Im modernen Arbeitsplatz legen Menschen Wert auf Flexibilität. On-Demand-Bezahlung ist eine weitere Methode, Flexibilität in Ihr Arbeitgeberwertversprechen einzubringen.
Hier erklären wir, was On-Demand-Bezahlung ist, welche Vorteile sie für Organisationen und Mitarbeitende bringt und wie Sie dieses Thema angehen können.
Was ist On-Demand-Bezahlung?
On-Demand-Bezahlung, auch als Sofortlohnzugang bekannt, ist ein finanzieller Service, der es Mitarbeitenden ermöglicht, auf bereits verdiente Löhne vor dem regulären Zahltag zuzugreifen.
Wenn sie also schon ein paar Schichten oder Stunden gearbeitet haben, können sie für diese Arbeit vorzeitig bezahlt werden, oft über eine App oder eine Lohnabrechnungsplattform.
So wird Mitarbeitenden mehr Flexibilität und finanzielle Kontrolle geboten, ohne auf den üblichen zweiwöchentlichen oder monatlichen Lohnzahlungszyklus warten zu müssen.
Wie funktioniert On-Demand-Bezahlung?
Jederzeit können Mitarbeitende ihren aufgelaufenen Lohn einsehen und eine Auszahlung anfordern. Diese Auszahlung wird dann schnell per automatischer Direktüberweisung auf ihr Bankkonto transferiert. Am Zahltag wird der ausgezahlte Betrag von ihrem regulären Gehalt abgezogen.
Der Prozess wird meist über digitale Plattformen abgewickelt, wie z. B. Paycor oder Deel Lohnabrechnungssoftware, auf die Mitarbeitende über ein Self-Service-Portal zugreifen können und die auch bei Steuern und rechtlichen Vorgaben unterstützen.
Arten der On-Demand-Bezahlung
Es gibt verschiedene Arten von On-Demand-Bezahlung, je nachdem wie das System gestaltet ist. Hier sind die wichtigsten:
- Zugriff auf verdiente Löhne (EWA): Dies ermöglicht es Mitarbeitenden, einen Teil ihres bereits verdienten Lohns vor dem regulären Zahltag zu erhalten. Die Summe richtet sich gewöhnlich nach den bis dahin geleisteten Arbeitsstunden – es ist wie ein Vorschuss auf das Gehalt.
- Sofortzahlung: Dies ist eine noch unmittelbarere Variante, bei der Mitarbeitende ihren Lohn in Echtzeit für die geleisteten Stunden erhalten können. Dies kann nach jeder Schicht oder sogar täglich möglich sein.
- Auszahlung auf Zahlkarten: Manche Unternehmen bieten On-Demand-Bezahlung über Zahlkarten an, auf die Mitarbeitende ihren Lohn auf eine Prepaid-Karte laden und sofort nutzen können.
- Drittanbieter-Plattformen: Hierbei handelt es sich um Drittanbieter-Apps oder -Dienstleistungen, die mit Arbeitgebern kooperieren, um On-Demand-Bezahloptionen anzubieten. Mitarbeitende können über diese Plattformen vorzeitig die Auszahlung ihres Lohns beantragen und erhalten.
Vorteile der On-Demand-Bezahlung für Arbeitnehmer
On-Demand-Bezahlung bietet Mitarbeitenden verschiedene Vorteile, vor allem um finanzielle Belastungen in einer angespannten Wirtschaft zu mindern.
Finanzielle Flexibilität
Es wird geschätzt, dass rund 4 von 10 US-Haushalten keine unerwartete Ausgabe von $400 begleichen können. Durch On-Demand-Bezahlung können Betroffene unerwartete Kosten und Notfälle besser abfedern und von Rabatten profitieren.
Reduzierung der Abhängigkeit von teuren Krediten
Laut einer HR Exchange On-Demand Pay Umfrage 2021 gaben fast 20 Prozent der Teilnehmenden an, dass ihre Mitarbeitenden Zahltagskredite nutzen.
