Haben Sie auch manchmal das Gefühl, dass Abmelden allein nicht ausreicht, um eine Balance zwischen Arbeit und Privatleben im Homeoffice zu finden? Damit sind Sie nicht allein.
Laut einer aktuellen PMP-Umfrage würden 68 % der Berufstätigen eine extreme Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben in Erwägung ziehen, wie in „Severance“. Burnout und verschwimmende Grenzen bringen Teams an ihre Belastungsgrenzen. Remote-Arbeit hat ihre Vorteile, aber ohne Gleichgewicht kann sie das Wohlbefinden gefährden.
In diesem Artikel untersuchen wir, was das Auseinanderdriften verursacht – und wie Sie Ihre Work-Life-Balance im Homeoffice verbessern können, ohne dabei Ihre Freizeit zu opfern.
Was bedeutet Work-Life-Balance?
Work-Life-Balance bedeutet die Fähigkeit, den Anforderungen des Jobs gerecht zu werden, ohne das eigene Wohlbefinden zu gefährden. Es geht darum, zwischen Arbeit und allem anderen, das zählt – Familie, Erholung, Hobbys und Zeit für sich selbst – klare Grenzen zu ziehen.
Ohne diese Trennung wird Burnout schnell zur realen Gefahr. Je länger man ohne Erholung weitermacht, desto mehr Energie, Konzentration und Zufriedenheit verliert man. Ein ausgewogenes Verhältnis schafft Raum zum Auftanken und schützt davor.
Wie lässt sich die Work-Life-Balance im Homeoffice verbessern?
Das Management von verteilten Teams kann die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen lassen, daher ist eine strukturierte Zeitplanung äußerst wichtig. Hier sind 7 Maßnahmen, die Sie als Mitarbeitende ergreifen können, um eine ausgewogene Work-Life-Balance im Homeoffice zu erreichen.

1. Halten Sie einen regelmäßigen Arbeitszeitplan ein
Flexible Arbeitszeiten gehören zu den wichtigsten Aspekten des Homeoffice. So attraktiv das auch ist, es gibt immer eine feine Linie zwischen Arbeits- und Familienzeit – und letztere wird oft geopfert. Das Erfassen der Arbeitszeiten hilft, den Tagesablauf im Blick zu behalten.
Es gibt zahlreiche Softwarelösungen, mit denen Mitarbeitende sich remote „ein- und ausstempeln“ sowie Arbeitszeiten erfassen können. Das fördert regelmäßige Pausen und ermöglicht die Anpassung der Arbeit an familiäre Prioritäten. Ein klarer Arbeitszeitplan motiviert dazu, im Homeoffice genauso strukturiert zu arbeiten wie im Büro.
2. Reduzieren Sie Ablenkungen während der Arbeitszeit
Im Homeoffice gibt es viele mögliche Ablenkungen. Die Pomodoro-Technik ist eine Methode, die auf kurzen, intensiven Arbeitsphasen basiert und die Konzentration verbessert. Finden Sie heraus, was Sie am meisten ablenkt, und nutzen Sie das als Ansporn, darauf nach getaner Arbeit hinzuarbeiten.
Dazu können folgende Belohnungen zählen:
- Zeit mit der Familie verbringen
- Ein Buch lesen
- Ein Youtube-Video ansehen
- Ein Musikstück erlernen.
Wenn Sie sich solche Aktivitäten als Belohnung nach der Arbeit gönnen, wird die Work-Life-Balance besser.
Soziale Medien können, wenn sie mit Bedacht genutzt werden, dabei helfen, mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben, sollten aber auf die Zeit nach der Arbeit oder auf Pausen beschränkt werden. Kommunikation und der Austausch mit Familie und Angehörigen sind sehr wichtig für die mentale Gesundheit und eine ausgewogene Work-Life-Balance.
3. Gönnen Sie sich zehnminütige Pausen
Im Büroalltag gibt es normalerweise Kaffee- und Wasserpausen oder andere Kurzpausen. Studien zeigen, dass viele im Homeoffice Schuldgefühle beim Pausenmachen haben.
Wie bereits festgestellt, birgt das Homeoffice eigene Stressfaktoren – regelmäßige Pausen helfen, diese zu reduzieren.
