Als ich bei einer Digitalagentur in London arbeitete, habe ich aus erster Hand erlebt, wie durchdachte Büroflächenplanung einen Arbeitsplatz transformieren kann. Unser modernes, helles Büro beeindruckte nicht nur Kunden – es inspirierte auch zu Kreativität, sorgte dafür, dass die Leute wirklich gerne zur Arbeit kamen, und wurde sogar zu einem Argument für neue Mitarbeitende. Heute, im Zeitalter von hybrider Arbeit und sich wandelnden Erwartungen an die Rückkehr ins Büro, ist die Planung Ihrer Büroflächen wichtiger denn je. In diesem Leitfaden teile ich meine Erfahrungen, damit Sie einen Arbeitsplatz gestalten können, der effizient, einladend und bereit für die Zukunft der Arbeit ist.
Was versteht man unter Büroflächenplanung?
Büroflächenplanung ist der Prozess der Organisation und Anordnung eines physischen Arbeitsplatzes, um die Nutzung der verfügbaren Fläche zu optimieren, die Produktivität zu steigern, Zusammenarbeit zu fördern und ein komfortables sowie sicheres Umfeld für die Mitarbeitenden zu schaffen.
Umfassende Büroplanung beinhaltet diese 10 Schlüsselaspekte:
- Flächennutzung: Festlegen, wie die Fläche effizient aufgeteilt wird, etwa die Platzierung von Schreibtischen, Besprechungsräumen, Kollaborationszonen und Einzelbüros.
- Ergonomie: Umfasst die Auswahl der Möbel und die Gestaltung der Arbeitsplätze mit Fokus auf das Wohlbefinden der Mitarbeitenden.
- Flexibilität: Planung für Wachstum oder Veränderungen im Unternehmen, wie z. B. das Hinzufügen weiterer Mitarbeitender oder die Anpassung an neue Arbeitsweisen.
- Technologieintegration: Sicherstellung ausreichender Verkabelung, Steckdosen und Internetanbindung sowie die Integration von intelligenten Arbeitsplatzlösungen wie smarten Beleuchtungs- und Klimasystemen.
- Ästhetik und Markenidentität: Schaffung eines Umfelds, das die Marke, Kultur und Werte des Unternehmens durch Farbgestaltung, Kunstwerke und Designelemente widerspiegelt.
- Akustik und Beleuchtung: Ausgewogenheit von natürlichem und künstlichem Licht für eine helle, angenehme Atmosphäre sowie gezieltes Management von Lärm durch schallabsorbierende Materialien, Akustikpaneele oder die strategische Platzierung von Ruhezonen abseits von stark frequentierten Bereichen.
- Vorschriften und Sicherheit: Sicherstellen der Einhaltung von lokalen Bauvorschriften, Brandschutzregelungen und Barrierefreiheitsstandards (bei internationaler Aufstellung empfiehlt sich hier eventuell ein noch umfangreicheres Vorgehen).
- Kostenmanagement: Planung der Büroaufteilung und -gestaltung innerhalb des vorgegebenen Budgets unter der Berücksichtigung von Funktionalität und Ästhetik.
- Bedürfnisse der Mitarbeitenden:
- Inklusiv: Büroräume sollten barrierefrei sein und die Bedürfnisse aller Beschäftigten erfüllen.
- Kollaborativ: Schaffung von Bereichen, in denen Teams effizient zusammenarbeiten können.
- Ruhezonen: Bereiche bereitstellen, in denen Mitarbeitende ungestört und konzentriert arbeiten können.
- Soziale Bereiche: Gestaltung von Pausenräumen oder Lounges, in denen sich Mitarbeitende entspannen und austauschen können.
- Kantinen: In einem anderen Unternehmen, in dem ich gearbeitet habe, gab es eine eigene Kantine, die uns jeden Tag kostenlose Mittagessen anbot (diese waren meistens lecker und immer gesund).
- Betreuungszonen für Kinder: Ein tolles Mitarbeitendenbenefit!
- Nachhaltigkeit: Integration von Energiespartechnologien und -konzepten zur Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks, Einsatz nachhaltiger Materialien und Designpraktiken zur Verringerung der Umweltbelastung sowie Bereitstellung ausreichender Recycling- und Abfallmanagementmöglichkeiten.
Abhängig von der Art Ihres Unternehmens kann es zudem sinnvoll sein, ein agiles Arbeitsumfeld einzuführen, um die Zusammenarbeit im Team zu fördern und gleichzeitig die individuelle Produktivität zu unterstützen.
