Die meisten Unternehmen behaupten, sie würden eine Community aufbauen. Was sie damit oft meinen: Sie haben einen Slack-Kanal gestartet, den niemand liest, eine Veranstaltung mit Neonzeichen und DJ organisiert, beobachtet, wie die Leute darüber auf Instagram posten, und das Ganze dann als Erfolg verbucht. Währenddessen haben sich die Menschen im Raum nie wirklich kennengelernt.
In dieser Folge spricht David mit Jessie Jacob, Culture First Community Managerin bei Culture Amp, darüber, warum Beziehungsabbau zu einem der prägenden Arbeitsprobleme des KI-Zeitalters wird. Jessie betreut eine globale Community mit über 100.000 Mitgliedern und ihr Argument ist einfach: Wenn sich Menschen nicht sicher, willkommen oder wirklich verbunden fühlen, hilft keine noch so gute „Community-Strategie“. In einer Welt, die immer stärker auf Effizienz, Automatisierung und oberflächliches Engagement ausgelegt ist, wird echte menschliche Verbindung schnell zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Das lernst du in dieser Folge
- Warum Social-Media-Follower und Teilnehmerzahlen für echte Gemeinschaft schlechte Indikatoren sind
- Was „Beziehungsabbau“ bedeutet – und warum er in der Arbeitswelt zunimmt
- Wie Organisationen Aktivität fälschlich mit echter Verbindung verwechseln
- Warum psychologische Sicherheit eine gezielte Gestaltung von Zusammenkünften braucht, und nicht nur gute Absichten
- Welchen Mentalitätswandel Führungskräfte vollziehen müssen, um eine einladende Kultur zu schaffen
- Wie Künstliche Intelligenz den Wert von Vertrauen, Nähe und echten menschlichen Beziehungen steigert
- Warum sorgfältiger Community-Aufbau langfristig zum Geschäftsvorteil wird
Das Wichtigste auf einen Blick
- Community ist nicht gleich Sichtbarkeit. Ein reger Slack-Kanal, eine volle Veranstaltung oder große Followerzahlen bedeuten nicht, dass Menschen sich verbunden fühlen – der wahre Maßstab ist, ob sie wiederkommen und über die Zeit Beziehungen aufbauen.
- „Beziehungsabbau“ nimmt in der modernen Arbeitswelt zu. Da Technologie Isolation erleichtert, müssen Organisationen gezielter den Aufbau menschlicher Verbindung und Zusammenarbeit fördern.
- Psychologische Sicherheit braucht durchdachtes Design. Inklusion entsteht nicht automatisch, nur weil Menschen zusammenkommen – Faktoren wie Umgebung, Zugang, Komfort und Beteiligung sind entscheidend.
- Zugehörigkeit zu fördern ist die Aufgabe aller. Jessie argumentiert, dass Beschäftigte und Führungskräfte gleichermaßen die „Willkommenskommission“ sein sollten, statt darauf zu warten, dass andere für Verbindung sorgen.
- KI-Unterstützung erfordert Experimentierfreude, nicht rein demonstrative Zusammenarbeit. Teams brauchen Zeit, Neues auszuprobieren, zu testen und gemeinsam zu lernen, statt lediglich Impulse oder Trends in wenig genutzten Kanälen zu teilen.
- Unternehmen, die KI ohne gutes Governance-Modell übereilt einführen, riskieren mehr Angst und Verwirrung als Fortschritt zu schaffen. Langfristiger Erfolg kommt wahrscheinlich von Organisationen, die Experimente mit bewusstem Kulturaufbau verbinden.
- In einer Welt voller KI-generierter Inhalte wird authentisches menschliches Vertrauen wertvoller. Echte Beziehungen, eigene Erfahrungen und glaubwürdiges Urteilsvermögen werden vielleicht zur größten Stärke von Organisationen.
