Unsere Recherche zeigt:
- 36% der von uns analysierten, aktuellen Stellenanzeigen in den USA enthielten keine Gehaltsangaben
- Mehr als die Hälfte (53%) der aktuellen Stellenanzeigen im Vereinigten Königreich verzichtete auf Gehaltsangaben
- 50% der Finanzstellen in den USA und 73% der Stellen im Finanzwesen im Vereinigten Königreich enthielten keine Gehaltsdetails
- In den USA fehlt im Baugewerbe mit Abstand am häufigsten die Gehaltsinformation in den Stellenanzeigen (94%)
- In den USA sind die Branchen, die am ehesten Gehaltsangaben in Stellenanzeigen aufführen, das Personalwesen (nur 11% enthielten keine Angaben), dicht gefolgt von Medien & Unterhaltung (18%) und Telekommunikation (18%)
- Im Vereinigten Königreich geben Unternehmen aus den Bereichen Medien und Unterhaltung in den Stellenanzeigen am seltensten Gehaltsinformationen an (84%)
- Stellenausschreibungen für Einstiegspositionen in den USA enthalten am seltensten Gehaltsinformationen (39% der Associate-Ebene und 37% der Junior-Positionen enthielten keine Gehaltsdetails), verglichen mit nur 18% der Positionen auf Senior-Ebene
Gehaltstransparenz ist leider immer noch ein großes Problem auf den weltweiten Arbeitsmärkten.
Obwohl es eines der wichtigsten Kriterien für Bewerber ist, ob sie ein Jobangebot annehmen, sind die meisten Unternehmen immer noch zurückhaltend, wenn es darum geht, das wichtigste Detail auf LinkedIn in ihren Stellenanzeigen zu nennen.
Diese Zurückhaltung könnte jedoch dazu führen, dass einige der besten Talente nicht eingestellt werden. In Adobes jüngster Future Workforce Study gaben 85% der baldigen und aktuellen Hochschulabsolventen an, dass sie sich seltener auf einen Job bewerben, wenn das Unternehmen die Gehaltsspanne in der Stellenanzeige nicht offenlegt.
In einigen US-Bundesstaaten ist die Angabe von Gehaltsinformationen in Stellenanzeigen inzwischen gesetzlich vorgeschrieben. Das Gesetz zur Gehaltstransparenz in New York, das im September 2023 in Kraft trat, verpflichtet Arbeitgeber mit vier oder mehr Beschäftigten, Gehaltsinformationen in ihren Stellenanzeigen anzugeben.
Das Gehaltstransparenzgesetz von Washington, D.C. gilt für Arbeitgeber aller Größen und verlangt, dass öffentliche Stellenausschreibungen ein Mindest- und Höchstgehalt oder einen Stundenlohn angeben. Studien zeigen, dass diese Gesetze bereits einen positiven Einfluss auf den Gender Pay Gap haben und ihn um 20–40% reduzieren.
Im Vereinigten Königreich geben nur 50% der Arbeitgeber Gehaltsdetails in ihren Stellenanzeigen an.
Wir wollten dieses Problem noch genauer betrachten, um einen echten Einblick in den aktuellen Stand der Gehaltstransparenz in den USA und im Vereinigten Königreich zu bekommen und um herauszufinden, in welchen Branchen Gehaltsangaben am ehesten oder am seltensten gemacht werden.
Dafür haben wir 8.000 bezahlte LinkedIn-Stellenanzeigen aus dem August 2024 in den USA und im Vereinigten Königreich anhand verschiedenster Branchen, hybrider, remote und bürobasierten Positionen und unterschiedlicher Karrierestufen analysiert.
LinkedIn ist eine der am breitesten genutzten Social-Media-Plattformen sowohl für Recruiting-Teams als auch für Jobsuchende. Die Plattform ist so allgegenwärtig, dass die meisten Recruiting-Software auf dem Markt damit integriert ist und Recruiter Gehaltsinformationen direkt in die Stelleanzeigen eingeben können. Bei dieser Nutzerfreundlichkeit könnte man meinen, Gehaltsangaben wären Standard in jeder Ausschreibung. Also, was haben wir herausgefunden?
