Recruiting kann frustrierend sein, oder? Du steckst viel Energie in die Suche nach großartigen Kandidat:innen, nur damit sie irgendwann im Einstellungsprozess verloren gehen.
Genervt fragst du dich: „Wie können wir verhindern, dass das passiert?“.
Genau hier kommt Recruitment Analytics ins Spiel, um den Einstellungsprozess zu optimieren und bessere Kandidat:innen effizienter einzustellen.
Was ist Recruitment Analytics?
Recruitment Analytics bezeichnet die Nutzung von Daten und analytischen Techniken zur Verbesserung des Einstellungsprozesses. Dabei werden Daten zu Recruiting-Aktivitäten gesammelt, analysiert und interpretiert, um fundierte Entscheidungen zu treffen, die Effizienz zu steigern und bessere Ergebnisse bei der Talentgewinnung zu erzielen.
8 Gründe, warum Recruitment Analytics wichtig ist
Jemand sagte einmal: „In God we trust, everyone else brings data“, was das Wesen dessen, warum Recruitment Analytics unerlässlich ist, schön zusammenfasst. Etwas genauer betrachtet, ist Recruitment Analytics wichtig für:
1. Verbesserte Entscheidungsfindung
- Datenbasierte Einblicke: Recruitment Analytics bildet die Grundlage für datenbasiertes Recruiting und liefert objektive Daten und Einblicke, die Recruiting-Teams dabei unterstützen, informierte Entscheidungen zu ihren Recruiting-Strategien und zur Einstellungsplanung zu treffen.
2. Höhere Qualität bei Einstellungen
Mit HR-Tools für Background Checks als Bestandteil von Recruitment Analytics erhältst du Einblicke in Vertrauenswürdigkeit und Passgenauigkeit der Kandidat:innen. Außerdem kannst du:
- Top-Talente identifizieren: Analytics hilft dabei zu erkennen, welche Quellen und Methoden die besten Kandidat:innen hervorbringen, sodass effizienter bessere Einstellungen vorgenommen werden.
- Qualität der Einstellung beurteilen: Durch Analyse der Leistungs- und Bindungsdaten neuer Mitarbeitender kann die Organisation Kriterien und Prozesse optimieren, um dauerhaft hochwertige Talente zu gewinnen.
3. Mehr Effizienz
- Reduzierte Time-to-Hire: Durch die Analyse des Bewerbungsfunnels können Engpässe und Ineffizienzen aufgedeckt und die Abläufe gestrafft sowie schnellere Einstellungszyklen ermöglicht werden.
- Kostenreduktion: Durch Optimierung der Recruiting-Kanäle und Steigerung der Prozesseffizienz kann Recruitment Analytics die Kosten pro Einstellung deutlich senken. Beispielsweise kannst du durch die Messung der Leistung von Stellenanzeigen und den Erfolg unbezahlter Inserate deine SEO-Strategie fürs Recruiting gezielt anpassen und mehr Bewerber:innen organisch ansprechen.
4. Bessere Candidate Experience
- Prozesse verbessern: Analytics deckt auf, an welchen Stellen Kandidat:innen das Interesse verlieren oder auf Hürden stoßen, wodurch sich die Candidate Journey und das gesamte Erlebnis der Bewerbenden optimieren lassen.
- Stärkere Einbindung: Das Verständnis für Vorlieben und Verhaltensweisen der Kandidat:innen ermöglicht eine gezieltere Kommunikation sowie erfolgreichere Engagement-Strategien und steigert so das Gesamterlebnis.
5. Strategische Personalplanung
- Talentpipeline-Management: Analytics liefert Einblicke in die Verfügbarkeit von Talenten und hilft, einen starken Talentpool für künftige Bedarfe aufzubauen und zu pflegen.
- Abstimmung auf Unternehmensziele: Durch Verständnis der Talentlandschaft und die Ausrichtung der Recruiting-Maßnahmen auf die Unternehmensziele kann HR das Unternehmenswachstum und den Erfolg besser unterstützen.
6. Vielfalt
- Tracking von Diversitätskennzahlen: Analytics hilft, Kennzahlen zur Vielfalt wie die Diversität des Talentpools zu überwachen und ob bestimmte Teams vielfältiger einstellen als andere.
- Reduzierung von Vorurteilen: Recruitment Analytics kann helfen, Vorurteile im Einstellungsprozess zu erkennen und Maßnahmen zur Minimierung vorschlagen, z. B. wenn das Unternehmen nur ein bestimmtes Kandidatenprofil einstellt?
7. Höhere Bindungsraten erreichen
- Feedback von Kandidat:innen: Durch die Auswertung von Feedback können Unternehmen Erkenntnisse gewinnen, um die Employee Experience für bestehende Mitarbeitende zu verbessern sowie Engagement und Bindung zu stärken.