Kapitel
- 00:00 — Schein-Community
- 02:30 — Einblick in Culture First
- 04:20 — Beziehungsabbau
- 05:40 — Psychologische Sicherheit
- 07:00 — Das Willkommenskomitee
- 09:30 — KI-Ängste am Arbeitsplatz
- 11:20 — Zeit zum Experimentieren
- 12:20 — Slack ist keine Community
- 14:20 — Verbindung vor Verkauf
- 16:40 — Zu viele Tools
- 17:40 — Schlechte Vor-Ort-Erfahrungen
- 18:40 — Echte Gemeinschaft messen
- 20:20 — Vertrauen als Wettbewerbsvorteil
Unser Gast

Jessie Jacob ist Culture First Community Managerin bei Culture Amp und fördert dort eine der weltweit bedeutendsten Communities rund um menschenzentrierte Arbeitsplätze und starke Unternehmenskulturen. Mit ihrem Hintergrund im Community-Building, Employee Experience und People Operations arbeitet Jessie eng mit HR-Leitungen, Führungskräften und Kulturverantwortlichen zusammen, um bedeutsame Gespräche über Engagement, Führung und die Zukunft der Arbeit zu führen. Sie engagiert sich leidenschaftlich dafür, Menschen durch gemeinsames Lernen zu verbinden und Organisationen dabei zu unterstützen, inklusive, leistungsstarke Kulturen zu entwickeln, in denen Beschäftigte aufblühen können.
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David Rice: Ihr habt einen Slack-Kanal, in dem jeder teilt, was er mit KI macht. Niemand liest ihn, aber ihr nennt es eine Community. Ihr habt ein Event veranstaltet. 200 Leute haben sich angemeldet und 200 sind gekommen. Sie haben darüber auf Instagram geschrieben. Ihr habt die Social Media Kennzahlen verfolgt und nennt das jetzt einen Erfolg. Aber kommen sie auch wieder?
Die heutige Folge ist ein Gespräch, das ich bei Transform in Las Vegas mit Jessie Jacob geführt habe, Culture First Community Managerin bei Culture Amp, darüber, warum unsere Social-Media-Follower keine Community sind und warum im Zeitalter der KI, in dem plötzlich alle echte persönliche Begegnungen schaffen wollen, die meisten das furchtbar schlecht umsetzen.
Jessie betreut eine weltweite Community mit 100.000 Mitgliedern. Das Prinzip von Culture Amp ist einfach: Verbindung nach innen, Business nach außen. Wenn man echten Mehrwert schafft, kommen die Menschen zurück. Was wir aktuell in der Welt beobachten, ist ein Beispiel für Beziehungsatrophie. Esther Perel, externe Beraterin von Culture Amp, verwendet diesen Begriff.
Wenn unsere Muskeln atrophieren, benutzen wir sie nicht mehr. Genauso ist es mit unseren Beziehungsfähigkeiten. Die Technik macht es uns leichter, uns zu isolieren. Wir haben immer weniger miteinander zu tun, daher schwenken jetzt alle auf „Community hier“ und „Community dort“. Aber oft wird nur auf kurzfristiges Wachstum geachtet, es zählt die Kaffeebar-DJ-Party mit 200 Anmeldungen, Followerzahlen und Posts werden gemessen, statt zu fragen, ob sich die Menschen wirklich kennenlernen.
Und diese Apathie, die wir sehen, ist manchmal gar nicht: „Es ist mir egal.“ Manchmal sieht es eher so aus wie: „Ich fühle mich nicht wohl“ oder „Ich kann hier nicht ich selbst sein“. Heute in der Sendung sprechen wir darüber, warum Beziehungsatrophie geschieht, während alle von psychologischer Sicherheit reden; wie man misst, was wirklich zählt – kommen sie zurück?; den notwendigen Wandel, dass jeder selbst zur Willkommenskommission wird; wie man Begegnungen gestaltet, die echte Verbundenheit schaffen statt nur Content; und warum genau das euer Wettbewerbsvorteil sein wird, wenn niemand mehr weiß, was echt ist und was KI.
Ich bin David Rice. Das ist People Managing People. Und falls ihr Eitelkeitsmetriken mit Community-Building verwechselt habt, dann zeigt euch dieses Gespräch, was euch entgeht. Weiter zu mir und Jessie.
