Nur wenige Unternehmen haben das Performance-Management so nachhaltig geprägt wie Google.
Bekannt für seine datengesteuerte Unternehmenskultur und innovative Führungspraktiken, hat Google den Maßstab dafür gesetzt, wie moderne Organisationen Mitarbeiterbewertungen angehen.
Hier zeige ich auf, wie sich Googles Leistungsbewertungsprozess entwickelt hat, welchen Einfluss das GRAD hatte und welche wesentlichen Erkenntnisse Organisationen nutzen können, um ihr eigenes Performance-Management zu verbessern.
Googles Leistungsbeurteilungen
Sie fragen sich, wie man eine Leistungsbeurteilung durchführt? So geht Google dabei vor:
Kurz nachgefragt: Nehmen Sie an unserer 60-Sekunden-Umfrage teil, um uns mitzuteilen, wie Sie wirklich über den Einsatz von KI-Agenten bei Leistungsbewertungen, Beförderungen und Coaching denken. Ihr Input hilft uns, die realen Herausforderungen zu erkennen, denen sich HR-Teams mit KI im Performance-Management stellen müssen.
Selbsteinschätzung
Im Rahmen einer Leistungsbeurteilung bewerten Google-Mitarbeitende ihre eigene Leistung anhand einer, wie ich finde, verhaltensorientierten Leistungsbewertungsskala ("zeigt nie" bis "zeigt immer"), wobei Beispiele ihre Entscheidung untermauern.
Diese Erfolge erscheinen im nächsten Schritt (360-Grad-Bewertungen) für die begutachtenden Kolleginnen und Kollegen, die dann gebeten werden, ihre Nähe zu diesen Projekten sowie den Einfluss des Bewerteten auf die Ergebnisse einzuschätzen.
360-Grad-Feedback
Google integriert 360-Grad-Feedback oder „Peer Reviews“ in seinen Performance-Review-Prozess, um den Bewertenden eine umfassendere Sicht auf die Leistung der zu bewertenden Personen zu geben.
Zu Beginn wird gemeinsam festgelegt, wer an der Bewertung teilnimmt, um eine faire und repräsentative Auswahl sicherzustellen.
Anhand der gleichen Bewertungskriterien wie bei der Selbsteinschätzung geben die ausgewählten Personen Feedback in drei Bereichen: Stärken, Schwächen und Themen, an denen die Person arbeiten oder sich weiterentwickeln sollte.
Bewertungskalibrierung
Nach Selbsteinschätzung und 360-Grad-Feedback (ich frage mich, ob sie 360-Feedback-Software oder Performance-Management-Software einsetzen) nutzen Führungskräfte die Daten, um eine Gesamtnote anhand dieser Skala zu ermitteln:
- Verbesserungsbedarf
- Erfüllt Erwartungen durchgehend
- Übertrifft Erwartungen
- Übertrifft Erwartungen deutlich
- Hervorragend
Anschließend findet ein Kalibrierungsmeeting statt, in dem alle vorläufigen Bewertungen der Mitarbeitenden gemeinsam diskutiert werden, um sich auf faire Endnoten zu einigen.
Der Grund dafür: Dadurch entfällt der Druck, den Führungskräfte durch Mitarbeitende zur Notenaufwertung spüren könnten, die Ergebnisse spiegeln eine gemeinsame Erwartungshaltung wider und das Fairnessgefühl unter den Beschäftigten steigt.
Ergebnisse
Das Ergebnis der Kalibrierungsmeetings sind die Leistungsbewertungen der Mitarbeitenden für den Zeitraum. Sobald die Bewertung feststeht, erhalten die Mitarbeitenden ihr Feedback in zwei Meetings: eines für das Feedback – inklusive Peer Reviews und dem Gesamteindruck der Führungskraft – und ein weiteres für das Thema Vergütung und Beförderung.
Der Grund für diese Trennung: Google hat festgestellt, dass der Fokus auf das Gehalt dazu führt, dass Mitarbeitende Feedback weniger gut annehmen – das Lernen „schaltet ab“.
Googles Performance-Management-Zyklus
Der Performance-Management-Zyklus bei Google sieht ungefähr so aus:
Quartalsweise OKRs
Google legt vierteljährlich 4–6 OKRs (Objectives and Key Results) fest – für das Unternehmen, Führungskräfte, Teams und de facto jede einzelne Person.
Anders als beim Ziel-Kaskaden-Prinzip, bei dem Ziele von oben nach unten vorgegeben werden, setzt jede Person ihre eigenen Ziele, die durch ein Zusammenspiel von Führungskraft, Gruppendruck und Psychologie an die Gesamtorganisation angeglichen werden.
Mitarbeitende werden ermutigt, ambitionierte „Stretch Goals“ zu setzen, um Innovation und erhebliche Fortschritte zu fördern.
Der ideale Erreichungsgrad für diese Ziele beträgt etwa 70 %, was zeigt, dass die Ziele anspruchsvoll, aber erreichbar sind.
Monatliche Check-ins
Bei Google sind monatliche Check-ins ein wesentlicher Bestandteil des Leistungsmanagementsystems und fördern die kontinuierliche Kommunikation und Entwicklung zwischen Führungskräften und ihren Teammitgliedern. Diese regelmäßigen Einzelgespräche konzentrieren sich auf mehrere Schlüsselbereiche:
- Karriereentwicklung: Mitarbeitende und Vorgesetzte besprechen die berufliche Weiterentwicklung, erkunden Möglichkeiten zur Verbesserung von Fähigkeiten und zum Aufstieg im Unternehmen.
- Coaching: Führungskräfte bieten Anleitung und Unterstützung, um Mitarbeitenden zu helfen, Herausforderungen zu meistern und ihre Leistung zu steigern.