Faktoren, die die Büroflächenplanung beeinflussen
Das Büro meines früheren Arbeitgebers wurde gewählt, weil das Unternehmen relativ erfolgreich war und weil wir Raum für Wachstum sowie die Möglichkeit zur individuellen Anpassung bestimmter Bereiche benötigten.
Einige Aspekte, die bei der Planung eines neuen Büros oder bei der Renovierung eines bestehenden berücksichtigt werden sollten, umfassen:
- Budgetüberlegungen: Sie möchten einen funktionalen, inspirierenden Raum schaffen, ohne zu viel auszugeben oder Ressourcen zu verschwenden.
- Verfügbarer Raum: Welcher Raum steht realistisch zur Verfügung und wie kann man ihn am besten nutzen, um die Bedürfnisse des Teams zu erfüllen (Tipp: fragen Sie nach deren Wünschen).
- Arbeitsmodell: Ob Teammitglieder Vollzeit im Büro sind, remote arbeiten oder hybride Arbeitsmodelle nutzen, hat einen erheblichen Einfluss auf den Büroplanungsprozess.
- Ihre Unternehmenskultur: Ihre einzigartige Kultur wird unweigerlich das Design Ihres Büroraums beeinflussen. So hat zum Beispiel das Fintech-Startup Wise aufgrund seines estnischen Ursprungs Saunen in ihren Büros installiert.
- Sicherheit und Vorschriften: Zu guter Letzt muss der Raum sicher, barrierefrei und allen gesetzlichen Anforderungen entsprechend gestaltet sein.
5 Ziele der Büroflächenplanung
Büros sind ein großer Kostenfaktor, daher ist es wichtig, sie effektiv zu nutzen. Hier sind 5 Ziele der Büroflächenplanung:
1. Schaffung einer komfortablen und sicheren Arbeitsumgebung
Dies ist ein primäres Ziel der Büroflächenplanung. Es beinhaltet die Auswahl ergonomischer Möbel, die die Gesundheit der Mitarbeitenden unterstützen, die Bereitstellung ausreichender Beleuchtung zur Reduzierung von Augenbelastung und die Gewährleistung eines gut belüfteten und klimatisierten Arbeitsbereichs.
Sicherheitsaspekte umfassen die Einhaltung von Bauvorschriften, Brandschutzbestimmungen und Barrierefreiheitsstandards, um sicherzustellen, dass das Büro ein sicherer und integrativer Ort für alle Mitarbeitenden ist.
Indem Komfort und Sicherheit priorisiert werden, können Unternehmen das Risiko von Arbeitsunfällen verringern und ein Umfeld schaffen, in dem sich die Mitarbeitenden wertgeschätzt und gut aufgehoben fühlen.
Was ist das wichtigste Bedürfnis für Arbeitnehmende? Natürliches Licht und Ausblick nach draußen.
2. Erhöhte Produktivität
Büroflächenplanung zielt darauf ab, die Produktivität durch eine Raumaufteilung zu steigern, die effiziente Arbeitsabläufe unterstützt.
Dazu gehört, Abteilungen und Teams taktisch nahe beieinander zu platzieren, um Wegezeiten und Suchzeiten nach Kollegen zu minimieren.
Auch sollte das Design Ablenkungen minimieren, indem es Ruhezonen für konzentriertes Arbeiten und Kollaborationsbereiche für Teamaufgaben vorsieht.
Eine sinnvolle Integration von Technologie, wie schnelles Internet und zugängliche Stromanschlüsse, stellt sicher, dass Mitarbeitende ohne Unterbrechung arbeiten können.
3. Verbesserte Teamarbeit
Bessere Zusammenarbeit ist einer der Hauptgründe, warum Unternehmen auf die Rückkehr ins Büro setzen – daher muss die Bürofläche dies auch unterstützen!
Wie Timothy Gawel, Corporate + Commercial Studio Leader beim Architekturbüro HUB, in seinem Artikel über hybrides Bürodesign ausdrückt: „Büros werden mit mehr ‘Wir-Räumen’ und weniger ‘Ich-Räumen’ gestaltet, um den Mitarbeitenden gemeinschaftliche Merkmale zu bieten, die zu Hause nicht nachgebildet werden können.“
Auch hier geht es darum, eine Mischung aus verschiedenen Raumnutzungen für unterschiedliche Anforderungen zu schaffen.
4. Geringere Betriebskosten
Ein gut geplantes Büro nutzt den vorhandenen Raum intelligent, reduziert den Bedarf an zusätzlicher Bürofläche und senkt Kosten für Miete, Strom und Instandhaltung. Dazu kann die Einführung von Hot Desking oder Hoteling gehören (falls Sie den Unterschied nicht kennen, lesen Sie unseren Artikel über Hot Desking vs. Hoteling).