Ich bin hier mit Jessie Jacob. Sie ist Culture First Community Managerin bei Culture Amp und, soweit ich weiß, auch Comedienne.
Jessie Jacob: Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Na ja, ich habe ... Möchte ...
David Rice: Ich hätte fragen sollen. Also –
Jessie Jacob: Möchte gerne ...
David Rice: Ich hätte fragen sollen. Du hast ein sechseinhalb Minuten Set gemacht. Wie lief's? War es – War super. Viel gelacht?
Jessie Jacob: Ich habe viel gelacht. Ich hatte ein paar Witze über Leute, die arbeitslos sind – aber keiner hat funktioniert.
David Rice: Perfektes Material für Dad-Jokes. Die muss ich mir merken.
Jessie Jacob: Ja, oder? Solide.
David Rice: Also, wie läuft dein Transform bisher, und was hast du gelernt?
Jessie Jacob: Ich liebe Transform. Es ist mein drittes Jahr hier. Es fühlt sich an wie ein Sommercamp. Man denkt: „Oh, ich habe dich ein ganzes Jahr nicht gesehen.“ Aber ich genieße es und habe schon einige Sessions mitgemacht.
Ich liebe es, aber ich bin hauptsächlich wegen der Leute hier.
David Rice: Ja. Community Managerin hier – natürlich wegen der Menschen.
Jessie Jacob: Ich weiß. Ja, klar.
David Rice: Erzähl mal von deiner Rolle. Ich bin neugierig, denn ich dachte 2025, wir werden wirklich Community aufbauen müssen.
Ja. Das ist der Weg, wie wir das alles bewältigen. Wenn du dir die Herausforderungen anschaust – es geht so schnell, ohne Community schaffen wir es nicht. Ja. Also, nimm mich mal mit durch die Ziele und wie sich das in den letzten Jahren entwickelt hat.
Jessie Jacob: Community ist DAS Modewort.
So angesagt gerade! Stimmt. Also, ich arbeite bei Culture Amp. Als die Gründer das Unternehmen starteten, sagten sie: „Wir wollen das Erlebnis und den Impact von 100 Millionen Menschen bei der Arbeit verstärken, aber das wird nie nur mit Software und Technik gelingen.“ Deshalb dachten sie: „Wie holen wir Menschen zusammen, um Ideen und Best Practices zu teilen, damit wir diese Mission erfüllen?“
Und jetzt feiern wir nächsten Monat unser 10-jähriges Jubiläum – das ist verrückt. Wir haben jetzt die größte People & Culture Community – 100.000 Menschen weltweit. Ein Teil meiner Rolle ist es, unseren Mitgliedern zu helfen – nicht nur Kunden, sondern allen, die mit unserer Mission für eine bessere Arbeitswelt übereinstimmen –, sich persönlich und digital auszutauschen, Ideen und Best Practices zu teilen usw.
Wir machen das schon eine ganze Weile und sind ziemlich gut darin. Jetzt ist es so spannend, dass auch alle anderen merken: „Moment, das sollten wir auch machen.“
David Rice: Wie macht man 100.000 Menschen überhaupt irgendwie überschaubar?
Jessie Jacob: Wir ... tut man nicht. Das ist ... Das tut man einfach nicht.
David Rice: Man lässt sie einfach selbst den Sinn finden, oder?
Jessie Jacob: Genau.
David Rice: Aus dem Weg gehen.
Jessie Jacob: Redet miteinander. Nein, im Ernst.
Ich mag einen Gewinner bei Richmond Records. Wenn es skaliert ... also, ab einer gewissen Größe bilden sich organisch Gruppen in der Community. Ja. Und genau das ist auch passiert.
David Rice: Mich interessiert, weil wir ja in einer Zeit leben, in der es durch die Technik immer leichter ist, sich zu isolieren.
Es ist … Ja... wir haben immer weniger miteinander zu tun.
Jessie Jacob: Ja.
David Rice: Siehst du viele Teams – wie eure Kundenteams –, die ähnlich wie du so etwas auch intern aufbauen wollen?
