Organisationen kämpfen ständig darum, talentierte Menschen einzustellen und zu halten. Wir haben mit Jennifer Shappley, Vice President of Talent bei LinkedIn, gesprochen, um herauszufinden, warum das Unternehmen als so begehrter Arbeitgeber gilt.
Hallo Jennifer! Wir würden Sie gerne etwas besser kennenlernen – wie sind Sie dorthin gekommen, wo Sie heute stehen?
Ich arbeite seit etwa 15 Jahren im Recruiting, habe aber meine ersten zwei Jahre in einer allgemeinen HR-Rolle verbracht. Im Laufe meiner Karriere habe ich alles gemanagt, von der 401k-Administration über Benefits bis hin zum Onboarding neuer Mitarbeitender.
Der Funke für das Recruiting sprang jedoch erst über, als der Leiter der Recruiting-Abteilung meines ersten Unternehmens zufällig in der Stadt war und mir anbot, eine Woche lang sein Team zu begleiten (an dieser Stelle eine Empfehlung für Job-Shadowing). Seitdem hat mich das Thema nicht mehr losgelassen.
Wie beschreiben Sie anderen Ihre Arbeit?
Ich helfe dabei, Talente mit Chancen zu verbinden, und bringe außergewöhnliche Menschen zu LinkedIn, wo sie einen bedeutenden Beitrag zu unserer Vision leisten können, wirtschaftliche Chancen für jedes Mitglied der globalen Arbeitnehmerschaft zu schaffen. Kurz gesagt: Mein Team hilft dabei, Talente anzuziehen, einzustellen und zu entwickeln, um unsere Vision voranzutreiben.
Wie sieht Ihr typischer Tag aus, haben Sie eine feste Routine?
Kein Tag gleicht dem anderen, was die Arbeit spannend macht. Ich starte jede Woche mit einem frühen morgendlichen Workout, das mir einen Kickstart gibt.
Meine Tage bestehen aus Meetings mit meinem Team, in denen ich sicherstelle, dass wir bei unseren Aufgaben auf Kurs sind, Check-ins zu wichtigen Projekten, Treffen mit Geschäftspartnern und oft auch mit Kundinnen und Kunden, um besser zu verstehen, wie wir sie bei ihrem Einstellungsbedarf unterstützen können.
Was ist Ihr Lieblingsteil an Ihrem Job?
Wir haben ein unglaublich talentiertes Talent-Team und meine liebsten Meetings sind die, in denen ich Zeit mit ihnen verbringe und ihre Ideen höre. Es ist sehr inspirierend, ihre Leidenschaft für Bereiche zu spüren, in denen wir uns verbessern und weiterentwickeln können.
Ich liebe es auch, eine Position zu haben, die der vieler unserer Kundinnen und Kunden ähnelt, die selbst Talent-Akquisitionsteams leiten. Dadurch werden Gespräche mit Kunden besonders inspirierend und motivierend.
Was ist Ihre größte Herausforderung und wie gehen Sie damit um?
Ich brenne für den Bereich Talent – da ist es leicht, sich auf zu viele Aufgaben zu verteilen.
Ich arbeite hart daran, immer fokussiert auf die wichtigsten Prioritäten zu bleiben, um in den entscheidenden Bereichen voranzukommen. Ich habe gelernt, dass die Frage: „Welches Problem wollen wir eigentlich lösen?“ die Fokussierung enorm erleichtert.
Es gibt so viele spannende Aufgaben, daher bleibt das ein laufender Prozess!
LinkedIn wurde in die Top 20 der Arbeitgeber auf Glassdoors Best Places To Work-Liste gewählt – eine beeindruckende Leistung. Woran liegt das, was macht euren Umgang mit Talenten so besonders?
Bei LinkedIn steht Talent bei uns an erster Stelle und wir wissen: Um Talente zu fördern und zu halten, ist es entscheidend, ein Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeitende ermutigt werden, ihr gesamtes Potenzial bei der Arbeit einzubringen.