8. Kontinuierliche Verbesserung
- Laufende Optimierung: Recruiting-Analysen fördern eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung, indem sie als Grundlage für Recruiting-Audits dienen sowie regelmäßig wichtige Leistungskennzahlen (KPIs) messen und analysieren, um datengesteuerte Anpassungen vorzunehmen.
- Benchmarking: Organisationen können ihre Leistung sowohl mit sich selbst als auch mit Branchenstandards und bewährten Verfahren vergleichen, Verbesserungsbereiche identifizieren und wettbewerbsfähig bleiben.
Wichtige Kennzahlen im Recruiting-Analytics
Jetzt wissen Sie, warum. Aber was genau wird gemessen? Hier sind einige wichtige Kennzahlen für Recruiting-Analytics:
1. Time to Hire
Beschreibung: Die durchschnittliche Anzahl an Tagen, die vom Zeitpunkt der Ausschreibung bis zur Annahme des Jobangebots durch eine Kandidatin oder einen Kandidaten vergeht.
Beispiel: Wenn ein Unternehmen eine Stelle am 1. Januar ausschreibt und ein Kandidat das Angebot am 20. Januar annimmt, beträgt die Time to Hire 20 Tage.
2. Cost per Hire
Beschreibung: Die Gesamtkosten, die für die Besetzung einer Stelle entstehen, einschließlich Werbung, Vermittlungsgebühren und Onboarding-Kosten.
Beispiel: Gibt ein Unternehmen $3.000 für Werbung, $2.000 für Agenturgebühren und $500 für Personalstunden aus, beträgt die Cost per Hire $5.500.
3. Quality of Hire
Beschreibung: Ein Maß dafür, wie gut neue Mitarbeitende ihre Aufgaben erfüllen und ins Unternehmen passen, das meist durch Leistungsbeurteilungen und Verbleibquoten ermittelt wird.
Beispiel: Erhält eine neu eingestellte Person dauerhaft hohe Leistungsbewertungen und bleibt länger als ein Jahr im Unternehmen, spricht das für eine hohe Einstellungsqualität.
4. Sourcing-Kanal-Effizienz
Beschreibung: Diese Kennzahl misst die Effektivität verschiedener Kandidatensuchkanäle wie LinkedIn, Empfehlungsprogramme oder externe Partner.
Beispiel: Werden über eine Jobbörse 50 Bewerber gewonnen und 10 eingestellt, liegt die Sourcing-Kanal-Effizienz dieser Jobbörse bei erfreulichen 20%.
5. Bewerbungs-zu-Einstellungs-Verhältnis
Beschreibung: Das Verhältnis zwischen der Anzahl der Bewerber und der Anzahl der Einstellungen für eine bestimmte Position.
Beispiel: Bewerben sich 100 Personen auf eine Stelle und werden 5 eingestellt, beträgt das Bewerbungs-zu-Einstellungs-Verhältnis 20:1.
6. Angebotsannahmequote
Beschreibung: Der Prozentsatz der von einem Unternehmen angebotenen Arbeitsplätze, die von Kandidaten angenommen werden.
Beispiel: Spricht ein Unternehmen 10 Angebote aus und werden 8 davon angenommen, liegt die Annahmequote bei guten 80% (aber 90% wären noch besser!).
7. Verbleib im ersten Jahr
Beschreibung: Der Prozentsatz der neu eingestellten Mitarbeiter, die über einen bestimmten Zeitraum — in der Regel ein Jahr — im Unternehmen bleiben. Auch dies gibt Aufschluss über die Qualität der eingestellten Kandidaten.
Beispiel: Werden 50 neue Mitarbeitende eingestellt und sind nach einem Jahr noch 45 im Unternehmen, liegt die Verbleibquote bei 90%.
Reifegrade im Recruiting-Analytics
Es ist hilfreich, Recruiting-Analytics in verschiedene Stufen einzuteilen — je nach Komplexität und Tiefe der Analyse.
Diese Stufen unterstützen Organisationen dabei zu verstehen, wie weit sie in der Nutzung von Daten und Analysen im Recruiting sind und welche Maßnahmen sie zur Weiterentwicklung ergreifen können.
Typischerweise verläuft die Recruiting-Analytics-Reise in etwa wie folgt:
1. Deskriptive Analytik
Beschreibung: Konzentriert sich darauf, durch die Zusammenfassung historischer Daten zu verstehen, was in der Vergangenheit passiert ist.
Zweck: Bietet eine retrospektive Sicht, um die frühere Performance und Trends im Recruiting zu analysieren.