So können Sie den Stresspegel einfach senken:
- Stellen Sie sich einen Wecker, um bewusst aufzustehen und einen Spaziergang zu machen
- Nutzen Sie fünf Minuten zwischen Besprechungen, um z. B. den Kaffeebecher abzuspülen
- Bereiten Sie einen schnellen Snack für sich und die Kinder zu oder verbringen Sie etwas Zeit mit Ihrem Hund
- Rufen Sie für 5 Minuten einen Kollegen oder Freund an, um sich auszutauschen.
Solche Pausen helfen Körper und Geist, wieder Energie zu tanken.
Im Homeoffice muss man nicht auf die Pausen verzichten, die im Büro selbstverständlich wären.
4. Reservieren Sie Zeit für „Nicht-Video“-Meetings
Nicht jeder fühlt sich wohl dabei, 9 Stunden am Tag vor der Kamera zu stehen. Während Zoom und Google Meet inzwischen Teil unseres Alltags geworden sind, gibt es persönliche Unterschiede, weshalb nicht jedem Video-Interaktionen angenehm sind.
Vermeiden Sie aufeinanderfolgende Videomeetings. Teilen Sie Ihrem Team mit, wann Sie für Videocalls verfügbar sind, und legen Sie Zeiträume fest, in denen nur Sprachanrufe statt Videocalls möglich sind.
5. Richten Sie sich einen festen Arbeitsbereich ein
Telearbeit ermöglicht es Angestellten, den eigenen Arbeitsort frei zu wählen. Aber auch beim virtuellen Arbeiten sind klare Grenzen nötig, damit das Gefühl von Arbeit entsteht. Ein klar definierter Arbeitsplatz trägt maßgeblich dazu bei, ein „Büro“-Gefühl zu schaffen.
Bequeme Bürotische und -stühle gibt es bei Amazon und anderen Bürobedarfsanbietern. Vergessen Sie nicht, sich für 8-10 Stunden pro Tag eine gute Lenden- und Handgelenkstütze einzurichten. Das reduziert körperlichen Stress und trägt zur allgemeinen Stressminderung bei.
6. Finden Sie Ihre „Ich-Zeit“ während oder nach der Arbeitszeit
Lesen, Musik hören oder die Nachrichten verfolgen – all das machen wir oft auf dem Weg zur Arbeit. Mit der Arbeit im Homeoffice fällt diese „Ich-Zeit“ weg, was trotz produktiver Arbeitstage zu Stress führen kann.
Doch wie gelingt diese „Ich-Zeit“ im Homeoffice? Hier einige Beispiele:
- 30 Minuten Sport
- 15 Minuten in ein Buch vertiefen bei einer Tasse Tee oder Kaffee
- Einem neuen Hobby nachgehen und 15–20 Minuten etwas darüber lernen
- 20 Minuten meditieren.
Alles, was Sie mit sich selbst in Verbindung hält, ist eine gute Methode, virtuelle Arbeitstage zu meistern. Scheuen Sie sich nicht, Urlaub zu nehmen. Auch wenn das Pendeln während der Arbeit im Homeoffice meist entfällt, brauchen Sie dennoch persönliche Zeit für Aktivitäten, die nichts mit der Arbeit zu tun haben.
7. Wissen, wann man um Hilfe bitten sollte
Manchmal werden die Arbeitszeiten lang oder die Aufgaben häufen sich, was das Stressniveau steigen lässt. Sie müssen kein Held sein. Bitten Sie einfach um Hilfe. Zeigen Sie sich selbst genug Respekt zu erkennen, wann Sie Hilfe brauchen, um das Risiko eines Burnouts zu verringern.
Privatleben und Berufsleben müssen im Gleichgewicht stehen. Selbst wenn Sie Unterstützung bei der Kinderbetreuung benötigen oder sich von familiären Anforderungen überwältigt fühlen – Hilfe ist nur eine Frage entfernt.
Wie können Führungskräfte die Work-Life-Balance verbessern?
Auch das Unternehmen ist in der Pflicht, das mobile Arbeiten zu unterstützen. In einem freundlichen Arbeitsumfeld und mit unterstützenden Führungskräften nimmt der Stress ab. Hier sind einige Dinge, die Führungskräfte für remote arbeitende Teams berücksichtigen können.