Obwohl jeder eine andere Führungsweise hat, liegt bei LinkedIn der Fokus sehr stark darauf, unsere Mitarbeitenden zu entwickeln und ihr Wachstum zu unterstützen.
Führungskräfte fragen neue Kolleginnen und Kollegen oft nach ihren Zielen und Karrierewünschen – sogar dann, wenn sie erst neu im Unternehmen sind. Der Fokus darauf, wie wir unsere Mitarbeitenden bei der Erreichung ihrer eigenen Ziele unterstützen können, steht für uns im Mittelpunkt eines erfolgreichen Talent-Managements.
Was war bisher eure erfolgreichste Initiative?
Ich würde sagen, unser LiftUp! Programm war äußerst erfolgreich. Zu Beginn der Pandemie haben wir die Mitarbeitenden mit der einfachen Frage angesprochen: Wie geht es dir?
Durch dieses Feedback haben wir festgestellt, dass Erschöpfung eine große Stressquelle war. Deshalb haben wir LiftUp! ins Leben gerufen – eine Initiative, die Mitarbeitende und Führungskräfte während der langen Homeoffice-Phase unterstützt hat, inklusive Ressourcen rund um mentale Gesundheit, meetingfreie Tage und überraschenden Wohlfühl-Aktionen wie einer unternehmensweiten Auszeit.
Diese globale Auszeit war ein Dankeschön an die Teammitglieder. Wir wollten unseren Leuten etwas wirklich Wertvolles schenken, das nicht nur bei Erschöpfung und Selbstfürsorge hilft, sondern auch unsere Wertschätzung für die großartige Arbeit zeigt, die sie jeden Tag leisten.
Auf welche 5 Dinge sollten Organisationen setzen, um Top-Talente zu gewinnen und zu halten?
- Setzen Sie Vielfalt & Inklusion an die Spitze: Vielfalt und Inklusion sind Wachstumstreiber, die Zugang und Wirkung bei unterschiedlichen Zielgruppen ermöglichen. Unternehmen, die die Fähigkeit entwickeln, inklusiv zu führen – insbesondere beim Recruiting – können das kreative Potenzial aus unterschiedlichen Ideen und Erfahrungen freisetzen und damit die besten Talente gewinnen.
- Setzen Sie auf kompetenzbasierte Einstellungen: In den letzten Jahren hat sich das Talentakquiseteam von LinkedIn mit voller Konzentration auf die Einstellung auf Basis von Kompetenzen und Erfahrungen – und nicht mehr auf den Lebenslauf – ausgerichtet. Außerhalb klassischer Kanäle zu suchen, führt zu neuen Ideen und erschließt neue Talentpools.
- Umarmen Sie Flexibilität: Flexibilität ist zu einem entscheidenden Faktor für die Arbeitszufriedenheit geworden. LinkedIn-Daten zeigen: Sind Mitarbeitende mit der Zeit- und Standort-Flexibilität ihres Unternehmens zufrieden, ist die Wahrscheinlichkeit 2,6-fach höher, dass sie angeben, glücklich zu sein, und 2,1-fach höher, das Unternehmen als Arbeitgeber weiterzuempfehlen. Während wir uns in einer hybriden Arbeitswelt bewegen, ist es wichtig, jedes Team und jede einzelne Person individuell zu betrachten, zu analysieren, wie Tools und Räume genutzt werden und wie der Austausch im Team in Echtzeit funktioniert. Zu verstehen, dass eine Einheitslösung für alle nicht funktioniert, ist die Basis. Darauf können wir individuelle und faire Erfahrungen schaffen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Arbeitskräfte gerecht werden.