Jessie Jacob: Auf jeden Fall. Wir haben eben darüber gesprochen, dass Esther Perel, eine New York Times Bestseller-Autorin und Beziehungstherapeutin, externe Beraterin bei Culture Amp ist. Sie spricht viel über Beziehungsintelligenz und benutzt den Begriff der Beziehungsatrophie. Genau wie Muskeln verkümmern, wenn wir sie nicht benutzen, gilt das auch für unsere sozialen Fähigkeiten. Wie fördern wir also durch unser Zusammenkommen diesen Beziehungsaufbau?
Es ist ein Modewort zu sagen: „Unsere Teams sollen sich psychologisch sicher fühlen. Jeder soll Ideen teilen können und sich trauen, Bedenken zu äußern.“ Es ist eine Sache, das zu sagen – aber eine andere, es wirklich zu tun.
David Rice: Ja.
Jessie Jacob: Wir lernen gerade „on the job“, wie man besser zusammenkommt und echte Begegnungen schafft. Einfach nur ein Meeting machen reicht eben nicht mehr.
Es geht darum: Was ist der Zweck des Treffens – für wen ist es, für wen nicht? Was wollen wir erreichen? Welche Fragen brauchen Antworten? Wie sollen sich die Leute fühlen? Zurück zu den Basics: Warum treffen wir uns? Was ist unser Ziel?
David Rice: Gibt es neben Beziehungsatrophie auch Beziehungsapathie? Also diese Haltung: „Ich hab keinen Bock, mir egal!“
Jessie Jacob: Ja, und wenn wir unsere Begegnungen nicht durchdacht inklusiv gestalten – gerade mit Blick auf Neurodiversität –, dürfen wir nicht einfach erwarten: „Alle kommen zusammen und werden sich schon vertragen.“ Diese Apathie bedeutet nicht nur: „Ich mag nicht“, sondern oft: „Ich fühle mich nicht wohl“, „Ich kann nicht ich selbst sein“ oder „Ich gehöre nicht dazu“.
Ja. Sicherheit bedeutet vieles: emotional, physisch (wie ist der Raum gestaltet?), kann man hier raus, kann ich Bedenken und Ideen äußern? Gibt es einen Rückzugsraum? All das zählt.
David Rice: Das ist fast schon eine operative Frage beim Design solcher Formate – normalerweise eine CHRO-Aufgabe. Aber viele CHROs müssen jetzt auch Verbindungen fördern. Peer Learning aufbauen und ähnliches. Hörst du das oft aus deiner Community?
Jessie Jacob: Werden die Führungskräfte damit betraut? Ja, total. Das hat aber viel mit Gesamt-Kultur zu tun. Es beginnt damit, dass auch wir selbst den Wandel vorleben müssen.
Ich finde nicht, dass alles beim Chief People Officer landen muss. Auch das Thema KI wird ja aktuell gerne dorthin geschoben. Also: Was haben wir als wichtig definiert? Ich war letztens auf einem Culture Amp Treffen im Büro ...
David Rice: Ja.
Jessie Jacob: Ich arbeite seit über vier Jahren dort, aber als ich ins New Yorker Büro kam (wo ich sonst nie bin), dachte ich: „Oh Gott, was ist, wenn keiner hallo sagt, keiner mich willkommen heißt?“ Diese innere Stimme... Bis mir einfiel: „Hey, ich bin doch selbst Teil der Willkommenskommission!“ Als Community Managerin muss ich selbst auf Leute zugehen. Also, wir alle sollten offen sein, Menschen begrüßen, präsent sein. Das sollte in unseren Organisationen klar kommuniziert werden. Aber wir verheddern uns oft in Effizienz, Problembehebung, Machtspielen – dann wird‘s kompliziert ...
David Rice: Als ich Chefredakteur bei People Managing People wurde, hatten wir ein großes Summit in Mexiko. Ein Deutscher kam direkt zu mir und sagte: „Wer bist du? Warum haben wir dich eingestellt?“ Da musste ich lachen.