Zahltagskredite weisen hohe Zinssätze auf (oft 400 % effektiver Jahreszins oder mehr) und ein Bericht des Consumer Financial Protection Bureau ergab, dass 1 von 5 Kreditnehmenden in eine Schuldenspirale geraten.
On-Demand-Bezahlung hilft, diesen Kreislauf zu durchbrechen, da sie eine erschwinglichere, zuverlässigere Alternative bietet.
Verbesserte Finanzplanung
In Kombination mit weiteren Tools und Bildungsangeboten zur finanziellen Gesundheit kann On-Demand-Bezahlung beim Budgetieren und der Finanzplanung unterstützen.
Vorteile der On-Demand-Bezahlung für Arbeitgeber
Selbstverständlich bringt die On-Demand-Bezahlung auch Arbeitgebern zahlreiche Vorteile:
Verbesserte Rekrutierung und Mitarbeiterbindung
On-Demand-Bezahlung ist eine beliebte Zusatzleistung unter Arbeitnehmern. So fand eine Umfrage von ADP heraus, dass 75 % der Arbeitnehmer aller Altersgruppen es für wichtig halten, dass ihr Arbeitgeber einen Zugang zu verdienten Löhnen anbietet, und 93 % der Arbeitgeber, die diese Option anbieten, sagen, dass sie dadurch neue Talente anziehen können.
Ähnlich berichtete in einer neuen Harris-Umfrage von IntelyCare und DailyPay 71 % der Beschäftigten im Gesundheitswesen, dass sie mit größerer Wahrscheinlichkeit in ihrem Job bleiben würden, wenn ihr Arbeitgeber eine On-Demand-Bezahlung anbietet.
Unterm Strich kann das Angebot einer On-Demand-Bezahlung ein Unternehmen für potenzielle Mitarbeiter attraktiver machen und dabei helfen, bestehende Beschäftigte zu halten.
Verbesserte Mitarbeiterzufriedenheit und Produktivität
Eine Studie von PwC fand heraus, dass 60 % der Vollzeitbeschäftigten wegen ihrer Finanzen gestresst sind (und ich vermute, dass dieser Anteil bei temporären oder Schichtarbeitern noch höher ist), was sich negativ auf ihre psychische Gesundheit auswirkt.
Wenn On-Demand-Bezahlung effektiv eingesetzt wird, kann sie helfen, einen Teil dieses Stresses zu mindern. Das führt zu konzentrierteren, zufriedeneren und produktiveren Mitarbeitenden.
Außerdem: Wenn jemand beispielsweise nicht in der Lage ist, die Kinderbetreuung zu bezahlen, kann er keine zusätzlichen Schichten übernehmen oder vielleicht sogar seine reguläre Schicht nicht wahrnehmen.
Weniger Anfragen für Gehaltsvorschüsse
Durch die strukturierte Möglichkeit, verdiente Löhne zu erhalten, können Arbeitgeber den administrativen Aufwand bei der Bearbeitung von Ad-hoc-Anfragen für Gehaltsvorschüsse verringern.
Kleine Unternehmen können diese Vorteile noch steigern, indem sie erstklassige Lohnabrechnungslösungen für KMU nutzen, die speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.
Herausforderungen der On-Demand-Bezahlung für Arbeitnehmende
Auch wenn es grundsätzlich Vorteile gibt, löst On-Demand-Bezahlung keine grundlegenden Probleme beim Umgang mit Geld, und es gibt einige Dinge, auf die Beschäftigte achten müssen.
Übermäßige Nutzung oder Abhängigkeit
Wenn Beschäftigte einfachen Zugang zu ihren Löhnen vor Zahltag haben, kann es verlockend sein, diese Möglichkeit zu überbeanspruchen. Das kann zu schlechten finanziellen Gewohnheiten oder einer Abhängigkeit von dem Service führen, was langfristig zu Liquiditätsproblemen führen könnte.
