Der Aufbau einer Personalabteilung ist eine spannende und herausfordernde Aufgabe, die Ihr Unternehmen wachsen lässt und die Leistung verbessert. Das Verständnis der Rolle von Human Resources in KMU und in größeren Unternehmen ist entscheidend, wenn Sie eine effektive Personalabteilung von Grund auf strukturieren möchten.
Hier zeige ich Ihnen, warum eine Personalabteilung wichtig ist und wie Sie eine aufbauen oder Ihre bestehende erweitern können.
Warum ist eine Personalabteilung wichtig?
Personalabteilungen sind für vieles verantwortlich, darunter:
- Personalgewinnung
- Onboarding neuer Mitarbeitender
- Weiterbildung und Entwicklung
- Erstellung und Aktualisierung von Unternehmensrichtlinien
- Lohn- und Gehaltsabrechnung (manchmal)
- Führung von Mitarbeitendenakten
- Vergütung und Sozialleistungen
- Leistungsmanagement
- Mitarbeiter- und Arbeitsbeziehungen
- Ethik und rechtliche Einhaltung
- Beratung zur Mitarbeiterbindung
- Offboarding.
Letztendlich macht Sie eine strategisch ausgerichtete Personalabteilung effizienter und stellt sicher, dass die richtigen Talente vorhanden sind, um die Unternehmensziele zu erreichen (und dass diese alles haben, was sie für den Erfolg benötigen).
Wenn Ihre Talente das Lebenselixier Ihres Unternehmens sind, dann ist das Personalwesen quasi Ihre Hämatolog*innen!
Wenn Sie also gerade erst anfangen oder Ihre bestehende Personalabteilung verbessern möchten, erfahren Sie hier, wie Sie dabei vorgehen können.
Ihre Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Aufbau einer Personalabteilung
- Klären Sie Ihren Bedarf
- Analysieren Sie den aktuellen Stand der Personalabteilung in Ihrem Unternehmen
- Einstellungen für wichtige Positionen vornehmen
- Mitarbeiterakten systematisieren
- Grundlegende HR-Richtlinien formalisieren
- Grundlegende Recruiting- und Onboarding-Prozesse entwickeln
- Vergütung der Mitarbeitenden festlegen und dokumentieren
- Technische Infrastruktur beurteilen
- Compliance-Protokolle bewerten
- Mitarbeiterhandbuch entwickeln
- Lern- und Entwicklungsplan festlegen
1. Klären Sie Ihren Bedarf
Egal in welcher Phase Sie sich befinden, es ist eine gute Praxis, zunächst genau zu verstehen, wo Ihre unmittelbaren Bedürfnisse liegen und wie die Personalabteilung Sie bei der Erreichung Ihrer zukünftigen Ziele unterstützen kann.
Allgemein gilt, dass Sie mindestens 1 HR-Mitarbeitenden pro 100 Beschäftigte benötigen, das hängt letztlich aber von den Anforderungen Ihres Unternehmens ab.
Falls Sie gerade erst starten, empfehle ich mindestens eine erfahrene HR-Allroundkraft, die Prozesse aufbauen, Richtlinien schreiben, die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sicherstellen und Sie dabei unterstützen kann, die Lohnabrechnung selbst durchzuführen.
Als Nächstes empfiehlt sich wahrscheinlich eine spezialisierte Recruiterin oder ein spezialisierter Recruiter mit Branchenerfahrung.
2. Analysieren Sie den aktuellen Stand der Personalabteilung in Ihrem Unternehmen
Falls Ihr Unternehmen bereits über eine Personalabteilung verfügt und Sie diese erweitern möchten, sollten Sie zunächst die aktuellen Richtlinien, Initiativen, Verfahren und Strategien bewerten, die bereits vorhanden sind.
Bewerten Sie die folgenden Aufgabenbereiche der Personalarbeit und ihre Performance auf einer Skala von 1 bis 10.
- Implementierung von Richtlinien
- Personalbedarfsplanung
- Rekrutierung
- Verwaltungsaufgaben, z. B. Lohn- und Gehaltsabrechnung
- Leistungsmanagement
- Verwaltung von Vergütungsprogrammen
- Mitarbeiterschulung und -entwicklung
- Karriereplanung
- Bewertung von Mitarbeiterfunktionen
- Beziehungsmanagement mit Stakeholdern und Arbeitnehmervertretungen
- HR-Compliance
- Mitarbeiterbindung und Kommunikation
- Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter
- Mitarbeiterwohlbefinden und -gesundheit.