Er war total direkt. Ich erklärte es ihm. Er meinte: „Gute Antwort.“ Ich mochte diese Direktheit: „Ich kenne dich nicht, das muss ich ändern. Erzähl mir von dir.“
Jessie Jacob: Rechtfertige dein Dasein! Ich habe dich ja eben gefragt: „Was machst du eigentlich hier?“
David Rice: Während wir aufbauen warteten, fragte sie: „Und wer bist du? Was ist das hier?“ Apropos KI: Das ist doch ein Riesenthema für alle.
Wie hat sich das Thema für eure Community verändert in den letzten ein, zwei Jahren?
Jessie Jacob: Ja. Was meinst du ... mehr dazu bitte.
David Rice: Ich meine: Wie sprechen sie mit ihren Teams darüber?
Jessie Jacob: Im Sinne von Enablement oder eher: Wie wir KI einsetzen? – Ja ... Genau das meinst du? Lustig, ich sehe schon HR-Leute mit neuen Titeln wie „People & AI Enablement“. Jetzt ist man „Experte“. Die People-&-Culture-Funktion muss also Enablement machen, Weiterentwicklung ermöglichen. Aber: Viele haben Angst. Sorgen, Governance-Fragen, was passiert, wie machen wir das? Was spricht dagegen, wie merken wir, wenn es scheitert, wie drehen wir rechtzeitig? Viele wollen nicht einfach blind loslegen, sondern es durchdacht angehen. Ich glaube, die Unternehmen, die das wirklich reflektierter machen, sind langfristig erfolgreicher, auch wenn sie kurzfristig FOMO erleben, weil ...
David Rice: Ständiger Hype.
Jessie Jacob: Ja. Und ...
David Rice: Jemand meinte gestern: „Geh von LinkedIn runter – alle tun so, als wüssten sie alles über KI, aber vieles ist heiße Luft oder klappt gar nicht.“
Jessie Jacob: Oder wir entlassen voreilig Leute wegen KI, ohne sie vorher zu befähigen? Okay, toll.
David Rice: Spannende Zeiten. Einer stand gestern auf der Bühne: „Wenn jemand behauptet, er habe die Antwort: Er lügt.“
100%. Es fühlt sich so an: „Ich weiß es auch nicht, aber vielleicht klappt das ...“
Jessie Jacob: Auch ich muss einfach Zeit zum Ausprobieren haben. Spieltrieb! Aber die Organisation will Wachstum, Zahlen, Messgrößen – wann bleibt da Zeit zum Experimentieren?
David Rice: Soll ich fragen? Du hast ja keine echte Antwort, oder?
Jessie Jacob: Ich denke schon viel darüber nach, wie wir Leuten Zeit fürs Ausprobieren geben. Früher gab es in Unternehmen richtig Zeit für Nebenprojekte, die dem Unternehmen helfen könnten.
Wie machen wir das heute? Wir haben kürzlich KI-Enablement gemacht – man lernt nur durch Erfahrung. Mein Anspruch ist: Wenn wir die Zeit investieren, dann sinnvoll – nicht bloß Leute zusammenrufen und über KI reden. Wir müssen konkret werden, gemeinsam Wege finden.
David Rice: Bei internen Meetings: Klarer Fokus, gemeinsames Erlebnis. „Ich habe dies damit gemacht, ich das.“ Aber das hat wenig Wert, wenn nicht mehr daraus wächst. Viele CEOs sagen: „Wir haben einen Slack-Kanal, da teilt jeder was er macht.“ Aber liest es auch jemand? Check. Abgehakt. Wir sind eine Community.
Jessie Jacob: Ja. Wir sind eine Community. Wir lernen, teilen Best Practices.
David Rice: Ich hatte Justin, deinen Kollegen, im Podcast. Wir hatten darüber gesprochen, wie ihr das intern angeht. Wie klappt das, eine Community darum zu organisieren, wie die Tools zu nutzen sind? Vielleicht sogar auf einer Werte-Ebene: Das solltet ihr bitte nicht tun ...
Jessie Jacob: Wir sind da sehr klar, was (und wie) man welche Tools nutzen darf – und was nicht. Wir sind große Fans davon, selbst Kunde null für unsere Produkte zu sein. Wir haben eine KI-Komponente bzw. einen KI-Coach im Tool. Wir lernen in Echtzeit, wie das in unsere eigene Kultur passt.