Durchdachte Planung kann zudem zu Energieeinsparungen und anderen Effizienzen führen, was die Gesamtausgaben für die Büroführung weiter senkt.
5. Mehr Sicherheit
Sicherheit ist ein weiterer wichtiger Faktor in der Büroflächenplanung, um Menschen, materielle Werte und sensible Informationen zu schützen.
Dies beinhaltet ein Raumkonzept mit kontrollierten Zugangspunkten, sicheren Eingangssystemen und Überwachungskameras. Sensible Bereiche wie Serverräume oder Managementbüros benötigen möglicherweise zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, etwa beschränkten Zugang oder verstärkte Türen.
7 Best Practices für die Büroflächenplanung
Die Planung eines neuen Büros ist ein spannendes Projekt. Hier einige bewährte Vorgehensweisen, die zum Erfolg beitragen.
1. Prüfen Sie Ihre Flächen
Bevor Sie sich in den Gestaltungsprozess stürzen, ist es entscheidend, den aktuellen Bürobereich gründlich zu analysieren.
Dies umfasst das Verständnis der physischen Raumgröße, die Ermittlung der Stärken und Schwächen des Layouts sowie die Bewertung der aktuellen Raumnutzung.
Zu berücksichtigende Faktoren sind unter anderem Verkehrsfluss, Tageslichteinfall und vorhandene Infrastruktur. Software für die Büroflächenplanung kann hierbei helfen, indem sie Echtzeit-Analysen bereitstellt, die datenbasierte Entscheidungen zur Optimierung der Flächennutzung unterstützen.
Diese Bewertung hilft dabei, ungenutzte Bereiche und Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren und stellt sicher, dass Ihr neuer Raumplan das Beste aus den vorhandenen Gegebenheiten herausholt.
2. Mitarbeitende einbeziehen
Wie bei den meisten Personalinitiativen ist es sinnvoll, diejenigen einzubeziehen, für die Sie die Initiative gestalten.
Im Fall des oben erwähnten HUBs wurden dafür Mitarbeiterumfragen genutzt, um das Design der neuen Büros zu gestalten.
Die Mitarbeitenden wurden gebeten, die Büroausstattung zu bewerten und beispielsweise, wie häufig sie private Besprechungsräume nutzen, um so den Bedarf bestimmter Bereiche besser einschätzen zu können.
Das Ergebnis war die Schaffung eines Bereichs namens „The HUB“ – ein offener Raum, der sich von einer Seite des Gebäudes zur anderen erstreckt.
An einem Ende von The HUB befindet sich die zentrale Steuerung der Produktionsprozesse, am anderen Ende befindet sich der Empfangsbereich mit Empfangstheke, Ausstellungsfläche, Besprechungsräumen, Lounge sowie Sitzmöglichkeiten für informelle Gespräche zwischen Kunden und Designern.

Neben Umfragen können Sie auch Fokusgruppen oder einen repräsentativen Ausschuss einberufen, um Feedback zu aktuellen Problemen und Ideen für das neue Raumkonzept zu sammeln.
Die Mitarbeitenden einzubeziehen, stellt nicht nur sicher, dass das Endergebnis deren Produktivität und Wohlbefinden unterstützt, sondern erhöht auch das Zugehörigkeitsgefühl und die Zufriedenheit mit dem neuen Arbeitsplatz.
3. Die richtigen Tools nutzen
Moderne Software und Tools zur Raumplanung ermöglichen Ihnen, detaillierte Grundrisse zu erstellen, Layouts in 3D zu visualisieren und verschiedene Varianten durchzuspielen, bevor physische Änderungen vorgenommen werden.
Mit diesen Tools können Sie die Flächennutzung optimieren, die Einhaltung von Vorschriften sicherstellen und mögliche Probleme frühzeitig im Planungsprozess erkennen.
Darüber hinaus erleichtert der Einsatz der passenden Werkzeuge die Kommunikation mit allen Beteiligten, sodass Sie Ihre Vision leichter vermitteln und die Zustimmung der Entscheider gewinnen können.
Beispielsweise nutzte Microsoft seine VR-Technologie, um Beteiligte bei der Gestaltung des Standorts in Sydney einzubinden.
4. Ihren Raumplan dokumentieren
Die Dokumentation Ihres Raumplans ist unerlässlich, um den Planungsprozess zu strukturieren und alle Beteiligten auf denselben Stand zu bringen.
Ein detaillierter Raumplan sollte Grundrisse, Möblierungspläne, Elektro- und Netzwerkinstallationen sowie weitere relevante Spezifikationen enthalten.
Diese Dokumentation dient als Referenz während der gesamten Umsetzung, hilft Missverständnisse zu vermeiden und stellt sicher, dass das Endergebnis der ursprünglichen Vision entspricht.