Beispiel-Kennzahlen: Anzahl der eingegangenen Bewerbungen, Time to Fill und Einstellungsquelle.
2. Diagnostische Analytik
Beschreibung: Geht stärker ins Detail und analysiert, warum vergangene Ergebnisse aufgetreten sind — durch das Identifizieren von Mustern und Zusammenhängen.
Zweck: Trägt dazu bei, Probleme zu diagnostizieren und die Ursachen von Leistungen im Recruiting zu verstehen.
Beispielmetriken: Analyse der Gründe für eine hohe Time-to-hire in bestimmten Abteilungen oder das Verständnis von Abbruchpunkten im Einstellungsprozess.
3. Prädiktive Analytik
Beschreibung: Verwendet statistische Modelle und maschinelle Lernalgorithmen, um zukünftige Ergebnisse basierend auf historischen Daten vorherzusagen.
Zweck: Ermöglicht proaktives Handeln, indem zukünftige Herausforderungen und Chancen im Recruiting vorausgesehen werden.
Beispielmetriken: Prognose, welche Kandidat:innen ein Stellenangebot annehmen werden; Abschätzung des zukünftigen Einstellungsbedarfs.
4. Präskriptive Analytik
Beschreibung: Gibt Empfehlungen und Handlungsoptionen, um gewünschte Ergebnisse zu erzielen, indem Optimierungs- und Simulationsmodelle verwendet werden.
Zweck: Hilft Entscheidern, Maßnahmen umzusetzen, die die Effizienz und Wirksamkeit des Recruitings verbessern können.
Beispielmetriken: Empfehlungen zur Optimierung von Stellenanzeigen für eine bessere Kandidatenansprache oder Vorschläge für Recruiting-Strategien zur Verbesserung der Qualität der Neueinstellungen.
5. Kognitive Analytik
Beschreibung: Nutzt Künstliche Intelligenz (KI) und natürliche Sprachverarbeitung (NLP), um menschliche Sprache und unstrukturierte Daten zu verstehen und damit zu interagieren.
Zweck: Verbessert den Recruiting-Prozess durch Automatisierung komplexer Aufgaben und bietet tiefere Einblicke aus unstrukturierten Datenquellen.
Beispielmetriken: Automatisiertes Lebenslauf-Screening und Sentiment-Analyse von Kandidaten-Feedback.
Zusammenfassung der Ebenen
- Deskriptive Analytik: Was ist passiert? (Basis-Berichterstattung)
- Diagnostische Analytik: Warum ist es passiert? (Erkennung von Mustern und Ursachen)
- Prädiktive Analytik: Was wird passieren? (Vorhersage zukünftiger Trends)
- Präskriptive Analytik: Was sollten wir tun? (Empfehlung von Maßnahmen)
- Kognitive Analytik: Wie kann KI das Recruiting verbessern? (Einsatz von KI und NLP)
Best Practices für Recruitment Analytics

Hier sind einige Best Practices, wie Sie Recruitment Analytics effektiv nutzen, Ihre Einstellungsprozesse verbessern, datenbasierte Entscheidungen treffen und Ihre Talentakquisitionsstrategie kontinuierlich weiterentwickeln können.
1. Klare Recruiting-Ziele setzen
Wie Mariya Hristova in ihrem ausgezeichneten Artikel zu Recruiting-Kennzahlen hervorhebt: „Es ist selten, dass Sie die Kapazität haben, alles aktiv im Blick zu behalten.“
Um sich zu fokussieren, ist ein erster Schritt sicherzustellen, dass die Recruiting-Ziele an den übergreifenden Unternehmenszielen und dem Personalplanungsbedarf ausgerichtet sind.
Wenn zum Beispiel das Ziel der Organisation ist, schnell eine neue Produktlinie zu entwickeln, sollte das Hauptziel des Recruitings sein, schnell Talente mit den entsprechenden Fähigkeiten und Erfahrungen einzustellen.
Dies hilft wiederum Recruiting-Teams, Analysen und Berichte gezielter einzusetzen.
2. Klare Kennzahlen entwickeln
Viele verwechseln die Kennzahlen Time to Fill und Time to Hire. Technisch gesehen ist Time to Fill der Zeitraum zwischen dem Ausschreiben einer Stelle und der Einstellung, während Time to Hire die Zeit angibt, die der/die eingestellte Kandidat:in vom Eingang der Bewerbung bis zur Einstellung benötigt hat.
Dies zeigt, wie wichtig es ist, Kennzahlen immer eindeutig zu definieren – ebenso wie die Berechnung und die verwendeten Datenquellen.