Als Nächstes führen Sie eine Qualifikationslücken-Analyse durch, um ein klares Verständnis für Rollen, Positionen und Kompetenzlücken zu erhalten.
Die Erkenntnisse, die Sie aus diesem Prozess gewinnen, helfen Ihnen dabei zu bestimmen, wie viele Mitarbeitende Ihr neues HR-Team einstellen sollte und welche Anforderungen sie erfüllen müssen.
3. Priorisierte Rollen einstellen
Nun haben Sie einen Überblick über die geschäftlichen Prioritäten und bereits vorhandene Fähigkeiten – jetzt gilt es, eventuelle Kompetenzlücken zu schließen.
Wenn Sie beispielsweise überwiegend Ingenieur-Talente rekrutieren, wird ein technischer Recruiter für diese Einstellung wahrscheinlich den größten Mehrwert bringen.
Neben den üblichen Punkten (Compliance, Rekrutierung usw.) sollten Sie auf folgende wichtige Kompetenzen im Personalwesen während des Einstellungsprozesses achten, die Ihnen vielleicht nicht sofort einfallen:
- Geschäftssinn
- Datenanalyse und Reporting
- Vernetzung
- Coaching.
4. Mitarbeiterakten systematisieren und einen Dokumentationsprozess entwickeln
Nachdem die passenden Kompetenzen vorhanden sind, ist es an der Zeit, Prozesse aufzubauen und – sozusagen – Ordnung zu schaffen.
Jede Arbeitskraft benötigt eine Personalakte. Früher lag sie in Papierform vor, heutzutage speichern die meisten Unternehmen Aufzeichnungen digital in einem HRIS / HRMS oder einem ähnlichen System.
Die folgenden Beispiele sind einige der HR-Dokumente, die Sie vorhalten sollten und die es Ihrem HR-Team erleichtern, Aufgaben zu erfüllen:
- Einstellungsunterlagen
- Formular zur Beschäftigungsberechtigung
- Gehaltsunterlagen
- Leistungsnachweise der Mitarbeiter
- Mitarbeiterkündigungsunterlagen
- Nachweise zu Mitarbeiterschulung und Entwicklungsabschlüssen
- Dokumente zu disziplinarischen Maßnahmen.
Jede HR-Abteilung sollte diese Unterlagen führen und einen einfachen Zugang dazu gewährleisten. Sprechen Sie mit Teamleitern und Vorgesetzten, um ausreichend Daten zusammenzutragen und die grundlegende Dokumentenbasis aufzubauen.
Die Zusammenarbeit mit Ihrer IT-Abteilung zum Aufbau einer digitalen Speicherung für Mitarbeiterakten ist ebenfalls erforderlich. Das stellt die Zugänglichkeit und den Datenschutz sicher.
5. Legen Sie die grundlegenden HR-Richtlinien fest
Vielleicht beginnen Sie bei null oder verfügen nur über wenige Informationen zu den Richtlinien, denen Ihre HR-Abteilung folgen sollte.
Das Folgende sollte Ihre Ausgangsbasis sein, Sie können die Liste aber nach Bedarf erweitern, wenn Ihr Unternehmen wächst und der Personalbedarf steigt.
- Mitarbeiteranwesenheit
- Arbeitszeiten
- Rekrutierung
- Management der Mitarbeiterleistung
- Überstundenregelung
- Mitarbeiterkündigung
- Urlaubsprotokolle
- Mitarbeiter-Nachfolgeplanung
- Antidiskriminierungsrichtlinie
- Verhaltensregeln für Mitarbeitende
- Datenschutz und Vertraulichkeit
- Probezeit
- Gesundheits- und Sicherheitsrichtlinie am Arbeitsplatz
- Richtlinie zu unerlaubten Substanzen
Mit der Zeit werden Sie vielleicht feststellen, dass Sie zwei oder mehr Richtlinien miteinander verknüpfen können. Grundsätzlich sollten sie immer prägnant, leicht verständlich und allen Mitarbeitenden zugänglich sein.
Nutzen Sie unsere Liste mit Beispielen für HR-Richtlinien, um Ihre eigenen Richtlinien zu entwickeln und zu aktualisieren.