- Schaffen Sie ein Umfeld, in dem sich Mitarbeitende gehört und geschätzt fühlen: Es ist wichtig, dass Ihre Mitarbeitenden wissen, dass Sie ihnen zutrauen, Entscheidungen darüber zu treffen, was sie für ihre beste Arbeit benötigen. In dieser hybriden Arbeitswelt sitzen wir alle im selben Boot und setzen auf Vertrauen und Flexibilität in der Führung. Ebenso zentral ist es, Raum und offene Kanäle zu schaffen, damit Mitarbeitende Rückmeldung geben können. Bei LinkedIn führen wir eine halbjährliche "Employee Voice Survey" durch, bei der unsere Mitarbeitenden die Möglichkeit haben, dem Führungsteam Feedback zu geben. Wir wissen: Es braucht Offenheit, Zusammenarbeit und einen gemeinsamen Fokus auf Wachstum.
- Bieten Sie Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten, und zeigen Sie Ihren Mitarbeitenden auf, dass Aufstieg möglich ist: Eine externe Umfrage zeigt, dass 37% der Angestellten eine Veränderung in ihrer Karriere suchen – sei es das Entdecken neuer Möglichkeiten, der Wechsel des Jobs oder ein Rollenwechsel innerhalb des Unternehmens. Signalisieren Sie Ihren Mitarbeitenden, dass Sie ihr berufliches Wachstum fördern und bereit sind, in Weiterbildungs-, Netzwerk- und Mentoringangebote zu investieren. Bei LinkedIn etwa organisieren wir die "Internal Career Week", um Mitarbeitern die Chancen auf interne Karrieremöglichkeiten nahezubringen und neue, für den weiteren beruflichen Weg nützliche Fähigkeiten zu vermitteln.
Was sind Ihre 3 wichtigsten Strategien für ein ausgezeichnetes Bewerbererlebnis?
- Vereinfachen Sie den Prozess auf wenige Schritte. Angesichts des starken Wettbewerbs können Unternehmen es sich nicht leisten, langsam zu handeln. Ein konsistenter Ablauf, der schnelle Entscheidungen erlaubt, hilft Ihnen dabei, Top-Talente zu gewinnen.
- Machen Sie den Auswahlprozess empathischer und menschlicher. Es ist wichtig, bei Unterbrechungen und technischen Problemen während virtueller Screenings und Interviews nachsichtig zu sein. Von der Person mit instabiler Internetverbindung bis zum Kandidaten, der sich kurzzeitig um ein Kind kümmern muss: Geduld von Seiten der Recruiter zahlt sich aus.
- Seien Sie transparent bezüglich der aktuellen Unternehmenskultur – nicht nur der früheren. Viele Bewerbende möchten wissen, wie der Alltag aktuell aussieht. Im Fokus steht weniger, wie das Büroleben vor COVID mit Catering und After-Work-Events war, sondern wie die Unternehmenskultur heute im hybriden Umfeld gelebt wird. Seien Sie offen, ehrlich und transparent – zeigen Sie auf, wie in Ihrem Unternehmen die Mitarbeitenden im Mittelpunkt stehen.
Was sehen Sie im Recruiting-Alltag, bei dem Sie denken: „Nein, bitte nicht (mehr) machen!“?
Recruiter, die sich zu sehr auf aktuelle Jobtitel oder vorige Tätigkeiten konzentrieren, um zu entscheiden, ob jemand „qualifiziert“ ist, verschließen sich womöglich großartigen Talenten.
Da sich Jobs und die dafür nötigen Kompetenzen immer schneller verändern, kommt es für Recruiter heute darauf an, auf Kandidat:innen zu setzen, die die Unternehmenskultur bereichern, sich in eine Rolle hinein entwickeln und eine erfolgreiche Laufbahn mit dem Unternehmen anstreben können.
Danke Jennifer, das waren tolle Einblicke! Wie können unsere Leserinnen und Leser Ihr weiteres Schaffen verfolgen?
Besuchen Sie unseren LinkedIn Talent Blog. Dort informieren wir Personalprofis und Führungskräfte regelmäßig mit Tipps, Strategien und Inspiration, wie Sie Talente gewinnen, entwickeln und binden können. Sie können mir außerdem auf LinkedIn folgen, wo ich aktuelle Einblicke und Trends zum Thema Talentgewinnung und Recruiting-Strategien teile.
