Skip-Level-Meetings sind Gespräche, in denen eine Führungskraft mit einem Mitarbeitenden in Kontakt tritt, der zwei oder mehr Ebenen unter ihr angesiedelt ist. Ziel ist es, einen klareren Einblick in das Geschehen an der Basis des Unternehmens zu erhalten.
Als HR-Führungskraft seit fast zwanzig Jahren habe ich unzählige Manager und Führungskräfte darin gecoacht, Skip-Level-Meetings mit Software zur Mitarbeiterbindung zu kombinieren, um die Mitarbeiterbindung zu stärken und positive Veränderungen im Unternehmen voranzutreiben.
In diesem Artikel zeige ich Ihnen, welchen Mehrwert Skip-Level-Meetings für Ihr Unternehmen haben und wie Sie wirkungsvolle Gespräche auf dieser Ebene führen können.
Was ist ein Skip-Level-Meeting?
Ein Skip-Level-Meeting ist ein Gespräch zwischen einer Führungskraft und einer Person, die einer deren direkten Mitarbeitenden unterstellt ist (also eine Fachkraft). Der mittlere Manager nimmt nicht an dem Gespräch teil, sondern wird "übersprungen", um mit den Mitarbeitenden auf der nächstniedrigeren Ebene direkt zu sprechen.
Ziel der Skip-Level-Meetings ist es, Rückmeldungen zu sammeln, die letztlich die Entscheidungsfindung unterstützen.
Sie helfen Führungskräften zu verstehen, was den Mitarbeitenden wichtig ist, wo ihre Schmerzpunkte liegen, was sie begeistert und motiviert und wie sie ihre Vorgesetzten beurteilen.
Außerdem sorgen sie für mehr Sichtbarkeit, fördern Vertrauen sowie Zusammenhalt und verbessern die Beziehungen zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden an der Front.
Skip-Level-Meetings durchführen
Skip-Level-Meetings sind kein Hexenwerk, sollten aber systematisch angegangen werden, um wirklich aussagekräftige Rückmeldungen zu erhalten.
Hier ist der Ablauf, den ich Führungskräften und Unternehmen empfehle, die Skip-Level-Meetings durchführen möchten.

1. Vorbereitung: Die richtige Atmosphäre schaffen
Wenn Sie zum ersten Mal über Skip-Level-Meetings nachdenken, gibt es einige Möglichkeiten, Mitarbeitenden das Gespräch mit dem Chef ihres Chefs zu erleichtern.
Kommunikation im Team-Meeting
Manager sollten das Team in einem Meeting über geplante Skip-Level-Meetings und die Hintergründe informieren. So wird deutlich, dass sie das Vorhaben unterstützen und sich darauf freuen – und es hat nicht den Anschein, jemand wolle sie ausgrenzen oder hinter ihrem Rücken etwas unternehmen (keine „Überraschungs“-Momente).
Kommunikation via Slack oder E-Mail
Schicken Sie dem Team eine E-Mail oder Slack-Nachricht, um das Ziel der Meetings zu verdeutlichen und wie diese in die Werte oder Kultur des Unternehmens passen („Wie ihr wisst, ist einer unserer Werte das Lernen, deshalb möchte ich von euch lernen und erfahren, was wir im Team anders machen oder verbessern könnten“) und was die nächsten Schritte sind (Beispiel: „Ich werde mich mit jedem von euch einzeln in Verbindung setzen, um einen Termin zu vereinbaren“).
Vorab eine Gruppenübung abhalten
Je nach Unternehmenskultur und je nachdem, wie ungewohnt oder unangenehm sich diese Situation für die Mitarbeitenden anfühlen könnte, empfiehlt sich vielleicht zunächst eine Gruppenübung.
Laden Sie das Team beispielsweise (auch virtuell möglich) zu einem gemeinsamen Mittagessen ein, um in entspannter Atmosphäre einen offenen Austausch zu starten – bevor Sie in der nächsten Runde Einzelgespräche führen.
