Big Tech wurde schon immer als „kulturfixiert“ angesehen und galt für viele als Traumarbeitsplatz. Doch das goldene Zeitalter scheint vorbei zu sein und die Probleme am Arbeitsplatz in der Tech-Branche häufen sich.
Massenentlassungen und Kündigungen, Vorwürfe über toxische Unternehmenskulturen und der exzentrische Führungsstil eines bestimmten Social-Media-Chefs schüren einen wahren Medienrummel.
Doch was sieht die Belegschaft 2023 als größtes Problem von Big Tech?
Um das herauszufinden, haben unsere Datenanalysten fast eine Viertelmillion Bewertungen auf Glassdoor für 25 der weltweit größten Internetunternehmen mit Jahresumsätzen von über 1 Milliarde US-Dollar und Hauptsitz ausschließlich in den USA ausgewertet. Auf der Liste standen unter anderem Google, Meta, Twitter und PayPal sowie weitere bekannte Tech-Giganten.
Die größten Probleme von Big Tech laut Mitarbeiterbewertungen

Die Studie, die 245.990 Glassdoor-Bewertungen auswertete, zeigt: „Management und Führung“ ist laut derzeitigen und ehemaligen Angestellten das größte Problem innerhalb von Big-Tech-Unternehmen. Dieser Aspekt wurde 47.246 Mal – also in 19 % der Fälle – negativ erwähnt.
Das zweitgrößte Problem in Big-Tech-Konzernen betrifft das Thema „Gesundheit und Wohlbefinden“ der Mitarbeitenden. Beschwerden wie „lange Arbeitszeiten“, „Work-Life-Balance“, „Stress“ und „Burnout“ tauchten in 10 % der Bewertungen (26.329 Mal) auf.
Obwohl Big Tech bei Initiativen rund ums Wohlbefinden als Vorreiter gilt, bestätigen die Daten frühere Statistiken, die von der Workplace-App Blind veröffentlicht wurden, wonach fast 60 % der Tech-Profis unter Burnout leiden.
Beschwerden über „Unternehmenswerte und -kultur“ machen in 9 % der Bewertungen der Mitarbeitenden aus (23.621 Erwähnungen).
Interessanterweise fällt die negative Meinung zu Programmen für „Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion“ (DEI) sehr gering aus – mit Schlüsselbegriffen wie „Mobbing“, „Rassismus“ und „Sexismus“ sind nur 1.136 Erwähnungen verzeichnet (oder 0,5 % der Zeit).
In den letzten Jahren haben große Tech-Unternehmen verstärkt eingestellt und DEI zur Priorität erklärt. Doch während die Branche noch mit den Folgen von Überbesetzungen, steigenden Zinsen und Veränderungen im Konsumverhalten zu kämpfen hat, haben viele Tech-Unternehmen drastische Kürzungen angekündigt, insbesondere bei DEI-Stellen, was die erzielten Fortschritte bei der Diversität gefährdet.
Die größten Vorteile von Big Tech laut Mitarbeiterbewertungen

Die Studie zeigt, dass die Mitarbeitenden ihre „finanzielle Entlohnung, Vergünstigungen und Prämien“ als größten Vorteil der Arbeit in Tech-Unternehmen ansehen. Diese Kategorie wurde in 29 % der Glassdoor-Bewertungen positiv erwähnt (72.433 Mal) – mit Abstand der höchste Wert.
Die attraktive Gesamtvergütung (Gehälter plus Boni oder Aktienoptionen) ist ein großer Anreiz für Tech-Jobs, hat aber auch zu nicht nachhaltigen Gehältern und einer Inflation der Lebenshaltungskosten in Technologiehochburgen wie dem Silicon Valley geführt. Dies beeinträchtigt die Fähigkeit von Big Tech, Talente einzustellen und die eigenen Lohnkosten zu tragen, da die Aktienwerte volatiler werden.
Es sei jedoch angemerkt, dass Geld nicht alles ist – und Angestellte heute mehr Wert auf Selbstfürsorge, persönliche Entwicklungschancen und Auszeiten vom Arbeitsplatz legen.
Daraus ergibt sich der zweithäufigste Vorteil der Arbeit bei Big Tech: Auch Schlüsselbegriffe wie „Unternehmenswerte und Arbeitsplatzkultur“ werden in 24 % der Fälle (58.963 Erwähnungen) positiv genannt.
Dass dieser Aspekt sowohl in positiven als auch in negativen Bewertungen so häufig erwähnt wurde, deutet darauf hin, dass es unterschiedliche Ansichten darüber gibt, was eine gute Unternehmenskultur ausmacht – sowohl innerhalb der Belegschaft, als auch zwischen den einzelnen Big-Tech-Unternehmen.
Vorteile im Zusammenhang mit „Lernen und Karriereentwicklung“ tauchen in 3,5 % der ausgewerteten Bewertungen auf. Lob für „Trainings“ und „Karrierechancen“ sowie andere relevante Faktoren war zwar nicht übermäßig häufig, wurde aber dennoch über 8.500 Mal erwähnt.
Auch wenn Arbeitgeber diesen Aspekt manchmal übersehen, gibt es mehrere Gründe, in die Entwicklung der Mitarbeitenden zu investieren – unter anderem, um die Qualifikation zu steigern und das eigene Arbeitgeberangebot für potenzielle Bewerber attraktiver zu machen.
Auch hier wurde „Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion“ nur sehr selten als Vorteil der analysierten Unternehmen genannt. Nur 70 Erwähnungen bezogener Schlüsselbegriffe fanden sich in den untersuchten Viertelmillion Bewertungen, was darauf hindeutet, dass DEI-Programme in der Regel nicht zu den Aspekten gehören, für die Mitarbeitende ihre Big-Tech-Arbeitgeber loben – zumindest nicht öffentlich.
Wie schlagen sich die einzelnen Unternehmen im Vergleich?