David Rice: Richtig.
Jessie Jacob: Nur so können wir anderen auch helfen. Es geht oft nicht nur um allgemeine KI-Enablement, sondern speziell um KI rund um unser eigenes Produkt. Das lernen wir aktuell. „Dogfooding“ eben.
Wir sagen: „Trinkt euren eigenen Champagner!“ Also: Wir tun, was wir auch unseren Kunden empfehlen. Also müssen wir ...
David Rice: ... sie beraten.
Jessie Jacob: Genau. Bei vielen internen Formaten teilen wir interne Erfahrungsberichte: Wie nutzen wir das Produkt, wie messen wir Wirkung?
David Rice: Es klingt, als herrsche viel Selbstreflexion. Ich fand gut, dass ihr direkt sagtet: „Mit Technik und Software allein geht das nicht.“ Das fehlt vielen Unternehmen.
Jessie Jacob: Unsere Gründer waren da schlau und glaubten wirklich an die Mission.
Wir sprechen häufig darüber. Patagonia spendet Profite an Klimaforschung, Toms macht Eins-für-eins. Culture Amp wusste: Investment in die Community lohnt sich – es ist auch Markenaufbau, Thought Leadership. Wir profitieren davon und erfüllen zugleich die Mission. Natürlich hilft es uns und unserem Pipeline – aber wie machen wir das authentisch, nicht aufdringlich?
David Rice: Ja.
Jessie Jacob: Das ist ein Teil des Erfolgsrezepts: Bei jedem Community-Treffen nennen wir unsere Prinzipien. Eines davon: Verbindung innen, Business außen. Im Community-Kontext geht es um echte Begegnung, gemeinsames Lernen und Wachstum.
Geschäft kann später entstehen – aber Verkauf ist nicht das Ziel. Networking wird bewusst niedrig gehalten.
David Rice: Ja.
Jessie Jacob: Und wir ziehen das konsequent durch – auch für Culture Amp-Mitarbeitende. Die Leute sind nicht naiv, sie wissen: Das wird gesponsert. Wir sagen aber nicht dauernd: „Melde dich nachher für eine Demo an.“
Wir hatten ein großes Online-Event, einige Viewing Parties vor Ort. Ein Community-Mitglied sagte: „Das war der beste Fortbildungstag seit Jahren. Ich warte nur darauf, dass Culture Amp was verkauft.“ Ich habe nur geantwortet: „Danke für das Feedback, danke fürs Dabeisein! Wissen Sie, dass der gesamte Tag von Culture Amp gesponsert war?“ – „Ja, klar.“ – „Super, danke, noch einen schönen Tag!“ Wenn jemand mehr wissen will, meldet er sich. Google gibt es ja.
Einfach das Formular ausfüllen, Demo buchen, bei Fragen vernetzen wir gerne. Es ist nicht ...
David Rice: Was ich die letzten zwei Tage häufig gehört habe: Die Leute brauchen in Wahrheit selten ein weiteres Tool – wenn doch, sagen sie Bescheid.
Überwiegend – oh Mann ... Gestern war ich in einem Raum mit lauter Anbietern: „Schaut meine Lösung!“ Nebenan läuft die Session: Ihr braucht kein neues Tool.
Jessie Jacob: Oh Gott, mein Witz war gestern: Bei Panels sind die Vorstellungen länger als der eigentliche Inhalt.
Am Ende erinnert man sich nur an die Sponsoren. Was tun wir hier? Was tun wir?
David Rice: Es ist witzig: Wir besuchten einen Workshop am ersten Tag, Titel: „HR menschlich halten“.
Organisiert ausgerechnet von einem Anbieter, der HR-KI-Agenten baut. Ironisch? Was läuft hier falsch?
Jessie Jacob: Was passiert hier?
David Rice: Ich hab nicht verstanden, wie das menschlich bleiben soll.
Jessie Jacob: Sind wir tot? Wer ... Bist du echt?
