Steve Benson ist der Gründer und CEO von Badger Maps, einem mittelständischen Technologieunternehmen, das bestehende CRM-Systeme mit Kartierung, Routenplanung und Terminorganisation für Außendienstmitarbeiter erweitert.
Er ersetzt in seinem Unternehmen niemanden durch KI. Aber er nutzt auch Neueinstellungen nicht mehr als Wachstumstreiber.
Wir haben Steve interviewt, um zu verstehen, wie er künstliche Intelligenz einsetzt, um den steigenden Anforderungen eines wachsenden Unternehmens nachzukommen, statt die Mitarbeiterzahl zu erhöhen. Das hat er uns erzählt:
Vom Vertriebsleiter zum Technologiegründer
Ich bin CEO und Gründer von Badger Maps, der Nr. 1-App im Apple App Store für Außendienst- und Vertriebspersonal.
Bevor ich Unternehmer wurde, habe ich meinen MBA in Stanford gemacht und bei Google gearbeitet. Während meiner Zeit bei Google wurde ich 2009 als weltweit bester Vertriebsleiter von Google Enterprise ausgezeichnet.
2012 habe ich Badger Maps für Außendienstmitarbeiter gegründet, um bestehende CRM-Systeme mit Kartierung, Routenplanung und Terminorganisation zu verbessern. Außerdem moderiere ich Outside Sales Talk – einen Podcast speziell für den Außendienst – und bin Präsident der Sales Hall of Fame.
Ich hatte ursprünglich nicht das Ziel, ein Unternehmen zu gründen. Meine Karriere habe ich im Außendienst verbracht und kenne daher die Herausforderungen dieser Tätigkeit aus erster Hand. Und als ich im Google-Maps-Team arbeitete, habe ich erkannt, wie mächtig mobile Kartierung ist. Das, was ich gelernt hatte, habe ich genutzt und Badger Maps aus eigenen Mitteln zu dem gemacht, was es heute ist.
Lebensverändernder Karrieretipp für das KI-Zeitalter

Den besten Ratschlag meines Lebens bekam ich bei einer „Schnupperfahrt“ mit Bill Moran, einem Freund meines Vaters. Ich war etwa 13 Jahre alt und er war ein erfolgreicher, selfmade Immobilienentwickler – der erfolgreichste Mann, den ich kannte. Was er mir sagte, hat mein Leben verändert. Gerade mit Blick auf Künstliche Intelligenz ist dieser Rat heute noch hilfreicher als damals.
Während wir durch Chicago fuhren und Gebäude betrachteten, die ihm gehörten oder die er kaufen wollte, riet er mir, für mich selbst zu arbeiten. Er sagte, selbst wenn ich dabei viel weniger Geld verdienen würde als in einem großen Unternehmen, wäre alles, was ich verdiene, meines. Und wenn ich viel verdiene, dann ebenfalls.
Er sagte mir auch, dass ich niemals für ein großes Unternehmen arbeiten sollte, weil man bei kleinen Firmen viel mehr lernt – die eigene Rolle ist bedeutungsvoller, weil man dort für einen viel größeren Anteil des Unternehmens verantwortlich ist.
Als ich Badger Maps 20 Jahre später gründete, hatte ich diese Gedanken im Kopf. Ich konnte mich nie bei ihm bedanken, aber dieser Ratschlag war für mich unbezahlbar.
Im KI-Zeitalter stehen Angestellte großer Unternehmen unter Automatisierungsdruck. Ihre Gehälter geraten ebenso unter Druck – genauso wie ihre Jobs. Für sich selbst oder für ein kleineres, wachsendes Unternehmen zu arbeiten, ist in einer viel besseren Position.
Wachstum durch KI statt durch mehr Personal

Wir sind ein gutes Beispiel als wachsendes, mittelständisches Unternehmen. Wir ersetzen keine bestehenden Arbeitsplätze durch KI.
Wir ersetzen keine bestehenden Arbeitsplätze durch KI.
Allerdings ersetzt KI bei uns effektiv neue Stellen, die wir sonst bei weiterem Wachstum besetzen würden.
Allerdings ersetzt KI bei uns effektiv neue Stellen, die wir ansonsten im Zuge des Wachstums geschaffen hätten. Wir müssen diese neuen Jobs nicht mehr besetzen, da die KI die Arbeit übernimmt oder in bestehenden Positionen Zeit freisetzt.
