Was ist eine verhaltensbasierte Bewertungs-Skala?
Eine verhaltensbasierte Bewertungs-Skala ist eine strukturierte Methode zur Leistungsbeurteilung, bei der Mitarbeitende anhand konkreter Verhaltensweisen bewertet werden, die mit unterschiedlichen Leistungsniveaus im Job verknüpft sind.
Sie wird häufig bei der Durchführung von Leistungsbeurteilungen eingesetzt (aber eine gute Umsetzung wirkt sich auch auf das tägliche Coaching und die Entscheidungsfindung aus). Die Skala kombiniert die quantitative Klarheit traditioneller numerischer Bewertungssysteme mit der qualitativen Tiefe von Verhaltensbeispielen. So entsteht ein Hybridsystem, das Unklarheiten und Subjektivität reduziert.
Im Kern basiert BARS auf der Idee, dass die Bewertung der Mitarbeitendenleistung nicht nur anhand allgemeiner Eigenschaften (z. B. „Zuverlässigkeit" oder „Eigeninitiative") erfolgen sollte, sondern durch beobachtbare und überprüfbare Handlungen, die verschiedene Effektivitätsstufen in einer bestimmten Rolle unterscheiden.
Für jede Leistungsdimension—wie Kommunikation, Teamarbeit oder Problemlösung—definiert die Skala mehrere Stufen (meist 1 bis 5 oder 1 bis 7), wobei jede Stufe mit einer Verhaltensaussage verankert ist, die beschreibt, wie Leistung auf dieser Stufe konkret aussieht.
Beispielsweise würde BARS statt einer unspezifischen Bewertung von „Problemlösungsfähigkeit“ auf einer Skala von 1 bis 5 folgende Definitionen liefern:
- 5: „Analysiert eigenständig komplexe Probleme und setzt Lösungen um, die die Effizienz des Teams verbessern.“
- 3: „Löst gängige Probleme mit gelegentlicher Unterstützung durch andere.“
- 1: „Hat Schwierigkeiten, Probleme zu erkennen oder benötigt häufig Unterstützung bei Routinetätigkeiten.“
Dieser zusätzliche Detaillierungsgrad macht BARS besonders wertvoll für Tätigkeiten, bei denen Leistung nuanciert ist oder bei denen Fairness und Transparenz entscheidend sind. Es hilft:
- Mitarbeitenden, Erwartungen zu verstehen.
- Führungskräften, Bewertungen mit Belegen zu begründen und zu erklären.
- HR-Teams, Konsistenz über Abteilungen hinweg sicherzustellen.
Im Wesentlichen erhöht BARS die Genauigkeit und Glaubwürdigkeit von Leistungsbeurteilungen, indem sie an konkretes Arbeitsverhalten im Alltag anknüpft.
Vorteile und Nachteile von BARS
Eine gute BARS misst nicht nur Verhalten – sie schafft ein gemeinsames Verständnis von Exzellenz im Team.
Ein Großteil von Leistungsproblemen resultiert aus fehlender Abstimmung, z. B. unterschiedlichen Vorstellungen davon, was Begriffe wie Zusammenarbeit, Eigenverantwortung oder strategisches Denken tatsächlich bedeuten. BARS sorgt—wenn richtig umgesetzt—für Klarheit.
Wie jedes Tool zur Leistungsbewertung bringt BARS jedoch eigene Vor- und Nachteile mit, die Organisationen vor der Einführung abwägen sollten.
Das Verständnis der Stärken und Schwächen von BARS hilft HR-Profis und Führungskräften zu entscheiden, ob es zur eigenen Belegschaft passt und wie es für nachhaltige Wirkung gestaltet oder verbessert werden kann.
Vorteile
1. Erhöhte Objektivität
Indem jede Bewertung mit klar definierten, beobachtbaren Verhaltensweisen untermauert wird, reduziert BARS die oft mit Leistungsbeurteilungen verbundene Subjektivität.
So werden vage Einschätzungen, die auf Persönlichkeit oder Wahrnehmung basieren, vermieden und der Fokus auf die tatsächliche Arbeitsleistung gerichtet.
2. Klare Leistungserwartungen
Mitarbeitende können genau erkennen, welche Verhaltensweisen für exzellente, durchschnittliche oder schwache Leistung bei jeder Kompetenz erwartet werden.
Diese Transparenz steigert nicht nur die Verantwortlichkeit, sondern befähigt auch leistungsstarke Mitarbeitende, sich selbst zu überprüfen und gezielt zu verbessern.