Gebühren und Kosten
Manche On-Demand-Bezahldienste verlangen Gebühren für den vorzeitigen Zugriff auf Lohnbestandteile. Diese Gebühren können sich summieren, vor allem, wenn Beschäftigte den Service häufig nutzen. So zahlen Mitarbeitende unter Umständen mehr als beabsichtigt, um auf ihren Lohn zuzugreifen.
Finanzieller Stress durch häufige Abhebungen
Auch wenn On-Demand-Bezahlung kurzfristig helfen kann, könnte sie Beschäftigte auch dazu verleiten, ihre Finanzen schlechter zu managen, wenn sie ständig vorzeitig auf ihren Lohn zugreifen, statt zu budgetieren.
Dies könnte zu einem Kreislauf der finanziellen Instabilität führen oder dazu, dass Beschäftigte die Möglichkeit verpassen, für langfristige Ziele zu sparen.
Herausforderungen der On-Demand-Bezahlung für Arbeitgeber
Auch für Arbeitgeber gibt es einige Herausforderungen, die sie bei der Einführung von On-Demand-Bezahlung beachten müssen:
Zusätzliche Kosten
Das Einrichten eines On-Demand-Bezahlsystems kann eine erhebliche Anfangsinvestition erfordern. Unternehmen müssen eventuell mit Drittanbietern zusammenarbeiten und müssen mit Software-Integrationen, Plattformgebühren oder Servicekosten rechnen.
Management des Mitarbeiterverhaltens
Auch wenn On-Demand-Bezahlung mehr Flexibilität bietet, könnte sie dazu führen, dass Beschäftigte den Fokus auf eine langfristige Finanzplanung verlieren. Arbeitgeber müssen bedenken, dass häufiger Lohnzugang das Sparverhalten untergraben und bei manchen zu finanzieller Instabilität führen kann.
Finanzielles Risiko
Arbeitgeber haften möglicherweise für Fehler oder Probleme rund um die Auszahlung. Wenn ein Mitarbeitender mehr Lohn erhält als tatsächlich verdient oder ein Berechnungsfehler auftritt, kann das zu finanziellen Unstimmigkeiten führen und zusätzlichen Support-Aufwand zur Behebung erfordern.
Auswirkungen auf den Cashflow
On-Demand-Bezahldienste verlangen in der Regel von Arbeitgebern, dass Löhne auf Anfrage ausgezahlt werden, auch wenn die Arbeitsstunden noch nicht geleistet wurden.
Gerade für kleine Unternehmen kann dies die Liquidität beeinträchtigen – insbesondere, wenn ein großer Anteil der Mitarbeitenden frühzeitig auf ihren Lohn zugreifen möchte.
5 Best Practices für On-Demand-Bezahlung
Vor diesem Hintergrund finden Sie hier die besten Praktiken, damit On-Demand Pay zu einem wertvollen Instrument zur Verbesserung der Personalgewinnung, zur Reduzierung der Fluktuation und zur Förderung des allgemeinen Wohlbefindens am Arbeitsplatz wird.
1. Klare Kommunikation mit den Mitarbeitenden
Wie bei den meisten Dingen im Leben ist Kommunikation der Schlüssel. Das bedeutet, dass Sie gegenüber Ihren Mitarbeitenden transparent über etwaige Gebühren oder Kosten informieren sollten, die für die Nutzung des On-Demand-Pay-Services anfallen können.
Ich empfehle außerdem, Mitarbeitenden Schulungen oder Materialien bereitzustellen, die erklären, wie sie On-Demand Pay nutzen können, welche Vorteile und möglichen Nachteile (z. B. Abhängigkeit oder Gebühren) bestehen. Je besser sie informiert sind, desto verantwortungsbewusster werden sie das Angebot nutzen.