Erkenntnisse USA
Die Analyse ergab überraschenderweise, dass 36% der untersuchten, aktuellen Stellenanzeigen keine Gehaltsdetails enthielten – was Fragen aufwirft, ob Arbeitgeber wirklich Gehaltstransparenz leben.
Branchenspezifische Auswertung
Im Hinblick auf bestimmte Branchen zeigt unsere Analyse, dass im Baugewerbe die Gehaltsangabe am seltensten in Stellenanzeigen aufgeführt ist (in satten 94% der veröffentlichen Positionen fehlen Gehaltsdetails).
Die Bildungsbranche folgt dicht dahinter, mit 80% der Positionen ohne Gehaltsangabe und 74% der Versicherungsstellen.
Interessanterweise fehlten auch bei der Hälfte (50%) der Finanzpositionen die Gehaltsinformationen.
Die Top 10 Branchen, in denen am häufigsten auf Gehaltsangaben in Stellenanzeigen verzichtet wird, sind:
| Branche | % der Stellenanzeigen ohne Gehaltsangabe |
| Baugewerbe | 94% |
| Bildung | 80% |
| Versicherung | 74% |
| Gastgewerbe | 64% |
| Finanzen | 50% |
| Beratung | 46% |
| Gesundheitswesen | 45% |
| Immobilien | 44% |
| Logistik | 42% |
| Non-Profit | 40% |
Warum sind Unternehmen im Baugewerbe so zurückhaltend, wenn es um die Angabe von Gehaltsinformationen geht?
In den USA wird ein Großteil der Bauarbeiten über Werkverträge abgewickelt. Das bedeutet, dass der Arbeitsumfang in der Regel im Voraus festgelegt wird. Entsprechend gibt es ein Budget, in das der Auftrag passen muss, weshalb die Bezahlung von Job zu Job variieren kann.
Ein weiterer Faktor, der hierbei zu beachten ist, ist, wer angestellt wird. In manchen Fällen stellen Unternehmen in dieser Branche Personen ein, die keine US-Staatsbürger sind oder sich nicht legal im Land aufhalten, und zahlen ihnen daher weniger. Schätzungen zufolge machen sich illegal in den USA aufhaltende Migranten etwa 20 % der Beschäftigten im Bauwesen aus.
In Staaten wie New York oder Kalifornien, in denen Gewerkschaften noch präsent sind und für viele dieser Jobs die Vertragspartner sind, ist dies weniger wahrscheinlich der Fall.
Anders sieht es jedoch in Bundesstaaten aus, die in den letzten Jahrzehnten einen Bauboom erlebt haben, wie Florida, Texas und New Mexico. Dort gibt es typischerweise nur wenige Regelungen für Unternehmen, und Gewerkschaften existieren entweder nicht oder sind sehr selten. Deshalb ist es insbesondere bei niedrigeren Positionen für Unternehmen oftmals nicht im Interesse, öffentlich zu machen, wen die Auftragnehmer einstellen und was tatsächlich gezahlt wird.
Im Gegensatz dazu gibt es Sektoren, in denen die Gehaltsangabe am wahrscheinlichsten ist:
| Wirtschaftssektor | % der Stellenanzeigen ohne Gehaltsangabe |
| Personalvermittlung | 11% |
| Medien & Unterhaltung | 18% |
| Telekommunikation | 18% |
| Lebensmittel & Getränke | 20% |
| Technologie | 20% |
| Marketing | 24% |
| Landwirtschaft | 26% |
| Staatliche Einrichtungen | 29% |
| Automobilbranche | 30% |
| Kundendienst | 32% |
Aufschlüsselung nach Bundesstaat und Region
In den USA haben 8 Bundesstaaten Gesetze zur Transparenz der Gehaltsspannen erlassen und 15 Bundesstaaten prüfen entsprechende Gesetze.