3. Verbesserte Beurteiler-Zuverlässigkeit
Wenn Beurteilungen auf konkreten Verhaltensbeispielen basieren, sind sie über Teams oder Abteilungen hinweg deutlich konsistenter.
Das ist besonders in großen Unternehmen nützlich, in denen mehrere Führungskräfte vergleichbare Rollen bewerten und die Leistungskalibrierung über die Organisation hinweg unterstützt werden muss.
4. Nützlich für Feedback und Entwicklung
Da die Verhaltensanker beschreibend sind, ist Feedback deutlich umsetzbarer. Statt zu sagen: „Sie müssen ihre Kommunikation verbessern“, kann eine Führungskraft erläutern: „Lassen Sie uns darauf hinarbeiten, das Verhalten auf Stufe 4 zu erreichen, das bedeutet, Aufgaben aktiv mit den Stakeholdern abzuklären.“
5. Rechtlich belastbar
Im Falle von Streitigkeiten oder rechtlichen Auseinandersetzungen bietet BARS eine klare, arbeitsbezogene Dokumentation der Leistung. Diese Objektivität und die Ausrichtung auf die tatsächlichen Aufgaben machen es aus rechtlicher Sicht zu einer sichereren und konformeren Methode.
Nachteile
1. Zeitaufwendige Entwicklung
Die Entwicklung eines BARS-Instruments erfordert erheblichen Zeit- und Ressourcenaufwand. Es beinhaltet die Durchführung von Arbeitsplatzanalysen, das Sammeln kritischer Vorfälle, das Verfassen präziser Verhaltensanker und die Validierung des Instruments – häufig unter Einbeziehung mehrerer Interessensgruppen.
2. Schwierige Wartung
Da sich Arbeitsrollen weiterentwickeln, muss BARS regelmäßig aktualisiert werden, um relevant zu bleiben. Diese Wartung kann insbesondere in schnelllebigen Branchen oder Unternehmen mit häufigen Umstrukturierungen sehr aufwendig sein.
4. Bewertende benötigen Schulung
Trotz der Klarheit der Verhaltensanker benötigen Führungskräfte eine strukturierte Schulung, um eine konsistente und faire Anwendung der Skala zu gewährleisten. Ohne eine angemessene Kalibrierung kann selbst ein gut entwickeltes BARS zu uneinheitlichen Ergebnissen zwischen den Bewertenden führen.
5. Ressourcenintensiv
Die Entwicklung von BARS in großem Maßstab – für mehrere Rollen in verschiedenen Abteilungen – kann für kleinere Unternehmen oder für solche ohne eigene HR-Expertise zu ressourcenaufwendig sein.
Es ist ein System, das sich vorrangig für Organisationen eignet, die bereit sind, in ein durchdachtes Leistungsmanagement zu investieren.
Beispiele für verhaltensbasierte Beurteilungsskalen
1. Kundenservicemitarbeiter
Kompetenz: Kundenservice
- 5 (Ausgezeichnet): Begrüßt jeden Kunden mit Namen, verwendet positive Sprache und erkundigt sich nach der Zufriedenheit.
- 3 (Kompetent): Begrüßt Kunden höflich, beantwortet Fragen korrekt und beendet die Interaktion zuvorkommend.
- 1 (Verbesserungsbedürftig): Begrüßt Kunden selten, gibt nur minimale Informationen und beendet Gespräche abrupt.
Kompetenz: Problemlösung
- 5: Löst eigenständig komplexe Kundenprobleme und identifiziert proaktiv die Ursachen.
- 3: Löst häufige Probleme mit Standardverfahren; gibt unbekannte Probleme angemessen weiter.
- 1: Hat Schwierigkeiten mit gängigen Problemen und leitet häufig auch kleinere Anliegen weiter, ohne eine Lösung zu versuchen.
Kompetenz: Eigeninitiative
- 5: Erkennt die Bedürfnisse der Kunden frühzeitig und bietet Lösungen an, bevor Probleme entstehen.
- 3: Reagiert auf Anfragen, sobald sie auftreten, ergreift jedoch selten eigenständig Maßnahmen.
- 1: Wartet auf Anweisungen und handelt nicht von sich aus.
2. Teamleiter
Kompetenz: Kommunikation
- 5: Kommuniziert regelmäßig Ziele und Feedback klar; passt die Botschaft an unterschiedliche Zielgruppen an.