- Persönliche Themen: Diese Sitzungen bieten eine Plattform, um persönliche Anliegen zu besprechen, die sich auf die Arbeit auswirken können, sodass sich Mitarbeitende unterstützt fühlen.
Durch konsequente monatliche Check-ins fördert Google offene Kommunikation, zeitnahes Feedback und die Ausrichtung an Unternehmenszielen, was zu einem unterstützenden und produktiven Arbeitsumfeld beiträgt.
Jährliches Mitarbeitergespräch
Am Jahresende finden die Jahresgespräche statt, die sowohl Selbstbeurteilungen als auch 360-Grad-Feedback beinhalten. Diese umfassende Bewertung berücksichtigt sowohl die erzielten Ergebnisse als auch das im Laufe des Jahres gezeigte Verhalten.
Upward Feedback Umfrage
Die Upward Feedback Umfrage bei Google ist eine jährliche, anonyme Befragung, die es Mitarbeitenden ermöglicht, die Leistung ihrer Führungskräfte zu bewerten.
Die Umfrage bewertet Führungskräfte anhand wichtiger Führungsqualitäten, wie Coaching-Kompetenz, Gewährung von Autonomie, Unterstützung der Karriereentwicklung und technische Fachkompetenz. Mitarbeitende bewerten ihre Vorgesetzten auf einer Skala und geben offen Rückmeldung, heben Stärken hervor und schlagen Verbesserungsmöglichkeiten vor.
Zur Wahrung der Vertraulichkeit erhalten Führungskräfte nur dann zusammengefasste Rückmeldungen, wenn mindestens drei Antworten eingegangen sind.
Im Fokus der Umfrage steht die Weiterentwicklung und nicht die Bewertung; sie hilft Führungskräften, Stärken zu erkennen und an Entwicklungsfeldern zu arbeiten.
Führungskräfte werden ermutigt, Ergebnisse mit ihren Teams zu teilen und umsetzbare Pläne zu entwickeln, was Transparenz und kontinuierliche Verbesserung der Führungskultur fördert.
Googlegeist Engagement Umfrage
Die Googlegeist Engagement Umfrage ist eine jährliche, anonyme Befragung, die allen Google-Mitarbeitenden zur Bewertung ihrer Zufriedenheit und zur Sammlung von Feedback zu verschiedenen Aspekten ihres Arbeitserlebnisses zugesandt wird.
Die Umfrage behandelt Themen wie Führungskräftekompetenz, Vergütung, Work-Life-Balance, Entwicklungsmöglichkeiten und allgemeine Arbeitszufriedenheit.
Mit einer hohen Teilnahmequote – angeblich rund 88 % oder mehr – liefert sie den Führungskräften wertvolle Einblicke in die Stimmung der Mitarbeitenden, erkennt Trends, Best Practices und Bereiche, die Aufmerksamkeit erfordern.
Googles Wechsel zu GRAD
Im Mai 2022 führte Google das System "Googler Reviews and Development (GRAD)" ein, um den Prozess der Leistungsbewertung effizienter zu gestalten und die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden zu fördern.
Dieser Wechsel wurde durch internes Feedback angestoßen, wonach 47% der Mitarbeitenden das vorherige halbjährliche Bewertungssystem als ineffizient und zeitaufwendig empfanden.
Das GRAD-System setzt den Schwerpunkt auf jährliche Leistungsbewertungen, reduziert also die Häufigkeit von Zweimal- auf Einmal pro Jahr und führt eine neue Fünf-Punkte-Bewertungsskala ein:
- Transformative Impact (TI)
- Outstanding Impact (OI)
- Significant Impact (SI)
- Moderate Impact (MI)
- Not Enough Impact (NE)
Doch laut Google zielt das System darauf ab, „den Fokus auf kontinuierliche Entwicklung und regelmäßige Feedbackzyklen im Jahresverlauf“ zu legen, statt nur auf klassische halbjährliche Bewertungen.
Beförderungen finden weiterhin halbjährlich statt, wobei die interne Mobilität und Entwicklungschancen stärker betont werden.
Die Einführung von GRAD hat zu einer Verschiebung in der Leistungsbewertung der Mitarbeitenden geführt.
Berichten zufolge wurden im Rahmen von GRAD 6% der Beschäftigten in niedrigere Leistungsstufen eingestuft, verglichen mit 2% im vorherigen System.
Diese Änderung wirkt sich auf die Mitarbeitermotivation und die Wahrnehmung des Bewertungsprozesses aus.
Insgesamt repräsentiert GRAD Googles Bemühung, ein effizienteres und entwicklungsorientiertes Leistungsmanagementsystem zu schaffen – der langfristige Einfluss auf Mitarbeiterzufriedenheit und Leistung wird jedoch weiterhin beobachtet.
Zentrale Erkenntnisse
- Google integriert 360-Grad-Feedback in das Verfassen von Leistungsbeurteilungen, um einen ganzheitlicheren Überblick über die Mitarbeiterleistung zu erhalten, der anschließend in Leistungskalibrierungssitzungen überprüft wird.
- Google bevorzugt kontinuierliches Leistungsmanagement, das durch regelmäßige Feedbackgespräche und Check-ins mit einer jährlichen Leistungsbeurteilung gekennzeichnet ist.
- Zur Führungskräfteentwicklung verschickt Google jährlich eine Umfrage an Mitarbeitende, um Feedback über ihre Führungskraft zu erhalten. Die Führungskräfte werden anschließend ermutigt, die Ergebnisse mit ihren Teams zu teilen und umsetzbare Entwicklungspläne zu erstellen.
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