3. Nutzen Sie verschiedene Datentypen
Ich habe dies oben bereits angesprochen, möchte es aber noch einmal betonen. Die meisten Daten, die Sie verwenden, sind quantitativ, d. h. sie lassen sich numerisch abbilden.
Vernachlässigen Sie jedoch nicht qualitative Daten wie Feedback von Kandidat:innen oder Einstellungsteams. Diese sind ebenso wertvoll und können Verbesserungen bewirken, die sich z. B. positiv auf die Mitarbeiterbindung auswirken, wie eine verbesserte Gesamtvergütung.
Wie Sarah Lovelace, VP People bei Airbase, betont: „Indem wir das Talentmanagement mit Daten und Analysen gestalten, können wir fundierte Entscheidungen treffen und diese wirksam innerhalb der gesamten Organisation kommunizieren.“
4. Daten auf sinnvolle Weise präsentieren
Datenvisualisierung ist ein wesentlicher Bestandteil der datengetriebenen Personalbeschaffung. Wenn Sie Daten präsentieren, um Maßnahmen zu fördern, ist es wichtig, sowohl über die Daten als auch über das Gespräch nachzudenken, das Sie mit Ihrem Publikum anstoßen möchten. An dieser Stelle kommen interne Personas ins Spiel.
Personas werden von Marketingteams genutzt, um ein Bild ihrer Zielkunden beim Aufbau von Marketingkampagnen zu zeichnen, und sie sind auch ein nützliches Werkzeug für die Datenvisualisierung.
Zum Beispiel muss nicht jeder alles wissen, und jeder Stakeholder benötigt unterschiedliche Hilfestellungen bei der Analyse der präsentierten Daten.
Ein Beispiel könnte der Unterschied sein zwischen den Daten, die Sie einem Einstellungsmanager präsentieren, um einen bestimmten Aspekt des Einstellungsprozesses zu verbessern, und denen, die Sie einem Mitglied des Managements zeigen, um dessen Zustimmung für ein neues Recruiting-Software-Tool zu erhalten.
Weitere Tipps dazu finden Sie in dem ausgezeichneten Artikel von Liam Reese zur HR-Datenanalyse, den ich sehr empfehle.
5. Setzen Sie die richtigen Tools ein
Um Recruiting-Analysen effektiv zu nutzen, benötigen Sie irgendein Tool, wahrscheinlich ein Bewerbermanagementsystem (Applicant Tracking System, ATS) oder eine eigenständige Recruiting-Analyse-Software.
Als zentrale Quelle für Rekrutierungsdaten helfen Ihnen ATS-Funktionen wie interaktive Recruiting-Dashboards, Branchen-Benchmarking und anpassbare Berichte dabei, wichtige Kennzahlen und KPIs kontinuierlich zu überwachen.
Je fortschrittlicher das Tool, desto besser kann es Sie mit den genannten prädiktiven, präskriptiven und kognitiven Analysen unterstützen.
Natürlich können Sie Daten auch immer manuell in einer simplen Tabelle zusammentragen und analysieren, das erfordert nur mehr Aufwand.
Recruitment Analytics – FAQs
Können kleine Unternehmen von Recruitment Analytics profitieren?
Ja, kleine Unternehmen können von Recruitment Analytics profitieren, indem sie fundiertere Einstellungsentscheidungen treffen, die Rekrutierungsprozesse optimieren und die Qualität der Einstellungen verbessern. Dadurch sparen sie letztendlich Zeit und reduzieren die Kosten.
Welche Rolle spielt KI bei Recruitment Analytics?
KI verbessert Recruitment Analytics durch die Automatisierung von Aufgaben wie Lebenslaufprüfung, Vorhersage des Kandidatenerfolgs und Personalisierung der Kandidatenansprache. Dadurch wird der Einstellungsprozess effizienter und effektiver.
Warum brauchen Recruiter prädiktive Datenanalysen?
Prädiktive Datenanalysen helfen Recruitern, zukünftigen Einstellungsbedarf vorherzusehen, die besten Kandidaten zu identifizieren und proaktive Anpassungen bei Rekrutierungsstrategien vorzunehmen. Dies führt zu besseren Einstellungsresultaten und verkürzt die Time-to-Hire.
Wenn Sie nach einer Software suchen, um Einstellungsergebnisse vorherzusagen, empfehle ich Ihnen, unsere Liste der besten prädiktiven Analyse-Software für HR-Teams zu lesen.
Wie misst man den ROI von Recruitment Analytics?
Den ROI von Recruitment Analytics misst man, indem man Kennzahlen wie Time-to-Hire, Cost-per-Hire, Quality of Hire und Mitarbeiterbindung vor und nach der Einführung von Analysetools vergleicht und daraus die finanziellen Einsparungen und Leistungsverbesserungen berechnet.