6. Entwickeln Sie grundlegende Rekrutierungs- und Onboarding-Prozesse
Sie sollten einen formellen Rekrutierungsprozess einführen. Die meisten Auswahlverfahren umfassen dieselben grundlegenden sieben Schritte:
- Bewerbungen erhalten/Kandidaten finden
- Kandidaten sichten und vorab auswählen
- Durchführen von Vorstellungsgesprächen
- Top-Kandidaten auswählen
- Hintergrund- und Referenzprüfungen durchführen
- Den am besten geeigneten Bewerber auswählen
- Jobangebot unterbreiten.
Sie sollten außerdem festlegen, wer an welchem Schritt beteiligt ist und welche Dokumente und Recruiting-Tools dabei verwendet werden.
Überlegen Sie sich, welche Fragen gestellt und welche Unterlagen in den einzelnen Phasen gesammelt werden sollten.
Der nächste Schritt ist die Ausarbeitung des Onboarding-Prozesses und der einzelnen Phasen, die Ihre HR-Abteilung abdecken sollte.
Beispielsweise sollten Sie wissen, wie Preboarding in Ihrem Unternehmen aussieht, was am ersten Tag während der Orientierung geschieht, welchen Umfang die erforderliche Papierarbeit für neue Mitarbeitende hat und was für alle in der ersten Woche verpflichtend ist.
Darüber hinaus empfehle ich, dass jede neue Kraft einen 30-60-90-Tage-Plan erhält, um die Einarbeitung zu erleichtern.
7. Legen Sie Mitarbeitenden-Vergütung und Benefits fest und dokumentieren Sie diese
Überprüfen Sie Ihre Gehalts- und Benefit-Struktur für Mitarbeitende und gehen Sie die letzten Schritte zur Formalisierung. Beachten Sie dabei folgende Punkte:
- Stundenlohn oder Gehalt der Mitarbeitenden
- Betriebliche Altersvorsorge
- Krankenversicherung
- Fonds für das Wohlbefinden der Mitarbeitenden
- Bezahlter Urlaub
- Gehaltserhöhungen und Boni für Mitarbeitende.
Sie können auch verschiedene finanzielle Anreize in Erwägung ziehen, beispielsweise Aktienoptionen, Reisekostenerstattung, Gewinnbeteiligung, Dienstkleidung und Umzugspakete.
Mitarbeitendenprämien müssen nicht zwingend monetär sein. Sie können auch ausgewogenere Angebote gestalten, die berufliche Weiterbildung, Unternehmensrabatte, flexible Arbeitszeiten, Mitarbeitendenanerkennung und Anerkennungsprogramme umfassen.
Mit der Zeit können Sie Daten auswerten und Feedback von Mitarbeitenden sammeln, um Ihr Gesamtvergütungspaket zu optimieren. Zu Beginn ist es jedoch am wichtigsten, das Grundangebot zu haben.
8. Überprüfen Sie Ihre technische Infrastruktur
Ihre HR-Abteilung profitiert von spezialisierter HR-Software für kleine Unternehmen, um den Verwaltungsaufwand zu reduzieren und Abläufe zu automatisieren.
Dies kann ein Bewerbermanagementsystem zur Optimierung des Rekrutierungsprozesses sein oder ein Lernmanagementsystem zur Unterstützung von Schulung und Weiterbildung.
Vorteile der richtigen HR-Software sind unter anderem eine einfachere Lohn- und Gehaltsabrechnung, Personalmanagement, Datenverwaltung, Leistungsmanagement, Kandidatenscreening/-verfolgung, Teamkommunikation und Lern- und Entwicklungsprozesse.
Beachten Sie, dass diese Technologien rechtlichen Vorgaben entsprechen und zu den Bedürfnissen und Herausforderungen Ihres Unternehmens und Ihrer HR-Abteilung passen müssen.
Weitere hilfreiche Tools:
- Personalbeschaffungssoftware
- Onboarding-Software
- Lohnabrechnungssoftware für kleine Unternehmen
- Referenzprüfungssoftware
9. Überprüfen Sie die Compliance-Protokolle
Personalabteilungen gehören zu den wichtigsten Akteuren, wenn es darum geht, die Unternehmensprozesse mit Arbeitsgesetzen und gesetzlichen Anforderungen in Einklang zu bringen.