Bei Badger Maps übernimmt die KI – und die von ihr unterstützte Software – heute viele Routineaufgaben. Die Menschen können dadurch schneller und mehr erledigen, besonders im Marketing und in der Technik. Diese Bereiche haben den deutlichsten Wandel durch KI erlebt.
Speziell im Marketing bestand der Großteil der Arbeit darin, Inhalte zu erstellen oder zu recherchieren, wie verschiedene Dinge umgesetzt werden können. Das übernimmt jetzt alles die KI. Ich muss allerdings zugeben, dass unsere Marketing-Manager ihre Teams trotzdem manchmal dabei erwischen, wie sie Aufgaben noch manuell erledigen.
In solchen Fällen ist es ihre Aufgabe, das Team darin zu coachen, wie ein bestimmtes KI-Tool die Aufgabe viel schneller erledigen kann. Das ist ein großer Wandel für Führungskräfte.
Wie KI die Organisationsstruktur verändert
Eine Ausnahme von unserer Regel, keine Menschen zu ersetzen, sind Praktika. Wir hatten früher ein gut ausgebautes Praktikumsprogramm mit etwa 25 Praktikanten gleichzeitig. Das ist im Zeitalter der KI praktisch verschwunden.
Wir haben das Praktikantenprogramm nicht gestrichen; die Leute haben einfach aufgehört, nach Praktikanten zu fragen, also hat das Recruiting-Team auch keine mehr eingestellt. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei Berufseinsteigern. Heute fragen Führungskräfte eher nach erfahreneren oder leitenden Mitarbeitern anstelle von Junioren.
Früher war es sinnvoll, dass Mitarbeiter mittlerer und höherer Ebenen Zeit damit verbrachten, Nachwuchskräfte und Praktikanten zu schulen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, um Aufgaben zu erledigen – man investierte zwei Stunden in die Einarbeitung und konnte so Tätigkeiten, die bislang eine Stunde pro Woche beanspruchten, abgeben. Doch heute greifen genau diese Mitarbeiter verstärkt zu KI, um solche Aufgaben zu erledigen.
Auch wenn ich nicht sagen würde, dass KI meine Sicht auf die Organisationsstruktur grundlegend verändert hat, so hat sie doch erhebliche Auswirkungen darauf, wie wir strukturiert sind.
Deswegen: Auch wenn ich nicht sagen würde, dass KI meine Sicht auf die Organisationsstruktur völlig verändert hat, so hat sie doch erhebliche Auswirkungen auf unsere Struktur.
Was KI für Führungskräfte und Entscheider wirklich bedeutet

Was Führungskräfte und Entscheider betrifft, hier eine unpopuläre Meinung: KI war für uns nicht wirklich revolutionär. Sie hat die Dinge einfach beschleunigt.
Der größte Vorteil aus meiner Sicht ist, dass wir Antworten nun sofort zur Hand haben, für deren Recherche wir vor ein paar Jahren im Internet noch lange suchen mussten.
Früher hätte ich zum Beispiel jemanden aus der Finanzabteilung gebeten, etwas zu recherchieren und es mir zu erklären, damit wir gemeinsam zur Lösung kommen – das war vor drei Jahren. Heute denke ich für mich selbst eine Stunde darüber nach – mit Unterstützung durch KI.
KI-Funktionen in bestehender Software nutzen
Das Beste, was man in einer Zeit des Wandels machen kann, ist offen für neue Möglichkeiten zu sein. Im Moment bedeutet das, KI-Software zu nutzen.
Und einer der ersten Orte, an denen man suchen sollte, ist die bereits genutzte Software.
So oft sehe ich tolle KI-Anwendungsfälle und Funktionen, die bereits in bestehender Software verfügbar sind – Software, die längst vollumfänglich eingeführt, akzeptiert und in den Arbeitsfluss integriert wurde. Die Leute schöpfen die Möglichkeiten der Software einfach nicht vollständig aus. Oder noch schlimmer: Sie suchen ein neues KI-Tool als Ersatz.
Für uns sind einige Beispiele AWS, GitHub, Close und so weiter. Sie alle verfügen über hervorragende KI-Funktionen. So hilft zum Beispiel GitHub unseren Entwicklern mit KI, deutlich schneller zu programmieren.
CRM mit Go-to-Market-Strategie verknüpfen
Wir verlassen uns bei Vertrieb und Marketing besonders stark auf unser CRM-System Close. Das beste CRM-System für Ihr Unternehmen und Ihre Go-to-Market-Strategie kann einen echten Unterschied machen.