Folgende Bundesstaaten haben diese Gesetze verabschiedet: Maryland, Colorado, Connecticut, Nevada, Rhode Island, Washington, Kalifornien und New York.
Unsere Recherche zeigt jedoch, dass viele Unternehmen in diesen Bundesstaaten nach wie vor davon absehen, Gehaltsinformationen in ihren Stellenausschreibungen anzugeben.
Zum Beispiel enthielten 56 % der Stellenanzeigen in Maryland keine Gehaltsangabe, womit dieser Bundesstaat knapp außerhalb der Top 10 der Staaten ohne Gehaltsangabe liegt.
31 % der Anzeigen aus Unternehmen in Washington DC enthielten sie nicht, in Colorado waren es 17 %.
Die 10 Bundesstaaten mit der geringsten Transparenz bei Gehaltsangaben sind:
| Bundesstaat/Territorium | % der Stellenanzeigen ohne Gehaltsangabe |
| Alabama | 70% |
| Arizona | 67% |
| North Carolina | 66% |
| Michigan | 64% |
| Minnesota | 60% |
| Georgia | 60% |
| Virginia | 60% |
| Florida | 59% |
| Wisconsin | 59% |
| Massachusetts | 59% |
Die 10 Bundesstaaten mit der höchsten Transparenz bei Gehaltsangaben sind:
| Bundesstaat/Territorium | % der Stellenanzeigen ohne Gehaltsangabe |
| Kalifornien | 9% |
| Washington | 10% |
| New York | 10% |
| Colorado | 17% |
| Oklahoma | 28% |
| District of Columbia | 31% |
| Illinois | 34% |
| Nevada | 42% |
| Tennessee | 43% |
| Missouri | 46% |
Unsere Analyse zeigt, dass Unternehmen in den südlichen Bundesstaaten und im Mittleren Westen viel häufiger auf Gehaltsinformationen verzichten als Firmen im Nordosten und Westen der USA.
| US-Region | % der Stellenanzeigen ohne Gehaltsangabe |
| Süden | 55% |
| Mittlerer Westen | 49% |
| Nordosten | 23% |
| Westen | 16% |
Aufschlüsselung nach Positionsebene
Bezogen auf die Positionsebene zeigt unsere Untersuchung, dass bei Junior-Positionen seltener Gehaltsangaben in den Anzeigen gemacht werden als bei Senior-Positionen.
| Positionsebene | % der Stellenanzeigen ohne Gehaltsangabe |
| Associate | 39% |
| Junior | 37% |
| Mid-Level | 36% |
| Direktor | 30% |
| Manager | 27% |
| Lead | 18% |
| Senior | 18% |
Ergebnisse für das Vereinigte Königreich
Im Vereinigten Königreich gibt es derzeit keine Transparenzgesetze, während das Prinzip des gleichen Lohns bereits seit 1970 gesetzlich verankert ist. Anforderungen an die Berichterstattung über das geschlechtsspezifische Lohngefälle traten 2017 in Kraft, mit dem Ziel, die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern zu verringern. Dies verpflichtet Arbeitgeber mit mehr als 250 Mitarbeitern in England, Wales und Schottland dazu, jährlich über das geschlechtsspezifische Lohngefälle in ihrem Unternehmen zu berichten.
Aus unseren Ergebnissen geht hervor, dass mehr als die Hälfte (erstaunliche 53%) der 4.000 von uns analysierten Stellenanzeigen im Vereinigten Königreich keine Gehaltsangabe enthielten.
Aufschlüsselung nach Wirtschaftssektoren
Bei der Analyse der spezifischen Branchen im Vereinigten Königreich, in denen Gehaltsangaben in Stellenanzeigen ausgelassen wurden, zeigte sich, dass die überwiegende Mehrheit (84%) der offenen Stellen im Bereich Medien und Unterhaltung keine Gehaltsinformationen enthielt.