- 3: Gibt bei Bedarf Updates weiter; gibt gelegentlich Feedback an Teammitglieder.
- 1: Kommuniziert wenig oder unklar, was zu Verwirrung im Team führt.
Kompetenz: Team-Motivation
- 5: Fördert konsequent ein positives Teamklima und unterstützt die Zusammenarbeit.
- 3: Hält die Teamstimmung aufrecht und spricht Konflikte an, wenn sie auftreten.
- 1: Ignoriert Teamdynamik und geht auf mangelndes Engagement nicht ein.
Kompetenz: Verantwortungsbewusstsein
- 5: Übernimmt Verantwortung für die Teamergebnisse und hält andere durch regelmäßige Überprüfungen zu hohen Standards an.
- 3: Erledigt Aufgaben und spricht Teamprobleme an, wenn er dazu aufgefordert wird.
- 1: Vermeidet Verantwortung und schiebt die Schuld für schlechte Leistungen auf andere.
3. Softwareentwickler
Kompetenz: Technische Qualität
- 5: Schreibt sauberen, effizienten Code mit minimalen Fehlern und hält sich vollständig an Dokumentationsstandards.
- 3: Erstellt funktionierenden Code mit einigen Problemen; die Dokumentation ist ausreichend.
- 1: Schreibt häufig fehlerhaften Code und liefert wenig bis keine Dokumentation.
Kompetenz: Zusammenarbeit
- 5: Nimmt aktiv an Code-Reviews teil, unterstützt Teammitglieder und kommuniziert klar während Sprints.
- 3: Nimmt an Meetings teil und beteiligt sich, wenn er dazu aufgefordert wird; überprüft gelegentlich Code von Kollegen.
- 1: Bringt sich selten in Teamdiskussionen oder Peer-Reviews ein.
Kompetenz: Innovation und Eigeninitiative
- 5: Schlägt neue technische Lösungen vor, refaktoriert Altsysteme und trägt zu langfristigen Architekturverbesserungen bei.
- 3: Schlägt auf Aufforderung hin schrittweise Verbesserungen vor; konzentriert sich auf den aktuellen Projektumfang.
- 1: Übernimmt keine Eigeninitiative und hält sich streng an zugewiesene Aufgaben, ohne Verbesserungsvorschläge zu machen.
So entwickeln Sie eine verhaltensbasierte Bewertungs-Skala
Ein effektives BARS-System aufzubauen, erfordert mehr als nur das Auflisten von Arbeitsaufgaben – es verlangt ein tiefes Verständnis dafür, wie hohe und niedrige Leistung tatsächlich in der Praxis aussieht.
Durch die Kombination von Arbeitsplatzanalyse, praxisnahen Verhaltensbeispielen und strukturierten Bewertungsebenen sorgt die Entwicklung von BARS für faire, relevante und umsetzbare Leistungsbewertungen.
Hier finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Sie eine BARS entwerfen und implementieren, die mit den Rollen, Werten und Leistungserwartungen Ihrer Organisation übereinstimmt.
1. Führen Sie eine umfassende Arbeitsplatzanalyse durch
Die Grundlage jedes BARS-Systems ist ein klares Verständnis der Rolle.
- Ziel: Die wichtigsten Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten der Stelle identifizieren.
- Wie:
- Beobachten Sie Mitarbeitende in der Rolle.
- Überprüfen Sie Stellenbeschreibungen und Leistungsdaten.
- Führen Sie Interviews oder Umfragen mit Fachexperten (SMEs), Vorgesetzten und Leistungsträgern durch.
- Ergebnis: Eine Liste der Schlüsselkompetenzen, die für eine erfolgreiche Leistung erforderlich sind (z. B. Problemlösung, Teamarbeit, Kommunikation).
2. Kritische Vorfälle identifizieren
In diesem Schritt geht es darum, konkrete Beispiele für effektives und ineffektives Verhalten zu sammeln.
- Ziel: Reale Situationen definieren, die verschiedene Leistungsniveaus der Stelle verdeutlichen.
- Wie:
- Bitten Sie Fachexperten, Vorfälle zu beschreiben, bei denen jemand außergewöhnlich gut oder schlecht abgeschnitten hat.
- Nutzen Sie die Critical Incident Technique (CIT), um ein breites Spektrum an Verhaltensweisen über jede Kompetenz hinweg zu sammeln.
- Ergebnis: Eine Sammlung realistischer Verhaltensweisen, sortiert nach Erfolg oder Misserfolg.
3. Gruppieren Sie Vorfälle in Leistungsdimensionen
Ordnen Sie die kritischen Vorfälle nun Leistungsdimensionen oder -kategorien zu.
- Ziel: Verhaltensweisen an zentrale Stellenanforderungen anpassen.
- Vorgehen:
- Sortieren Sie ähnliche Vorfälle unter übergeordnete Kategorien wie "Kundenorientierung", "Technische Genauigkeit" oder "Führung".
- Jede Kategorie sollte einen einzigartigen Aspekt der Rolle widerspiegeln.
- Ergebnis: Eine strukturierte Liste arbeitsrelevanter Kompetenzen, die mit kritischen Verhaltensweisen verknüpft sind.
4. Entwicklung von Verhaltensankern
Formulieren Sie aus den gruppierten Vorfällen Verhaltensaussagen, die Leistungsniveaus zugeordnet werden.
- Ziel: Erstellen Sie Skalenpunkte (z. B. 1–5 oder 1–7) mit Verhaltensweisen, die jede Bewertung "verankern".
- Vorgehen:
- Formulieren Sie klare, spezifische und beobachtbare Aussagen für jedes Leistungsniveau.
- Verwenden Sie konsistente Begriffe über alle Kompetenzen hinweg (z. B. "selten", "gelegentlich", "konsequent").
- Beispiel (Teamarbeit):
- 5: "Ermöglicht durchgängig Zusammenarbeit und löst Konflikte konstruktiv."
- 3: "Beteiligt sich an Teamaktivitäten, meidet jedoch gelegentlich schwierige Gespräche."
- 1: "Trägt selten zu Teamzielen bei und sorgt häufig für Spannungen mit anderen."
5. Validierung der Skala
Stellen Sie vor der Implementierung sicher, dass Ihre Skala präzise und fair ist.
- Ziel: Testen Sie die Zuverlässigkeit und Relevanz Ihres BARS.
- Vorgehen:
Pilotieren Sie BARS mit einer kleinen Gruppe von Bewertern.- Holen Sie Feedback zu Klarheit, Anwendbarkeit und Konsistenz ein.
- Passen Sie unklare oder redundante Anker an.
- Ergebnis: Ein validiertes BARS-Instrument, das für den breiteren Einsatz bereit ist.
6. Bewerter schulen
Auch das beste Tool scheitert ohne geschulte Anwender.
- Ziel: Sicherstellen, dass Bewerter die Skala durchgehend und ohne Verzerrungen anwenden.
- Vorgehen:
- Führen Sie Trainingssessions mit echten Beispielen durch.
- Betonen Sie die Bedeutung der Bewertung auf Basis von Verhalten – nicht von Eigenschaften oder persönlichen Eindrücken.
- Üben Sie die Kalibrierung, indem mehrere Bewerter dieselben Beispiele bewerten und die Ergebnisse vergleichen.
- Ergebnis: Eine selbstbewusste und konsistent bewertende Gruppe von Beurteilern.
7. Einführung und Überwachung
Setzen Sie die Skala in echten Leistungsbeurteilungen ein und beobachten Sie deren Wirkung.
- Ziel: Sicherstellen, dass es auch im großen Maßstab effektiv funktioniert.
- Wie:
- Führen Sie BARS zusammen mit Coaching- oder Feedback-Tools ein.
- Sammeln Sie nach Bewertungen Rückmeldungen von Nutzern und Bewerteten.
- Aktualisieren Sie die Skala jährlich oder wenn sich die Aufgabenprofile verändern.
- Ergebnis: Ein dynamisches, verhaltensorientiertes Bewertungssystem, das mit Ihrer Organisation wächst.
Alternativen zu BARS
Auch wenn BARS ein wirkungsvolles Werkzeug für strukturierte und verhaltensbasierte Bewertungen sein kann, ist es nicht die einzige Option – es gibt zahlreiche weitere Leistungsbewertungsskalen und Beurteilungsmethoden, die je nach Zielsetzung, Größe und Unternehmenskultur geeigneter sein können.
1. Grafische Bewertungsskala (GRS)
Eine GRS ist eine einfache numerische Skala zur Bewertung von Mitarbeiter-Eigenschaften oder Kompetenzen (z.B. 1 bis 5 für „Kommunikation“).
Vorteile gegenüber BARS:
- Schnell und einfach umzusetzen.
- Minimale Schulung für Bewertende erforderlich.
Nachteile im Vergleich zu BARS:
- Fehlende Verhaltensspezifik – dies kann zu Bewertungsfehlern führen.
- Mitarbeiter empfinden Bewertungen oft als vage oder wenig hilfreich für ihre Entwicklung.
2. 360-Grad-Feedback
Erfasst Leistungsrückmeldungen aus mehreren Quellen – Kolleg:innen, Untergebenen, Vorgesetzten und manchmal auch Kund:innen.
Vorteile gegenüber BARS:
- Bietet einen umfassenden Blick auf die Leistung aus unterschiedlichen Perspektiven.
- Fördert Selbstreflexion und kontinuierliches Feedback.
Nachteile im Vergleich zu BARS:
- Kann subjektiv oder politisch werden, wenn klare verhaltensbezogene Anker fehlen.
- Für Bewertende und Bewertete aufwändiger und potenziell überfordernd.
Mehr zum Thema 360-Grad-Feedback finden Sie in unserem Leitfaden zu 360-Grad-Feedback.
3. Management by Objectives (MBO)
Bewertet Mitarbeiter:innen danach, wie gut sie vordefinierte, messbare Ziele erreichen.
Vorteile gegenüber BARS:
- Stark ergebnis- und zielorientiert.
- Fördert die Ausrichtung auf übergeordnete Unternehmensziele.
Nachteile im Vergleich zu BARS:
- Bewertet nicht wie die Arbeit erledigt wurde – nur ob das Ziel erreicht wurde.
- Weniger geeignet für Tätigkeiten, deren Ergebnisse schwer zu quantifizieren sind (z.B. Support- oder Kreativtätigkeiten).
4. Rangfolgeverfahren
Ein vergleichendes Verfahren, bei dem Mitarbeitende bezüglich ihrer gesamten Leistung oder spezieller Kompetenzen im Verhältnis zueinander eingeordnet werden (z.B. vom besten bis zum schwächsten Teammitglied).
Vorteile gegenüber BARS:
- Einfach anzuwenden in kleinen Teams oder bei Talentkalibrierungs-Meetings.
- Hilft, Top-Performer und Leistungslücken zu identifizieren, wenn subjektive Bewertungen systematisch zu hoch oder zu niedrig ausfallen.
Nachteile im Vergleich zu BARS:
- Zeigt nicht auf, warum jemand niedriger eingestuft wurde; es werden keine Verhaltensdaten erfasst
- Fördert Wettbewerb statt Zusammenarbeit, insbesondere im Team.
5. Likert-Skala
Eine Skala (meist von 1 bis 5 oder 1 bis 7), um Einstellungen oder Wahrnehmungen zu messen, wobei die Befragten angeben, inwieweit sie Aussagen wie „Diese Person zeigt Eigeninitiative.“ zustimmen.
Vorteile gegenüber BARS:
- Likert-Skalen sind weit verbreitet, leicht verständlich und schnell auszufüllen.
- Nützlich zur Messung von Wahrnehmungen in 360-Grad-Feedback-Prozessen, Engagement-Umfragen oder Selbstbeurteilungen.
Nachteile im Vergleich zu BARS:
- Ohne verhaltensbasierte Anker kann die Bedeutung einer „4“ oder „stimme zu“ je nach Bewerter stark variieren.
- Es wird nicht klar beschrieben, wie Leistung aussieht, was die Umsetzbarkeit der Ergebnisse einschränkt.
- Führt häufig zu übermäßig positiven Bewertungen, sofern nicht sorgfältig kalibriert.
7 BARS Best Practices
Ich habe mit zahlreichen Organisationen zusammengearbeitet, die verhaltensbasierte Bewertungsmaßstäbe (BARS) einführen möchten und sich davon irgendwie eine magische Lösung für ihr Performance Management erhoffen. Doch es kommt nicht auf die Skala allein an, sondern darauf, wie man sie einsetzt.
Um das Beste aus BARS herauszuholen, sollte man über das Bewertungssystem hinausgehen und strategisch darüber nachdenken, wie es entwickelt, implementiert und gepflegt wird.
Die folgenden Best Practices helfen dabei, dass Ihr BARS-System für Führungskräfte und Mitarbeitende fair, konsistent und sinnvoll ist.
1. Beziehen Sie Fachexperten (SMEs) frühzeitig ein
Die Beteiligung von Fachexperten im Entwicklungsprozess sorgt dafür, dass die beobachteten Verhaltensweisen realistisch und relevant sind.