Autorentipp: Präsentieren Sie On-Demand Pay als Vorteil, der den Mitarbeitenden mehr Flexibilität über den Zeitplan ihrer Gehaltsauszahlung gibt – nicht als Lösung für schlechte finanzielle Planung.
2. Grenzen setzen
Auch wenn Sie Flexibilität ermöglichen möchten, ist es sinnvoll, einen übermäßigen Gebrauch des Services durch die Mitarbeitenden zu verhindern.
Erwägen Sie, festzulegen, wie oft Mitarbeitende auf ihr verdientes Gehalt zugreifen können – zum Beispiel nur einen bestimmten Prozentsatz ihres Entgelts pro Abrechnungszeitraum.
3. Sparen und finanzielle Gesundheit fördern
Da On-Demand Pay den Zugang zum Gehalt erleichtert, bietet sich Ihnen die Chance, Mitarbeitenden zusätzliche Angebote zur Förderung ihrer finanziellen Gesundheit zu machen.
So können Sie beispielsweise Workshops zu den Themen Sparen, Budgetieren und Schuldenmanagement anbieten, um finanzielle Belastungen zu vermeiden.
4. Den richtigen Anbieter wählen
Wenn Sie einen externen Service nutzen, vergleichen Sie verschiedene Anbieter, um deren Gebührenstrukturen, Funktionen und Integration in Ihr bestehendes Gehaltsabrechnungssystem zu verstehen. Wählen Sie einen Anbieter, der hinsichtlich Unternehmensgröße, Budget und Mitarbeitendenbedürfnissen zu Ihnen passt.
5. Nutzung und Feedback überwachen
Überwachen Sie die Nutzungsdaten und befragen Sie Ihre Mitarbeitenden regelmäßig dazu, wie sie das On-Demand-Pay-Angebot bewerten. Wird es häufig genutzt? Finden sie es hilfreich oder sehen sie dadurch finanzielle Schwierigkeiten? Dieses Feedback hilft Ihnen, das System bei Bedarf anzupassen.
Abschließende Gedanken
Talente zu gewinnen und zu halten, ist eine dauerhafte geschäftliche Herausforderung. On-Demand Pay ist ein attraktiver Zusatznutzen, den viele Menschen schätzen.
Lohnabrechnungssoftware mit dieser Option kann den Prozess auch aus administrativer Sicht erleichtern.
Um nachteilige Effekte aufseiten der Mitarbeitenden zu vermeiden, sollten Sie beispielsweise die vorzeitige Auszahlung auf einen bestimmten Prozentsatz des Gehalts begrenzen und weitere Angebote zur finanziellen Gesundheit anbieten – etwa Programme zur finanziellen Bildung.
Häufig gestellte Fragen zu On-Demand Pay
Kostet On-Demand Pay die Mitarbeitenden Geld?
Manche Anbieter berechnen Mitarbeitenden eine kleine Gebühr pro Transaktion oder bieten kostenlose Überweisungen mit Standardlaufzeiten sowie kostenpflichtige Sofortüberweisungen an. Arbeitgebende können diese Gebühren auch als Sozialleistung übernehmen.
Ist On-Demand Pay das Gleiche wie ein Zahltagdarlehen?
Nein, On-Demand Pay gewährt Mitarbeitenden Zugriff auf bereits verdientes Gehalt, während Zahltagdarlehen hochverzinste Kredite auf künftige Einnahmen sind. Bei On-Demand Pay fallen keine Zinsen und keine Bonitätsprüfungen an.
Funktioniert On-Demand Pay für Lohn- und Gehaltsempfänger?
Ja, es funktioniert für beide, sofern die geleisteten Arbeitsstunden oder das Einkommen korrekt erfasst werden können. Die Anbieter integrieren hierfür Zeit- oder Gehaltsabrechnungssysteme zur Bestimmung des verfügbaren Betrags.
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