78% der offenen Stellen im Gesundheitswesen enthielten keine Gehaltsangaben, und bei 73% der Positionen im Finanzwesen fehlten diese ebenfalls.
| Branche | % der Stellenanzeigen ohne Gehaltsangabe |
| Medien und Unterhaltung | 84% |
| Gesundheitswesen | 78% |
| Technologie | 74% |
| Finanzwesen | 73% |
| Versicherung | 73% |
| Marketing | 70% |
| Versorgungsunternehmen | 70% |
| Logistik | 69% |
| Lebensmittel und Getränke | 69% |
| Beratung | 68% |
Warum ist es so üblich, dass in der Medien- und Unterhaltungsbranche Gehaltsangaben fehlen?
Typischerweise bieten Einstiegspositionen in dieser Branche ein sehr niedriges Einstiegsgehalt.
Die Gehälter können bei £12.000 pro Jahr beginnen, während Redakteurspositionen im mittleren bis höheren Bereich etwa £35.000 erreichen.
Um weiterhin Menschen dazu zu bringen, dem „Traum“ des gut bezahlten Expertenstatus nachzujagen, werden Organisationen vermutlich nicht öffentlich machen, dass die Mehrheit in diesem Bereich – offen gesagt – Schwierigkeiten haben wird, ihre Rechnungen zu bezahlen.
Andererseits sind dies die zehn Branchen mit der höchsten Gehaltstransparenz:
| Branche | % der Stellenanzeigen ohne Gehaltsangabe |
| Bildungswesen | 12% |
| Telekommunikation | 20% |
| Verarbeitendes Gewerbe | 32% |
| Kundenservice | 33% |
| Öffentlicher Sektor | 38% |
| Immobilien | 39% |
| Automobilindustrie | 43% |
| Gemeinnützige Organisationen | 46% |
| Baugewerbe | 50% |
| Recht | 53% |
Im Vereinigten Königreich sind Stellen in London am wenigsten wahrscheinlich mit Gehaltsinformationen versehen (74%), dicht gefolgt von Edinburgh (54%) sowie Bristol und Manchester (52%).
Bei einem genaueren Blick auf die Unternehmen in den Regionen, in denen die Wahrscheinlichkeit am höchsten oder niedrigsten ist, Gehaltsinformationen in Stellenanzeigen zu nennen, zeigt sich: Unternehmen in Greater London verzichten mit Abstand am häufigsten (72%) darauf. Außerhalb der Hauptstadt lassen fast die Hälfte der von uns analysierten Unternehmen in Schottland und im Südosten wahrscheinlich Gehaltsangaben weg (45%).
| Region im Vereinigten Königreich | % der Stellenanzeigen ohne Gehaltsangabe |
| Greater London | 72% |
| Schottland | 45% |
| Südosten | 45% |
| Yorkshire und Humber | 43% |
| Nordwesten | 40% |
| Südwesten | 38% |
| Osten Englands | 37% |
| East Midlands | 35% |
| Nordosten | 35% |
| Wales | 33% |
| West Midlands | 31% |
Anders als in den USA werden in Großbritannien bei höherqualifizierten Positionen mit größerer Wahrscheinlichkeit keine Gehaltsangaben gemacht als bei Einstiegspositionen.
| Karrierestufe | % der Stellenanzeigen ohne Gehaltsangabe |
| Senior | 79% |
| Manager | 78% |
| Direktion | 76% |
| Associate | 70% |
| Mittleres Level | 59% |
| Lead | 57% |
| Junior | 40% |
Warum sind so viele Unternehmen immer noch zurückhaltend bei der Offenlegung von Gehaltsangaben?
Es gibt viele Gründe, aber in erster Linie liegt es am Wunsch, einen wettbewerbsfähigen Markt zu schaffen, und an der Tatsache, dass Unternehmen Frauen seit geraumer Zeit weniger bezahlt haben als Männern und Minderheiten weniger als Weißen.
Dies hat den Unternehmen eine Menge Geld gespart. Indem öffentlich festgelegt wird, was eine Position wert ist, zeigen Unternehmen nicht nur, wie sie den Stelleninhaber bewerten, sie riskieren zugleich, potenzielle Talente abzuschrecken, die höhere Gehaltsvorstellungen haben.