Fragen im Vorfeld vorbereiten
Vielleicht liefern Ihnen die vorhandenen Daten bereits Anhaltspunkte, die Sie bestätigen möchten, gibt es ein Projekt, über das Sie mehr erfahren wollen, oder Sie vernehmen Gerüchte über eine bestimmte Führungskraft oder ein Team.
Egal welcher Fall zutrifft, nehmen Sie sich auf jeden Fall Zeit, vorab einige Fragen zu formulieren, um gezielt die für Sie interessantesten Themen zu vertiefen (einige Beispiele folgen im Anschluss).
Sie können die Fragen dem Interviewpartner bereits im Termineintrag zukommen lassen.
2. Durchführung des Gesprächs: Einen sicheren Raum schaffen
Trotz aller Vorbereitung ist es verständlich, dass Mitarbeitende eventuell immer noch zögern, offen ihre Meinung und Gefühle zu äußern.
Hier ein paar Tipps, wie Sie das Beste aus dem Meeting herausholen.
- Zweck nochmals betonen. Erläutern Sie zu Beginn nochmals das Ziel des Treffens und stellen Sie sicher, dass die Antworten vertraulich behandelt werden. Dies ist auch ein guter Moment, spezielles Lob auszusprechen.
- Einfach zuhören. Es handelt sich nicht um eine Problemlösungs-Runde – widerstehen Sie also dem Impuls, Lösungsvorschläge zu machen. Hören Sie stattdessen aktiv zu und nutzen Sie bei interessanten Themen z. B. die 5-Why-Methode, um tiefer nachzufragen.
- Raus aus dem Büro. Es kann hilfreich sein, das Gespräch in lockerem Rahmen zu führen, z. B. bei einem Kaffee oder gemeinsamen Mittagessen. Der CEO von JP Morgan und Chase, Jamie Dimon, reist angeblich in einem Bus durch verschiedene Filialen, um Skip-Level-Meetings durchzuführen (siehe Bericht).
3. Nachfassen: Den Kreis schließen
Nachdem Sie Ihre Gespräche geführt haben, ist es ebenso wichtig, dass Sie entsprechende Nacharbeit leisten!
Sie möchten sicherstellen, dass das Team sich gehört fühlt und dass Sie deren Rückmeldungen aufgenommen haben, um einige Änderungen umzusetzen (oder erklären, warum Sie nichts Neues eingeführt haben, falls es keinen Sinn machte).
Das schlechteste Ergebnis wäre, wenn Sie diese Gespräche führen und die Leute das Gefühl haben, sie wären nur zur Schau gewesen – also schließen Sie den Kreis!
- Danksagungen. Senden Sie nach den Meetings Dankesnotizen mit ein paar wichtigen Erkenntnissen und Maßnahmen, die Sie aus dem Gespräch mitgenommen haben.
- Verknüpfen Sie jede Maßnahme mit diesen Gesprächen. Beziehen Sie sich darauf in Teammeetings oder wenn Sie Änderungen oder neue Initiativen ankündigen, „Aufgrund des Feedbacks, das ich während meiner Skip-Level-Meetings erhalten habe...“ oder „Dank der Erkenntnisse aus dem Team...“
- Sprechen Sie zentrale Themen erneut an, wenn Sie mit ihnen erneut sprechen, um das Gespräch fortzusetzen: „Letztes Mal haben Sie X erwähnt, hat sich das verbessert oder wie läuft es damit?“
Rhythmus
Abhängig von der Größe Ihres Unternehmens und wie schnell es sich verändert oder entwickelt, empfehle ich einen vierteljährlichen oder halbjährlichen Rhythmus für Skip-Level-Meetings.
So haben Sie die Möglichkeit, auf unterbreitete Vorschläge zu reagieren, Verbesserungen schnell umzusetzen und ein Folge-Feedback zu erhalten, ob die Änderungen die gewünschte Wirkung hatten.
Fragen für Skip-Level-Meetings
Es ist wichtig, einige Leitfragen zu haben, aber auch Raum für offenen Dialog zu schaffen und dem Gespräch die Richtung zu überlassen, die der Mitarbeitende vorgibt!
Hier sind einige konkrete Fragen, um das Gespräch zu lenken.