David Rice: Ich steige noch nicht ganz durch – aber: cooler Titel. Was möchtest du unbedingt mitnehmen, bevor du gehst – außer jetzt im Podcast gewesen zu sein? Haken dran.
Jessie Jacob: Haken erledigt. Ich bin aktuell echt begeistert, weil jetzt im KI-Zeitalter alle und ihre Mütter echte Vor-Ort-Events machen wollen.
Ja. Community hier, Community da. Oh Gott ... Das ist alles.
Ich möchte eben diskutieren: Wie macht man das mit Bedacht? Wie macht man es richtig? Ich war bei so einer Coffee-Shop-DJ-Party – schon mal davon gehört?
David Rice: Ja.
Jessie Jacob: Ich bin die Zielgruppe! Die typische Wellness-Millennial.
Und ich fand: So schlecht umgesetzt. Die Veranstalter waren sicher stolz: 200 Anmeldungen, 200 kamen, viele neue Follower, viele Instagram-Posts. Aber wozu designen wir Instagram-Momente statt echter Community und Wiederkehr?
Wie misst man Erfolg wirklich? Ich will den Leuten helfen, zu erkennen: Wer Community baut, muss für Verbindung gestalten.
David Rice: Ja.
Jessie Jacob: Messe, was zählt – kommen die Leute zurück? Qualität statt Quantität ist langfristig wichtig – viele Marken denken zu kurzfristig, nur an Wachstum.
Ich verstehe, Kapitalismus tickt so – aber nehmt euch Zeit, das große Ganze zu sehen. Wer wirklich Community aufbauen will, macht es richtig.
David Rice: Wie du vorhin sagtest: Social-Media-Follower sind keine Community.
Jessie Jacob: Definitiv nicht. Uff.
David Rice: Und: Den Instagram-Moment kann man der Stadt überlassen – garantiert gibt es dort eine Efeuwand mit rosa Leuchtschrift oder die Flügel fürs Selfie-Motiv. Lass das für Instagram. Das trägt aber nicht zur Community bei.
Jessie Jacob: Wir sehnen uns nach echter Verbindung, Intimität, gesehen werden.
David Rice: Ja.
Jessie Jacob: Und dafür gibt es Wege. Einen coolen Veranstaltungsort buchen, Bar, Drinks ausgeben ist das eine. Aber echte Verbindung und Austausch – das ist eine ganz andere Kunst.
Wie helfen wir, dass die Menschen sich wirklich kennenlernen, verbunden bleiben, Ideen und Best Practices austauschen, immer wiederkommen? Das ist etwas ganz anderes – darüber sollten wir viel mehr sprechen. Können wir mehr davon tun?
David Rice: Jetzt ist die Zeit dafür!
Bald konkurriert man mit KI-Freundinnen ...
Jessie Jacob: 100%. Wir werden ...
David Rice: Ihr müsst es mit der Bequemlichkeit aufnehmen, die KI-Verbindungen bieten.
Jessie Jacob: Selbst die Entscheidung, wir behaupten gerne: alles datenbasiert. Aber verhaltensökonomisch entscheiden wir meist nach Gefühl, Bauch, mit vorgestelltem Effekt.
Wir nutzen KI für Effizienz, aber es wird schwer zu unterscheiden, was echt ist. Wir verlassen uns am Ende doch auf persönliche Begegnungen: „Ich kenne dich, vertraue dir – wen soll ich einstellen, mit welchem Anbieter soll ich arbeiten?“ Das ergibt sich durch echte Beziehungen, nicht durch den ganzen Rest, und daraus entsteht auf Dauer der Vorteil: Community als Wettbewerbsvorteil.
David Rice: Jetzt ist keine Zeit für Beziehungsatrophie! Jessie, es war toll mit dir. Wirklich, danke, dass du da warst.
Jessie Jacob: Danke dir! Hat super Spaß gemacht. Danke, dass ich nerdig sein durfte.
David Rice: Sehr gerne. Leute, es kommt noch mehr. Meldet euch für den Newsletter an. Bis bald!
Jessie Jacob: Love it. Ciao.