Im Grunde fühlt es sich für manche Organisationen wie ein Bieterwettbewerb an. Doch wenn keine Transparenz herrscht, trägt das zur Entstehung von Lohnlücken bei, da Arbeitgeber bestimmten Kandidat*innen weniger anbieten können, ohne dass es offen gelegt werden muss. Und wir wissen, dass Frauen anders wahrgenommen werden als Männer, wenn sie versuchen zu verhandeln – weshalb sie es oft gar nicht tun.
Ein Gehalt ist zudem auch persönliche Information, daher sagt uns die gesellschaftliche Norm natürlich, dass es „unhöflich“ sei, darüber zu sprechen. Manchmal ist es einfach eine gesellschaftliche Sache. In den USA sprechen wir nicht darüber, weil das historisch gesehen nie üblich war. Am Arbeitsplatz herrscht die Ansicht, dass es viel Unbehagen und unangenehme Situationen zwischen Menschen schafft. Es kann zu Neid und möglicher Vergeltung durch Vorgesetzte kommen.
Der eigentliche Grund ist jedoch: Arbeitgeber wollen nicht, dass Sie darüber sprechen. Wenn Sie es tun, könnten Sie feststellen, dass Sie zu wenig verdienen und kündigen wollen. Sie könnten merken, dass Sie mehr verdienen als Ihre Kolleg*innen und dann ein überhöhtes Selbstwertgefühl entwickeln. Im Grunde ist es so einfach, dass Organisationen ihren Leuten nicht zutrauen, vernünftig und erwachsen mit dieser Information umzugehen.
Gab es in den letzten Jahren Fortschritte bei der Gehaltstransparenz?
In einigen US-Bundesstaaten, in denen entsprechende Gesetze gelten, gab es leichte Verbesserungen, obwohl die Durchsetzung dieser Gesetze noch ungewiss ist. Auch gibt es einige Branchen, in denen Gehaltstransparenz stärker üblich ist.
Im Großen und Ganzen fehlt sie jedoch weiterhin, und da DEI-Praktiken zunehmend angegriffen werden, geraten auch Praktiken, die auf gleiche Bezahlung abzielen, wie die Gehaltstransparenz, unter Druck.
Die Auswirkungen, wenn Gehälter in Stellenanzeigen fehlen
Was ist also das Problem, wenn ein Gehalt einfach als ‚wettbewerbsfähig‘ angegeben wird? Das Problem ist, dass das tatsächlich nichts aussagt. Wettbewerbsfähig für wen? Im Vergleich zu was genau?
Meist wird dies genutzt, um Gehaltspraktiken anzuwenden, die wenig Zufriedenheit bei den Mitarbeitenden bringen. Oft liegen sie eher am unteren Ende des Vergleichsspektrums und sind kaum verhandelbar. Außerdem schafft es ein Problem mit Lohngleichheit.
Solange Unternehmen nicht offen und transparent darüber sind, wie sie Gehaltsspannen festlegen, gibt es keinen festgelegten Branchenmaßstab, an dem man sich orientieren könnte. Dadurch können sie im Grunde ein Gehalt frei festsetzen, um Talente anzuziehen.
Das ist alles schön und gut, bis es innerhalb der Unternehmen zu einem Ungleichgewicht führt.
Warum sollten wir Gehaltstransparenz befürworten?
Das ist aus mehreren Gründen wichtig. Einer ist, dass Unternehmen Zeit sparen können, indem sie gezielt Menschen anziehen, die Interesse an der Stelle haben und wissen, was sie dafür verdienen. Das erspart Zeit in der Verhandlungsphase, sorgt für mehr Engagement neuer Mitarbeitender, und wenn Menschen sich fair bezahlt fühlen, sind sie meist engagierter und produktiver.