Viele CRMs bieten heute ähnliche Funktionen, aber oft wird bei der Anpassung an die eigenen Bedürfnisse zu wenig investiert. Gemeint ist nicht nur die Einrichtung, sondern auch die Integration von Apps, die die eigene Go-to-Market-Strategie optimal unterstützen. Was auch immer Ihre individuelle Situation ist, es gibt Apps, die Ihre CRM-Nutzung erheblich verbessern können.
Es ist entscheidend, dass Marketing- und Vertriebs-Stack zusammenarbeiten – auch wenn die Tools nicht mehr wie früher vom selben Anbieter kommen müssen. Moderne Software macht diese Abläufe viel reibungsloser, selbst wenn man die jeweils besten Lösungen für die eigene Marktstrategie und das Produkt kombiniert.
Und KI wird inzwischen direkt in diese Abläufe in der Software integriert.
Ein KI-Tool, das unsere Workflows verändert hat
Mein derzeit absolutes Lieblings-KI-Tool ist Grid Squid.
Wir müssen unsere Software mit vielen CRM-Systemen integrieren, weil die Daten unserer Kunden in deren CRMs liegen. Grid Squid hat ein kostspieliges und schwieriges Problem für uns gelöst, denn jetzt können wir unser Produkt sehr schnell an die CRMs unserer Kunden anbinden.
Es nutzt KI, um Verbindungen schneller zu erstellen, und synchronisiert die Daten zwischen dem CRM des Kunden und den Daten in unserem Produkt in Echtzeit. Statt also Verbindungen zu vielen verschiedenen CRMs pflegen zu müssen, brauchen wir nur noch die Schnittstelle zu Grid Squid – alles Weitere erledigt es von selbst.
Das war bisher für uns mit hohem Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden. Das Team, das unsere Integrationen macht, ist jetzt dank Grid Squids KI-Lösung deutlich schneller.
KI-Kompetenz im gesamten Team aufbauen
Ich glaube nicht, dass Unternehmen, die nach dem Aufkommen von KI gegründet wurden, zwangsläufig einen Vorteil gegenüber bestehenden Firmen haben. Bestehende Unternehmen haben Zugang zu denselben Tools wie neue Unternehmen. Und beide müssen sich laufend an ständig neue Toolsets anpassen,
Deshalb betrachte ich KI-Kompetenz als ein sich ständig bewegendes Ziel. Wir übernehmen KI in immer mehr Bereichen, da immer mehr KI-Unternehmenslösungen auf den Markt kommen. Es ist schwer, mitzuhalten!
Für Führungskräfte ist es entscheidend, regelmäßig mit dem Team darüber zu sprechen, welche Tools sie nutzen, um sicherzustellen, dass sie wirklich einen Mehrwert daraus ziehen. Wenn sie sagen, ein Tool sei einfach nur „na ja“, muss man sie dazu ermutigen, aktiv nach Alternativen zu suchen.
Unseren Teams zu ermöglichen, die passenden Lösungen für sich zu finden, ist der Schlüssel. Sie wissen am besten, was sie brauchen. Führungskräfte können Lösungen anbieten – und zeigen, wie ihre aktuelle Software besser genutzt werden kann. Aber diejenigen, die die Software tatsächlich benutzen, müssen mitentscheiden dürfen.
Das Zeitalter der Kleinunternehmen — und der KI
Ich schließe mit folgendem Gedanken: Es ist eine gute Zeit, um ein kleines Unternehmen zu gründen — oder dort zu arbeiten.
Kleine Organisationen können dank KI mehr erreichen als jemals zuvor. Sie verleiht jedem Teammitglied Superkräfte.
Ich weiß nicht, ob das zu mehr Chancen führen wird oder zu weniger, aber dafür größeren Chancen. Hoffen wir auf ersteres, denn letzteres könnte zu einer Konzentration von Wohlstand führen.
Bleiben Sie dran
Sie können Steves Arbeit auf LinkedIn, Instagram, X, Facebook und Quora verfolgen, während er weiterhin sein Unternehmen durch verstärkten KI-Einsatz statt mehr Personal ausbaut. Wenn Sie sich für Vertrieb interessieren, sollten Sie seinen Podcast nicht verpassen: Outside Sales Talk Podcast. Schauen Sie sich auch sein Unternehmen Badger Maps sowie die Sales Hall of Fame an.
Weitere Experteninterviews folgen bei People Managing People!