1. Das Team auf der Makro-Ebene führen
Vertrauen Sie darauf, dass Mitarbeiter arbeiten – Homeoffice bedeutet nicht, dass man mit den Kindern stundenlang Disney Channel schaut. Die Mitarbeitenden sind ernsthaft und verantwortungsbewusst genug, um zu wissen, welche Aufgaben am Tag erledigt werden müssen, auch beim Arbeiten von zuhause aus. Mikromanagement führt zu ineffektivem, übervorsichtigem und manchmal sogar rebellischem Verhalten.
Davon auszugehen, dass Angestellte pausenlos im Internet surfen, Youtube-Videos schauen und auf LinkedIn nach Jobs suchen, wird Ihnen nicht dabei helfen, die Unternehmenskultur zu verbessern. Den Mitarbeitenden zu vertrauen, dass sie eine gute Work-Life-Balance einhalten, und die nötige Unterstützung bereitzustellen, senkt das Stressniveau im Team.
Am Ende des Tages zählt es mehr, sich auf die Arbeit zu konzentrieren und Ergebnisse zu erzielen, anstatt Aufgaben abzuzählen. Nicht wie lange oder wann etwas erledigt wird ist entscheidend, sondern dass die übergeordneten Ziele erreicht werden. Makro-Management ist der Schlüssel, um Vertrauen zu schaffen. Mikromanagement riskiert hingegen, es zu zerstören.
2. Fördern Sie mehr asynchrone Arbeitszeiten
Von Mitarbeitenden zu erwarten, dass sie bei jeder kleinen Nachricht online und verfügbar sind, ist wie zu erwarten, dass sie Ihnen im Büro jede Stunde einen Kaffee bringen. Arbeitgeber greifen auf Programme wie Hubstaff zurück, um die Bildschirmzeit und Arbeitsstunden ihrer Angestellten zu überwachen. Zwar mag das Managern helfen, Aufgaben nachzuvollziehen wie vor COVID-19, aber Angestellte fühlen sich dadurch weniger vertrauenswürdig behandelt.
Eine Möglichkeit, Unannehmlichkeiten und Unterbrechungen im Homeoffice auszugleichen, ist asynchrone Zeiten in den Kalender einzuplanen. Führungskräfte können ihre Aufgaben erledigen, bevor sie ins Meeting gehen. Die Mitarbeiter erhalten die Freiheit, zu arbeiten, ohne ständig unter Beobachtung zu stehen.
3. Unterstützen Sie flexible Arbeitszeiten
Die American Psychological Association befürwortet Arbeitsflexibilität und hebt deren positiven Einfluss auf Arbeitsleistung, Stresslevel und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben hervor. Wirtschaftspsychologen glauben an die Optimierung von Talenten bei gleichzeitigem Erhalt der Unternehmenskultur.
Gerade in Zeiten von COVID-19 ist es für Unternehmen eine enorme Herausforderung, die richtigen Talente zu gewinnen, ihren Erfolg zu fördern und bestehende Fachkräfte zu halten.
Flexible Arbeitszeiten sind eine der „attraktiven“ Möglichkeiten, bestehende Mitarbeiter zu binden. Während Chung (2015) darüber spricht, wie Telearbeit und flexible Arbeitszeiten besonders für Familien mit Kindern geeignet sind, erwähnt sie auch, dass flexible Arbeitszeiten es Mitarbeitenden ermöglichen, Hobbys und andere Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
Wenn beispielsweise beide Elternteile arbeiten, kann mit Gleitzeit einer morgens und der andere ab nachmittags arbeiten. Die Aufteilung von Haus- und Familienaufgaben wird mit unterschiedlichen Arbeitszeiten erleichtert.
Offene Kalender zur gemeinsamen Nutzung verfügbarer Zeiten und ein offener, ehrlicher Austausch mit den Beschäftigten über ihre zeitlichen Einschränkungen schaffen ein produktives Arbeitsumfeld und verbesserte Arbeitszeiten für Mitarbeitende. Zusätzlich kann die Einführung eines 9/80-Arbeitszeitmodells die Flexibilität und Produktivität fördern, indem jedem Arbeitnehmer jeden zweiten Freitag freigegeben wird.