Ihre Praxiserfahrung verankert die Bewertungen an der tatsächlichen Arbeitsleistung, statt auf Annahmen zu beruhen. So entsteht ein genaueres, anerkanntes und glaubwürdiges BARS-System.
2. Verwenden Sie klare und beobachtbare Verhaltensbeschreibungen
Jede Bewertungsstufe sollte eine konkrete, sichtbare Handlung beschreiben – keine vagen Attribute oder Persönlichkeitsmerkmale.
Dadurch wird die Subjektivität reduziert und sichergestellt, dass verschiedene Bewerter die Skala ähnlich interpretieren. Mitarbeitende erhalten so zudem klareres, umsetzbares Feedback.
3. Begrenzen Sie die Anzahl der Kompetenzen
Konzentrieren Sie sich auf 5–7 Kernkompetenzen, damit die Bewertung überschaubar und zielgerichtet bleibt. Zu viele Kategorien verwässern die Qualität der Bewertungen und überfordern Bewerter wie Mitarbeitende. Eine schlanke, gezielte Skala unterstützt qualitativ hochwertigere Gespräche und eine leichtere Kalibrierung.
4. Schulen Sie Führungskräfte für eine einheitliche Anwendung
Selbst das bestentwickelte BARS-System scheitert, wenn es von Führungskräften unterschiedlich interpretiert wird. Schulungen sollten Kalibrierungsübungen, Beispiele und Hinweise zu Bewertungsfehlern beinhalten. Einheitliche Anwendung über alle Abteilungen hinweg schafft Vertrauen in die Fairness der Bewertungen.
5. Führen Sie einen Piloten durch
Starten Sie die Einführung mit einer Abteilung, bevor Sie das System für das gesamte Unternehmen ausrollen. So kann die Personalabteilung Feedback zum Prozess einholen, Unklarheiten erkennen und etwaige Verhaltensanker anpassen.
6. Fördern Sie die Selbsteinschätzung der Mitarbeitenden
Wie Marlo Ramirez, Karrierecoach bei Jobtest, hervorhebt: „Leistungsbeurteilungen sind keine Einbahnstraße. Gibt man den Beschäftigten die Möglichkeit, sich mit der BARS-Skala selbst einzuschätzen, fühlt sich der Prozess ausgewogener an und regt zugleich zur Reflexion über die eigene Entwicklung an.“
Lassen Sie Mitarbeitende ihre Verhaltensweisen vor dem Beurteilungsgespräch selbst bewerten, um anschließend Unterschiede mit der Führungskraft zu besprechen. Dieser Dialog schafft eine offenere, konstruktivere Gesprächsbasis und kann Erkenntnisse zutage fördern, die sonst unentdeckt geblieben wären.“
7. Überprüfen und aktualisieren Sie die Skala regelmäßig
Aufgaben verändern sich – und Ihre BARS sollte es auch. Prüfen Sie die Relevanz jeder Verhaltensanweisung mindestens jährlich oder wenn sich der Aufgabenbereich ändert. Aktualisierungen stellen sicher, dass die Skala weiterhin zu den Unternehmenszielen und Verantwortlichkeiten der Mitarbeitenden passt.
Nützliche Werkzeuge
Tools wie Software für Performance Management können sehr hilfreich sein, wenn Sie BARS in Ihre Leistungsbeurteilungsprozesse integrieren.
Ein Beispiel: Einer der wichtigsten Vorteile von Performance-Management-Software-Tools besteht darin, dass sie das Sammeln und Organisieren von Verhaltensbeispielen – sowohl positiven als auch negativen – erleichtern können, die für bestimmte Jobrollen oder Leistungsdimensionen relevant sind.
Die Software kann zudem dabei helfen, die gesammelten Verhaltensbeispiele in klare und messbare Leistungsdimensionen zu übersetzen und die Erstellung sowie Verwaltung der BARS selbst zu unterstützen.
Sobald BARS entwickelt wurde, kann die Software den Leistungsbeurteilungsprozess erleichtern, sodass es für Führungskräfte und HR-Fachleute einfacher wird, die Mitarbeiterleistung auf Basis der definierten Verhaltensanker zu bewerten und zu verwalten. Wenn Sie die richtige Software auswählen, achten Sie auf Funktionen, die das Erstellen und Verwalten von Verhaltensankern unterstützen.
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