Außerdem erleichtert eine lückenlose Dokumentation die Kommunikation mit Handwerkern, Designern und anderen Beteiligten und sorgt für eine reibungslosere Umsetzung.
5. Auf Technologie optimieren
Klingt selbstverständlich, ist aber wichtig: Stellen Sie sicher, dass Ihr Raumplan sowohl aktuelle als auch künftige technische Anforderungen erfüllt – z. B. mit ausreichend Steckdosen, schnellem Internetzugang und einer leistungsfähigen IT-Infrastruktur.
Planen Sie für Kollaborationstools wie Videokonferenzsysteme, interaktive Bildschirme und kabellose Ladestationen. Buchungssoftware für flexible Arbeitsplätze (Hot Desks) kann Ihnen helfen, die verfügbaren Schreibtischkapazitäten optimal zu nutzen.
Indem Sie Ihr Büro für aktuelle und zukünftige Technologien optimieren, schaffen Sie einen effizienteren, vernetzten und zukunftssicheren Arbeitsplatz, der die digitalen Bedürfnisse Ihrer Mitarbeitenden unterstützt.
6. Überwachen und weiterentwickeln
Die Planung der Büroräume endet nicht, sobald das neue Layout umgesetzt ist; sie ist ein fortlaufender Prozess, der Überwachung und Anpassung erfordert.
Beobachten Sie nach der Umgestaltung, wie gut die Bürofläche die Anforderungen des Unternehmens und der Mitarbeitenden erfüllt.
Sammeln Sie Feedback und verfolgen Sie wichtige Leistungsindikatoren wie Mitarbeiterzufriedenheit, Produktivität und Flächenausnutzung.
Treten Probleme auf oder entstehen neue Anforderungen, seien Sie bereit, das Layout anzupassen. Mit einem Ansatz der kontinuierlichen Verbesserung stellen Sie sicher, dass die Bürofläche langfristig effektiv und anpassungsfähig bleibt.
7. Eine gute Kaffeemaschine anschaffen
Unverzichtbar!
Coole Inspirationen für Büroräume
Ich dachte, ich beende mit etwas Unterhaltsamem und gebe 5 inspirierende Beispiele für coole Büros:
1. Amazon „Spheres“, Seattle
Die [bio]Spheres befinden sich in den Amazon-Büros in Seattle und beherbergen mehr als 40.000 Pflanzen aus den Bergnebelwäldern von über 30 Ländern. Die Idee: Mitarbeitenden eine Möglichkeit geben, mit der Natur in Kontakt zu kommen und Stress abzubauen.

2. AirBnBs Customer-Experience-Büros, Portland
AirBnB hat sich große Mühe gegeben, das traditionelle Callcenter neu zu erfinden. Die Designer führten monatelange epistemologische Forschung durch und arbeiteten mit den Mitarbeitenden zusammen, um etwas ganz Besonderes zu schaffen.

3. Microsoft, Sydney
Microsofts Flaggschiff-Büro in Australien und Neuseeland gilt als Vorreiter beim hybriden Arbeitsplatzdesign. Die Idee ist, dass Mitarbeitende jederzeit und überall arbeiten können, mit Hilfe von intelligenter Beleuchtung, Robotik, Sensoren, digitalen Whiteboards, vielfältigen Arbeitsbereichen und einer eigenen App, die diese Flexibilität unterstützt.

4. Adidas Hauptsitz, Herzogenaurach
Der Flagship-Office von Adidas in Deutschland befindet sich nicht – wie man erwarten könnte – in München, Berlin oder Frankfurt. Um Mitarbeitende zu gewinnen und ihre Bedürfnisse zu erfüllen, entwickelte Adidas das „My Arena“-Konzept, das Design-Thinking-Prinzipien einsetzt, um die Wünsche und Bedürfnisse der 3800 Angestellten aus 80 Nationen zu verstehen.
Die verschiedenen Bereiche des Gebäudes repräsentieren die „sechs Schlüsselmärkte" von Adidas (Los Angeles, New York, London, Paris, Shanghai und Tokio). Der Komplex umfasst Kantinen, Restaurants sowie Sport- und Freizeiteinrichtungen.

5. Lego, Billund
Das Flagship-Büro von Lego in Dänemark wurde gemeinsam mit Mitarbeitenden entwickelt, um die Werte der LEGO Gruppe „Fantasie, Spaß, Kreativität, Fürsorge, Lernen und Qualität“ widerzuspiegeln. Der Campus ist so gestaltet, dass eine spielerische, inklusive und kollaborative Umgebung für Mitarbeitende und deren Familien entsteht.