Engagement-Niveau ermitteln
- Auf einer Skala von 1-10: Wie war der Monat für Sie? Was hätte ihn zu einer 10 gemacht?
- Worauf freuen Sie sich aktuell am meisten in Ihrer Rolle oder für dieses Team (bzw. Unternehmen)?
- Was bereitet Ihnen Sorgen oder worüber machen Sie sich am meisten Gedanken?
- Was war ein kürzlicher Erfolg für Sie?
Team- oder Organisationsprobleme erkennen
- Welches Hindernis haben Sie aktuell zu bewältigen?
- Was passiert im Team, von dem Sie glauben, dass ich es nicht weiß (oder nicht ausreichend darüber informiert bin)?
- Gibt es einen Prozess, den Sie für verbesserungswürdig halten?
- Kennen Sie die Ziele des Unternehmens?
Feedback zum Vorgesetzten
- Was schätzen Sie an Ihrer Führungskraft am meisten?
- Was wünschen Sie sich, dass Ihr direkter Vorgesetzter anders macht?
- Ist für Sie klar, was von Ihnen erwartet wird und welche Ziele Sie haben?
- Was kann ich als Leiter dieser Abteilung anders machen?
Entwicklung
- Wie kann ich Sie bei Ihren Karrierezielen unterstützen?
- Wie können wir Sie als Organisation besser unterstützen?
- Was sehen Sie als den nächsten Karriereschritt?
- Welches weitere Feedback möchten Sie geben, das wir noch nicht besprochen haben / oder / Welche Frage hätte ich stellen sollen, die Sie vermisst haben?
Chat GPT-Aufforderungen zur Entwicklung von Skip-Level-Fragen
Chat GPT, davon haben Sie vielleicht schon gehört! Das Tool ist für viele Aufgaben nützlich, unter anderem, um Interviewfragen zu entwickeln.
Hier sind einige Aufforderungen, um Fragen für Skip-Level-Meetings zu generieren.
- Prompt #1: „Erstellen Sie Fragen für Skip-Level-Meetings, die sich auf das Verständnis der Teamdynamik und der Stimmung konzentrieren.“
- Prompt #2: „Erstellen Sie Fragen für ein Skip-Level-Meeting, die die berufliche Entwicklung und die Karriereziel der Mitarbeitenden thematisieren.“
- Prompt #3: „Formulieren Sie aufschlussreiche Skip-Level-Meeting-Fragen zu Wahrnehmung von Führung und Wirksamkeit des Managements.“
Sie kennen das Prinzip! Sie können sich auch diesen Leitfaden zum Einsatz von ChatGPT im HR-Bereich ansehen.
Vorteile von Skip-Level-Meetings
Skip-Level-Meetings sind sowohl für die Führungskraft als auch das Team wertvoll. Zu den Vorteilen zählen:
- Wertvolles Feedback. Führungskräfte erhalten wertvolle Einblicke in die Teammitglieder, was ihnen wichtig ist und wo es Möglichkeiten gibt, das Arbeitsumfeld zu verbessern oder Veränderungen anzustoßen.
- Steigende Mitarbeitermotivation. Die Mitarbeitenden gehen mit dem Gefühl aus dem Gespräch, dass Sie sich für sie interessieren und ihre Karriere sowie ihre tägliche Arbeit unterstützen möchten.
- Eine Feedback-Kultur schaffen. Skip-Level-Meetings zeigen, dass Sie offen für Rückmeldungen sind, was andere dazu ermutigt, diese auch zu geben.
- Talenterkennung und -förderung: Skip-Level-Meetings ermöglichen es Senior Managern, potenzielle Talente zu identifizieren und anzuerkennen. Dies kann entscheidend für Nachfolgeplanung und Talentförderung sein.
Eine Führungskraft, mit der ich zusammengearbeitet habe, erkannte durch Skip-Level-Meetings, dass eine neue Organisationsstruktur nicht funktionierte.
Sie konnte diese Informationen nur durch direktes Feedback vom Team erhalten, weil die Manager aufgrund ihrer Position in der neuen Struktur unsicher waren, wie sie das Feedback weitergeben sollten.