Ein genauerer Blick darauf, wie die einzelnen Unternehmen im Vergleich abschneiden, liefert einige interessante Ergebnisse.
„Unternehmenswerte und -kultur“ werden von Mitarbeitenden bei Workday, einem HR-Software-Anbieter, zu 42,4 % der Fälle positiv erwähnt. Expedia steht an der Spitze der Liste für den Umgang mit Gesundheit und Wohlbefinden, wobei Beschäftigte dies zu 16,5 % positiv beurteilen.
„Finanzielle Vergütung, Leistungen und Prämien“ wurden in mehr als 55 % der Bewertungen für Meta als Pluspunkt genannt, was darauf hindeutet, dass der Tech-Gigant durchweg Wert auf ein großzügiges Vergütungspaket für aktuelle und ehemalige Mitarbeitende legt.
Die E-Commerce-Plattform Wayfair schneidet dagegen in dieser Kategorie am schlechtesten ab; Mitarbeiter:innen bemängeln dies in 16,5 % der Fälle. Laut den analysierten Bewertungen und Unternehmen gibt es mit 37,4 % negativen Erwähnungen dort auch die größten Probleme mit schlechtem Management und schlechter Führung.
Netflix, Chewy und Zillow werden jeweils am meisten gelobt von allen untersuchten Unternehmen – in den Bereichen „Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion“, „Lernen und Karriereentwicklung“ sowie „Management und Führung“. Dennoch sind alle drei Unternehmen, betrachtet man andere Bereiche, in der Studie auch am schlechtesten bewertet.
Für bestimmte Faktoren hochgelobt zu werden und dennoch zahlreiche Beschwerden in anderen Bereichen zu erhalten, macht deutlich, wie schnell der Fokus zu sehr auf einen Bereich gelegt werden kann, was anderen schadet.
Balance ist entscheidend, aber das Zuhören der Mitarbeitenden und das Berücksichtigen ihrer Prioritäten ist wahrscheinlich der beste Weg, um möglichst viele zufriedenzustellen. Tipps hierzu finden Sie in 8 effektive Wege, um Mitarbeiterfeedback einzuholen (+ Vor- und Nachteile).
Fazit
Die Ergebnisse legen nahe, dass Big-Tech-Unternehmen zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit den Fokus auf die Qualität ihrer Führungskräfte legen sollten.
Dies bestätigt auch unsere Recherche zu den Gründen, warum Menschen ihren Arbeitsplatz kündigen. Sie hat gezeigt, dass schlechte Führung einer der Hauptgründe für Mitarbeiterfluktuation ist.
Hilfreiche Ressourcen hierzu:
- Tipps für People Management
- So entwickeln Sie emotionale Intelligenz und werden eine bessere Führungskraft
- Klarheit, Verantwortung und Rechenschaft (CRA) – Führungsmodell
- Herausforderungen beim Führen von Remote-Mitarbeiter:innen
Methodik
People Managing People nutzte den Screaming Frog SEO Spider, um den Abschnitt „Pros und Kontras“ jeder Bewertung auf dem Glassdoor-Profil der 25 größten Internetunternehmen mit ausschließlich US-Hauptsitz (Stand 14. Dezember 2022) auszuwerten. Insgesamt wurden 245.990 Glassdoor-Bewertungen analysiert.
Bitte beachten Sie: Booking Holding hatte nur eine begrenzte Anzahl an Bewertungen, daher haben wir stattdessen Booking.com als Haupttochter des Unternehmens analysiert.
Wir erstellten eine Ausgangsliste relevanter Stichwörter zur Arbeitserfahrung und ordneten diese nach Ähnlichkeit in Kategorien ein. Anschließend identifizierten wir, wie oft jedes Stichwort in den Pros- und Kontra-Bereichen der jeweiligen Bewertungen genannt wurde und ermittelten anschließend die Gruppenwerte, indem wir die Einzelwerte für jedes Stichwort innerhalb einer Gruppe zusammenzählten.
Die Anzahl der Nennungen wurde zudem auch in Prozentwerte umgerechnet, indem die Anzahl der Nennungen durch die Gesamtzahl der analysierten Bewertungen geteilt wurde – jeweils pro Unternehmen, pro Gruppe und für die Gesamtzahlen.
Beachten Sie: Stichwörter konnten in einer einzelnen Bewertung mehrfach erwähnt werden. Die Daten geben also an, wie oft ein Stichwort prozentual auftaucht – nicht, in wie vielen Bewertungen ein Stichwort erwähnt wurde.