Aber ein wichtiger Punkt, über den viel mehr gesprochen werden sollte, ist, dass das Vertrauen zwischen Arbeitgebern und Mitarbeitenden/Bewerber*innen gering ist. Studien zufolge würden 60 % der US-amerikanischen und 57 % der britischen Beschäftigten zu einem Unternehmen wechseln, das mehr Gehaltstransparenz bietet.
Am Ende des Tages existieren Unternehmen, um Geld zu verdienen, aber für viele Beschäftigte fühlt es sich schon zu lange so an, als ginge dieser Profit vor allem auf Kosten der Menschen, die diese Ergebnisse überhaupt erst ermöglichen.
Deshalb sind viele skeptisch gegenüber Unternehmen, die ihnen nicht zumindest mitteilen, was sie verdienen werden – was ja der Hauptgrund ist, warum wir überhaupt arbeiten. Ja, es ist wichtig für Lohngleichheit/Schließen von Lohnlücken und bei der Gewinnung von Talenten, aber Unternehmen sehen es vielleicht nicht als ihre Aufgabe, für Lohngerechtigkeit zu sorgen, und bekommen möglicherweise ohnehin genug Bewerber*innen.
Indem wir uns für Transparenz und Klarheit in Stellenanzeigen einsetzen, schaffen wir einen gerechteren Arbeitsmarkt, in dem sich Bewerber*innen bestärkt fühlen, sich für Chancen zu entscheiden, die zu ihren finanziellen Erwartungen passen, und für die sie nach ihrem Wert bezahlt werden.
Was sollten Bewerber*innen tun, wenn ein Unternehmen das Gehalt einer offenen Stelle nicht angibt?
Das sollte eine der ersten Fragen sein, die Sie im Vorstellungsgespräch stellen.
Ich würde entsprechende Unternehmen beim Einreichen von Bewerbungen ganz nach unten auf die Prioritätenliste setzen, aber sobald Sie eingeladen werden, fragen Sie gleich nach dem Gehalt. Es lohnt sich nicht, noch weiter Zeit zu investieren, wenn Sie schon wissen, dass Sie mit dem Gehalt nicht einverstanden sind.
Die Basis jeder Beziehung zwischen Ihnen und einem Arbeitgeber ist das Gehalt. Wenn Sie dem nicht vertrauen können, werden Sie gehen. Die grundlegenden Bedürfnisse, die in einer Arbeitsbeziehung erfüllt sein müssen, sind einfach: Gehalt, Benefits, Urlaubstage.
Im Vereinigten Königreich stehen Gehalt und Urlaubstage meist ganz oben, da der Bedarf an Zusatzleistungen zur Gesundheit nicht so ausgeprägt ist. Alles, was über diese Grundbedürfnisse hinausgeht, kann Sie wettbewerbsfähiger machen und Ihre Zufriedenheit oder Ihr Engagement verbessern, aber es wird selten ausschlaggebend für die Entscheidung der Bewerber*innen sein. Gehalt ist das wichtigste dieser Grundbedürfnisse. Es ist der Grund, warum wir arbeiten.
Methodik
Wir haben im August 2024 insgesamt 4.201 aktuelle Stellenanzeigen auf LinkedIn in den USA und 3.988 im Vereinigten Königreich erfasst. Dabei handelte es sich ausschließlich um "bezahlte" Stellen; unbezahlte oder ehrenamtliche Positionen wurden entfernt.
Im Anschluss haben wir diese Anzeigen nach geografischem Standort und Region des einstellenden Unternehmens sowie nach der Art der Tätigkeit (im Büro, remote oder hybrid) kategorisiert.
Zur Bestimmung des Wirtschaftszweigs und der Hierarchiestufe der Jobs wurde OpenAI mittels Eingaben zu Jobtitel, Firmenname und Stellenbeschreibung verwendet. Damit wurde auch erfasst, ob Informationen zum Gehalt ausschließlich in der Stellenbeschreibung vermerkt waren; zusätzliche manuelle Prüfungen sicherten die Angaben ab.
Anschließend berechneten wir den Prozentsatz der Anzeigen, die Gehaltsangaben enthielten bzw. nicht enthielten.