Ein anderer mir bekannter Leader findet Skip-Level-Meetings extrem effektiv, um Marktfeedback von Teammitgliedern zu erhalten, die direkt mit Kunden sprechen.
So können direkte Rückfragen gestellt und die Kundengespräche besser nachvollzogen werden, anstatt das Feedback nur indirekt über die Manager zu erhalten.
Best Practices für Skip-Level-Meetings
Best Practices für Führungskräfte bei Skip-Level-Meetings
Hier eine Zusammenfassung meiner Empfehlungen, um als Führungskraft erfolgreiche Skip-Level-Meetings durchzuführen.
- Vorbereitung: Bereiten Sie sich gründlich auf das Meeting vor, indem Sie die aktuellen Projekte und Herausforderungen des Teams verstehen.
- Aktives Zuhören: Konzentrieren Sie sich auf aktives Zuhören und zeigen echtes Interesse an den Perspektiven der Mitarbeitenden.
- Vertraulichkeit: Sichern Sie Vertraulichkeit zu und sorgen Sie so für eine offene und sichere Gesprächsatmosphäre.
- Nachverfolgung: Verpflichten Sie sich, auf angesprochene Anliegen oder Vorschläge auch konkrete Maßnahmen folgen zu lassen.
- Transparenz: Seien Sie transparent in Bezug auf die Ziele des Gesprächs und darauf, wie das Feedback genutzt wird.
Best Practices für Mitarbeitende bei Skip-Level-Meetings
Einige Tipps, die Sie den Befragten mitgeben können, damit sie sich gut vorbereiten und wertvolles Feedback liefern können.
- Offenheit: Seien Sie ehrlich und konstruktiv, wenn Sie Ihre Meinungen und Erfahrungen teilen.
- Konkretheit: Geben Sie bei Problemen oder Verbesserungen konkrete Beispiele oder Vorschläge an.
- Professionalität: Bewahren Sie Professionalität, insbesondere bei sensiblen Themen.
- Aufgeschlossenheit: Seien Sie offen dafür, Feedback zu geben und zu erhalten.
- Vorbereitung: Notieren Sie sich im Voraus Punkte oder Fragen, um das Gespräch optimal zu nutzen.
Skip-Level-Meetings zeigen starke Führungsqualitäten
Stark, präsent, offen und ansprechbar als Führungskraft zu sein, war nie wichtiger als heute.
Während Mitarbeitende Unternehmen und Vorgesetzte verlassen, die sich nicht für sie interessieren, bleiben sie in Unternehmen, in denen sie gehört, wertgeschätzt und unterstützt werden.
Sie bleiben bei Führungskräften, die sich die Zeit nehmen, auf sie zuzugehen, zuzuhören, auf ihr Feedback zu reagieren und ihnen das Gefühl zu geben, dass ihre Meinung zählt.
Skip-Level-Gespräche sind ein großartiges Mittel, um Vertrauen aufzubauen, Feedback zu sammeln, die Mitarbeitermotivation zu steigern und Top-Talente im Unternehmen zu halten.
Sie sind ein wichtiger Bestandteil Ihrer Employee Listening-Strategie.
Wichtige Erkenntnisse
- Zweck und Nutzen: Skip-Level-Meetings verbinden Führungskräfte mit Mitarbeitenden auf unteren Hierarchieebenen, um Transparenz zu fördern und direktes Feedback zu erhalten. Sie steigern die Motivation und helfen, Talente zu identifizieren.
- Durchführung: Effektive Skip-Level-Meetings erfordern Vorbereitung, aktives Zuhören, Vertraulichkeit und gezielte Nachverfolgung. Eine offene Gesprächsatmosphäre ist entscheidend; gezielte Leitfragen können dabei helfen, das Gespräch zu steuern.
- Auswirkungen auf Führung und Unternehmenskultur: Diese Meetings zeigen starke Führung und fördern eine positive Unternehmenskultur. Sie bauen Vertrauen auf, demonstrieren Engagement für Mitarbeiterfeedback und sind zentral, um Top-Talente zu halten, indem sich Mitarbeitende wertgeschätzt und gehört fühlen.
Treten Sie der People Managing People Community bei
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