Erleichtern Sie ihnen die Arbeit, indem Sie bestehende Compliance-Richtlinien und Ihre aktuellen Praktiken überprüfen.
Vergleichen Sie Ihre bestehenden Richtlinien mit den neuesten gesetzlichen Vorschriften und passen Sie diese entsprechend an oder implementieren Sie Verfahren, die sicherstellen, dass Sie Mitarbeiter gesetzeskonform rekrutieren und verwalten.
10. Erstellen Sie ein Mitarbeiterhandbuch
Erstellen Sie ein Mitarbeiterhandbuch, fügen Sie die grundlegenden Personalrichtlinien hinzu und teilen Sie es Ihrer neuen Personalabteilung und Ihren Mitarbeitern mit.
Dieses Dokument sollte außerdem Informationen wie die Unternehmenskultur, Vision, Missionen, den Hintergrund, Mitarbeiterrechte und Verantwortlichkeiten enthalten.
Sie können Mitarbeiterhandbuch-Software verwenden, um bei der Erstellung und Aktualisierung Ihres Handbuchs zu helfen.
Um neue Mitarbeitende nicht mit zu vielen Informationen am ersten Tag zu überfordern, erstellen viele Personalabteilungen kürzere Mitarbeiterhandbücher für Neueinsteiger, die nur die wichtigsten Richtlinien beinhalten.
11. Etablieren Sie Ihr L&D-Programm
Personalteams unterstützen Mitarbeitende dabei, neue Fähigkeiten und Wissen zu erlangen und in ihrer Karriere voranzukommen.
Daher sollten Sie schon beim Aufbau Ihrer Personalabteilung mit der Entwicklung eines Programms für Lernen und Entwicklung (L&D) beginnen.
Berücksichtigen Sie Ihre L&D-Ziele, die Qualifikationslücken im Unternehmen und welche Kompetenzen notwendig sind, um Ihre strategischen Geschäftsziele zu erreichen.
Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitenden über deren Ziele und Interessen – das hilft Ihnen, deren Karrierewege abzustecken.
Entwickeln Sie ein umfassendes Trainingskonzept, einschließlich der L&D-Inhalte und Materialien.
Hier finden Sie eine hilfreiche Lektüre, die Sie bei der Entwicklung Ihrer Lern- und Entwicklungsstrategie unterstützt.
Outsourcing – ja oder nein?
Manche Organisationen entscheiden sich dafür, sämtliche oder auch nur Teilfunktionen des Personalwesens auszulagern.
Outsourcing von HR-Aufgaben wird häufig bereits in den Anfangsphasen des Aufbaus eines HR-Teams in Erwägung gezogen. Sollten wir eine externe Personalserviceorganisation (PEO) oder ein Lohnabrechnungsunternehmen für bestimmte Aufgaben engagieren?
Die Antwort hängt von den Erfahrungen und Aufgabenbereichen Ihres internen HR-Teams sowie von der Strategie, den Zielen und dem Zeitrahmen Ihres Unternehmens ab.
Wenn Sie beispielsweise eine internationale Einstellung planen, ist es sinnvoll, sich damit zu befassen, wie ein Employer of Record (EOR) helfen kann.
Mitunter treten Budgetbeschränkungen auf. In diesem Fall können Sie einen HR-Outsourcing-Partner beauftragen, der Sie bei verschiedenen Aufgaben als Teil einer Dienstleistung oder eines Produkts unterstützt.
Ein gutes Beispiel hierfür wäre die Zusammenarbeit mit einem Benefits-Broker, der als Erweiterung Ihrer eigenen Benefits-Abteilung fungiert.
Der Aufbau einer Personalabteilung zahlt sich aus
Der Aufbau eines HR-Teams ist ein spannendes und herausforderndes Vorhaben, das Ihrem Unternehmen beim Wachstum und der Leistungssteigerung hilft.
Auch wenn Sie ein kleines Unternehmen oder ein junges Start-up sind – eine Personalabteilung zahlt sich aus, da Sie damit die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben sicherstellen, Ihren Bedarf an Talenten decken und eine begehrenswerte Arbeitgebermarke entwickeln können.
Wenn Sie darüber nachdenken, Aufgaben auszulagern, sehen Sie sich unsere Empfehlungen für die besten PEOs und besten EORs an, um Ihnen den Einstieg zu erleichtern.
Ein paar hilfreiche Artikel für Ihren weiteren Weg:
