu erfüllen, ist entscheidend, um als HR-Berater erfolgreich zu sein. Um flexibel reagieren zu können, solltest du deine Kreativität und Problemlösungskompetenz schärfen.“ - Keri Ohlrich, Ph.D.
„Die besten freiberuflichen Berater haben zwei Leidenschaften... die Arbeit zu machen und die Arbeit zu finden. Beides unter einen Hut zu bekommen, ist anspruchsvoll, aber genau das ist notwendig, um zu bestehen und zu wachsen.“ - Dan George