4. Mitfühlen und Abwesenheit tolerieren
Auch ein Mitarbeiter im Homeoffice braucht eine Auszeit. Wie sehr das Unternehmen auf das mentale Wohlbefinden und die physische Gesundheit von Angestellten achtet, spiegelt sich in der Unternehmenskultur wider. Keine Auszeiten für gesundheitliche oder familiäre Angelegenheiten oder Urlaub zu gestatten, längere Arbeitszeiten zu fördern oder Pausen zu streichen, sind keine positiven Maßnahmen.
Führungskräfte sollten den Wert von Auszeiten für Angestellte, die im Homeoffice arbeiten, anerkennen. Die Möglichkeit, sich zu erholen und neue Energie zu tanken, senkt das Risiko von Burnout und motiviert Mitarbeitende, dem Unternehmen treu zu bleiben.
5. Arbeitsleistungskennzahlen für Telearbeitende anpassen
Während es etwa in der Fertigung oder im Einzelhandel einfach ist, KPIs zu messen und Ziele zu definieren, ist das Festlegen von Zielvorgaben für intellektuelle oder informationsbasierte Tätigkeiten oftmals schwieriger. Veraltete Leistungsbewertungen wie pünktliches Erscheinen und das Einhalten von starren 8-Stunden-Tagen erhöhen unnötig den Stresspegel der Mitarbeitenden.
Während COVID-19 zeigten einige Führungskräfte Zurückhaltung, wenn es darum ging, weniger Mikromanagement bei ihren Mitarbeitenden zuzulassen. Da Homeoffice zunehmend Teil der Arbeitskultur wird, müssen Führungskräfte neue Wege finden, ihre Mitarbeitenden zu motivieren.
Unabhängig vereinbarte Ziele, selbstverantwortliche Zeiterfassung, Planung und Organisation sowie wöchentliche Einzelgespräche (1:1s) sind wirkungsvollere Wege, um Mitarbeitende zu motivieren und die Leistung im Homeoffice zu steigern.
Zu vermuten, dass jemand außerhalb des Büros weniger produktiv ist, ist falsch. Mitarbeitende, die von zu Hause aus arbeiten, zeigen bessere Leistungsindikatoren sowie mehr Engagement und Innovationsfreude.
Bringen Sie Abwechslung in den Arbeitsalltag und stellen Sie Ihrem Team diese 5 kraftvollen Fragen für Leistungsbeurteilungen.
Abschließende Gedanken
Laufende Forschungsarbeiten von Microsoft zeigen, dass die Zusammenarbeit im Homeoffice verbessert wurde, und einer aktuellen Gartner CFO Umfrage zufolge planen fast 74% der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, dauerhaft auf Telearbeit umzusteigen.
Die Vereinbarkeit von beruflichem und privatem Leben im Homeoffice ist Verantwortung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermaßen. Es gibt keine einzelne Lösung für die Herausforderungen der Arbeit im Homeoffice.
Wenn Sie sich Zeit nehmen, um eine Routine für Check-ins, Kommunikation, Empathie zu entwickeln, das Team zu stärken und die Wohlfühlfaktoren der Mitarbeitenden zu beachten, kann Homeoffice in den kommenden Jahren zur erfolgreichen Norm werden.
Sowohl Einzelpersonen als auch Führungskräfte können davon profitieren, einen Kurs zum Thema Remote-Arbeiten zu belegen.
Weiterführende Literatur für Ihr eigenes Wohlbefinden und das Ihrer Teammitglieder:
- Die 7 besten Aktivitäten zur Teambildung für Remote-Teams
- 10 beste Mitarbeiter-Wellness-Plattformen für Gesundheit & Wohlbefinden
- 27 bewährte Methoden für das Management von Remote-Teams
- 10 beste Softwarelösungen für die Mitarbeiterschichtplanung
- Wie Sie Ihr Team von Burnout zu Engagement transformieren
- Die 4-Tage-Arbeitswoche: Die Erfolgsgeschichte von Homerun
- 11 Podcasts zur Teambildung
